C.H.Spurgeon

"Wiederum führte ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit und sprach zu ihm: Das alles will ich dir geben, so du niederfällst und mich anbetest."
(Matt. 4, 8 - 9)

Elender Betrüger! Keines von diesen Reichen war wirklich sein eigen; sie waren alle in Wahrheit das rechtmäßige Erbe des Herrn, dem er sie seiner Behauptung nach geben wollte. Wie tat er den Mund auf und sagte: "Dies alles will ich Dir geben!" Ein armseliges 'alles' im Grunde! Und es wäre eine gestohlene Gabe gewesen, hätte er sie geschenkt. Dennoch wäre es für den einen oder anderen von uns ein sehr blendender und bezaubernder Anblick gewesen, denn die Herrlichkeiten auch nur eines Reiches machen, dass Herzen höher schlagen, Augen glänzen, und Füße gleiten. Der Köder ist süß, aber der Haken liegt darunter. Die glänzende Herrlichkeit würde zu teuer erkauft sein durch die Forderung: "Falle nieder und bete mich an." Wenn Jesus fleischliche Mittel angewandt hätte, so würde Er bald "die Reiche der Welt" zu seinen Füßen gehabt haben. Ein wenig Nachgeben in Sachen der Wahrheit, ein wenig Schmeicheln des Vorurteils, und Er hätte viele an sich ziehen können, die unwiderstehlich in ihrem Fanatismus gewesen wären. Durch ihre begeisterten Anstrengungen hätte Er bald eine gewaltige Macht erringen können, vor der Rom gefallen wäre. Unser heiliger Herr verschmähte es, schlechte Mittel zu gebrauchen, obwohl der Meister der Bosheit Ihm Erfolg versprach. Wie konnte Er sich vor dem Teufel beugen? Es war die Höhe der Unverschämtheit vonseiten des falschen Feindes, Anbetung von dem Vollkommenen zu verlangen. Christus zu des Teufels Füßen! Es erinnert uns an eine Religion, die durch Theaterstücke und Tombolas unterstützt wird. Welche Gabe des niedrigen Feindes konnte den Sohn Gottes in Versuchung bringen, der Diener des Bösen zu werden? Der Versucher wagt nicht, die Sohnschaft hier zu erwähnen, denn das hätte die lästerliche Zumutung zu sehr bloßgelegt. Kein Sohn Gottes kann den Teufel anbeten.

O Herr, verleihe uns, dass wir, wenn wir je hungern und arm sein sollten, gleich unserem Herrn nie in die Versuchung einwilligen, Unrecht zu tun, um Reichtum und Ehre oder auch nur Abhilfe einer dringenden Not zu erlangen! Möge Deine Gemeinde nie der Welt nachgeben mit dem Gedanken, das Reich Christi in einer leichteren und rascheren Weise aufzurichten, als durch die einfache Predigt des Evangeliums!

 

P.Wurster

"Wiederum führte ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit und sprach zu ihm: Das alles will ich dir geben, so du niederfällst und mich anbetest. Da sprach Jesus zu ihm: Hebe dich weg von mir Satan, denn es steht geschrieben: Du sollst anbeten Gott, deinen Herrn, und ihm allein dienen."
(Matt. 4, 8 - 10)

Was heißt das, niederfallen und den Teufel anbeten? Es kann sich doch bei Jesus nicht um die Versuchung zur groben Abgötterei, zum direkten Abfall von Gott gehandelt haben: Das Gefährliche war das Teilen zwischen dem Gott des Himmels und dem Gott dieser Welt: tun, was Gott gefällt, daneben aber auch den Menschen schmeicheln; den heiligen Ernst göttlichen Willens predigen, daneben aber ein Auge zudrücken, wenn es sich um einflussreiche Leute handelt; sich auf Gott verlassen, aber auch auf die Macht des Geldes; der Macht der Wahrheit vertrauen, aber auch nebenher Menschen gewinnen mit List und Überredung. Dieses zwiespältige Wesen verdirbt uns so viel. Jesus hätte es viel leichter gehabt und manchen Augenblickserfolg errungen, wenn er sich so mit dem Weltgeist abgefunden hätte. Aber sein Werk wäre verloren gewesen. Deswegen sein schroff abweisendes Wort: hebe dich weg von mir, Satan! O dass wir auch so scharf wären, sooft die Versuchung da ist, dass wir unserem Herz Teilung schafften zwischen dem heiligen Geist und dem Geist dieser Welt!

Wir danken dir, Herr Jesu, dass du dich dein Leben lang so ritterlich gewehrt hast gegen den bösen Feind, der dich und dein Werk hat verderben wollen! Du hast gesiegt und dein Sieg kommt uns zugut. Nun wissen wir ganz genau, dass man am weitesten kommt, wenn man Gott allein anbetet und nicht nebenher die Macht des Geldes oder die Meinung der Mehrheit, wenn man Gott allein dient, und nicht nebenher dem Götzen des Tags. Herr Jesu, du hast uns Bahn gemacht mit deinem siegreichen Kampf. Nun brauchen wir nicht zu unterliegen in der Versuchung, die sich uns täglich naht. Du bist nahe allen, die in deinem Namen kämpfen. O hilf uns, dass wir überwinden! Amen.


Stichworte Theaterstücke Theatralische Aufführung, Pantomime, moderner Gottesdienst, "Das Evangelium des Reiches", engl. Originaltitel "A popular exposition to the gospel according to Matthew"

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