Wilhelm Busch, der bekannte Pastor aus Essen, schrieb in der Monatsschrift ,,Licht und Leben" über die Bücher von C.O.Rosenius: ,,Zu den wertvollsten Stücken meiner Bücherei rechne ich die Bücher des schwedischen Erweckungspredigers Rosenius. Ich muß dankbar bezeugen, daß sie mir für mein persönliches Glaubensleben über alles wichtig geworden sind. Und ich freue mich, daß in der modernen Industriestadt Essen eine Reihe von Leuten diese Schriften mit Gewinn lesen. Sie laufen alle in einem Brennpunkt zusammen: Der Ruhm der Gnade. Hier ist geistliche Kost für hungrige Seelen, die nicht nach Sensation, sondern nach dem Frieden Gottes und der Seligkeit begierig sind. Hier ist Speise, die in das Gewissen geht, aufrüttelt und die Herzen mit dem Evangelium tröstet."
Man könnte hier fragen, weshalb der Apostel eigentlich diese Bemerkung macht, da doch das Evangelium nicht etwas ist, dessen man sich zu schämen braucht. Gott hat es uns vom Himmel herab gegeben, es ist also das Ehrenvollste, was es auf Erden gibt. Weshalb sagt der Apostel dann, daß er sich nicht schäme? Ohne Zweifel deshalb, weil Menschen sich desselben doch zu schämen pflegen.
Hier werden gewiß viele meinen, daß dies nur zur Zeit des Apostels der Fall sein konnte, wo die ungläubigen Juden und die Heiden die Herrlichkeit des Evangeliums nicht kannten und deshalb auch in ihrer falschen Weisheit verachteten. Es ist gewiß wahr, daß es sich zur Zeit des Apostels so verhielt, daß das Evangelium Gottes ,,den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit war", . . . ,,weil die Juden Zeichen forderten und die Griechen nach Weisheit fragten." Ganz ebenso aber geht es auch jetzt zu. Das Evangelium Christi ist auch heute ein Ärgernis und eine Torheit sogar für viele von denen, die auf Seinen Namen getauft sind.
Die menschliche Natur ist zu allen Zeiten und an allen Orten dieselbe, trotz aller äußeren Veränderungen. Darum läßt das ganze Wort Gottes sich auch zu allen Zeiten und auf alle Völker anwenden, sie seien Juden oder Heiden, Mohammedaner oder Namenchristen. Es trifft überall zu, was der Apostel sagt:
,,Der natürliche Mensch vernimmt nichts vom Geiste Gottes,. es ist ihm eine Torheit und kann es nicht erkennen." Und nicht nur das, sondern das Evangelium Christi ist in jeder Beziehung auch im schärfsten Kampf gegen alles in unserer Natur Liegende. Im Evangelium wird das angegriffen, was der Mensch am meisten liebt, nämlich seine Unabhängigkeit. Da wird eine unbedingte Unterwerfung des Verstandes und des Willens unter das Wort Christi gefordert. Da werden jede Hochmutseinbildung und alles Selbstvertrauen gründlich zu Boden geschlagen. Da wird Gott allein groß und der Mensch nur ein armer Bettler.
Das kann der Menschennatur nie gefallen, sondern bedeutet ihr nur Pein und Tod. Hier liegt darum auch der Grund, weshalb Jesu Worte und Seine wahren Zeugen stets von allem gehaßt sein müssen, was nicht aus Gott geboren ist. Darum sagte der Herr auch so oft zu Seinen Jüngern, daß sie sich darauf vorbereiten sollten, um Seines Namens willen von allen Menschen gehaßt zu werden; und Er erklärte, daß es nicht wohl um sie stände und daß sie nicht Seine wahren Jünger seien, wenn sie nicht dieses Zeichen hätten, daß es ihnen wie dem Meister erginge. Es ist nicht das wahrhaftige und das reine Evangelium Christi, wenn die Welt es lieben kann und wenn es nicht verspottet und angetastet wird. Da nun aber ein Feind des Evangeliums nie dafür gehalten sein will, das Gute und Richtige zu hassen, so muß die Feindschaft sich immer mit dem Schein des Eifers für die Wahrheit umgeben und deshalb auch Christi Sache als Torheit oder als etwas Falsches und Böses schmähen, das getadelt und verabscheut zu werden verdient.
Da Jesu Jünger und Freunde immer die kleine Schar, nur einige wenige Verachtete sind, während die Welt, die sie schmäht, die große tonangebende und angesehene Schar ist, so kann man leicht verstehen, daß es immer zu einer schweren Versuchung wird, sich Seiner und Seines Wortes zu schämen. Ach, es wird für manchen Christen ein unaussprechlich harter Kampf, um Christi willen der Achtung der ganzen Welt zu entsagen, ein Tor zu werden und sich von seinen Nächsten und Freunden und der ganzen bürgerlichen Gesellschaft verachtet und aufs ärgste geschildert zu sehen. Wir haben doch auf Erden nichts Kostbareres als die Achtung, die Freundschaft und das Vertrauen der Menschen. Jetzt sollen wir allem entsagen.
Um solches immerfort zu ertragen, ist ein göttliches Werk an der Seele erforderlich. Wir reden hier nicht von jener Frömmigkeit, die von der Welt gebilligt und geachtet werden kann, sondern von der wahren, echten Nachfolge Christi, die unbedingt der Welt ein Ärgernis und eine Torheit sein muß, so wahr Christus gesagt hat: ,,Der Knecht ist nicht größer als sein Herr. Haben sie Mich verfolgt, so werden sie auch euch verfolgen;" als wollte Er sagen: Geben sie vor, daß sie euch wegen eines Fehlers, z. B. wegen eines Mangels an Demut, Sanftmut usw. hassen, so wißt, daß Ich ,,sanftmütig und von Herzen demütig" war, und dennoch haben sie Mich gehaßt.
Die Schriften von C.O.Rosenius sind erhältlich beim
Lutherischen Missionsverein in Schleswig-Holstein
K.-H.Staak, Retinastr.18, 25336 Elmshorn, Tel. 04121-65223
366 Auslegungen (744 Seiten) DM 20.-