C.H.Spurgeon


Das heilige Abendmahl.

 

Wir haben manche Schatten, die sehr köstlich sind. Da sind die Schatten der Verordnungen Christi, die Taufe und das Abendmahl. Ich rede von ihnen mit der größten Ehrerbietung; aber an und für sich sind sie nur Schatten, deren wir benötigt sind, weil wir uns im Schattenland befinden. Wer im Wasser untergetaucht ist, ist darum noch nicht mit Christo begraben. Das Begräbnis mit Christus ist die Wirklichkeit; die Untertauchung im Wasser ist nur der Schatten. Wer am Tisch Christi isst und trinkt, isst darum noch nicht sein Fleisch und trinkt darum noch nicht sein Blut. Das Brot und der Wein - obgleich beides wesenhaft aussieht - sind nur Schatten. Das wahre Fleisch und Blut Jesu - das ist das Wesentliche, und dem Glauben ist es gegeben, von diesen himmlischen Dingen zu zehren. Diese Schatten sollen nur dauern, bis der Tag anbricht und die Schatten überhaupt weichen, denn beachte: ,,So oft ihr von diesem Brot esst und von dem Kelch des Herrn trinkt, sollt ihr des Herrn Tod verkündigen, bis dass Er kommt!" Wenn Er kommt, bricht der Tag an und die Schatten - selbst die seligen Schatten - weichen.

 

Das Geheimnis des Abendmahls. Siehe hier das ganze Geheimnis des heiligen Abendmahls: Brot und Wein, die lebendigen Embleme des Leibes und des Blutes Jesu. Die Kraft, das Gedächtnis aufzufrischen, liegt darin, dass sich beides an die Sinne wendet. Hier findet das Auge, die Hand und der Mund erfreuliche Arbeit. Das Brot wird genossen und wirkt auf den Geschmacksinn, den kräftigsten der Sinne, ein. Der Wein wird getrunken; wir wissen, dass wir trinken, und so werden die Sinne, die der Seele gewöhnlich nur eine Beschwerde sind, Schwingen, die den Geist zu höheren Betrachtungen erheben. Ferner liegt der Einfluss dieser Vorschrift zum großen Teil in ihrer Einfachheit. Wie wundervoll einfach ist die Zeremonie: gebrochenes Brot und ausgegossener Wein. Hier wird das eine nicht Kelch, und das andere nicht Hostie genannt. Hier ist nichts, was das Gedächtnis beschwert; hier ist einfach Brot und Wein. Wer sich nicht erinnern kann, dass er Brot gegessen und Wein getrunken hat, der hat überhaupt kaum noch ein Gedächtnis. Beachte ferner die große Fruchtbarkeit, die Fülle in diesen Zeichen; sieh, wie inhaltsreich und sinnreich sie sind. Gebrochenes Brot - so wurde unser Heiland gebrochen; Brot, das gegessen wird - so ist sein Fleisch die rechte Speise. Ausgegossener Wein, der ausgepresste Traubensaft - so wurde unser Heiland unter dem Fuß der göttlichen Gerechtigkeit gepresst: sein Blut ist euer süßester Wein. Wie Wein das Herz erfreut, so erfreut uns das Blut Jesu; Wein, der euch stärkt und belebt - und so belebt euch das Blut des mächtigen Opfers. O nehmt dieses Brot und diesen Wein zu süßen und seligen Hilfsmitteln der Erinnerung an den lieben Mann, welcher einst auf Golgatha starb. Gleich jenem einzigen Schaf jenes armen Mannes darfst du deines Herrn Brot essen und aus seinem Becher trinken. O gedenke sein, der dich nährt!

 

Das untrügliche Denkmal. Ich denke, dass Geschichtsschreiber es stets als einen der besten Beweise für eine Tatsache angenommen haben, wenn sie irgendwo einem Ritus begegnet sind, welcher vielfach beobachtet worden ist. Nun ist zwar nicht immer ein Denkmal mit einer Inschrift ein gewisser Beweis für die verzeichnete Wahrheit, denn es mag vorkommen, dass Säulen errichtet werden, welche durch ihre Inschriften Ereignisse berichten, welche sich nie zugetragen haben. Aber als allgemeine Regel kann man schon annehmen, dass verschiedene große Körperschaften sich nicht dazu verstehen werden, wieder und wieder Ereignisse zu feiern, welche sich nie begeben haben. Nun hat uns unser Herr diese einfache Methode gelehrt, Brot zu brechen und Wein zu trinken - unsere Art und Weise, eine Säule zu errichten, eine große historische Tatsache zu verzeichnen und weiter zu übertragen: dass in Judäa ein Mann gelebt hat, welcher bekannte, der Sohn Gottes zu sein, ein Mann, welcher der König der Juden war, welcher ein sehr bescheidenes Leben führte und eines wunderbaren Todes starb. Keine Tatsache in der Geschichte ist so gut bezeugt, so dass selbst die, welche die Inspiration der Schrift aufgegeben haben, doch das Leben und den Tod Jesu als Tatsache anerkennen. Und heute wird in unserm Land vielleicht an fünfzigtausend Orten diese Gedächtnisfeier des Brotessens und Weintrinkens beobachtet. Durch diese einfache Tat helfen wir, die Tatsache, dass Jesus starb, auf die nachfolgenden Geschlechter übertragen; wir verkündigen des Herrn Tod, bis dass Er kommt.

 

,,Solches tut zu meinem Gedächtnis!" Die Christen haben viele Schätze in das Kabinett ihres Gedächtnisses zu verschließen. Sie haben Ursache, ihrer Erwählung zu gedenken, die geschehen ist ,,vor Grundlegung der Welt." Sie sollten nie ihr Herausziehen ,,aus der grausamen Grube und aus dem Schlamm" vergessen. Sie sollten sich ihrer kräftigen Berufung oft erinnern, denn sie sind von Gott berufen und durch die Kraft des Heiligen Geistes befreit worden. Sie sollten ihrer besonderen Errettungen gedenken, alles dessen, was für sie geschehen ist und all der Gnaden, die ihnen zu teil geworden sind. Aber da ist Einer, den sie mit den köstlichsten Spezereien in ihren Seelen einbalsamieren sollten; Einer, der mehr wert ist, als alle andern Gaben Gottes, verdient es, beständig im Gedächtnis behalten zu bleiben - Einer, sage ich, eine Persönlichkeit, deren Porträt ich in Gold fassen und im Staatsraum meiner Seele haben muss. Ich möchte, dass ihr ernste Forscher nach allen Taten des überwindenden Messias seid. Ich wünschte, dass ihr gründliche Kenner des Lebens unseres Geliebten seid. Aber o, vergesst nicht seine Person! ,,Solches tut zu meinem Gedächtnis." Es ist Christi herrliche Person, welche der Gegenstand unserer Erinnerung sein muss; es ist sein Bild, das in jedem Tempel des Heiligen Geistes bemerkbar sein sollte.

 

Der Wert des Abendmahls. Oft ist mir das Abendmahl viel mehr zum Segen geworden, als eine Predigt. Es hat dieselbe belehrende Kraft; aber diese ist lebendiger. Oft wird der Herr von uns erkannt im Brotbrechen, während unsere Augen während seiner Rede gehalten sein mögen. Ich kann einen guten Sinn in dem Ausspruch Heinrich III. von Frankreich finden, in welchem er sagt, dass er die Abendmahlsfeier einer Predigt vorzieht: ,,Ich will meinen Freund doch lieber sehen als von Ihm hören." Ich liebe es, wenn von meinem Herrn gesprochen wird, denn so sehe ich Ihn oft, und ich sehe Ihn im Abendmahl nicht anders, als in einer Predigt; aber wenn mein Auge zuweilen vom Weinen schwach oder vom Staub getrübt ist, passt mir die Doppelbrille von Brot und Wein am besten.

 

- Die Elemente, Brot und Wein, werden gleichsam zu Linsen eines weitreichenden Fernrohrs, durch welches wir den Heiland sehen, und ich sage es abermals: wenn es einen Ort auf dieser Erde gibt, der frei ist von dem Rauch der Sorgen, dann ist es der Tisch, an welchem die Heiligen Gemeinschaft mit ihrem Herrn haben. Oft wird uns bei diesem Festmahl eine Tür im Himmel geöffnet, und dann ist die Liebe sein Panier über uns. Aber wenn es schon so köstlich ist, das Emblem zu genießen, was wird es erst sein, bei Christo selbst zu wohnen und mit Ihm zu trinken von dem neuen Wein im Reich unseres Vaters!

 

Das Abendmahl, ein Fest der Ruhe. Die Ruhe, die Jesus gibt, wird durch diese Vorschrift veranschaulicht. Der Abendmahlstisch scheint euch zuzurufen: ,,Ich will euch erquicken!" Ich fordere euch nicht auf, hier auf die Plattform zu kommen und niederzuknieen und das Brot aus meiner Hand zu empfangen, und dann wieder zurückzugehen; sondern ich fordere euch auf, ganz ruhig, so ruhig ihr nur könnt, zu sitzen, weil das bei dem Mahl des Herrn die rechte Haltung ist. Als Christus mit den Jüngern das Brot brach, saßen die Jünger nicht einmal, sondern sie lagerten sich gleichsam um den Tisch. Der rechte Sinn des Abendmahls würde auch verlorengehen, wenn ihr hervortreten und hier niederknieen müsstet. Es ist ein Fest der Ruhe, und wenn ihr zu diesem Fest kommt, habt ihr nichts zu tun, als zu essen und zu trinken.

 

Das Abendmahl, eine Stätte des Gesangs. Während die Hirten zwischen ihren Schafen dasaßen, stimmten sie ihre Pfeifen und trillerten ihre lieblichen Weisen, und das war völlig in Harmonie mit der ländlichen Ruhe und Stille, die sie umgab. Alles war still; die Sonne leuchtete hell, und zwischen den blätterreichen Zweigen sangen die Vögel ihre lieblichen Melodien. Tue ich Unrecht, wenn ich euch auffordere, euch im Geist mit jenen ruhenden Hirten zu vereinigen? Warum sollten wir, während wir um seinen Tisch sitzen, nicht singen: ,,Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zu frischem Wasser"? Wenn es unter den Sternen einen Platz gibt, da man sich vollkommen ruhig und leicht fühlen kann, dann ist es sicher der Tisch des Herrn am Tage des Herrn. Hier lasst uns denn unserem großen Hirten ein wonniges Hirtenlied singen. Und lasst gern das Blöken der Schafe in unsere Ohren dringen, während wir des guten Hirten gedenken, der sein Leben für seine Schafe gelassen hat.

 

Wünschenswerte Stimmung. Als jener Walliser Häuptling die Entdeckung machte, dass er in seiner heißblütigen Hast den Hund erschlagen, der seinem Kinde das Leben gerettet hatte, weinte er bitterlich. Das geschah um einen Hund. Wenn ihr heute abend heimkehrtet und fändet, dass ihr durch irgendwelches Missgeschick einen Freund getötet habt, der einmal euer Leben rettete - ich weiß, ihr würdet ihm ein treues Andenken bewahren. Eine alte Tradition berichtet, dass Petrus, so oft er den Hahn krähen hörte, gewöhnlich anfing, bitterlich zu weinen, und so oft wir zum Abendmahl kommen, sollten auch wir wohl daran gewöhnt sein, zu weinen, wenn wir bedenken, dass unsere Sünden den Heiland bluten gemacht haben.

 

Die Vorbereitung auf das Abendmahl. Ich glaube, es sollte eine Vorbereitung auf das Abendmahl stattfinden. Ich halte nichts von Frau Toogoods Vorbereitung, die eine ganze Woche zu der Vorbereitung gebrauchte, und die dann, als an dem darauf folgenden Sonntage das Abendmahl nicht gefeiert wurde, sagte, dass sie die ganze Woche verloren habe. An eine solche Art der Vorbereitung glaube ich nicht, und dennoch glaube ich, dass es eine heilige Vorbereitung auf das Abendmahl gibt: wenn wir womöglich am Sonnabend eine Stunde in ruhiger Betrachtung Christi und seiner Leiden zubringen können; wenn wir besonders am Sonntag anbetend dasitzen, und Ihn anschauen können - dann wird die ganze Szene zu einer Wirklichkeit und kein Spott, wie das bei so vielen der Fall ist. Ich fürchte sehr, dass so manche teilnehmen am Abendmahl und nicht einmal an Christum denken. Ihr seid nichtige Heuchler, wenn ihr esst und trinkt, und nicht an Ihn denkt. Hütet euch! ,,Wer unwürdig isst und trinkt, der isst und trinkt sich selber" - was? - ,,das Gericht! "

 

Nutzlose Abendmahlsfeier. Jüngst hörte ich, dass die Socinianer an einem Ort schon dahin gekommen seien, das Abendmahl dadurch zu feiern, dass sie Brot und Wein auf den Tisch stellen, damit es die Leute ansehen könnten; aber sie betonen, dass das tatsächliche Essen und Trinken ganz unnötig sei. Nun, das stimmt mit ihrem Glaubensbekenntnis ganz überein, denn sie haben keinen Christus, daran sie sich nähren. In ihrem Glauben ist nichts, dass auch nur eine Maus nähren könnte - vorausgesetzt, dass eine Maus eine Seele hätte. Warum sollten sie auch nur den Versuch machen, ihre Zuhörer durch Symbole zu weiden, da sie ja keinen Mensch gewordenen Gott und keinen versöhnenden Heiland haben! Wenn es wirklich wahr sein sollte, dass sie in ihren Kapellen Brot und Wein ausstellen, aber nicht davon genießen lassen, so ist das recht bezeichnend für ihr blutleeres, lebloses Evangelium - für ihren Christus, der nicht Gott - für ihren Jesus, der kein Opfer für die Sünde ist. Wie kann die Seele da Nahrung finden? Aber geben wir acht darauf, dass wir uns nicht damit zufrieden geben, aus der Ferne auf Christum zu blicken, ohne teil an Ihm zu nehmen. Was soll mit Nahrung, mit Fleisch und Blut geschehen? Es soll genommen und genossen werden.

 

Die Seelenspeise. Von Prediger Erskine, der bei irgendeiner Veranlassung vor der Feier des Abendmahles eine Predigt gehalten hatte, und von einer lieben Frau, einem Kind Gottes, das ihm zugehört hatte, wird folgende Geschichte erzählt. Sie hatte mit solcher Wonne zugehört und war so geweidet worden, dass sie am nächsten Sonntag den Prediger, in dessen Predigt sie zu gehen pflegte, umging und eine weite Strecke zu Fuß pilgerte, um Erskine wieder hören zu können. An jenem Tage aber war dieser schrecklich trocken und unfruchtbar - wenigstens kam es ihr so vor. In der ganzen Predigt hatte sie keine Nahrung gefunden, und da sie keine sehr weise Frau war, so ging sie zu ihm, um ihm das zu sagen. ,,O Herr Prediger," sagte sie zu ihm, ,,am vorigen Sonntage hörte ich Ihnen mit wahrer Wonne zu; es war mir, als ob Sie die Pforten des Himmels vor uns öffneten, und ich wurde mit dem besten Weizen gespeist. Ich bin deshalb heute den weiten Weg hierher gegangen, um Sie wieder zu hören, und nun muss ich Ihnen bekennen, dass ich keinen Segen aus Ihrer Predigt erhalten habe." Er fragte: ,,Liebe Frau, zu welchem Zweck gingen Sie am vorigen Sonntag?" ,,Nun, ich ging, um das Abendmahl des Herrn zu genießen!" ,,Jawohl, Sie gingen zum Abendmahl, um Gemeinschaft mit dem Herrn zu genießen, nicht wahr?" ,,Ja, so ist es," sagte sie. ,,Nun sehen Sie," antwortete Erskine; ,,da haben Sie erhalten, was Sie suchten. Der Herr segnete meine Worte an Ihnen und Sie haben mit Ihm Gemeinschaft gehabt. Wozu sind Sie nun heute hierher gekommen?" ,,Nun, ich bin gekommen, um Sie zu hören!" ,,Und da haben Sie genau das erhalten, um was Sie gekommen sind. Sie haben mich gehört und gefunden, dass ich ein armes, trockenes, saftloses Wesen bin, und dass in mir nichts ist, das eine Seele speisen kann." Denkt an diese Geschichte, die ihr nur die Knechte seht und deren Meister vergesst. O, dass jeder sagen möchte: ,,Es ist kein anderer als Christus, den ich zu sehen wünsche. Ich will nur an Ihn denken! Möchte es Ihm gefallen, sich mir zu offenbaren!"

 

Christi Verherrlichung beim Abendmahl. Und nun möchte ich, dass wir so zum Tisch des Herrn kommen, dass Christus selbst hier in uns verherrlicht werde. Ah, du kannst am Tisch des Herrn sitzen und ein feines Kleid oder einen Diamantring tragen und magst dir einbilden, dass du eine sehr wichtige Persönlichkeit bist; aber du bist es nicht! Du magst zum Tisch des Herrn kommen und sagen: ,,Hier kommt ein erfahrener Christ, der etwas zu erzählen weiß!" Auf diese Weise verherrlichst du Christus nicht, denn du bist nur ein armseliges Nichts. Aber wenn du kommst und sagst: ,,Herr, ich habe kein Verdienst und keine Würdigkeit; ich komme, weil Du für mich gestorben bist; ich vertraue Dir" - dann verherrlichst du Ihn. Der am meisten von Ihm nimmt und Ihm dann am meisten zurückgibt - der ist's, der Jesus am meisten verherrlicht. Komm, leeres Gefäß, lass dich füllen, und wenn du gefüllt worden bist, dann schütte alles aus zu den Füßen Dessen, der dich gefüllt hat.

 

Die Abendmahlsfeier, die zur Entscheidung führte. Die Verbindung zwischen Mann und Frau, zwischen Mutter und Sohn kann durch den Tod völlig aufgehoben werden, ohne dass sie jemals wieder angeknüpft wird; wenn keine Gnade in dem einen Teil der Ehegatten oder in dem Kind ist, bleibt alles Sehnen nach Wiedervereinigung nutzlos. Sie sind durch den Tod geschieden, um einander nie wieder zu begegnen. Denkt daran, ihr, die ihr noch nicht gerettet seid. Aber wenn wir hier in Christi Liebe eins sind, mögen wir wohl durch den Tod eine Zeitlang voneinander getrennt werden; es geschieht nur auf kurze Zeit. Die Bande, welche Christi Liebe um Menschen schlingt, sind ewige Bande. Ich habe liebe Leute kennengelernt, welche zu mir gekommen sind, um ihre Aufnahme in die Gemeinde zu erbitten, und die gesagt haben: ,,Nichts konnte mich zur Entscheidung für Christum bringen, bis ich bei der Feier des Abendmahls meine Frau verlassen und auf die Galerie hinaufgehen und dann auf sie hinblicken und fühlen musste, dass ich doch nicht eins mit ihr sei. Da war es mir, als ob ich es nicht länger aushalten konnte!"

 

Die Abendmahlsfeier, eine Gelegenheit zur Ausgleichung von Zwistigkeiten. Was würdest du deinem Sohne antworten, der da sagte: ,,Vater, ich werde an deinem Geburtstag nicht zu dir kommen. Ich kann doch mit dem und dem Mitglied der Familie zusammen nicht feiern?" ,,Warum nicht?" ,,Nun, weil mein Bruder nicht ist, was er sein sollte, kann ich doch, solange er sein Verhältnis zu mir nicht ändert, deinen Geburtstag nicht mitfeiern!" Der Vater würde sagen: ,,Mein lieber Sohn, ist das der Grund, aus welchem du dich nicht mit mir freuen kannst? Du kannst mich doch dafür nicht tadeln, weil dein Verhältnis zum Bruder nicht das rechte ist. Komm zum Fest und feiere es mit mir!" So sage ich zu euch, die ihr persönliche Differenzen habt: macht denselben ein Ende und lasset die Festfreude dadurch nicht gestört werden!

 

Die durch die Abendmahlsfeier herbeigeführte Freundschaft. Als ich mich eben der Gemeinde in Cambridge angeschlossen hatte - ich war damals noch sehr jung - saß ich bei der Feier des Abendmahls mit einem Herrn und noch einigen anderen in einer Bank, aber keiner von ihnen sprach zu mir. Das nächste Mal war es wieder so. Ich war eben keine Persönlichkeit, mit der man sprechen mochte; aber als ich bald darauf dem Herrn, neben dem ich gesessen hatte, auf der Straße begegnete, trat ich zu ihm heran und sagte: ,,Nun, lieber Herr, wie geht es Ihnen?" ,,Ich danke Ihnen," sagte er, ,,mir geht es recht wohl; aber ich habe nicht das Vergnügen, Sie zu kennen!" ,,Es geht mir ebenso; ich kenne Sie ebensowenig, wie Sie mich; aber ich kam zum Tisch des Herrn, um zu bekennen, dass ich ein Bruder derer sei, die da waren, und ich meinte es so; Sie nicht auch?" Er legte seine beiden Hände auf mich - denn er war bedeutend älter als ich - und sagte: ,,Welche liebliche Einfalt! Sie haben wohl daran getan, und ich freue mich über das Vertrauen, welches Sie mir schenken." Das nächste, was er sagte, war: ,,Wollen Sie mit mir gehen, um eine Tasse Tee bei mir zu trinken?" Ich sagte: ,,Ich danke Ihnen; ich kann heute leider nicht, weil ich in meiner Wohnung erwartet werde." ,,Möchten Sie dann am nächsten Sonntag kommen?" ,,Ja." So kam ich am nächstfolgenden Sonntag und von da ab jeden Sonntag zu ihm, solange ich dort war, und wir wurden Freunde und sind es bis zum heutigen Tage geblieben. Die Freundschaft ist nie unterbrochen worden und wird es auch in Zeit und Ewigkeit nicht werden.


 

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