D.Rappard
Sprich Du zu mir

 

Lupus

Wir haben erkannt und geglaubt die Liebe, die Gott zu uns hat. Gott ist die Liebe. 1. Joh. 4,16.

Jetzt singen's die Kinder mit froher Lust: Gott ist die Liebe; er liebt auch mich. Aber welch eine Offenbarung war es vor Alters für die in Finsternis liegende Heidenwelt und das unter dem Gesetz seufzende Judentum! Ja, welch eine Offenbarung ist es auch heute für ein Herz, das in seiner Sündennot, durch des Heiligen Geistes Licht, erkennen und glauben lernt, daß Gott es liebt.

In einem Kinderspital lag ein kleiner Junge, dessen Gesicht von der furchtbaren Krankheit des Lupus halb zerfressen war. Neben dem Bettlein saß der Vater, ab und zu ein Wort mit dem Kinde wechselnd. Dann stand er auf um zu gehen. Als der Knabe das merkte, fing er an, überaus kläglich zu weinen. Das rührte des Vaters Herz so sehr, dass er das Kind in seine Arme nahm und das so schrecklich entstellte Gesichtchen mit heißen Küssen bedeckte. ,,Vater hab dich so lieb, so lieb!" hörte man ihn schluchzen. Es war ein ergreifender Anblick.

Einer Seele aber war es noch mehr. Ihr verklärte der Heilige Geist in jener Stunde die Liebe des himmlischen Vaters so sehr, dass sie innerlich jubelte: So l i e b t G o t t a u c h m i c h!

Herr, lehre mich Deine Liebe so erkennen und glauben, dass sie in mir eine Liebesmacht werde!


 

Der Gott, vor dem ich stehe. 1. Kön. 17,1.

Mit diesem kräftigen Wort trat Elias vor den gottlosen König Ahab, um ihm das göttliche Strafgericht anzukündigen. Dieses Zeugnis stimmt zu seinem Namen. Elias heißt: G o t t, m e i n e S t ä r k e. Das ist mehr als wenn es hieße: Gott macht mich stark. Nein; ich selbst bin schwach. Gott ist meine Stärke.

In einer Zeit des Abfalls, wie es auch die unsrige ist, rüstet sich der Herr solche zu Werkzeugen aus, die es gelernt haben, vor ihm zu stehen. Wie wenige tun das! Man steht vor M e n s c h e n, fürchtet sich vor ihnen oder will ihnen gefallen. Man steht vor s i c h s e l b s t, vor Bergen der S c h w i e r i g k e i t e n, vor H o f f n u n g e n und P l ä n e n. Elias stand vor Gott.

Nur solches Stehen vor Gott wird auch dir, wer du auch sein magst, Macht geben, einzugreifen in das Leben eines Einzelnen, oder deiner Familie, oder deines Arbeitskreises mit göttlicher Kraft. - Eine Kleinkinderlehrerin, die in einer Zeit großer Entmutigung auf dies Wort aufmerksam gemacht wurde, erhielt dadurch eine solch w e s e n t l i c h e Stärkung, dass sie es nach mehreren Jahren bezeugte, ihre Wirksamkeit sei eine ganz andere, freudigere, fruchtbarere geworden. O, lernen wir verstehen und üben, was es heißt, z u s t e h e n v o r G o t t.

Herr, lehre Du mich selbst diese selige, gesegnete Kunst, allezeit vor Dir zu stehen und meine Schwachheit einzuhüllen in Deine Kraft.


 

Tut alles ohne Murren. Phil. 2,14.

In einer alten, zerlesenen, an vielen Stellen mit Anmerkungen versehenen Bibel fand ich einst obige rot unterstrichene Stelle und daneben die Worte: ,,Gottes Botschaft an mich am - ten -, 18 - - ." Das entschleierte mir ein ganzes inneres Erlebnis.

Zuvorderst musste ich mir sagen, wie segenbringend es doch sei, die Heilige Schrift unter diesem Gesichtspunkt zu lesen: Was sagt sie mir? W a s b r i n g t s i e m i r f ü r e i n e B o t s c h a f t v o n m e i n e m G o t t? Es ist die gleiche Gesinnung, wie sie auch in unserer täglichen Bitte ausgesprochen ist: ,,Herr, sprich Du zu mir!"

Als zweites fiel es mir auf, wie doch die Bibel so treffende Winke gibt für jede Lebensfrage. Offenbar hatte jene Bibelleserin Pflichten, die ihr sauer werden wollten. Sie hat sie zu erfüllen getrachtet, aber wohl mit einem gewissen Widerstreben. Nun sagte ihr Gottes Botschaft, dass das nicht richtig sei, nicht nach dem Sinne Jesu Christi (V. 5). Der Herr will nicht Sklavenarbeit haben, sondern frohen Kindesdienst. Die Aufgaben, die er den Seinen gibt, - und auch die einfachsten irdischen Pflichten gehören dazu, - sollen sie gern und selbstverständlich tun, ihm und den Mitmenschen zur Freude. Diese ,,Botschaft Gottes" gelte heute auch dir und mir.

Hilf mir, Herr, auch das, was mir etwa schwer fallen will, um Deines Wortes willen ohne Murren und Bedenklichkeiten tun. Denn was Du f o r d e r s t, s c h e n k s t Du ja.


 

Die Ernte ist vergangen, der Sommer ist dahin, und uns ist keine Hilfe gekommen. Jer. 8,20.

Eine wehmütige Klage liegt in diesen Worten. Israel reift dem Gericht entgegen. Der Prophet hofft, dass bußfertige Rückkehr zum Herrn das Unheil abwenden könnte. Er ermahnt und bittet seine Landsleute, von ihren bösen Wegen zu lassen. Umsonst. Monat um Monat, Jahr um Jahr vergeht. Es ist keine Hilfe gekommen.

Ein Christ, der sein Volk liebt, fühlt den Schmerz des Propheten mit. In den bangen Kriegsjahren hörte man es immer wieder: Ach, dass unser Volk sich zu Gott wenden wollte! Er würde helfen.

Aber es gibt etwas Ärgeres als Verbannung und Krieg. Und es geht nicht nur Völker an, sondern jede einzelne Seele. Ewiges Verderben, trostlose Gottferne erwartet alle, die l o s v o n G o t t bleiben.

Wie steht's um dich, du zur Seligkeit Berufener? Ist dir wahre göttliche Hilfe geworden? Bist du geheilt? Oder fühlst du vielleicht schon lange, dass etwas nicht in Ordnung ist in deinem Leben? O, lass die Zeit nicht zerrinnen! Das Jahr geht schnell dem Ende entgegen. Schon weht der Wind über die Stoppelfelder. Bald möchte es zu spät sein. - Der Arzt ist da. Die Salbe Gileads ist vorhanden (V. 22). Du, mein Volk; du, einsame Seele, eile zu I h m!

Großer Arzt, beweise Deine Hilfskraft auch an mir! Dein Balsam tue auch an mir sein Wunderwerk! Ich will nicht warten, bis mein Lebenssommer dahin ist. Ich komme jetzt zu Dir.


 

Der Herr, dein Gott, ist bei dir, ein starker Heiland. Er wird sich über dich freuen und dir freundlich sein und vergeben. Zeph. 3,17.

Schwer verwundet hatte ein tapferer Krieger auf dem Schlachtfeld gelegen. Er war im Zivilleben ein freundlicher Gutsbesitzer gewesen, ein gelegentlicher Kirchgänger, aber kein lebendiger Christ. Als er nach längerer Lazarettpflege endlich nach Hause kam, merkte seine Umgebung bald, dass er ,,g a n z a n d e r s" geworden sei. Er selbst gab die Erklärung. ,,In jenen langen Stunden, da ich, von drei Kugeln getroffen, zwischen Toten und Verwundeten lag, da habe ich erlebt, was Zephanja 3, 17 steht. Der Herr, mein Gott, war bei mir, e i n s t a r k e r H e i l a n d, ein Heiland, der vergibt und sich über den heimkehrenden Sünder freut."

Ja, es ist in der Tat etwas g a n z a n d e r e s, ob man solch ein Wort bloß als einen ,,schönen Spruch" kennt, oder ob man ihn am eigenen Herzen erlebt. Und es m a c h t auch einen Menschen ganz anders, wenn er, der früher Gleichgültige, Irdischgesinnte, das Nahen des lebendigen Gottes erfährt in Gericht und großer Gnade.

Was kann ich tun, um auch solche Gnade zu erleben? Antwort: Gnade lässt sich nicht erkaufen und nicht verdienen, aber sie lässt sich suchen und erflehen. So ihr Mich suchen werdet von ganzem Herzen, spricht der Herr, will ich mich finden lassen.

Starker Heiland, beweise Deine Macht auch an mir! Möchtest Du Dich auch an mir freuen und mich umgestalten in Dein Bild!



Ich will euch einen köstlicheren Weg zeigen . . .
Strebet nach der Liebe.
1.Kor 12,31; 14,1.

Paulus hatte an die Gemeinde von Korinth von hohen Geistesgaben geschrieben, und sie ermuntert, danach zu streben. Da unterbricht er sich gleichsam mit der Bemerkung: ,,Ich will euch etwas noch Köstlicheres zeigen". Und nun bricht er aus in das herrliche Lied von der Liebe (1. Kor. 13).
Der Heilige Geist hat der Gemeinde köstliche Gaben verliehen: Flammende Worte beredter Zeugen, große Erkenntnis, wunderwirkenden Glauben, große Taten hingebender Aufopferung (V. 1 - 3).

Aber ohne Liebe haben sie keinen Wert. Es gibt viel sogenannte Arbeit im Reiche Gottes, die unter das zerschmetternde Urteil fallen muss: Sie ist nichts nütze.

Es ist recht, sich auszustrecken nach mehr Geistesgaben, aber es ist vor allem nötig, zu lieben. Die Liebe quillt nicht aus dem eigenen dürren Herzensboden hervor; sie muss ausgegossen werden in unsere Herzen durch den Heiligen Geist. Jesu Liebe zu uns weckt unsere Liebe zu ihm.

Es braucht nicht viele Gaben, um zu lieben. Ein kleines Kind, ein schwacher Mensch kann lieben. Darum soll uns das heutige Wort sagen: Öffne dein Herz der Liebe, dass sie durch dich fließe auf die liebeleere Welt!


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