C.H.Spurgeon


Über religiöse Krittler.

 

Wenn jemand einen besonders leeren Kopf hat, so setzt er sich meistens auf einen besonders hohen Richterstuhl, hauptsächlich in religiösen Angelegenheiten. Niemand ist so weise wie derjenige, der nichts weiß. Seine Unwissenheit ist die Mutter seiner Unverschämtheit und die Amme seiner Hartnäckigkeit, und wiewohl er nicht einmal ein X von einem U unterscheiden kann, so entscheidet er doch alle Dinge mit einer Miene, als ob er alle Weisheit an den Fingerenden hätte - der Papst selbst ist nicht so unfehlbar wie er. Man höre ihn nur, wenn er in der Versammlung gewesen ist und eine gute Predigt gehört hat, und hat man noch nie gewusst, wie man einen trefflichen Mann zerpflücken kann, so wird man es dann wissen. Er sieht Fehler, wo keine vorhanden sind, und sind etliche Dinge nicht ganz richtig gewesen, so macht er aus jeder Maus einen Elefanten. Wiewohl man seine ganze Weisheit in eine Eierschale tun könnte, so wiegt er doch die Predigt in den Schalen seiner Einbildung mit der Miene eines geborenen Königs Salomo ab, und wenn sie seinem Maßstab entspricht, so legt er sein Lob schaufelweise darauf; war sie aber nicht nach seinem Geschmack, so knurrt und bellt und schnappt er danach wie ein Hund nach einem Igel. Weise Menschen sind in dieser Welt wie Bäume in einer Hecke, es steht nur hier und da einer; und wenn diese seltenen Menschen über eine Predigt sprechen, so ist es lieblich den Ohren, ihnen zuzuhören; aber diese großsprecherischen Naseweise, von denen ich rede, sind ohne Sache aufgeblasen in ihrem fleischlichen Sinn und ihr Geschwätz ist so sinnlos wie das Geschnatter der Gänse auf der Weide. Nichts kann aus dem Sack herauskommen, als was darin ist, und da ihr Beutel leer ist, so schütteln sie nichts heraus als Wind. Es ist höchstwahrscheinlich, dass weder die Prediger, noch ihre Predigten vollkommen sind - im besten Garten steht hier und da Unkraut und im reinsten Korn mag noch Spreu zu finden sein - aber diese Krittler bekritteln alles und jedes, und tadeln, um ihre hohen Kenntnisse zur Schau tragen zu können; eher als dass sie ihren Zungen Ferien geben, klagen sie wohl darüber, dass das Gras nicht eine hübsche blaue Färbung hat, und behaupten, der Himmel würde schöner aussehen, wenn er weiß angestrichen wäre.

Ein Stamm dieser Ismaeliten besteht aus aufgeblasenen Ignoranten, welche sehr mächtig hinsichtlich der Lehre sind, die der Predigt zugrunde liegt. Hier sind sie so entschieden wie ein Schmiedehammer und so sicher wie der Tod. Derjenige, der nichts weiß, ist in allem dreist; daher sind sie starrköpfig über die Maßen. Jede Stubenuhr und selbst der Sonnenzeiger muss nach ihrer Uhr gestellt werden, und wer im geringsten von ihrer Meinung abweicht, der beweist damit, dass es schlecht mit seiner Seele steht. Versuche es, mit ihnen zu disputieren, und gleich kocht ihr kleiner Topf über; frage sie nach Gründen, und man könnte ebensogut Zucker aus der Sandgrube holen. Sie haben das Meer der Wahrheit auf Flaschen gezogen und in ihre Westentasche gesteckt; sie haben die göttliche Gnade mit dem Zollstock gemessen und an der Stelle, wo die ewige Wahl aufhört, einen Knoten in ihrer Schnur gemacht; und was die Dinge betrifft, welche die Engel gelüstet zu schauen, so haben sie diese alle gesehen, wie die Knaben ein Panorama in einem Guckkasten auf dem Jahrmarkt. Da sie ihre Bescheidenheit verschlissen haben und weiser geworden sind als ihre Lehrer, so reiten sie auf einem sehr hohen Pferd und springen über fünfmal vergitterte Bibelsprüche, die ihren Ideen zuwider sind, mit einem Satz hinweg. Wenn wahrhaft frommen Männern solches Übel widerfährt, so ist es bedauerlich zu sehen, dass die schädlichen Fliegen auch gute Salben verderben können; indessen mit solchen Männern lernt man Geduld haben, wie ich mit meinem alten Gaul, der ein vortreffliches Pferd ist, wenn er auch bisweilen die Ohren nach hinten spitzt und mit den Hufen ausschlägt. Aber das ist eine mürrische und prahlerische Menschensorte, die lauter Stachel und kein Honig - lauter Peitsche und kein Heu - lauter Grunzen und kein Speck ist. Diese Menschen tun nichts von früh bis spät, als immer zu schelten über diejenigen, die nicht durch ihre Brille sehen können. Wollten sie nur eine Handvoll treuen Wandels unter all ihre Scheffel voll Großsprecherei mischen, so ließe sich's noch ehr ertragen, aber nein, sie halten nichts von solchem "gesetzlichen Wesen"; Menschen, die so "gesund" in der Lehre sind wie sie, von denen kann man nicht erwarten, dass sie noch zu etwas anderem taugen sollen; sie sind die geistlichen Wächterhunde, welche das Haus des Herrn vor den Dieben und Räubern zu beschützen haben, die keine gesunde Lehre predigen, und wenn sie dabei die Schafe zerraufen und ein paar Kaninchen für sich über die Seite bringen, wer will ihnen das so sehr verargen? Sie sind einmal das teure Volk des Herrn und haben genug zu tun, über die Reinheit der Lehre zu wachen; wenn dabei ihr Leben hier und da einen Sprung bekommt, wer will sich darüber wundern? Niemand kann alles auf einmal tun. Das sind die Maulwürfe, die man auf vielen unserer Wiesen einfangen müsste, nicht um ihrer selbst willen, denn es ist nicht ein süßer Bissen an ihnen, sondern um der Wiesen willen, die sie verderben. Ich würde nicht einen halben Tadel über ihre Lehre aussprechen, wenn der Geist, der sie erfüllt, nicht so schlimm wäre; aber Essig ist süß dagegen, und Holzäpfel sind Feigen im Vergleich damit.
Das muss sehr streng-calvinistische Lehre sein, die für mich zu streng wäre, aber es muss auch strenge Sinnesänderung und strenger Wandel damit verbunden sein, oder sie erregt mir Übelkeiten. Doch ich habe nun genug darüber geredet und muss von dem Gegenstand abbrechen, oder man wird mir zurufen: "Ein jeder fege vor seiner Tür!"

Bisweilen ist es die Art und Weise, wie der Prediger spricht, die aufs Korn genommen wird, und hier öffnet sich ein weites Feld für die Tadeljagd, denn jede Bohne hat ihren Fleck und jeder Mensch seinen Fehler. Ich habe noch nie ein gutes Pferd gekannt, welches nicht eine oder andere sonderbare Gewohnheit an sich gehabt hätte; und ich habe noch nie einen Prediger gesehen, der einen Schuss Pulver wert gewesen wäre, und der nicht daneben irgend eine seltsame Grille gehabt hätte. Dies sind aber die Stücken Käse, welche diese Kritiker aufspüren und anknabbern. Der eine ist zu langsam, der andere zu schnell - der erste ist zu blumenreich, der zweite zu langweilig. Wahrlich, wenn alle Geschöpfe Gottes in dieser Weise beurteilt werden sollten, so würden wir den Tauben den Hals umdrehen müssen, weil sie zu zahm sind; die Rotkehlchen schießen, weil sie Spinnen fressen; die Kühe töten, weil sie mit dem Schwanz wedeln, und die Hennen, weil sie uns keine Milch geben. Will man einen Hund prügeln, so kann man leicht einen Stock dazu finden; und nach dieser Manier könnte jeder Narr gegen den besten Prediger im Lande etwas zu sagen haben. Was den Vortrag eines Predigers betrifft, so sollte ihn niemand, wenn er nur klar und deutlich ist, darum tadeln, dass er nicht genug poliert ist; denn wenn etwas nur gut ist und mit Nachdruck gesprochen wird, so kann es nicht besonders übel klingen. Niemand sollte unschickliche Worte auf der Kanzel gebrauchen - und alle Worte, die über die Köpfe der gewöhnlichen Leute hinweggehen, sind unschicklich - aber an gottseligen, nüchternen, angemessene, einfältigen Worten sollte niemand herumkritisieren. Ein Landmann fühlt sich in seinem groben Tuchrock ebenso behaglich wie ein König in Samt und Seide; und eine Wahrheit ist ebenso tröstlich in gemeinverständlichen Worten wie in feingesetzter Rede. Ein Hungriger überlässt das Servieren der Speisen gern der Köchin und ist vollkommen zufrieden, wenn sie nur wohlschmeckend und nahrhaft sind. Wenn die Zuhörer nur besser wären, so würden auch die Predigten besser sein. Wenn mir Leute sagen, dass sie keinen Segen haben, so rate ich ihnen, sich ein Hörrohr anzuschaffen und des alten Spruchs eingedenk zu sein, dass keiner so taub ist wie derjenige, der nicht hören will. Wenn junge Redner niedergeschlagen sind wegen harter und liebloser Bemerkungen, so erzähle ich ihnen gewöhnlich die Geschichte von dem alten Mann mit seinem Sohn und seinem Esel, und was bei dem Versuch herauskam, jedermann gefallen zu wollen. Kein Sackpfeifer hat je alle Ohren ergötzt. Wo persönliche Launen und Liebhabereien zu Gericht sitzen, da hat das Urteil eines Menschen ebensoviel Gewicht wie der Wind; darum nimm auch du nicht mehr Notiz davon als vom Wind, wenn er durchs Schlüsselloch pfeift.

Ich habe auch Predigten deswegen tadeln hören, dass nichts in ihnen war. Mochte der vorliegende Gegenstand auch noch so gut behandelt sein, so war doch ein andrer Gegenstand vorhanden, über den nichts gesagt worden war, und somit taugt alles nichts. Wie oft ist so etwas zu hören. Das ist gerade so vernünftig, als wenn man mein Pflügen deswegen tadeln wollte, weil es keine Löcher für die Bohnen macht, oder ein Kornfeld ausschelten, weil keine Rüben darauf stehen. Hat man ein Recht, alle Wahrheiten in einer Predigt zu erwarten? Ebensogut könnte man jedes Gericht bei einer Mahlzeit erwarten und über einen Rinderbraten schimpfen, weil weder Schweinebraten noch Hammelbraten, weder Erbsen noch Bohnen aufgetischt sind. Angenommen, eine Predigt enthält keine Tröstungen für Gläubige, aber sie enthält ernst Warnungen für Sünder, sollen wir sie darum verachten? Eine Handsäge wäre ein unglückliches Instrument, um sich damit zu rasieren, sollen wir sie darum wegwerfen? Was soll es nützen, wenn man sich immer bemüht, Fehler aufzuspüren? Es widert mich an, einen Mann mit einer feinen Nase immer Dinge herausriechen zu sehen, über die er schelten kann, wie ein Rattenfängerhund, der nach Rattenlöchern schnüffelt. Lasst uns ja alle Irrtümer mit Stumpf und Stiel ausrotten, aber lasst uns die Heckenschere nicht eher fassen, als bis es Gestrüpp abzuhacken gibt, und uns nicht selber der Segnungen Gottes berauben.

Prediger kritisieren ist ein schlechtes Geschäft, weil keine von beiden Parteien etwas dabei gewinnt. Beim Wettpflügen bekommt der beste Arbeiter unter uns einen Preis; aber diese Preisrichter übers Predigen sind äußerst langsam, wenn es darauf ankommt, etwas zu geben, selbst, wenn es sich um diejenigen handelt, von denen sie so viel zu halten behaupten. Sie bezahlen mit schönen Reden, aber geben keinen Pfennig. Sie bekommen das Evangelium umsonst und meinen, dass, wenn sie nur nicht murren, sie eine reiche Bezahlung dafür geleistet haben.

Ein jeder hält sich für fähig, über eine Predigt zu urteilen, aber zehn unter neun könnten ebensogut vorgeben, den Mond wiegen zu können. Ich glaube, dass die meisten Menschen das Predigen im Grunde für etwas außerordentlich Leichtes halten, und dass sie selber es ganz vortrefflich verstehen würden. Jeder Esel hält sich für würdig, neben des Königs Rossen zu stehen; jedes Mädchen denkt, das Haushalten besser zu verstehen als ihre Mutter; aber Gedanken sind noch keine Tatsachen, denn die Sprotte meinte, ein Hering zu sein, aber der Fischer wusste es besser. Ich glaube jeder, der pfeifen kann, meint, dass er auch pflügen kann; aber es gehört mehr zum Pflügen, als pfeifen zu können, und so muss ich euch auch sagen, dass mehr zum guten Predigen gehört, als einen Text zu nehmen und erstens, zweitens und drittens zu sagen. Ich versuche mich selbst in dieser Kunst und finde es in meiner Schwachheit durchaus nicht so leicht, den Leuten etwas zu sagen, was auch des Hörens wert ist; und wenn diese feinen Kritiker, die uns um ihre Finger wickeln, nur selbst einmal Hand ans Werk legen wollten, so würden sie wohl etwas stiller werden. Indessen, Hunde bellen nun einmal, und, was noch schlimmer ist, einige beißen auch; mögen denn aber anständige Leute alles tun, was sie vermögen, wenn nicht ihnen einen Maulkorb anzulegen, so doch sie daran zu hindern, dass sie keinen zu großen Schaden anrichten. Es ist ein gar zu trauriger Anblick, wenn man sieht, wie eine glückliche Familie von Christen von schmähsüchtigen Schwätzern um nichts, oder weniger als nichts, zerstört wird. Schmal ist die Kante des Keils, aber wenn der Teufel den Hammer schwingt, so werden Gemeinden bald in Stücke gespalten und die Menschen wundern sich dann, wie es möglich war. Das schlechteste Rad - das ist die Sache - knarrt am meisten, und ein Tor macht viele, und so wird manch eine Versammlung mit einem guten und treuen Prediger entzweit, der ihnen zum bleibenden Segen gewesen wäre, wenn sie ihren besten Freund nicht selber von sich fortgetrieben hätten. Diejenigen, die die eigentlichen Anstifter solchen Unheils sind, haben meistens gar keinen Teil oder Anfall an wahrer Gottseligkeit, sondern zanken wie Sperlinge über Körner, die nicht ihr eigen sind, und reißen wie Kohlen das auseinander, was sie nie geholfen haben aufzubauen. Mögen wir alle von tollen Hunden und zänkischen Bekennern erlöst werden, und uns weder von den einen noch von den anderen mit ihrer Krankheit anstecken lassen!

 

 

 

Sehr unwissende Menschen

 

Ich habe von einem Menschen erzählen hören, der nicht einmal ein großes A und einen Ochsenfuß zu unterscheiden vermochte, und ich kenne genug Leute, die jedenfalls nicht sagen können, was ein großes A oder ein kleines a bedeutet; und doch sind diese Leute trotzdem nicht die unwissendsten in der Welt. So z.B. können sie schon am Schwanz erkennen, was eine Kuh ist, und einer der Herren vom Wahlkomitee sagte neulich, der Londoner Parlamentskandidat könne das nicht. Sie wissen, dass weiße Rüben nicht auf Bäumen wachsen, und sie können eine Mangoldwurzel von einer Runkelrübe unterscheiden, und es gibt feine Leute, die Klavier spielen können und doch ersteres nicht vermögen. Können sie nicht lesen, nun, so können sie doch pflügen und mähen und ernten und säen und sieben Kinder mit zwei Talern die Woche, ohne Schulden zu machen, durchbringen; und es gibt eine Menge Leute, die viel zu unwissend dazu sind. Unbekanntschaft mit Buchstabierbüchern ist sehr schlimm, aber Unbekanntschaft mit harter Arbeit ist noch schlimmer. Die Weisheit spricht nicht immer lateinisch. Man lacht über die Fuhrmannshemden, die das Landvolk bei uns trägt, und sie sind in der Tat so hässliche Gewänder, wie man sie nur hat erfinden können; aber etliche von denen, die sie tragen, sind nicht halb so große Narren, als wofür sie gehalten werden. Wenn keine anderen unwissenden Leute Brot äßen als diejenigen, welche Nagelschuhe tragen, so würde das Korn ein gut Teil billiger sein. Weisheit in einem Armen ist wie ein Diamant in Blei gefasst, nur Kenner können seinen Wert beurteilen. Die Weisheit geht oft in geflickten Schuhen einher, und die Leute bewundern sie nicht, mir aber ist der Mensch lieber als der Rock; was die Nuss für eine Schale hat, ist gleichgültig, auf den Kern kommt alles an. Man braucht nicht erst nach Buxtehude zu gehen, um Ignoranten zu finden, sie sind massenhaft in den großen Städten vorhanden.

Ich wünschte, dass jedermann lesen, schreiben und rechnen könnte, ja, ich glaube auch nicht, dass man zu viel wissen kann; allein Kenntnisse, das behaupte ich, sind noch keine Bildung, und es gibt Millionen, die lesen und schreiben können, und die dabei doch so unwissend sind wie Nachbar Jahnkes Kalb, welches nicht einmal seine eigene Mutter kannte. Diese Wahrheit tritt so deutlich hervor wie die Nase im Gesicht, wenn man nur ein wenig nachdenken will. Lesen und schreiben können heißt: Werkzeuge besitzen, mit denen man arbeiten kann; wenn man aber diese Werkzeuge und seine Augen und Ohren dazu nicht gebraucht, so ist man um nichts gebessert. Jedermann sollte das wissen, was ihn am meisten angeht und ihn am ersten zu einem brauchbaren Menschen macht. Es kann dem Pferd nichts nützen, wenn es fliegen lernt, es versteht genug, wenn es ordentlich traben kann. Ein Bauer sollte alles lernen, was sich auf die Landwirtschaft bezieht, ein Schmied sollte Pferdehufe studieren, eine Milchmagd sollte im Abrahmen und Butter machen bewandert sein, und eine Arbeiterfrau sollte sich vortrefflich auf die Wissenschaft des Kochens und Backens, Waschens und Flickens verstehen; und Pflüger Hans erlaubt sich zu bemerken, dass diejenigen Männer und Frauen, die ihre Berufspflichten nicht verstehen, sehr unwissende Leute sind, sollten sie auch wissen, wie das Krokodil auf Griechisch heißt und eine lateinische Ode über eine Schwalbe machen können. Zu oft trifft hier das Wort zu:

"Man hat Hans Taps nach der Schule gebracht
Und einen rechten Narren aus ihm gemacht."

Wenn ein Mensch ins Wasser fällt, so wird es ihm nützlicher sein, wenn er schwimmen kann, als wenn er Mathematik studiert hat, und doch wie wenige Knaben lernen schwimmen! Mädchen lehrt man Tanzen und Französisch, während Nähen und eine gründliche Kenntnis ihrer eigenen Sprache ihnen viel nützlicher sein würde. Wenn man in solchen schlechten Zeiten sich seinen Lebensunterhalt verdienen soll, so wird man mit einem guten Handwerk und guten, ökonomischen Gewohnheiten weiter kommen als mit aller Gelehrsamkeit der Universitäten; wer aber spricht heutzutage für eine tüchtige praktische Erziehungsmethode in der Schule?
Die Schullehrer würden in Ohnmacht fallen, wenn man fordern wollte, dass sie Kindern armer Leute  Kartoffeln hacken und Kohl pflanzen lehren sollten. Wenn man einen Hund zur wilden Entenjagd oder zur Hetzjagd gebrauchen will, so richtet man ihn dementsprechend ab; warum in aller Welt macht man's mit dem Menschen nicht ebenso? "Jedermann bei seinem Geschäft und jedermann Meister in seinem Geschäft," so sollte die Losung lauten. Lasst Fritz und Peter immerzu Geographie lernen, aber vergesst nicht, sie zu lehren, sich die Stiefel putzen und einen Knopf annähen zu können; und was Karoline und Emilie betrifft, so mögen sie meinetwegen Klavier spielen und singen, aber nicht eher, als bis sie Strümpfe stopfen und Hemden nähen können. Wenn das neue Unterrichtsgesetz heraus kommt, so hoffe ich, wird auch die Bestimmung darin enthalten sein, dass die Kinder sich nicht minder auf die praktischen, häuslichen, Gesunden-Menschen-Verstands-Pflichten verstehen müssen, als auf die drei Elementarwissenschaften und den sonstigen Hokuspokus, den man, wenn ich nicht irre, "feine Bildung" nennt. Hier ist der arme Herr Fein mit sechs Töchtern und kaum 300 Talern Einkommen das Jahr, und doch kann keine von ihnen eine Hand rühren, weil ihre Frau Mutter die Krämpfe kriegen würde, wenn Fräulein Sophie Elfriede rauhe Hände von der Familienwäsche bekommen oder Fräulein Alexandra Theodora sich ihren Teint mit Garten- und Küchenarbeit verderben würde. Eine Katze kann sich sich kaum das Lachen verbeißen, wenn man die armen Dinger über Mode und Etikette sprechen hört, während sie doch nicht einmal halb so gut wie die Hökerstöchter unten in der Straße stehen, die sich ihr eigenes Brot verdienen und Geld sparen auf die Zeit, dass sich ein junger Landmann ihrer annehmen und sie zur Frau machen wird. Glaubt mir, wer eine von diesen enggeschnürten Mode-Damen heiratet, macht kein besseres Geschäft, als wenn er sich eine Wachspuppe zur Frau nähme. Frau Fein würde gut aufbrausen, wenn sie mich's sagen hörte, aber ich sage es dennoch, dass sie und ihre Töchter unwissend, äußerst unwissend sind, weil sie dasjenige nicht wissen, was ihnen am nützlichsten sein würde.

Jede Sprotte hält sich heutzutage für einen Hering; jeder Esel hält sich für tüchtig, im Marstall der Königin zu stehen; jede Kerze meint, die Sonne zu sein. Wenn aber ein Mann mit seinem besten Rock an, einem Papierkragen um, einer Lorgnette im Auge, einer Tombakkette auf der Weste, einem Spazierstock in der Hand und einem leeren Raum im Gehirn sich dünkt, dass man sein Schwadronieren und Parlieren nicht durchschauen kann, so muss er unwissend, äußerst unwissend sein, denn er kennt sich selbst nicht. Stutzer, die nach der neuesten Mode gekleidet sind, halten sich selbst für große Herren, aber niemand anders tut es. Tanzmeister und Schneider verstehen's, einen Gecken gar prächtig aufzutakeln, aber sie können nicht aus einem Nichts einen Mann machen. Mag man einen Mühlstein so viel anstreichen, wie man will, es wird doch kein Käse daraus.

Wenn Geschäftsleute Gesellschaften ihren Verdienst einhändigen und ihn wiederzusehen hoffen; wenn sie Eisenbahnaktien nehmen und Dividenden erwarten; wenn sie Geld zu hohen Zinsen borgen, und ihr Glück damit zu machen glauben, so sind sie unwissend, äußerst unwissend. Ebensogut könnte man einen hölzernen Kessel übers Feuer hängen und sich zum Tee fertig machen, oder Bohnen in einen Fluss säen und eine Ernte erwarten.

Wenn Leute Advokaten oder Geldverleihern (seien sie Juden oder Heiden) Glauben schenken und Geld borgen und damit spekulieren und meinen, dass es ihnen nun nicht fehlen kann, so sind sie schmachvoll unwissend. Selbst der Gänserich auf der Wiese würde sich nicht so anführen lassen, denn er weiß es ganz gut, wenn ihn einer rupfen will, und würde nicht sonderlich über die Operation, durch die er seine Federn verliert, erbaut sein.

Wer sein Geld ins Wirtshaus trägt und meint, dass die Bücklinge, die der Wirt vor ihm macht, sowie sein "herzlich willkommen, lieber Freund" wirkliche Achtungsbezeugungen sind, der ist in der Tat naiv; denn hier geht's nach der Regel:

"Wer Geld hat, kann sich was erseh'n;
Wer keins hat, seiner Wege geh'n."

Der Fuchs bewundert den Käse, nicht den Raben auf dem Ast. Der Köder wird nicht in die Falle getan, um die Maus zu ernähren, sondern um sie zu fangen. Wir machen nicht Feuer an, um den Hering zu wärmen, sondern um ihn zu braten. Trinkstuben werden nicht zum Besten der Arbeiter angelegt; ist das in der Tat ihr Zweck, so verfehlen sie ihr Ziel bedeutend. Das ist ein schlechter Brunnen, in den man Wasser gießen muss; und das Bierhaus ist ein schlechter Freund, weil es dir dein alles nimmt und dir nichts übrig lässt, als Bodensatz und Kopfweh. Wer diejenigen Freunde nennt, die einem erlauben, sich bei ihnen hinzusetzen und stundenlang in einem fort zu trinken, der ist unwissend, äußerst unwissend. Sind doch der "Rote Löwe" und der "Goldene Adler" und der "Schwarze Bär" und wie sie sonst heißen, lauter Raubtiere, dass es unbegreiflich ist, warum sich so viele freiwillig in die Gewalt ihrer Zähne und Krallen begeben!

Wer da glaubt, dass die Liberalen oder die Konservativen unsere Abgabenlasten erleichtern werden, der muss am Tage nach dem letzten März geboren sein; und wer von Parochial-Kommissionen Einsicht oder Mitleid erwartet, der muss seine Erziehung in einem Irrenhaus empfangen haben. Wer an Versprechungen bei Wahlen glaubt, der hat lange Ohren und kann Disteln zu essen versuchen. Herr Plausibel ist umhergezogen und hat alle Arbeiter um ihre Stimme ersucht, indem er versprach, dass er allerlei vortreffliche Dinge für sie tun werde. Ja, aber wann? Nun, übermorgen oder etwas später als niemals. Arme Leute, die da meinen, dass die "Freunde der arbeitenden Klassen" ihnen wirkliche Dienste leisten werden, müssen unwissend, äußerst unwissend sein. Haben die Herren erst ihre Plätze erlangt, so können sie ihre Grundsätze natürlich nur dann verteidigen, wenn es ihrem eigenen Interesse entspricht.

Regenschirme verleihen und erwarten, dass sie einem wieder ins Haus laufen werden; jemand einen guten Dienst leisten und einen anderen dafür erwarten, wenn man desselben bedarf; sich der Hoffnung hingeben, dass man gewissen Weibern den Mund stopfen werde; den Versuch machen, es jedem recht zu machen; glauben, dass böse Zungen gut von einem reden werden, oder denken, durch Hörensagen einer Sache auf den Grund kommen zu können - sind lauter Beweise grober Unwissenheit. Diejenigen, die die Welt am besten kennen, trauen ihr am wenigsten; diejenigen, die ihr überhaupt trauen, sind einfältig genug; man könnte ebensogut einem Pferdehuf trauen oder einem Hundezahn. Anderen vertrauen, stürzt viele ins Verderben. Seid klug wie die Tauben! Wer sein Geschäft Verwaltern oder Knechten überlässt und erwartet, dass es gut betrieben werden wird, muss unwissend, äußerst unwissend sein. Die Maus weiß, wenn die Katze aus dem Hause ist, und Diener wissen, wann ihr Herr abwesend ist. Kaum hat sich des Meisters Auge gewandt, so arbeiten die Gesellen langsamer. Selbstgehen und Selbstsehen sind die besten Knechte auf dem Gut. Diejenigen, die im Bett liegenbleiben und darauf rechnen, dass ihr Geschäft von selbst fortgehen werde, sind unwissend, äußerst unwissend.

Solche, die trinken und schwelgerisch leben, und sich darüber wundern, dass ihre Gesichter so sinnig und ihre Taschen so leer sind, würden sich nicht mehr darüber wundern, wenn sie nur zwei Gramm Weisheit hätten. Sie könnten ebensogut eine Ulme um Birnen bitten, als von unordentlicher Lebensweise Gesundheit und Wohlstand erwarten. Diejenigen, die im Wirtshaus Glück suchen, klettern auf einen Baum, um Fische herunter zu holen. Wir könnten ihren ganzen Verstand in eine Eierschale tun, oder sie würden nicht so aberwitzig sein, sich da Trost zu suchen, wo er ebensowenig zu finden ist, als eine Kuh in einem Krähennest; leider aber sind Tagediebe so zahlreich wie Mäuse in einem Weizenschober. Könnten wir sie doch alle nach dem Schlaraffenland versenden, wo man sich mit Schlafen einen Thaler pro Tag verdient! Wenn ihnen jemand den unvermeidlichen Erfolg ihrer schlechten Lebensweise vor Augen stellen könnte, möchten sie sich vielleicht bessern; wiewohl auch das unsicher ist, denn sie sehen ihn schon und fahren doch darin fort wie eine Motte, die sich versengt und doch wieder in die Flamme fliegt. Gewiss, wenn Faulenzer und Säufer meinen, dadurch vorwärts zu kommen, dass sie die Hände in die Tasche und die Nase ins Glas stecken, so liefern sie selber den Beweis dafür, dass sie unwissend, äußerst unwissend sind.

Wenn ich eine junge Dame mit einem Blumengarten auf dem Kopf und einem Manufakturwarenladen am Leibe, den Kopf hin und her bewegen sehe, als ob sie dächte, dass jedermann von ihr entzückt sein müsste, so bin ich gewiss, dass sie unwissend, äußerst unwissend sein muss. Vernünftige Männer wollen kein Garderobenmagazin und kein Hutfutteral heiraten, sie suchen sich eine Frau mit Vernunft, und solche kleiden sich vernünftig.

Ich für meine Person halte auch solche Menschen, die über göttliche Dinge spötteln und die nach ihrer Meinung viel zu klug sind, um an die Bibel zu glauben, für Flachköpfe. Sie haben meistens stolze Worte im Gebrauch und poltern gewaltig; wenn sie aber meinen, dass sie den Glauben denkender Menschen, die die Kraft der Gnade Gottes an sich selbst erfahren haben, zerstören können, so sind sie unwissend, äußerst unwissend. Wer die Sonne auf- und untergehen sieht und darin nicht die Fußstapfen Gottes erkennt, der muss innerlich blinder als ein Maulwurf sein und ist nur geschickt, unter der Erde zu leben. Mir ist´s, als spräche Gott mit mir in jeder Primel und in jedem Gänseblümchen, als blicke Er mich freundlich an in jedem Stern, als lispele Er mir etwas zu in jedem Hauch der Morgenluft und riefe mir laut und vernehmlich zu in jeden Sturm. Es heißt, der Mensch sei der Gott des Hundes; der Mensch aber, der Gottes Stimme nicht hören will, muss schlimmer sein als ein Hund, denn der Hund hört auf seines Herrn Pfeifen. Sie nennen sich ja wohl Philosophen? Ihr eigentlicher Name ist aber Toren, denn der Tor spricht in seinem Herzen: "Es ist kein Gott." Die Schafe wissen's, wenn der Regen kommt, die Schwalben sehen den Winter voraus, und selbst die Schweine, sagt man, riechen den Wind; wieviel schlimmer als ein unvernünftiges Tier muss denn der sein, der da lebt, wo Gott sich überall offenbart und Ihn dennoch nicht sieht! Man sieht hieraus, dass ein Mensch den ganzen Kopf voll Gelehrsamkeit haben und dennoch unwissend, äußerst unwissend sein kann.

 

 

 

Einlegung eines guten Wortes für die Frauen.

 

Wir ließen die Pferde im letzten Kapitel beim Gasthof zur "Guten Frau" anhalten, und da unter diesem Schilde gute Herberge für Mensch und Vieh zu finden ist, so wollen wir hier ein wenig verweilen und unsre Feder in superfeine Tinte eintauchen, die keine Galle enthält. Wenn Pflüger Hans über einen so schönen Gegenstand schreibt, muss er sich auch des besten Betragens befleißigen. Es ist zum Erstaunen, wie viele alte Sprichwörter gegen die Frauen vorhanden sind, gegen ein Dutzend andrer sind immer neunzehn ihnen gewidmet. Vorzeiten nahmen die Männer immer einen rauhen Ton an, wenn sie von ihren Gattinnen sprachen. Einige von diesen Redensarten sind geradezu entsetzlich, wie z.B. das sehr böse Wort: "Jeder Mann hat zwei gute Tage bei seiner Frau - nämlich ihren Hochzeitstag und ihren Sterbetag;" sowie jenes andre: "Wer seine Frau und einen Pfennig verliert, hat sehr viel an dem Pfennig verloren."

Ich erinnere mich eines alten Liedes, welches ein Leiermann über das Thema zu singen pflegte, dass es besser sei, aufgehängt zu werden als zu heiraten; es beweist, wie allgemein das Schmähen des ehelichen Lebens war. Es ist fast zu schlecht, um es abzudrucken; es lautete, soweit ich mich erinnern kann, etwa so:

Im Karren saß der Delinquent,
Zum Richtplatz sollt' es gehen;
Ein Gnadenbote kam behend'
Und hieß den Karren stehen.

"Frei sollst du sein, wenn du willst frei'n,"
So klang des Boten Stimme.
"Das wär' ja wahre Höllenpein!"
Rief jener drauf mit Grimme,

"Manch' Mädchen hier hat gute Weil;
Sollt' ich ihr Spiel verderben?
Ein Weib zu haben ist kein Heil.
Der Tausch brächt' mir den schlimm'ren Teil!
Fahrt zu - will lieber sterben."

Solch schlechtes Zeug beweist übrigens nicht, dass die Freuen schlecht sind, sondern nur, dass ihre Männer nichts taugen, oder sie würden nicht solche abscheuliche Lästerungen über ihre Gefährtinnen aufbringen. Der faulste Zweig knackt am ersten; es scheint demnach, dass die männliche Seite des Hauses die schlechteste von beiden sein muss, denn sie hat ohne Zweifel die bissigsten Sprichwörter fabriziert. Es hat allerdings einige entsetzlich schlechte Frauen in der Welt gegeben, die einen Mann zu der Rede gereizt haben, dass, wenn die Größe der Frauen ihrer Güte entspräche, eine Erbsenschale schon hinreichen würde, um ihnen Kleid und Hut daraus zu machen. Aber wie viele Tausende wahrer Gehilfinnen hat es dagegen gegeben, die man nicht mit Geld aufwiegen könnte! Nur ein Hiobsweib und nur eine Isebel werden in der Schrift erwähnt, der Saras aber und der Rebekkas sind unzählige. Ich stimme mit Salomo überein, dass der allgemeinen Regel nach, derjenige, der ein Eheweib findet, etwas Gutes findet. Wenn ein schlechtes Geldstück beim Kaufmann ausgegeben wird, so bekommen alle Nachbarn davon zu hören, aber von den Hunderten guter erzählt die Geschichte nichts. Ein gutes Weib nacht keinen Lärm, und man macht keinen Lärm um sie, aber eine böse Sieben ist im ganzen Kirchspiel bekannt. Alles in allem genommen sind sie wahrhaft engelhafte Kreaturen und viel zu gut für die Hälfte sämtlicher Männer.

Ein kräftiges Zeugnis zugunsten der Ehefrauen legt der Umstand ab, dass es so wenig alte Redensarten gegen die Ehemänner gibt, wiewohl in diesem Falle das Sprichwort an der Stelle wäre: "Was gut ist für die Gans, ist auch gut für den Gänserich," und: "Die Stute hat ebenso gut Gründe zum Ausschlagen wie der Hengst." Sie müssen viel Schonung und Geduld besitzen, oder sie würden den Männern ein Tit für jedes Tat gegeben haben. Sie sind freilich ein bisschen schnell mit ihrer Zunge; aber sind sie an Schönheit und Klang den Glocken ähnlich, so muss man sich auch nicht wundern, wenn sie, wie diese, Zungen haben, die sich leicht hin und her bewegen. Sie können bei alledem nicht so schlecht sein, oder sie würden sich längst gerächt haben für die vielen bitterbösen Dinge, die ihnen nachgeredet werden; und wenn sie ein wenig herrschsüchtig sind, so müssen ihre Männer doch nicht in allzu schwerer Sklaverei schmachten, oder sie würden gewiss so klug sein und den Mund darüber halten. Die Männer mögen's im allgemeinen nicht gern verlauten lassen, wenn sie gründlich unter dem Pantoffel sind; und ich bin mir ziemlich gewiss, dass die alten Sprichwörter nichts als Wind sind, denn wenn sie wahr wären, so würden die Männer nimmermehr den Mut gehabt haben, es einzugestehen.

Ein rechtes Weib ist ihres Mannes bessere Hälfte, seine Wonne, seine Blume, sein Schutzengel und seines Herzens Schatz. Er spricht zu ihr:

"Von dir entzückt,
Bin ich beglückt.
Du meine Wahl,
Endigst meine Qual.
Zufriedenheit und Ruh'
Verschaffst mir du.
Gott hat's gelenkt
Und dich mir geschenkt."

In ihrer Gesellschaft findet er seinen Himmel hienieden; sie ist das Licht seines Hauses, der Trost seiner Seele und (für diese Welt) die Seele seines Trostes. Was für ein Schicksal ihm auch Gott bescheiden möge, so lange sie lebt, ist er reich. Seine Rippe ist das beste Glied seines Leibes.

"Der, dem ein liebend Weib gegeben,
Hebt wie's auch kommen mag im Leben,
Sein Haupt mit Freuden stets empor;
Doch wer ein böses Weib gefunden,
Trinkt bitt're Galle alle Stunden,
Kein Glück geht ein zu seinem Tor."

Ist der Mann gut, so ist es das Weib auch. Einige Männer können weder ohne Weiber noch mit Weibern fertig werden; sie fühlen sich elend im gepriesenen Stande der Ledigkeit, und sie machen ihr Haus unglücklich, wenn sie sich verheiraten; sie sind Tomkins Hunde ähnlich, der es nicht aushalten konnte, frei zu sein, und der ein Geheul erhob, wenn er angebunden wurde. Wer glücklich war als Junggesell, wird meistens auch glücklich als Mann sein, und ein glücklicher Mann ist der glücklichste Mensch unter der Sonne. Zwei glücklich verheiratete Menschenkinder führen ein fröhliches Leben miteinander, wie die Kundschafter die Traube Eskols zwischen sich trugen. Sie sind ein Paar Paradiesvögel. Ihre geteilten Freuden sind doppelte Freuden, und ihre geteilten Schmerzen sind halbe Schmerzen. Das ist die hübsche Arithmetik, nach der sie rechnen. Der Wagen der Sorge rollt leicht dahin, indem sie ihn zusammenziehen, und wenn er einmal etwas schwer geht oder hier und da anstößt, so lieben sie sich darum nur um so mehr und erleichtern sich also die Last.

Wenn es Streit in der Ehe gibt, so liegen meistens Fehler auf beiden Seiten vor, und gewöhnlich ist auf der einen Seite ein Pfund und auf der andren 400 Gramm. Wenn es in einem Hause unglücklich zugeht, so ist der Mann ebenso oft Schuld daran wie die Frau. Karl ist ebenso sehr zu tadeln wie Johanne und bisweilen noch mehr. Will der Mann keinen Zucker im Schranke halten, so ist's kein Wunder, dass die Frau bitter wird. Mangel an Brot bringt Mangel an Liebe; magere Hunde beißen sich. Die Armut reitet meistens auf dem Rücken des Mannes nach Hause, denn es ist nicht oft die Sache der Frau, auszugehen und um Lohn zu arbeiten. In unsrer Gegend schenkte ein Mann seiner Frau einen Ring mit der Inschrift: "Wenn du nicht arbeitest, sollst du auch nicht essen." Das war ein Unmensch. Es ist nicht ihr Beruf, das Mahlkorn einzubringen - sie hat nur darauf zu sehen, dass es gut angewandt und nicht verwüstet wird; darum sage ich, es ist nicht ihre Schuld, wenn es schmale Kost gibt. Sie hat nicht das Brot zu verdienen, sondern zu bereiten. Sie verdient mehr daheim als irgend einen Lohn, den sie draußen bekommen kann.

Nicht das Weib ist es, welches den Verdienst im "Braunen Bär" oder in dem "Lustigen Kameraden" verspielt oder vertrinkt. Man sieht dann und wann ein betrunkenes Weib, und es ist ein schrecklicher Anblick, aber in neunundneunzig Fällen unter hundert ist es der Mann, der benebelt nach Hause kommt und die Kinder misshandelt - selten tut es das Weib. Dies arme, geplagte Geschöpf ist schon notgedrungen Mitglied des Enthaltsamkeitsvereins, ob es ihr gefällt oder nicht, und bekommt so wie so nur kaltes Wasser zu trinken und oft auch heißes dazu. Die Frauen tadelt man deswegen, dass sie oft vor dem Glase stehen und sich begucken, aber das ist noch immer kein so schlimmes Glas wie das, in dem die Männer ihren Verstand ertränken. Die Frauen sitzen nicht im Wirtshause auf der Ofenbank, um das Geld zu verzechen; sie, die Ärmsten, sitzen beim Kinde daheim und frieren, sehen auf die Uhr (wenn eine vorhanden ist) und wundern sich, wann wohl ihr Herr und Gebieter nach Hause kommen wird, und weinen bittere Tränen, während sie so warten müssen. Ich wundere mich, dass sie nicht Streik machen. Einige von ihnen sind in einer so jammervollen Lage wie ein Maikäfer auf einer Nadel oder eine Maus im Maul einer Katze. Sie müssen die kranke Tochter pflegen und den schmutzigen Jungen waschen und sich fortwährend das Geschrei und den Lärm der Kinder gefallen lassen, während der "Herr der Schöpfung" seinen Hut aufsetzt, sich eine Pfeife anzündet und seinem Vergnügen nachgeht, oder, wenn es ihm gefällt, nach Hause kommt, um seine arme Ehehälfte auszuschelten, dass sie ihm kein besseres Abendbrot besorgt hat. Wie kann er erwarten, wie ein Kampfhahn gefüttert zu werden, wenn er Sonnabend-Abends so wenig Geld nach Haus bringt und so viele Trankopfer am Schrein des Gottes "Gerstensaft" darbringt? Ich sage es und weiß es, dass es viele Häuser gibt, in denen kein scheltendes Weib vorhanden sein würde, wenn nicht ein Brummbär und Saufaus von Mann darin wäre. Kerls, die nicht einmal tauglich sind, um Wischlappen aus ihnen zu machen, trinken und trinken, bis sie ganz im Dusel sind, und schlagen dann auf ihre armen Droschkenpferde los, wenn sie ihnen nicht mehr Geld zum Vertrinken geben können. Widerspreche mir keiner, ich behaupte es und will es auch beweisen, dass eine Frau sich notwendigerweise ärgern muss, wenn sie mit all ihrem Stopfen und Sparen nicht haushalten kann, weil ihr Mann sie daran hindert. Wir alle würden unwillig werden, wenn wir Ziegel machen sollten ohne Stroh, den Topf kochend erhalten ohne Feuer und den Sackpfeifer bezahlen mit leerem Beutel. Was soll sie aus dem Ofen ziehen, wenn sie weder Mehl noch Teig hat? Ihr schlechten Männer, ihr seid ausgefeimte Halunken und solltet bei den Fersen aufgehängt werden, bis ihr euch gebessert habt!

Man sagt, ein Mann von Stroh sei so viel wert wie ein Weib von Gold, ich lasse mir's aber nicht weiß machen; ein Mann von Stroh ist nicht mehr wert als ein Weib von Stroh - mögen die alten Sprichwörter so viel lügen, wie sie wollen. Hans ist meist nicht besser als Grete. Wo Weisheit des Mannes Teil ist, da ist meistens Sanftmut des Weibes Teil, und geht bei ihnen der alte Hochzeitswunsch in Erfüllung: "Im ersten Jahr Freude, im zweiten Behaglichkeit, in allen übrigen Zufriedenheit." "Wo die Herzen sich einen, da wird Freude erscheinen." "Zwei, die sich leiden, kann der Tod nur scheiden." Man sagt zwar, der Ehestand sei nicht sehr oft ein Höhestand, sondern meistens ein Wehestand. Nun, wenn letzteres der Fall ist, so haben Rock und Weste ebensoviel dazu beigetragen, wie Kleid und Schürze. Der Honigmonat braucht gar nicht zu Ende zu gehen; und wenn es doch der Fall ist, so ist oft der Mann daran schuld, weil er allen Honig aufgegessen und nichts als Gefühlsschwärmerei übriggelassen hat; wenn sie aber beide darin eins sind, dass, was auch aus den Gefühlen werde, doch jeder seinen Teil zum Honig beitragen werde, so werden sie ein lustiges Leben haben. Wenn einer im Gasthofe "Zum Katzenfuß" wohnt, da, wo es zerkratzte Gesichter gibt, so hat entweder seine Frau keinen Mann, oder er keine Frau geheiratet. Wenn ein Mann sich nicht seiner Haut erwehren kann, so muss sein Verstand so knapp sein wie die Wolle eines blauen Hundes. Ich bemitleide meistens die armen Männer nicht, die so viel von ihren Frauen zu leiden haben; ich spare mein Mitleid für die Frauen auf. Wenn der Dunmow-Schinken verloren ist, so wird keiner von beiden Eheleuten mehr Speck zu essen bekommen; aber die Frau wird wohl am meisten in Ermangelung desselben zu fasten haben. Jeder Hering muss an seinen eigenen Kiemen hängen, und jede Person muss für ihren eigenen Anteil am häuslichen Zwist Rechenschaft ablegen, aber Pflüger Hans kann es nicht leiden, wenn die ganze Schuld den Frauen aufgebürdet wird. Wenn eine Schüssel zerbricht, so hat es die Katze getan, und wenn ein Unheil geschieht, so ist eine Frau daran schuld. Hier haben wir zwei so hübsche Lügen, wie man sie nur im Laufe eines Monats zu hören bekommen kann. Es gibt ein Warum für jedes Darum, aber das Warum für häusliche Konflikte ist nicht immer bei der Hausfrau zu suchen. Seid nüchtern und habt Acht! Ich weiß, einige Frauen haben lange Zungen, dann ist es aber um so bedauerlicher, dass ihre Männer sie in Bewegung setzen; was aber das viele Sprechen betrifft, so blicke man nur eben in eine Schenke hinein, wenn die Unterkiefer der Männer gut mit Schnaps eingeölt sind, und wenn irgendeine Frau unter der Sonne schneller sprechen und mehr Unsinn schwatzen kann als diese Männer, so will ich nicht Hans Pflüger heißen.

Bis hierher war ich gekommen; da trat unser Prediger ein und sagte: "Hans, du kaust da an einem zähen Bissen, der Gegenstand ist dir ein wenig hoch; ich will dir ein altes, seltenes Buch leihen, mit dessen Hilfe du über den Berg kommen kannst."   "Danke schön, lieber Herr," erwiderte ich, "eine kleine Hilfe ist besser als eine große Menge Tadel, ich bin Ihnen sehr zum Danke verpflichtet." Da übersandte er mir "Erzbischof Seckers Trauring"; und wahrlich, ein Erzkerl war dieser Bischof! Ich kann nichts Besseres tun als einige von seinen saft- und kraftvollen Bemerkungen hier wiedergeben; sie sind sehr wohlschmeckend und prägen sich leicht dem Gedächtnis ein.
Er sagt: "Hast du ein weiches Herz? Gott hat dir das harte genommen. Hast du ein sanftes Weib? Du hast es von Gott bekommen. Die Juden haben ein Sprichwort: >Das ist kein Mann, der keine Frau hat.< Wiewohl der Mensch für sich allein gut sein kann, so ist es doch nicht gut, dass der Mensch allein sei. "Alle gute Gabe und alle vollkommene Gabe kommt von oben herab. Ein Weib, wenn sie auch keine vollkommene Gabe ist, ist doch eine gute Gabe, ein Strahl, ausgegangen von der Sonne der Barmherzigkeit. Wie glücklich sind die Ehen, wo Christus bei der Hochzeit zugegen ist! Lass nur die Frauen, die vor Gottes Augen Gnade gefunden haben, vor deinen Augen Gnade finden. Die Männer sollten den Mantel der Liebe über die Schwächen ihrer Frauen ausbreiten. Lösche die Kerze nicht aus, weil eine Schnuppe daran ist. Mann und Weib sollten einander reizen zur Liebe und einander lieben trotz der Reizungen. Der Baum der Liebe sollte inmitten der Familie aufwachsen, wie der Baum des Lebens im Garten Eden wuchs. Gute Dienstboten sind ein großer Segen; gute Kinder sind ein größerer Segen; aber ein gutes Weib ist der größte Segen; und nach einer solchen Gehilfin suche der, der eine braucht; um eine solche seufze der, der eine verloren hat; und an einer solchen erfreue sich der, der eine besitzt."

Doch ich komme nun wieder vom Rinderbraten des Erzbischofs auf meinen Topf mit Gemüse zurück, und will noch etwas aus meiner eigenen Erfahrung über den vorliegenden Gegenstand mitteilen und damit schließen.

Meine Erfahrung mit meiner ersten Frau, die, wie ich hoffe, auch meine letzte sein wird, ist etwa folgende gewesen: Die Ehe stammt vom Paradies her und führt wieder dahin zurück. Ehe ich verheiratet war, bin ich nie halb so glücklich gewesen, als ich jetzt bin. Erst wenn man verheiratet ist, fängt das Glück des Lebens an. Ich zweifle nicht daran, dass, wo viel Liebe ist, auch viel Liebenswertes sein wird, und dass, wo es mit der Liebe schwach bestellt ist, sich eine große Menge Fehler einstellen werden. Gibt es nur ein gutes Weib unter der Sonne, so bin ich der Glückliche, der ihr den Ring an den Finger gesteckt hat, und mein Wunsch ist der, dass sie ihn noch recht lange tragen möge! Gott segne die gute Seele! Kann sie sich nur in mich schicken, ich werde sie sicherlich nicht wegschicken!

Wenn ich heute nicht verheiratet wäre und eine treffliche Gefährtin wüsste, so würde ich mich schon morgen früh vor dem Frühstück mit ihr verheiratet haben. Wie kommt euch das vor? "Ich glaube," spricht da vielleicht einer, "Pflüger Hans würde sich wieder verheiraten, wenn er Witwer geworden wäre!" Nun, und wenn es so wäre, wie könnte er es besser beweisen, dass er mit seiner ersten Frau glücklich gewesen ist? Ich bekenne frei und offen, dass ich nicht sprechen würde wie einige, die da sagen, sie müssten sich wieder verheiraten, um eine zu haben, die nach den Kindern sieht; nein, ich würde wieder heiraten, um eine zu haben, die nach mir selber sieht, Pflüger Hans liebt die Geselligkeit und würde nicht wissen, was er allein in seinem Hause anfangen sollte. Ein Mann, als er sein viertes Weib nahm, ließ die Worte in den Trauring gravieren:

"Überleb' ich dich,
Nehm' die Fünfte ich."

Nun, das war allerdings ein alter Blaubart! Ehen werden im Himmel geschlossen; der Ehestand ist an und für sich gut, aber es gibt Narren, die Speise in Gift verwandeln und aus einem Segen einen Fluch machen. "Das ist ein guter Strick," spricht der Narr, "damit kann man sich gut aufhängen." Wer sich seine Frau von Gott erbeten hat und sie um ihres Charakters willen, nicht bloß wegen ihrer hübschen Figur, geheiratet hat, darf wohl erwarten, dass Gottes Segen seine Wahl besiegeln wird. Diejenigen, deren Liebe sich in Gott vereinigt, die Ihn um Liebe bitten und Ihn zu bitten lieben, die brauchen nicht darum besorgt zu sein, dass Liebe und Freude je von ihnen scheide.

Derjenige, der seine Frau achtet, wird finden, dass sie ihn auch achtet. Mit dem Maß, mit dem er misst, wird ihm wieder gemessen werden, und zwar mit einem vollen, gedrückten und geschüttelten Maß. Derjenige, der seine Gattin zu Rate zieht, wird eine gute Ratgeberin haben. Ich habe unseren Prediger sagen hören: "Die Frauen fühlen die Wahrheit instinktmäßig viel schneller heraus, als die Männer mit ihrer Vernunft." Sie treffen das Rechte im Nu und sind weise aus dem Stegreif. Sage, was du willst, gegen den Rat, den dir deine Frau gegeben hat, es wird dir höchstwahrscheinlich leid tun, dass du ihn nicht befolgt hast. Wer schlecht von den Frauen spricht, sollte der Brust eingedenk sein, die ihn gesäugt hat - und sich seiner selbst schämen. Wer seine Frau misshandelt, sollte öffentlich ausgeprügelt werden, und ich hätte Lust, ihm auch einen ordentlichen Hieb zu versetzen! Ich würde ihm schon ein paar ordentliche überziehen, das könnt ihr mir glauben! Und hiermit genug für diesmal, wie der Strohdecker sagte, nachdem er alle Schüsseln, die auf dem Tische standen, geleert hatte.

 

 

 

Über die äußere Erscheinung des Predigers.

 

Bei einem guten Pferd kommt's nicht auf die Farbe an, und ein wirklich guter Prediger kann sich tragen, wie er will, und niemand wird viel danach fragen; aber wenn man auch nicht die Güte des Weins am Fass erkennen kann, so dient doch eine gute äußere Erscheinung selbst einem Pflüger zur Empfehlung. Weise Leute verlieben sich weder, noch fassen sie eine Abneigung gleich auf den ersten Blick, dennoch trägt der erste Eindruck auch bei ihnen viel aus; was aber jene schwächeren Brüder betrifft, welche nicht weise sind, so hat man schon die Schlacht halb gewonnen, wenn man nur einen guten ersten Eindruck auf sie gemacht hat. Was ist aber eine gute äußere Erscheinung? Sicherlich nicht ein hochtrabendes, steifes und gezwungenes Wesen und ein Sich-in-die-Brust-werfen unter den Leuten, denn freundliche Worte gewinnen die Herzen, aber stolze Blicke stoßen sie zurück. Auch feine Kleider tragen macht's nicht aus, denn wer sich kleidet wie ein Geck, der sagt damit: Mein Haus ist unsauber drinnen, nur die Schwelle draußen ist frisch gestrichen; eine solche Kleidung verkündet der Welt, dass die Außenseite das beste an einer solchen Zierpuppe ist. Wenn ein Mensch als ein Pfau einherstolziert und sich zur Schau stellt, so sollte er sich selber erst bekehren, ehe er sich herausnimmt, anderen zu predigen. Ein Prediger, der sich immer im Spiegel besieht, mag wohl einigen albernen Mädchen gefallen, aber weder Gott noch Menschen werden es lange mit ihm aushalten. Wer seine Größe seinem Schneider zu verdanken hat, wird finden, dass Nadeln und Zwirn einen Narren nicht lange an der Kanzel festhalten können. Ein Edelmann sollte mehr in der Tasche als auf dem Rücken haben, und ein Prediger sollte mehr an seinem Innern als an seinem äußeren Menschen besitzen. Ich würde jungen Predigern, wenn ich könnte, zurufen: Zieht keine Glaceehandschuhe beim Predigen an, denn Samtpfötchen fangen keine Mäuse; brennt und ölt euer Haar nicht wie Stutzer, denn niemand hat Lust, die Stimme eines Pfauhahns zu hören; gebt überhaupt nicht so viel auf eure werte Person, oder es wird niemand anders etwas auf euch geben. Fort mit goldenen Ringen, goldenen Ketten und sonstigem Juwelenschmuck! Die Kanzel ist kein Goldwarenhändlerladen. Fort auf ewig mit Torhemden und Priesterröcken, und all diesem Puppenzeuge für Kinder - Männer sollten von sich abtun, was kindisch ist! Ein Kreuz auf dem Rücken bedeutet einen Teufel im Herzen; diejenigen, die da tun, wie man in Rom tut, sollen auch nach Rom hingehen und offen Farbe bekennen. Wenn die Priester meinen, dass sie sich mit ihren schönen, zierlichen Gewändern bei ehrlichen Leuten in Respekt setzen, so sind sie sehr im Irrtum, denn es gilt hier das Wort, dass man einen Vogel an seinen Federn erkennt, und dass keinem

"Der Name "Affe" so gebührt,
Als dem, der päpstlich sich staffiert."

Unter uns Dissidenten beansprucht der Prediger keine priesterliche Gewalt und sollte daher auch nie eine priesterliche Kleidung tragen; mögen Narren Narrenkappen und Narrenröcke tragen, aber Männer, die keine Narren sein wollen, sollten keine Narrenkleider anlegen. Nur ein sehr einfältiges Schaf würde Lust haben, Wolfskleider zu tragen! Und was hat dieser Aufputz für einen Nutzen? Gerade so dumm wie eine Ente mit großen Holzschuhen, sieht ein Dissidentenprediger mit einem Talar aus, der ihm durchaus von gar keinem Gewinn ist. Ich könnte lachen, dass ich mir die Seiten halten müsste, wenn ich unsere großen Herren Prediger mit Talar und Halskrause ausstaffiert und mit dem kleinen Kinderlätzchen aufgestutzt einhertreten sehe, denn es fällt mir dann immer unser alter Puterhahn ein, wenn er wütend ist und sich aufbläst. Das müssen wirklich äußerst schwachköpfige Narren sein, die den Prediger immer erst in Frauenkleidern sehen müssen, ehe ihnen seine Predigt zum Segen sein kann; und wer selber nicht ohne solche Artikel aus dem Putzwarengeschäft predigen kann, der mag wohl unter Gänsen für einen Mann gelten, aber unter Männern wird er eine Gans sein. Daneben ist es aber auch wahr, dass ein Prediger immer, soweit es seine Mittel gestatten, respektabel gekleidet sein sollte; jedenfalls mit makelloser Sauberkeit, denn Könige sollten keine schmutzigen Diener, die ihnen bei Tisch aufzuwarten, haben, und diejenigen, welche Gottseligkeit lehren, sollten Reinlichkeit üben, auch wenn es manchmal etwas Mühe kostet. Aus demselben Grund würde mir auch das weiße Halstuch des Predigers besser gefallen, wenn es wirklich immer weiß wäre, aber ein trübes Grau ist weder Fisch noch Fleisch. Gott erlöse die Christenheit von liederlichen, Tabak rauchenden und schnupfenden, Bier trinkenden Pastoren! Einige, mit denen ich zusammengetroffen bin, mögen vielleicht ganz gute Sitten gehabt haben, leider aber hatten sie sie zu der Zeit gerade nicht bei sich; wie jener holländische Schiffskapitän hatten sie ihren Anker zu Hause liegen lassen; dies sollte nie der Fall sein, denn wenn es einen wohlerzogenen Mann im Kirchspiel gibt, so sollte derselbe der Prediger sein. Ein abgetragener Rock ist keine Unehre, aber die ärmsten Leute können reinlich sein, und ehe ein Mensch das nicht geworden ist, sollte er eher ein Schüler als ein Lehrer sein. Man kann freilich das Pferd nicht nach dem Geschirr beurteilen, aber eine bescheidene, wohlanständige persönliche Erscheinung, bei der die Kleidung derart ist, dass niemand etwas darüber zu bemerken hat, scheint mir das Richtige zu sein. Diese wenigen praktischen Winke sind für euch jungen Bürschchen bestimmt, die ihr eben ins Predigtamt eingetreten seid; und wenn sich irgendeiner von euch darüber ärgert, dann sage ich euch, dass wunde Pferde sich nicht gern kämmen lassen, und rufe euch einfach zu: "Wen's juckt, der kratze sich!" Ihr werdet freilich sagen, Pflüger Hans sollte lieber zusehen, dass sein eigener Kittel geflickt ist, und die Pastoren in Ruhe lassen; aber ich nehme mir einmal die Freiheit, mit meinen Augen zu sehen und meine Ansichten auszusprechen, denn auch eine Katze kann einen König ansehen, und auch ein Narr kann weisen Männern guten Rat geben. Spreche ich zu deutlich, so denkt gefälligst daran, dass jeder Vogel singt, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, und dass, wer sich lange daran gewöhnt hat, eine gerade Furche mit dem Pflug zu ziehen, auch wohl geneigt sein mag, etwas geradezu in seiner Rede zu sein.


 

Guter Rat für allerlei Leute 

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