C.H.Spurgeon


Wiedergeburt durch die Taufe.


,,Und Er sprach zu ihnen: Geht hin in alle Welt, und predigt das Evangelium aller Kreatur. Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden."
Mk 16, 15.16.


Im vorhergehenden Vers gibt uns der Herr Jesus Christus einen kleinen Einblick in den natürlichen Charakter der Apostel, die Er dazu ausersehen hatte, die ersten Diener des Worts zu sein. Es waren offenbar Männer wie wir, die es ebenso nötig hatten, gescholten zu werden wie wir. Der Herr ,,schalt ihren Unglauben und ihres Herzens Härtigkeit, daß sie denen nicht geglaubt hatten, die Ihn auferstanden gesehen hatten," und daraus schließen wir, daß es dem Herrn gefiel, zur Verkündigung seines Wortes unvollkommene Männer zu erwählen, und noch dazu Männer, die an sich sehr schwach waren in der Gnade des Glaubens, in welcher sie stark hätten sein sollen. Glaube ist die siegende Gnade und das Haupterfordernis in einem Prediger des Worts, und doch mußten diese Anführer des göttlichen Kreuzzuges wegen ihres Unglaubens getadelt werden. Warum geschah dies? Nun, weil der Herr es stets so angeordnet hat, daß wir diesen Schatz in irdenen Gefäßen tragen, auf daß die überschwengliche Kraft sei Gottes und nicht von uns.


Schließt daraus nicht, daß wir, die wir Gottes Diener sind, unsre Mängel entschuldigen oder gar mit Vollkommenheit prahlen wollen. Wir fleißigen uns, heilig zu leben, aber wir können nicht den Anspruch erheben, daß wir sind, was wir zu sein wünschen. Wir basieren die Ansprüche der Wahrheit Gottes nicht auf die Fleckenlosigkeit unseres Charakters, sondern daraus, daß sie von Ihm kommt. Ihr habt trotz unsrer Gebrechen und nicht wegen unsrer Tugenden geglaubt. Wir treten oft mit großem Zittern vor euch hin und trauern über unsre Mängel; aber wir bieten euch Gottes Wort als Gottes Wort und bitten euch, es aufzunehmen nicht als kommend von uns armen, sündlichen Sterblichen, sondern als ausgehend von dem ewigen und dreimal heiligen Gott, und wenn ihr es so aufnehmt, dann ist das Werk des Wortes sicheres Werk, welches es nicht sein könnte, wenn es irgendwie auf Menschen beruhte.


Nachdem uns der Herr so einen Einblick in den Charakter derer gegeben, die Er zur Verkündigung seiner Wahrheit erwählt hat, fährt Er fort, den erwählten Kämpfern ihren Auftrag für den heiligen Krieg zu geben. Ich bitte euch, die Worte mit ernster Sorgfalt zu beachten. Er faßt ihre Aufgabe in wenigen Worten zusammen und sagt ihnen zugleich das Resultat derselben voraus, indem Er ihnen mitteilt, daß ohne Zweifel die einen glauben und selig werden und die andern nicht glauben und darum gewißlich verdammt, das heißt, auf ewig zu den Strafen des Zornes Gottes verurteilt werden würden. Die Zeilen, welche den Auftrag unseres aufgefahrenen Herrn enthalten, sind gewiß von größter Wichtigkeit und erfordern große Aufmerksamkeit und unbedingten Gehorsam nicht nur von denen, welche das Werk des Dienstes am Wort zu treiben bestrebt sind, sondern auch von denen, die die Botschaft der Gnade hören. Zu unserm Erfolg im Werk unseres Meisters ist ein klares Verständnis dieser Worte absolut notwendig, denn wenn wir den Auftrag nicht verstehen, ist es nicht wahrscheinlich, daß wir ihn richtig ausführen werden. Diese Worte abändern, wäre mehr als Unverschämtheit; es schlösse das Verbrechen des Hochverrats wider die Autorität Christi und wider die besten Interessen der Menschenseelen in sich.


Wohin sich die Apostel auch wenden mochten, die Predigt des Evangeliums stieß auf Hindernisse, und je offener und wirksamer die Tür des Worts war, um so zahlreicher wurden die Widersacher. Diese kühnen Männer schwangen das Schwert des Geistes, um alle ihre Feinde in die Flucht zu jagen, und sie taten es nicht durch List oder Falschheit, sondern indem sie direkt auf den Irrtum losgingen, der ihnen im Wege stand. Sie dachten nie einen Augenblick daran, das Evangelium dem unheiligen Geschmack oder den Vorurteilen der Leute anzupassen, sondern sie gingen direkt und kühn mit dem gewaltigen Schwert des Geistes gegen die Krone des ihnen entgegenstehenden Irrtums an. Ich will heute im Namen des Herrn Zebaoth, meines Helfers und Beschützers, dasselbe zu tun versuchen und wenn ich irgendwelche Feindseligkeit erregen sollte, wenn ich dadurch, daß ich ausspreche, was ich als die Wahrheit glaube, die Freundschaft etlicher verlieren und die Feindschaft bei andern erregen sollte, so kann ich dem nicht abhelfen. Die Last des Herrn ist auf mir und ich muß meine Seele frei machen. Ich habe lange genug damit zurückgehalten, aber das überwältigende Gefühl von meiner heiligen Pflicht zwingt mich jetzt dazu. Da ich bald vor den Schranken meines Meisters erscheinen muß, will ich heute auf jede Gefahr hin mein Zeugnis für die Wahrheit ablegen. Wenn es sein muß, will ich mich damit zufrieden geben, als böse verworfen zu werden, aber ich kann und darf nicht schweigen. Der Herr weiß, daß ich nichts anderes in meinem Herzen habe als die reinste Liebe zu den Seelen derer, die in des Herrn Namen ernstlich anzureden ich mich gebieterisch berufen fühle. Unter meinen Zuhörern und Lesern werden mich viele tadeln, wenn nicht verurteilen, aber ich kann nicht anders. Wenn ich um der Wahrheit willen eure Liebe verscherze, so tut es mir leid um euch, aber ich kann und darf nicht anders. Habe ich jemals um euren Beifall gebuhlt? Es ist jedermann angenehm, applaudiert zu werden; aber wenn irgend ein christlicher Prediger um der Behaglichkeit oder um seines Ansehens oder um des Lächelns der Menschen willen einen Teil seines Zeugnisses zurückhält, so wird sein Herr es schließlich von seinen Händen fordern. In der unmittelbaren Gegenwart Gottes stehend, will ich heute ehrlich aussprechen, was ich fühle, je nachdem mich der Heilige Geist dazu befähigen wird, und ich will es euch überlassen, die Angelegenheit zu beurteilen, wie ihr denn auch am jüngsten Tage davon Rechenschaft zu geben haben werdet.


Ich finde, daß der große Irrtum, mit welchem wir im ganzen Lande zu kämpfen haben, einer ist, der in direktem Gegensatz zu meinem Text steht; er ist euch als die Lehre von der Taufwiedergeburt wohl bekannt. Wir wollen dieses Dogma der Behauptung gegenüberstellen, daß die Taufe ohne den Glauben niemand selig macht. Der Text sagt: ,,Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden;" und er behauptet, daß ,,wer nicht glaubt, der wird verdammt werden," ob er nun getauft ist oder nicht, so daß die Taufe den Ungläubigen nicht selig macht, daß sie ihn auch nicht im Geringsten von dem gemeinsamen Urteil aller Gottlosen freispricht. Ob er nun durch Untertauchung oder durch Besprengung, in seinem Säuglingsalter oder als Erwachsener getauft werden mag - wenn er sein Vertrauen nicht auf Jesum Christum setzt, wenn er ein Ungläubiger bleibt, dann gilt ihm dieses schreckliche Urteil: ,,Wer nicht glaubt, der wird verdammt werden." Die sehr mächtige Kirche Englands lehrt diese Lehre nicht nur durch ihre Diener, sondern sie erklärt sie auch öffentlich und kühn in ihrer bestimmten Glaubensregel, dem allgemeinen Gebetbuch, und zwar in so ausdrücklichen Worten, daß sie nicht mißverstanden werden kann.


Wir zitieren die Worte aus dem Katechismus, welcher zum Unterricht der Jugend bestimmt und natürlich sehr klar und einfach abgefaßt ist, da es ja töricht wäre, die Jugend mit metaphysischen Künsteleien zu belästigen. Das Kind wird nach seinem Namen und dann weiter gefragt: ,,Wer hat dir diesen Namen gegeben?" ,,Meine Paten und Patinnen in meiner Taufe, durch welche ich ein Glied Christi, ein Kind Gottes und ein Erbe des Himmelreichs geworden bin." Ist das nicht bestimmt und klar genug? Ich schätze die Worte wegen ihrer Offenheit; sie könnten nicht deutlicher sein. Damit kein Zweifel bestehe, wird es dreimal gegeben. Das Wort Wiedergeburt könnte durch einige Künsteleien anders ausgelegt werden; aber hier kann es kein Mißverständnis geben. Das Kind ist nicht nur ,,ein Glied Christi" geworden - und Verbindung mit Christo ist keine kleine geistliche Gabe - sondern ist durch die Taufe auch ,,ein Kind Gottes" geworden, und da die Regel ist: ,,sind wir denn Kinder, so sind wir auch Erben", so ist es auch ,,ein Erbe des Himmelreichs". Nichts kann deutlicher sein. Ich wage es zu sagen, daß solange noch Ehrlichkeit auf Erden ist, wird es über den Sinn dieser Worte zu keinem Streit kommen. Es ist klar wie der Mittag, daß, wie die liturgische Vorschrift lautet, ,,Väter, Mütter, Lehrmeister und Herrschaften ihre Kinder, Lehrlinge und Dienstboten (gleichviel wie träge, eitel oder gottlos sie auch sein mögen) veranlassen sollten, den Katechismus zu lernen und zu sagen, daß sie durch die Taufe Glieder Christi und Gottes Kinder geworden sind". Die Form für die Erteilung dieser Taufe ist kaum weniger klar und ausgesprochen, denn dem Allmächtigen wird ausdrücklich dafür gedankt, daß die getaufte Person wiedergeboren ist. ,,Dann soll der Priester sagen: >>Da wir nun, geliebte Brüder, sehen, daß dieses Kind wiedergeboren und in den Leib der Kirche Christi eingepflanzt ist, so laßt uns dem allmächtigen Gott für diese Segnungen danken und Ihn einmütig bitten, daß dieses Kind sein übriges Leben diesem Anfang gemäß wandle<<" Das ist aber noch nicht alles. Damit kein Irrtum obwalte, haben wir die Worte der Danksagung vorgeschrieben: ,,Dann soll der Priester sagen: >>Wir bringen Dir herzlichen Dank, allbarmherziger Vater, daß es Dir gefallen hat, dieses Kindlein durch Deinen Heiligen Geist wiederzugebären, es durch Adoption als Dein eigenes Kind anzunehmen und es Deiner heiligen Kirche einzuverleiben<<".


Dies ist also die klare und unverkennbare Lehre einer Kirche, die sich protestantisch nennt. Ich behandle jetzt nicht die Frage von der Säuglingstaufe; damit habe ich es heute nicht zu tun. Ich erwäge jetzt die Frage von der Wiedergeburt durch die Taufe, ob in Erwachsenen oder in Kindern oder ob sie der Besprengung, der Begießung oder der Untertauchung zugeschrieben wird. Hier ist eine Kirche, welche an jedem Sonntag in der Sonntagsschule, und welche nach der Vorschrift öffentlich in der Kirche alle Kinder darüber belehrt, daß sie, als sie getauft wurden, Christi Glieder, Gottes Kinder und Erben des Himmelreichs wurden! Hier ist eine sich protestantisch nennende Kirche, welche jedesmal, wenn ihr Diener ans Taufbecken tritt, erklärt, daß jede Person, die die Taufe empfängt, dann ,,wiedergeboren und in den Leib der Kirche Christi eingepflanzt worden ist".


,,Aber," höre ich viele liebe Leute ausrufen, ,,es gibt viele gläubige Geistliche in der Kirche, welche nicht an die Taufwiedergeburt glauben". Darauf antworte ich sofort. Das mag schon sein, aber: Warum gehören sie denn einer Kirche an, welche diese Lehre in den deutlichsten Ausdrücken lehrt? Man sagt mir, daß viele in der Englischen Kirche gegen ihre eigenen Lehren predigen. Ich weiß, daß es so ist, und hierin freue ich mich ihrer Erleuchtung, aber ich bezweifle sehr ernstlich ihre Moralität. Einen Eid darauf leisten, daß ich aufrichtig einer Lehre zustimme, die ich nicht glaube, müßte meinem Gewissen fast wie ein Meineid vorkommen, wenn es nicht geradezu Meineid ist; aber die, welche so tun, müssen von ihrem Herrn gerichtet werden. Wenn ich Geld dafür nehme, daß ich das verteidige, was ich nicht glaube; wenn ich Geld von einer Kirche nehme und doch nicht das predige, was offenbar ihre Lehre ist - ich sage, wenn ich das täte (ich beurteile andere, wie ich wünsche, daß sie mich beurteilen), oder wenn ein anderer ehrlicher Mann das täte, so wäre das eine so große Abscheulichkeit, daß ich mich aller Wahrscheinlichkeit, Ehrlichkeit und gewöhnlichen Moralität bar erachten müßte, wenn ich solche Tat begangen hätte. Ehe ich das Amt eines Dieners dieser Gemeinde annahm, sah ich mir eure Glaubensartikel an; wenn es nicht auch die meinen gewesen wären, würde ich euren Ruf nicht angenommen haben, und wenn ich meine Meinungen ändern sollte, so seid versichert, daß ich als ehrlicher Mann resignieren werde; denn wie könnte ich einen Teil eures Glaubens bekennen und dann etwas ganz anderes predigen?
Ich weiß nichts, das mehr geeignet ist, das Sittlichkeitsgefühl im Volke zu verderben, als den Mangel an Geradheit bei Predigern; und wenn Weltmenschen hören, daß Prediger gerade das leugnen, was ihr Bekenntnis lehrt, dann bilden sie sich ein, daß Worte bei den Geistlichen keinen Sinn haben, daß wesentliche Unterschiede in der Religion nur Bagatelle sind, und daß es gar nicht darauf ankommt, was ein Mensch glaubt, solange er noch wohlwollend gegen andere Menschen ist. Wenn die Taufe Menschen wiedergebärt, so muß diese Tatsache mit Trompetenzungen gepredigt werden, und dann darf sich niemand des Glaubens daran schämen. Das sind in dieser Hinsicht ehrliche Kirchenmänner, welche, das Gebetbuch unterschreibend, auch an die Taufwiedergeburt glauben und sie deutlich predigen. Laßt uns ihre Lehre durch alle biblischen und verständigen Mittel widerlegen; aber laßt uns ihren Mut achten, mit dem sie uns offen ihre Anschauungen darlegen. Ich hasse ihre Lehre, aber ich liebe ihre Ehrlichkeit, und da sie nur aussprechen, was sie für wahr halten, so mögen sie es aussprechen, und je klarer sie das tun, desto besser ist es. Ich für mein Teil liebe es, einem ehrlichen Gegner von Angesicht zu Angesicht gegenüberzustehen. Wenn jemand glaubt, daß die Taufe die Wiedergeburt wirke, so spreche er es aus; wenn aber jemand in seinem Herzen nicht so glaubt und doch die Worte unterschreibt, die es behaupten, und wenn er durch seine Beipflichtung seinen Lebensunterhalt bezieht, so suche er sich verwandte Genossen und Freunde unter den Menschen, die sich auf Zweideutigkeiten und auf allerlei Schiebungen verstehen; denn ehrliche Männer werden seine Freundschaft weder suchen noch annehmen.

Wir selbst sind über diesen Punkt nicht im Zweifel; wir behaupten, daß Menschen dadurch, daß sie getauft werden, nicht selig werden. In solcher Versammlung wie dieser schäme ich mich fast, auf die Sache einzugehen, weil ihr zu sicher seid, um irregeführt zu werden. Doch um anderer willen wollen wir es tun. Wir halten dafür, daß Menschen nicht durch die Taufe selig werden, denn erstens nehmen wir an, daß es mit der geistlichen Religion nicht zu stimmen scheint, die Christus zu lehren gekommen ist, daß Er die Seligkeit von einer Zeremonie abhängig machen sollte. Der Judaismus konnte möglicherweise die Zeremonie als eine Art Vorbild in seine Vorschriften aufnehmen, die ihm zum ewigen Leben als wesentlich vorkamen; denn es war eine Religion von Vorbildern und Schatten. Aber Jesus Christus beansprucht für seinen Glauben, daß er rein geistlich sei, und wie konnte Er die Wiedergeburt mit einer besonderen Anwendung einer wässerigen Flüssigkeit verbinden? Ich kann nicht einsehen, wie das ein geistliches Evangelium sein kann; aber ich kann einsehen, wie mechanisch es würde, wenn ich ausgesandt wäre, zu lehren, daß das Benetzen der Stirn oder selbst das Eintauchen einer Person in Wasser die Seele rette. Dies scheint mir die mechanischste Religion zu sein, die da existiert und die mit den Gebetswindmühlen in Tibet oder mit dem Hinauf- und Herabkriechen auf der Pilatustreppe, dem sich auch Luther in den Tagen seiner Dunkelheit unterzog, auf gleicher Stufe steht.
Ich kann keine Verbindung sehen, welche zwischen der Besprengung oder Untertauchung und der Wiedergeburt besteht, so daß das eine ohne den Glauben notwendig an das andere gebunden ist. Wenn Gott es so geboten hätte, könnten, wenn es im Glauben geschehe, Wunder gewirkt werden; wie aber können ohne Glauben oder selbst ohne Bewußtsein, wie in dem Falle der Säuglinge, notwendig geistliche Segnungen mit dem Besprengen von Wasser verbunden werden?

Aber als kräftigeres Argument fällt mir auf, daß das Dogma nicht durch Tatsachen unterstützt ist. Sind alle getauften Personen Kinder Gottes? Wohl, wir wollen uns die göttliche Familie ansehen. Laßt uns auf ihre Ähnlichkeit mit ihrem Vater achten! Bin ich unwahr, wenn ich sage, daß sich Tausende von denen, welche im Säuglingsalter getauft wurden, jetzt in unseren Gefängnissen befinden? Ihr könnt das, wenn ihr wollt, feststellen, wenn ihr euch an die Gefängnisbehörden wendet. Glaubt ihr, daß diese Menschen, deren viele von Raub, Diebstahl, Betrug und allerlei Verbrechen gelebt haben, wiedergeboren sind? Wenn so, dann bewahre uns Gott vor solcher Wiedergeburt. Sind diese Elenden Christi Glieder? Wenn so, dann hat sich Christus seit der Zeit, da Er heilig, unbefleckt und von den Sündern abgesondert war, schmerzlich verändert. Hat Er wirklich getaufte Trunkenbolde und Huren zu Gliedern seines Leibes gemacht? Lehnt ihr euch gegen solche Annahme nicht auf? Es ist eine wohlbekannte Tatsache, daß getaufte Personen hingerichtet worden sind. Gewiß, es kann kaum recht sein, Erben des Himmelreichs hinzurichten! Welche verabscheuungswürdige Farce ist das am offenen Grabe, wenn ,,ein lieber Bruder", welcher im trunkenen Zustande gestorben ist, in einer ,,sicheren und gewissen Hoffnung der Auferstehung zum ewigen Leben" begraben wird! Hier ist ein wiedergeborener Bruder, welcher, nachdem er seinen Wohnort durch seine beständige Unreinigkeit und Trunksucht verunreinigt hat, ohne ein Zeichen der Buße stirbt, in ,,einer sicheren und gewissen Hoffnung der Auferstehung zum ewigen Leben" mit allen Ehren in die Erde versenkt wird, die man ungetauften Unschuldigen verweigert. Finden wir, die wir auf das Bekenntnis des Glaubens hin durch Untertauchen taufen - eine Weise, die für korrekt, wenngleich von etlichen zu ihrer Gültigkeit nicht für absolut notwendig gehalten wird, - finden wir, die wir wie andere in den Namen der Heiligen Dreieinigkeit taufen, daß die Taufe wiedergebärt? Nein. Weder bei den Gerechten noch bei den Gottlosen finden wir, daß durch die Taufe Wiedergeburt gewirkt wird. Wir sind nie mit einem Gläubigen zusammengetroffen, der, wie gut er auch in göttlichen Dingen unterrichtet sein mochte, seine Wiedergeburt auf seine Taufe zurückführen konnte, und anderseits bekennen wir mit Schmerz, aber ohne Erstaunen, daß wir solche gesehen haben, die wir selbst nach apostolischem Vorbilde getauft haben, die zur Welt zurückgegangen und sich in die häßlichsten Sünden verirrt haben, und ihre Taufe ist kaum eine Schranke für sie gewesen, weil sie nicht an den Herrn Jesum Christum glaubten. Alle Tatsachen zeigen, daß, was Gutes auch in der Taufe liegen mag, sie gewiß einen Menschen nicht zu ,,einem Glied Christi, zu einem Kinde Gottes oder zu einem Erben des Himmelreichs" macht; sonst sind viele Diebe, Huren, Trunkenbolde, Ehebrecher und Mörder Glieder Christi, Kinder Gottes und Erben des Himmelreichs. Tatsachen, Brüder, sprechen wider die päpstliche Lehre, und Tatsachen sind unbeugsame Dinge, die sich nicht verleugnen lassen.

Doch ferner bin ich davon überzeugt, daß es überhaupt nicht wahrscheinlich ist, daß die im Gebetbuch als Taufe bezeichnete Handlung wiedergebärt und selig macht. Wenn man von einem Vorgang hört, durch welchen Menschen zu Gliedern Christi und Kindern Gottes und Erben des Himmelreichs werden, ist man gespannt, zu wissen, wie das geschieht. Es muß das an und für sich etwas Heiliges, in allen Einzelheiten Wahres und in jedem Teil Erbauliches sein. Wir wollen annehmen, daß wir eine Anzahl Menschen um das Wasser her versammelt sehen und daß der Prozeß der Wiedergeburt nun vor sich gehen soll. Wir wollen annehmen, daß sie sämtlich gottesfürchtige Leute seien. Der amtierende Geistliche ist ein gründlicher Gläubiger an den Herrn Jesum, Vater und Mutter sind exemplarische Christen, und die Paten und Patinnen sind gläubige Leute. Es ist dies eine von Liebe diktierte Annahme; aber sie mag korrekt sein. Was wird von diesen lieben Leuten erwartet, daß sie sagen sollen? Laßt uns auf das Gebetbuch achten. Der Geistliche hat zu diesen Leuten zu sagen: ,,Ihr habt auch gehört, daß unser Herr Jesus Christus in seinem Evangelium versprochen hat, alles das zu gewähren, um das ihr gebeten habt, und sein Versprechen wird Er seinerseits aufs gewisseste halten und erfüllen. Nachdem nun Christus dieses Versprechen gegeben hat, muß darum auch dieses Kind seinerseits durch euch, die ihr seine Bürgen seid, getreulich versprechen (bis es alt genug ist, um es selber tun zu können), daß es dem Teufel und allen seinen Werken entsagen, beständig Gottes heiliges Wort glauben und gehorsam seine Gebote halten will." Dieses kleine Kind hat zu versprechen, daß es das tun will, oder richtiger haben andere es zu übernehmen, das zu versprechen und selbst zu geloben, daß es das tun soll. Aber wir dürfen das Zitat nicht unterbrechen, und darum laßt uns zu dem Buch zurückkehren. ,,Ich fordere dich deshalb auf, entsagest du im Namen dieses Kindes dem Teufel und allen seinen Werken, dem eitlen Pomp und der Herrlichkeit der Welt mit allen lüsternen Wünschen derselben und den fleischlichen Begierden, so daß du dem nicht folgest, noch dich davon leiten läßt?" Antwort: ,,Ich entsage dem allen." Das heißt, auf den Namen und für dieses zarte Kind, das eben getauft werden soll, entsagen diese gläubigen Leute, diese erleuchteten Christen, die es besser wissen, die keine Betrogenen sind, die wohl wissen, daß sie Unmöglichkeiten versprechen - sie entsagen an Stelle dieses Kindes dem, dem für sich selbst zu entsagen sie so sehr schwer finden - sie entsagen ,,allen lüsternen Wünschen der Welt und den sinnlichen Begierden des Fleisches, so daß sie denselben nicht folgen, noch sich von ihnen leiten lassen". Wie können sie ihre Angesichter so verhärten, daß sie vor dem allmächtigen Vater solch falsches Versprechen geben? Dann bekennen sie vor dem Himmel an Stelle dieses Kindes, daß es standhaft das Glaubensbekenntnis glauben werde, während sie wissen oder leicht beurteilen können, daß das kleine Geschöpf an nichts fest glaubt. Beachtet, sie sagen nicht nur, daß der Säugling das Glaubensbekenntnis glauben werde, sondern sie behaupten, daß er das tue, denn sie antworten in des Kindes Namen: ,,Alles dieses glaube ich fest." Nicht wir glauben fest, sondern ich, das kleine Baby, das hinsichtlich aller ihrer Glaubensbekenntnisse völlig unbewußt ist. In Beantwortung der Frage: ,,Willst du in diesem Glauben getauft werden?" antworten sie für das Kind: ,,Das ist mein Wunsch." Gewiß hat das Kind in dieser Sache keinen Wunsch, oder wenigstens ist niemand autorisiert worden, an seiner Statt irgendwelche Wünsche zu äußern. Aber dies ist noch nicht alles, denn demnächst versprechen diese gottesfürchtigen, verständigen Leute an Stelle des Säuglings, daß ,,er den heiligen Willen Gottes und alle seine Gebote gehorsam halten und sein ganzes Leben hindurch darin wandeln" werde. Nun frage ich euch, die ihr wißt, was wahre Religion bedeutet, könnt ihr selbst in sämtlichen heiligen Geboten Gottes wandeln? Wagt ihr es heute, eurerseits ein Gelübde abzulegen, daß ihr dem Teufel und allen seinen Werken, dem Gepränge und den Eitelkeiten dieser bösen Welt und allen sündlichen Lüften des Fleisches entsagt? Wagt ihr es vor Gott, solches Versprechen zu geben? Ihr wünscht solche Heiligkeit, ihr ringt ernstlich danach, aber ihr ersehnt sie von Gottes Verheißung und erwartet sie nicht von euren Gelöbnissen. Wenn ihr es wagt, solche Versprechungen zu geben, so bezweifle ich, daß ihr eure eigenen Herzen und den geistlichen Sinn des Gesetzes Gottes richtig kennengelernt habt. Aber selbst wenn ihr dies für euch tun könntet, würdet ihr es wagen, für irgend eine andere Person - und wäre es der bestgeborene Säugling auf Erden - solches Versprechen zu geben? Brüder, was sagt ihr? Habt ihr eure bündige Antwort nicht bereit? Ich kann verstehen, daß ein einfältiger, unwissender Mensch, der nie lesen gelernt hat, dies alles auf die Forderung eines Priesters hin tut; aber ich kann nicht verstehen, wie gottesfürchtige, verständige Leute am Taufstein stehen und den so gnädigen Vater mit Gelübden beleidigen können, die nach einer Erdichtung zusammengestellt sind und praktisch Falschheit in sich schließen. Wie dürfen verständige Gläubige an Christum es wagen, Worte zu sprechen, von denen sie in ihrem Gewissen überzeugt sind, daß sie sich weit von der Wahrheit entfernen? Selbst wenn ich imstande sein sollte, den Prozeß zu verstehen, durch welchen gottesfürchtige Menschen ihre Gewissen mit solchem Tun in Übereinstimmung bringen können, selbst dann werde ich den festen Glauben haben, daß der Gott der Wahrheit niemals einen geistlichen Segen höchster Art mit dem Hersagen solcher falschen Versprechungen und unwahren Gelübde in Verbindung brachte und daß Er es niemals tun werde. Meine Brüder, fällt es euch nicht auf, daß solche erdichteten Erklärungen aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mit einer neuen Geburt verbunden sein können, die von dem Geist der Wahrheit gewirkt wird?

Ich bin mit diesem Punkt noch nicht ganz fertig, denn ich muß einen anderen Fall annehmen und voraussetzen, daß Paten und andere gottlos sind, und das ist keine harte Voraussetzung, da wir in vielen Fällen wissen, daß Paten und Eltern nicht mehr über die Religion nachdenken als der abgöttisch geheiligte Stein, um den sie sich versammeln. Was sind diese Sünder zu sagen bereit, wenn sie ihren Platz eingenommen haben? Nun, sie sind bereit, die ernsten Gelübde abzulegen, die ich bereits erwähnt habe. Total irreligiös, wie sie sind, versprechen sie demnach für den Säugling, was sie selber niemals getan und worüber sie nie nachgedacht haben ; sie versprechen an Stelle dieses Kindes, ,,daß es dem Teufel und allen seinen Werken entsagt und beständig Gottes heiliges Wort glauben und gehorsam seine Gebote halten werde". Meine Brüder, denkt nicht, daß ich hier hart spreche. Ich denke wirklich, daß hier etwas ist, das Teufeln Ursache zum Gespött gibt. Jeder ehrliche Mensch sollte es beklagen, daß Gottes Gemeinde so etwas duldet und daß es gläubige Leute gibt, die sich schmerzlich darüber betrübt fühlen, daß ich in aller Freundlichkeit des Herzens die Abscheulichkeit strafe. Unwiedergeborene Sünder versprechen für einen armen Säugling, daß er alle heiligen Gebote Gottes halten werde, die sie selbst tagtäglich in ausgelassener Weise brechen! Dies kann nur die Langmut Gottes ertragen. Und man sollte nicht dagegen sprechen? Die Steine auf der Straße könnten sich über solche Niedertracht gottloser Männer und Frauen beklagen, welche versprechen, daß ein andrer dem Teufel und allen seinen Werken entsage, während sie selber dem Teufel dienen und seine Werke mit wahrer Begierde tun. Und der Höhepunkt von dem allen ist, daß ich glauben soll, daß Gott das gottlose Versprechen annehme und infolgedessen das Kind wiedergebäre! Ihr könnt an eine Wiedergeburt durch diese Operation nicht glauben, gleichviel ob die Paten Heilige oder Sünder sind. Wenn sie Gläubige sind, so tun sie unrecht, wenn sie tun, was ihr Gewissen verdammen muß; wenn sie Gottlose sind, so tun sie unrecht, wenn sie etwas versprechen, von dem sie wissen, daß sie es nicht halten können, und in keinem Falle kann Gott solchen Dienst annehmen, noch viel weniger die Wiedergeburt unfehlbar an solche Taufe knüpfen.

Aber ihr werdet sagen: ,,Warum protestieren Sie denn so dagegen?" Ich protestiere dagegen, weil ich glaube, daß die Taufe die Seele nicht selig macht, und weil die Predigt dieser Lehre einen verkehrten und bösen Einfluß auf Menschen ausübt. Wir treffen mit Personen zusammen, welche, wenn wir ihnen sagen, daß sie wiedergeboren werden müssen, uns versichern, daß das schon in ihrer Taufe geschehen ist. Wie kann jemand auf seiner Kanzel stehen und zu seiner Versammlung sagen: ,,Ihr müßt von neuem geboren werden," wenn er ihnen bereits die Versicherung gegeben hat, daß jeder einzelne von ihnen bereits in der Taufe wiedergeboren sei? Was kann er mit ihnen tun? Nun, meine lieben Freunde, das Evangelium hat dann keine Stimme mehr; es kann nicht sprechen, um ihre Sünde zu strafen. Der Mensch, der getauft oder besprengt ist, sagt: ,,Ich bin gerettet, ich bin ein Glied Christi, ein Kind Gottes und ein Erbe des Himmelreichs. Wer bist du, der du mich tadelst? Mich zur Buße rufen? Mich zu einem neuen Leben auffordern? Welch besseres Leben kann ich denn haben? Denn ich bin ein Glied Christi - ein Teil seines Leibes. Wie, mich strafen? Ich bin ein Kind Gottes. Können Sie mir das nicht vom Gesicht ablesen? Gleichviel wie mein Leben und Wandel ist, ich bin ein Kind Gottes. Ich bin ferner ein Erbe des Himmelreichs. Es ist wahr, ich trinke und fluche und dergleichen mehr; aber sie wissen, ich bin ein Erbe des Himmelreichs, denn wenngleich ich beständig in Sünden lebe, werden sie mich doch, nachdem ich gestorben bin, beerdigen und es jedermann sagen, daß ich >>in der sicheren und gewissen Hoffnung der Auferstehung zum ewigen Leben<< gestorben sei."

Welcher Art kann nun der Einfluß solcher Predigt auf dieses unser Land sein? Der denkbar schlechteste. Wenn ich mein Land nicht liebte, sondern mich selbst am meisten liebte, könnte ich still sein, da ich es aber liebe, kann und darf ich es nicht, und da ich bald Rechenschaft vor meinem Gott abzulegen habe, dessen Knecht ich zu sein hoffe, muß ich mich sowohl von diesem wie von jedem andern Übel frei machen, sonst könnte das Blut der Seelen über mein Haupt kommen.

Wir bedürfen wieder eines Luthers, der den Menschen in nicht mißzuverstehenden und bekannten Ausdrücken die Wahrheit sagt. In letzter Zeit hat sich der Samt um den Mund vieler Prediger gelegt; aber wir müssen die weiche Kleidung ablegen, und es muß die Wahrheit und nichts als die Wahrheit gesprochen werden; denn von allen Lügen, welche Millionen zur Hölle geschleppt haben, betrachte ich diese als eine der schrecklichsten, daß es in einer protestantischen Kirche Leute gibt, welche darauf schwören, daß die Taufe die Seele errettet. Nennt jemand einen Baptisten oder einen Presbyterianer oder einen Dissidenten oder einen Kirchenmann - das ist mir einerlei - wenn er sagt, daß die Taufe die Seele rettet, so stellt er auf, was Gott nie gelehrt hat, was die Bibel nie aufgestellt hat und was nie behauptet werden sollte von Menschen, die da bekennen, daß die Bibel und die ganze Bibel die Religion der Protestanten ist.

So viel habe ich gesagt, und es werden etliche hier sein, die da sagen, daß ich das alles bitter gesagt habe. Sei es so. Medizin ist oft bitter, aber sie wird gut wirken, und der Arzt ist nicht bitter, weil die Medizin es ist, oder wenn er so angesehen wird, so tut das nichts zur Sache, wenn nur der Patient geheilt wird; jedenfalls geht es dem Patienten wenig an, ob der Arzt bitter ist oder nicht, er hat sich um die Gesundheit seiner Seele zu kümmern. Hier ist die Wahrheit, und ich habe sie euch gesagt, und wenn jemand unter euch oder unter denen sein sollte, die die Predigt lesen werden, wenn sie gedruckt ist, der sich auf die Taufe oder auf irgendwelche Zeremonien verläßt, so bitte ich euch, schüttelt diesen giftigen Glauben ab ins Feuer hinein, wie Paulus die Natter abschüttelte, die sich an seine Hand gesetzt hatte. Ich bitte euch, verlaßt euch nicht auf die Taufe. Ich bitte euch dringend, zu bedenken, daß ihr ein neues Herz und einen gewissen Geist haben müßt, und diese kann euch die Taufe nicht geben. Ihr müßt euch von euren Sünden bekehren und Christo nachfolgen; ihr müßt solchen Glauben haben, der euer Leben heilig und eure Sprache rein macht, sonst habt ihr den Glauben der Erwählten Gottes nicht und werdet in Gottes Reich nie eingehen. Ich bitte euch, stützt euch nicht auf diesen elenden und faulen Grund, auf diese betrügliche Erfindung des Antichristen. Möchte Gott euch davon erretten und euch dahin bringen, daß ihr den rechten Fels der Zuflucht für müde Seelen sucht. Amen.

Originaltext  http://www.spurgeon.org/sermons/0573.htm  http://www.biblebb.com/files/spurgeon/573U.HTM  http://www.biblebelievers.net/Doctrine/kjcbapt2.htm  http://www.baptistpage.com/distinctives/baptism/baptism02_spurgeon.htm



Die Wichtigkeit der kleinen Dinge in der Religion.

 

,,Der Herr, unser Gott, tat einen Riß unter uns, darum, daß wir Ihn nicht suchten, wie es sich gebührt."
1. Chron. 15, 13.


Die Bundeslade war eine Art Kasten aus Föhrenholz gemacht und innen und außen vergoldet. In dieser Lade wurden die steinernen Tafeln aufbewahrt, die Mose auf dem Berg aus dem Himmel empfing. Auch der goldene Mannakrug und Aarons grünender Stab wurden darin aufbewahrt. Auf dem Deckel waren Cherubim dargestellt, und wenn die Lade ruhte, zeigte sich zwischen den Flügeln der Cherubim jenes wunderbare helle Licht, die Schechinah, die das Zeichen der Gegenwart des Allerhöchsten war. Wie ihr wißt, wurde der Deckel der Lade der Gnadenstuhl genannt. Die ganze Lade war in dem symbolischen Gottesdienst der Juden eines der heiligsten Dinge, weil sie ihnen, wenn sie es richtig verstanden, der Ausdruck des Wohnens Gottes unter ihnen war; denn wo diese Lade war, da weilte Gott. Der Deckel, Gnadenstuhl genannt, war die Darstellung Jesu Christi, der unsere Bundeslade ist, in welchem Gott unter Menschen wohnte, und Er ist unser Gnadenstuhl, durch welchen wir Zugang zu Gott, unserem Vater, haben. Ihr wißt, daß die Lade, nachdem sie gemacht worden war, sorgfältig im Allerheiligsten der Stiftshütte aufbewahrt wurde, in welches niemand eintrat als der Hohepriester einmal jedes Jahr, und auch dieser nie ohne Blut. Mit seinem Rauchfaß machte er eine dichte Wolke von Rauchwerk, und indem er den Gnadenstuhl mit Blut besprengte, wagte er es, sich demselben zu nähern, aber nicht ohne Blut. Wenn die Lade weiterbefördert wurde, wurde sie ganz bedeckt, so daß kein menschliches Auge sie sehen konnte, und sie wurde dann an vergoldeten Stäben von Leviten auf deren Schultern getragen. Angesichts der Lade trat der Jordan zurück, so daß die Kinder Israels, als sie in Kanaan einzogen, hindurchgehen konnten. In einer trüben Zeit wurde die Lade von den Philistern gefangen genommen; als sie sie aber in ihr Land brachten, schlug sie, wohin sie auch kam, die Philister mit Plagen, so daß diese genötigt waren sie wieder zurückzugeben. Sie stellten den gefürchteten Gefangenen auf einen neuen Wagen und ließen die Rinder damit ziehen, wohin sie wollten, und durch Gottes Vorsehung kam die Lade nach Beth-Semes. Die Leute von Beth-Semes ließen sich durch ihre böse Neugierde verleiten, den Deckel aufzuheben und hineinzusehen, und die Folge dieser gottlosen Vermessenheit war, daß viele Tausende getötet wurden. Die Lade wurde dann nach Kirjath-Jearim in das Haus eines Abinadab gebracht, wo sie bis zu den Tagen Davids blieb, welcher den Wunsch hatte, sie in die Stiftshütte zu bringen, die er auf dem Berge Zion errichtet hatte. Die Boten durcheilten das Land und luden die Stämme Israels und die Kinder Judas ein, die Bundeslade unter Freudenmusik heraufzubringen. Und sie kamen aus allen Städten. Aber das göttliche Gesetz vergessend, nahmen sie die Lade und stellten sie auf einen neuen Wagen, der zu diesem Zweck gemacht worden war. Ohne Zweifel dachten sie, daß sie zu schwer sei, um von den Priestern meilenweit getragen werden zu können, oder aber sie hatten das göttliche Gesetz ganz vergessen und ahmten dem Beispiel der Philister nach. Es ist eine schlimme Zeit für das Volk Gottes, wenn es sein eigenes Urteil aufstellt und es unterläßt, dem göttlichen Gesetz unbedingten Gehorsam zu leisten. Die Lade wurde von Rindern gezogen, und da es im Morgenland keine gebahnten Wege gibt, sondern nur hier und da eine Wagenspur, so ging der Wagen einmal schief, und die Lade schwankte, und als sie auf den Platz Chidon kamen, wo der Weg besonders uneben sein mochte, kippte der Wagen fast um, und die Lade kam in Gefahr, herunterzufallen. So dachte wohl Usa, und er streckte seine Hand aus, faßte die Lade an, um sie zu halten, und er wurde auf der Stelle geschlagen und starb daselbst vor Gott. Die Prozession hielt inne, und statt des Freudenjubels gab es Kummer und Tränen, und selbst der König schien seinem Gott zu zürnen, weil er dachte, daß Gott hart gegen sein Volk handelte.

Ihr habt das Bild vor euch. Ich möchte euch ersuchen, zuerst im einzelnen darauf einzugehen, um gewisse Wahrheiten hervorzuheben, die es nach meiner Ansicht lehrt, und dann das Bild als ein Ganzes zu überblicken, um dessen volle Bedeutung zu erfassen.

 

I. Zuerst wollen wir das Bild in seinen Einzelheiten betrachten.

1. Die erste Bemerkung, die ich darüber mache, ist, daß Gottes Urteil über die Sünde sich außerordentlich von dem unseren unterscheiden muß. Wer unter uns, der diese Geschichte gelesen, hat nicht gedacht, daß Usa hart behandelt wurde? Wurde er in seiner Handlungsweise nicht von einem guten Beweggrund geleitet? Er konnte den Gedanken nicht ertragen, daß die Lade vom Wagen auf die Erde fallen könnte, und darum streckte er seine Hand aus. Nach unserem Dafürhalten war die Sünde nur sehr klein und der Beweggrund so vortrefflich, daß die Tat fast gerechtfertigt erschien. Wir sind geneigt, Usa zu entschuldigen und anzunehmen, daß das Gericht, welches über ihn erging, ein unverdientes war. Laßt mich hier bemerken, daß ich mir nicht klar darüber bin, daß Usa als das Resultat seines Vergehens eine ewige Bestrafung erlitt. Wir haben es nur mit dem zu tun, was Gott mit ihm in dieser Welt tat. Wir können das Böse nicht so bald entdecken, aber es war Sünde in der Tat, sonst würde Gott sie nicht bestraft haben. Er ist zu gut und zu gerecht, um jemand härter zu bestrafen, als er es verdient. Gott übertreibt unsere Sünden nie. Er sieht sie an, wie sie sind. Und was meint ihr, meine Zuhörer, wenn die bloße Sünde der Berührung der Lade den Tod über den Menschen brachte, was wohl unsere Sünden über uns bringen müßten, wenn Gott ,,das Recht zur Richtschnur und die Gerechtigkeit zum Gewicht machen" wollte? Wir alle haben tausendmal schlimmere Dinge verübt als Usa. Nein, manche unter uns leben heute in Begehung der Sünde. Ihr habt eure Sünden nie bereut, sondern liebt eure bösen Wege, und wenngleich ihr oftmals gewarnt worden seid, beharrt ihr dennoch in euren Missetaten. Muß nicht Gottes Geduld unter euren Sünden erdrückt werden? Es erscheint seltsam, daß der Umstand, daß Eva von der Frucht genoß, der Ruin der ganzen Welt werden und den Tod mit allem seinem Weh in die Welt bringen mußte. Aber das erscheint uns so, weil wir nicht wissen, ein wie böses Ding die Sünde ist. Die geringste Sünde ist ein so großes Übel, ein so außerordentlich schwarzer Greuel, daß Gott gerecht wäre, wenn Er uns in dem Augenblick, da wir einen schlechten Gedanken hegen oder ein einziges verkehrtes Wort aussprechen, in die Hölle verstieße. Die Sünde ist ein unermeßliches Übel. Sie ist ein bodenloser Abgrund. Sie ist ein verzweifelt böses Etwas, dessen Abscheulichkeit wir nie erkennen werden, wenn wir nicht, was Gott verhüten wolle, auf ewig seine Schrecken in der bodenlosen Hölle fühlen.


2. Aber wir lernen dann zweitens aus dieser Geschichte, daß alle Abweichungen von der geschriebenen Offenbarung Gottes unrecht sind. In der Gemeinde Christi ist die Idee aufgetaucht, daß viele Dinge, die in der Schrift gelehrt werden, nicht wesentlich sind und daß wir sie eben ein wenig dahin abändern können, daß sie uns passend werden, und daß, wenn wir nur in den Fundamentalwahrheiten richtig stehen, die anderen Dinge von keinem Belang und Wert für uns sind. Nun blickt auf unser Bild und laßt diesen Irrtum für alle Zeit fahren. Es erschien dem Volk Israel als etwas sehr Gleichgültiges, ob die Lade auf den Schultern von Männern getragen oder ob sie auf einem Wagen gefahren werde. ,,Es kommt nicht darauf an," sagten sie. ,,Es ist ja wahr, daß Gott uns gesagt hat, daß sie von Leviten getragen werden soll; aber was hat das zu bedeuten, solange sie überhaupt nur getragen wird? Es wird alles ganz richtig sein. Wir wollen das so machen und den Modus abändern; das macht ja nichts aus." Ja, aber es machte etwas aus! Denn gerade infolge dieser Abänderung, die sie an Gottes Gesetz vornahmen, geschah es, daß die Lade anfing, zu schwanken, und daß Usa versucht wurde, seine Hand danach auszustrecken und sie anzurühren, so daß der Tod Usas die Bestrafung des ganzen Volkes dafür wurde, daß sie es versäumt hatten, die präzisen Gesetze Gottes in ihren Einzelheiten zu beobachten. Meine Brüder, als Mose die Stiftshütte erbaute, wurde es ihm nicht überlassen, sie nach seiner Laune und nach seinem Geschmack herzustellen. Jeder Knauf und jede Schleife, jedes Brett und jede Leiste, alles war in dem göttlichen Plan vorgezeichnet, und Mose mußte alles machen nach dem Bild, das ihm auf dem Berg gezeigt worden war. Nun, dies ist das Vorbild für einen Christen - dieses Buch Gottes, das vor mir liegt. Das Neue Testament unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi ist unsere Regel für unsere Praxis. Und meint ihr, daß ihr einige wenige Dinge dahin abändern dürft, daß sie für das Klima passen oder sich mit euren eigenen Ideen oder eurem Geschmack vertragen? Ihr bildet euch ein, daß z. B. diese Lehre nicht von so großer Wichtigkeit ist, daß, wenn ein Mensch nur die Fundamentalwahrheiten predigt, er sonst alles andere predigen kann und daß dann alles gut ist und daß man dann die Verordnungen, wie zum Beispiel die Taufe und das Abendmahl, zerschneiden, zerhacken und umgestalten kann, daß sie modernen Anschauungen entsprechen und daß sie in ihrer Vollständigkeit und Unverfälschtheit nach der apostolischen Regel und nach apostolischem Vorgang nicht aufrecht erhalten werden müssen? Aber wisset dies, daß auch die geringste Umgehung des göttlichen Gesetzes Gerichte über die Kirche bringen wird und solche gebracht hat und bis zu diesem Tage Gottes Hand davon abhält, uns zu segnen. Denn innerhalb weniger Jahre könnten wir erleben, daß alle Reiche der Welt unseres Herrn und seines Christus werden, wenn wir Gottes Lade nur tragen möchten, wie Gott sie getragen haben will, anstatt das Evangelium durch menschliche Erfindungen zu verunstalten und die Einfachheit des Evangeliums Jesu Christi zu verlassen.


Ich habe nicht die Absicht, heute auf Besonderes einzugehen; aber ich muß die allgemeine Tatsache aufrecht erhalten, daß, was Gott auch verordnet haben mag, richtig ist und daß ich kein Recht habe, irgend etwas zu verändern, auch nicht das Geringste, sondern daß ich das Wort, so wie es dasteht, so wie Gott es mir geoffenbart hat, als die Regel meines Glaubens und meiner Praxis annehmen muß. Aber es sind etliche unter euch, die nie ihre Bibel lesen. Ihr habt eure Religion aus zweiter Hand und habt sie anderen Leuten entlehnt; ihr kommt nicht zu diesem Buch, um aus dem Quell zu schöpfen. Eure Großmutter hat euch so und so gelehrt, und ihr denkt ebenso; euer Urgroßvater ging zur Kirche oder zur Kapelle, und das ist der Grund, aus welchem ihr dorthin geht, aber ihr seid nicht zum Wort Gottes gekommen, um euer Urteil demselben zu unterwerfen. Das ist der Grund, warum heute so viele Sekten vorhanden sind. Wenn wir alle direkt zur Bibel kämen, würden wir einander viel näher kommen. Wenn wir alle unsere Gedanken dem einen geschriebenen Wort beugen und keine andere Autorität als die der Bibel anerkennen würden, dann könnte die Kirche nicht geteilt und so in Stücke zerschnitten sein, wie sie es jetzt ist. Wir kommen zusammen, wenn wir zum Wort Gottes kommen. Aber wenn ich über diese Dinge spreche, wird mir stets geantwortet: ,,Aber diese Punkte sind doch nicht wesentlich!" Wer hat euch gesagt, daß sie es nicht sind? ,,Nun," sagt jemand, ,,wir wollen zugeben, daß die Kindertaufe nicht in der Bibel ist; aber das ist doch nichts Wesentliches; man kann sie üben, und das tut doch keinen Schaden." Nein, ihr Herren, ihr habt kein Recht, an Gottes Gebot ein Wort zu ändern; ihr habt kein Recht, euch in irgendeiner Beziehung oder in irgendeiner Weise davon abzuwenden. Gottes Lehren müssen gepredigt werden, wie Gott sie gelehrt hat, und seine Vorschriften müssen nach seinem Modus und nach seinem Gesetz beobachtet werden. Der Tag ist zu beklagen, an welchem Gottes Lade auf den Wagen gesetzt und von Rindern gezogen wird, anstatt auf den Schultern der Männer getragen zu werden, die Gottes Wort lesen und es so nehmen, wie es dasteht, und dann dem folgen, was Gott ihnen gebietet, und nicht von irgendeinem Menschen oder von einer Klasse von Menschen an der Nase herumgeführt werden. Vergeßt diese Lektion nicht, Brüder, denn sie ist für die Gemeinde von größter Wichtigkeit.


3. Hier ist ein Drittes, und das ist, daß, wenn die Praxis der Christen von der Schrift abweicht, dieses Abweichen sicherlich Nachteile zur Folge hat. Als die Lade auf den Schultern von Männern getragen wurde, kam es nicht darauf an, ob es bergauf oder bergab ging, ob der Weg rauh oder eben war - die Lade wurde wie die Sänfte eines Königs getragen. Aber setzt sie auf den Wagen - ob sie auch meinen mochten, daß das besser aussehe -, dann holpert es hier, und es holpert da, und sie droht beständig herunterzufallen. Wenn wir ein Wort der Schrift ändern, bringen wir uns selbst in Unruhe. Wir mögen das anfangs nicht einsehen, aber mit der Zeit finden wir es gewiß heraus. Ändere ein Wort, und du gerätst in eine Schlinge und in ein Labyrinth, und Gott helfe dir, den Weg wieder heraus zu finden, denn du selbst findest nicht wieder heraus. Stehe zu Gottes Wort, und du stehst sicher. Ändere einen Punkt auf einem i, und du befindest dich in Feindesland und kannst dich nicht schützen. Wenn wir uns auf die Schrift verlassen können, können wir der Welt trotzen; wenn wir aber nichts haben als das Werk eines großen Predigers oder den Beschluß eines Konzils oder die Tradition der Väter, so sind wir verloren; wir versuchen, aus Sand ein Seil zu winden, und wir bauen ein Kartenhaus, das einstürzen muß. Die Bibel, die ganze Bibel und nichts als die Bibel ist die Religion der Gemeinde Christi. Und solange wir nicht dahin zurückkehren, wird die Kirche zu leiden haben. Sie wird die Lade nicht auf den Berg Zion bringen; sie wird Christi Reich nicht kommen sehen, bis sie mit jenen Rindern und dem neuen Wagen gebrochen hat und zurückkehrt zu dem Plan des Neuen Testaments, sich beharrlich an die Wahrheit zu klammern, wie sie in Jesu ist, und ernstlich um den Glauben zu kämpfen.


4. Es liegt ferner noch ein anderes auf der Oberfläche dieser Stelle, nämlich daß eine Neuerung an der Heiligen Schrift zu einer weiteren Neuerung führt. Ein kleiner Irrtum führt zu einem großen. Niemand beabsichtigte, daß Usa die Lade anrühren sollte. Sie dachten nicht daran, als sie sie auf den Wagen setzten, daß das zu Usas Tod führen werde und daß er die Sünde begehen würde, die Lade anzurühren, sonst würden sie sich sicherlich nach dem biblischen Plan gerichtet haben. So befinden sich etliche unter euch, meine lieben Brüder in Christo, die in ihren Anschauungen von der Schrift nicht ganz richtig sind. Vielleicht denkt ihr dasselbe von mir. Wir wollen also von jemand anderem sprechen. Da ist in der Welt ein Mann, dessen Anschauungen nicht ganz mit der Schrift übereinstimmen. Er sagt: ,,Das tut nichts; das ist eine kleine, eine ganz kleine Sache." Ja, aber dies kleine unrechte Etwas führt zu einem großen unrechten Etwas. Des Sünders Weg geht bergab, und wenn ihr in der Übertretung der Vorschrift der Heiligen Schrift erst einen Schritt tut, ist euer nächster Schritt nicht nur leicht, sondern er scheint sich euch aufzudrängen. Woher kamen die Irrtümer der römischen Kirche? Wurden sie alle an einem Tage geboren? Nein, sie kamen nach und nach. Ich will nur einen Irrtum verfolgen, gegen den wir als eine Denomination beständig Protest erheben, und ich nehme das nur als ein Beispiel vom Ganzen. Bei den ersten Christen war es Praxis, die, welche an Jesum Christum glaubten, durch Untertauchung in Wasser in den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes zu taufen. Nun, die erste verkehrte Lehre, die da auftauchte, war die Idee, daß vielleicht in dem Wasser irgendwelche Wirksamkeit liege. Darauf folgte, daß, wenn jemand im Sterben lag, der noch nicht getauft war, er vielleicht den Glauben an Christum bekennen und darum bitten mochte, getauft zu werden; da er aber im Sterben lag, konnten sie ihn nicht aus dem Bett nehmen, und darum nahmen sie die Besprengung als eine leichtere Methode an, durch welche sie das Wasser anwenden und das Gewissen des Sterbenden beruhigen konnten. Nachdem das geschehen war, war es nur noch ein Schritt dazu, auch die kleinen Kinder in die Kirche aufzunehmen, Kinder, unbewußte Säuglinge, die zu Gliedern des Leibes Christi werden sollten, und so wurde die Säuglingsbesprengung angenommen. Der Irrtum war nicht mit einem Mal da, sondern kam nach und nach, bis er schließlich in der Kirche eingeführt wurde. Ich kenne gegenwärtig keinen Irrtum, der zur Verdammnis von mehr Seelen führt als dieser. Es gibt Tausende von Leuten, welche fest glauben, daß sie in den Himmel gehen werden, weil sie als kleine Kinder besprengt und nachher konfirmiert worden sind und dann das Abendmahl empfangen haben. Die Wirksamkeit der Sakramente und die Taufwiedergeburt - alles entspringt aus dem ersten Irrtum der Säuglingstaufe. Hätte man sich an die Schrift gehalten und hätte die Kirche stets den Glauben vor der Taufe gefordert, so wäre dieser Irrtum nicht entstanden. Er hätte vor dem Licht der Wahrheit nicht bestehen und in der christlichen Kirche nicht festen Fuß fassen können. Aber ein Irrtum führt zum anderen, daran besteht kein Zweifel. Es ist nicht zu sagen, wo ihr enden werdet, wenn ihr einmal falsch angefangen habt. Ich spreche heute sehr bestimmt und deutlich über einen Gegenstand, den ich nicht oft berühre. Wenn ich aber darüber spreche, muß ich in meiner Sprache deutlich sein, zumal ich selten Anspielungen auf diese Wahrheit mache. Beurteilt mich, wie ich andere beurteile. Ihr sagt mir, daß ihr, wenn ich einen irrtümlichen Schritt tue, nicht wißt, wie weit ich gehen kann. Ich glaube euch. Glaubt mir auch, wenn ich dasselbe sage. Laßt uns zur Heiligen Schrift gehen und dabei bleiben. Und soweit glaubt mir, aber nicht einen Zoll weiter. Brecht mit mir, wenn ich mit meinem Meister breche. Die Bibel, die Bibel allein ist die Musterlehre, die Musterpraxis, die Mustererfahrung eines Christen, und was darüber ist, das ist vom Bösen.


5. Nachdem ich nun diese Punkte hervorgehoben habe, will ich noch einen erwähnen. Es fällt mir auf, daß auch auf der Oberfläche dieser Stelle eine Widerlegung eines sehr allgemeinen Irrtums liegt, daß Gott etwas annimmt, und wäre es auch etwas Verkehrtes, wenn es nur aus einem richtigen Beweggrund geschieht. Der allgemeine Irrtum der Zeit ist dieser: ,,Ich zweifle nicht daran," sagt jemand, ,,daß, wenn ein Mensch ein guter Mohammedaner ist und sich nach dem hält, was er weiß,, er in den Himmel kommen wird." ,,Ja," sagt ein anderer, ,,und wenn er ein guter römischer Katholik ist, und wenn er sich nach dem hält, was er weiß, so ist er sicher." ,,Jawohl," sagt noch ein anderer, ,,wir dürfen einander nicht hart richten; ohne Zweifel sind auch die, die sich vor Juggernaut beugen, wenn sie nach dem leben, was sie wissen, auch selig." Wollt ihr die Teufelsanbeter und die Schlangenanbeter auch mit aufzählen? Ihr müßt sie alle einlassen. Ihr habt die Tür weit genug aufgetan, um alle einzulassen. Und die Thugs, die in Indien umhergehen und dem Menschen die Kehle durchschneiden - sie tun es aus Prinzip, es ist ein Teil ihrer Religion, und sie halten es für Recht - meint ihr, daß sie auch in den Himmel eingehen werden, weil sie getan haben, was sie für Recht hielten? ,,Nein," sagt der eine, ,,so weit will ich denn doch nicht gehen." Ja, aber wenn das Prinzip in dem einen Falle richtig ist, dann ist es das auch in einem anderen.


Aber das ist alles Betrug und Falschheit. Gott hat uns die eine wahre Religion gelehrt, und einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist. Wir sind Gott für unseren Glauben verantwortlich; wir sind verpflichtet zu glauben, was Er uns zu glauben befiehlt, und unser Urteilsvermögen ist ebenso verpflichtet, sich dem Gesetz Gottes zu unterwerfen, wie jede andere Kraft unseres Wesens. Wenn wir vor Gott treten, ist es keine Entschuldigung für uns, wenn wir sagen: ,,Mein Herr, ich habe unrecht getan; aber ich war der Meinung, daß ich recht täte." ,,Ja, aber ich habe dir mein Gesetz gegeben, und du hast es nicht gelesen, oder wenn du es gelesen hast, so hast du es so sorglos gelesen, daß du es nicht verstanden und so unrecht getan hast, und nun sagst du mir, daß du es aus einem richtigen Beweggrunde getan hast. Aber das hat gar keinen Zweck." Schien es in Usas Fall nicht das richtigste von der ganzen Welt zu sein, daß er seine Hand ausstreckte, um das Herabgleiten der Lade zu verhindern? Wer wollte den Mann tadeln? Aber Gott hatte geboten, daß keine nichtpriesterliche Hand sie jemals berühre, und da Usa sie dennoch berührte, und ob er es auch aus richtigem Beweggrund tat, mußte er sterben. Gott will, daß seine Gesetze gehalten werden. Überdies, meine lieben Brüder, bin ich mir nach allem hinsichtlich der Richtigkeit eurer Beweggründe nicht sicher. Der Staat hat eine Proklamation veröffentlicht, die nach der Weise der alten Römer in Erz eingegraben ist. Ein Mensch geht mit seiner Feile daran, an dem Erz herumzufeilen und hier etwas wegzunehmen und dort etwas hinzuzufügen. Er sagt: ,,Ich habe es aus einem rechten Beweggrund getan; ich hielt das Gesetz nicht für gut; ich dachte, es sei für diese Zeit zu altmodisch, und so dachte ich, ich wollte es ein wenig abändern und es für das Volk besser gestalten." Wer bist du, daß du es wagst, auch nur einen einzigen Buchstaben des Buches Gottes anzurühren, das Gott mit jenem furchtbaren Satz umzäunt hat, in welchem geschrieben steht: ,,So jemand dazusetzt, so wird Gott zusetzen auf ihn die Plagen die in diesem Buch geschrieben stehen. Und so jemand davontut von den Worten des Buchs dieser Weissagung, so wird Gott abtun sein Teil von dem Buch des Lebens und von der heiligen Stadt und von dem, das in diesem Buch geschrieben steht." Tatsache ist, daß es nur einen Weg und nicht fünfzig Wege zum Himmel gibt; daß es nicht zwei Tore, sondern nur ein Tor gibt, das in den Himmel einführt. Christus ist der Weg. Vertrauen auf Christum ist der Pfad zum Paradies. Wer nicht an Jesus glaubt, muß verdammt werden. Die Religion Christi ist intolerant; sie gestattet keine zweite Heilsmethode. Sie fordert euren völligen Gehorsam, euren kindlichen Glauben; im anderen Fall bedroht sie euch, wenn ihr euch weigert, mit der furchtbarsten Strafe. Die Idee von der Freidenkerei und dergleichen und von dem Recht des Menschen, zu denken, wie es ihm gefällt, hat keinen Boden in der Schrift. Gott wird abtun sein Teil vom Buch des Lebens. Wir sind verpflichtet zu glauben, was Gott uns sagt, wie Er es uns sagt; verpflichtet, kein einziges Wort zu ändern, sondern die Bibel zu nehmen, wie sie ist, oder sie zu verleugnen und die Folgen davon zu tragen.

Dies alles scheint mir in dem Bilde von dem Tod des Usa zu liegen, das wir vor uns haben.


II. Ich verlasse diese Punkte, die ich zur Warnung für alle Christen für sehr notwendig hielt; denn bei aller Liebe können wir doch nicht glauben, daß die Irrtümer, die bei uns vorherrschen, der Aufmerksamkeit gegen das Wort entsprungen sein können; sie müssen aus der Idee entsprungen sein, daß die kleinen Dinge Christi von keiner Wichtigkeit sind. Ich komme zu dem zweiten Punkt; laßt uns auf das Bild als ein Ganzes blicken. Wir haben hier zwei Bilder, eines für das Volk Gottes und das andere für die Ungläubigen. Ich will mich bei beiden der Kürze befleißigen.


Brüder in Jesu, trotz unserer Mißgriffe - und wir irren in manchen Dingen, was uns Gott vergeben wolle - trotz unserer Irrungen sind wir eins in Jesu. Doch, wenngleich eins in Christo Jesu, sollten wir unsere Irrtümer doch nicht für unwichtig halten, sondern unser jeglicher sollte auf seinen Knieen göttliche Belehrung suchen, damit wir von allem falschen Weg gereinigt und bis an unser Ende auf den Weg des göttlichen Gehorsams geführt werden. Ich bin gewiß, daß das eine Ziel eures Lebens, auch das meines Lebens ist: das Reich unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi herbeizuführen. Wir haben das Bedürfnis, die Lade aus ihrer Verborgenheit an den Platz der Herrlichkeit zu bringen. Jedesmal, wenn wir unsere Kniee beugen, ist ein Gebet auf unseren Lippen, das wir nicht unterlassen können: ,,Dein Reich komme; Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden." Seit langen Jahrhunderten hat die Gemeinde gesucht, das Reich Christi auf die Erde zu bringen. Ist es gekommen? Gelobt sei Gott, in einem gewissen Maße ja. Aber haben wir die volle Frucht der jahrhundertelangen Arbeit? Ich denke nicht. Ich glaube sagen zu können, daß zwei Jahrhunderte nach dem Tod Christi die Religion Jesu auf der Erde fast ebenso mächtig war, wie sie es jetzt ist. Und die ganze Zwischenzeit, Gott verhüte, daß ich sage, sie sei verschwendet, ist dessenungeachtet mehr eine Zeit des Rückgangs als des Fortschritts gewesen. Nun, wie läßt sich das erklären? War nicht in Jesu Religion das, was ihre Feinde bis ans Ende der Erde treiben konnte? Laßt Paulus nur in Rom auftreten, und wenngleich nach einiger Zeit sein Kopf von seinem Leibe getrennt wurde, so fing doch das Reich der sieben Hügel an zu zittern, als er sprach. Laßt die anderen Apostel ausziehen, und soviel Widerstand sie auch finden mögen, sie gehen von einem Land zum anderen, und die Länder unterwerfen sich. Es ist wahr, die Märtyrer bluten, und die Apostel sterben, und die Bekenner werden verbrannt; aber die Wahrheit lebt und überwindet und siegt. Innerhalb zweier oder dreier Jahrhunderte ist der Name Jesu besser bekannt als der irgend eines Menschen, und seine Religion hat größere Macht als jede andere in der Welt. Und hier sind wir nun und senden unsere Missionare überall hin, und was ist der Erfolg? Gott sei Dank für das, was da ist; es ist ein vortrefflicher Lohn aller unserer Arbeit und viel mehr, als wir verdienen. Aber in unseren Missionaren ist die Macht nicht, die in den Aposteln war. Unsere Siege gleichen den Siegen der alten Zeit nicht. Wie geht das zu? Meine Theorie, wie das zu erklären, ist diese: Erstens fehlt uns der Heilige Geist in einem großen Maße. Aber wenn ihr der Sache auf den Grund geht, so ist meine völligere andere Antwort diese: Die Kirche hat ihre ursprüngliche Reinheit aufgegeben, und darum hat sie ihre Kraft verloren. Wenn wir einmal mit allem Irrigen brechen möchten, wenn durch den einstimmigen Willen des ganzen Leibes Christi jede schlechte Zeremonie, jede nicht in der Schrift verordnete Zeremonie aufgegeben und abgeschafft würde, wenn jede Lehre verworfen würde, die sich durch die Heilige Schrift nicht decken läßt, wenn die Kirche rein und klar wäre, so würde ihr Pfad ein triumphierender und siegreicher sein. Sie würde ihren Fuß auf Brahma setzen und Wischnu unter ihren Füßen zertreten. Sie würde zum Halbmond Mohammeds sagen: ,,Geh unter auf ewig." Sie würde den Papst vom Thron reißen; sie würde falsche Religionen mit der Wurzel ausreißen; sie würde als die Königin auf Erden thronen, und Christus, ihr Bräutigam, würde mit ihr herrschen, und es würde eine Hütte Gottes bei den Menschen sein. Aber wir sind nicht rein; wir sind nicht rein; wir können die Lade Gottes nicht heraufbringen. Gelobt sei Gott, sie ruht noch im Hause Obed-Edoms. Wahre Religion ist in den Herzen des Volkes Gottes zu finden, und in manchen Gemeinden wird die Wahrheit noch bewahrt; aber ehe nicht die ganze Gemeinde hervorgeht schön wie der Mond, auserwählt wie die Sonne, wird sie auch nie schrecklich werden wie die Heeresspitzen.


Dies mag manchem sehr unbedeutend erscheinen, aber in Wirklichkeit handelt es sich um das Leben. Ich könnte jeden einzelnen Christen bitten: denke darüber nach, mein lieber Bruder. Wenn die einen ein Christentum vor aller Autorität schützen - mit Ausnahme der Autorität Christi! - und die anderen eine Staatskirche festhalten, so können nicht beide recht haben. Wir mögen in den großen Stücken richtig sein, aber wir können nicht in allem richtig sein; der eine muß im Unrecht sein. Wenn die einen die Säuglinge besprengen und die anderen die Gläubigen taufen, so können nicht beide richtig sein; es wäre töricht, das zu denken. Christus hat keine schwer zu beschreibende Religion gegründet, die alle Arten Leute in sich aufnimmt, und der doch alle gleich gehorsam sind. Die Wahrheit schwankt nicht wie ein Pendel, der sich rück- und vorwärts bewegt. Sie gleicht nicht einem Kometen, der hier und da und überall ist. Der eine muß recht, der andere muß unrecht haben. Es ist nicht meine Sache, zu erklären, wer recht und wer unrecht hat. Ich bin nicht unfehlbar. Es ist meine Aufgabe, die Schrift für mich selbst als vor Gottes Auge zu beurteilen. Ich bitte euch, dasselbe zu tun. Haltet keinen Irrtum für einen unwichtigen; sondern prüft die Geister; prüft, ob dies oder das recht sein kann. Ich bin der Überzeugung, daß der beste Weg, die Einheit zu fördern, der ist, die Wahrheit zu fördern. Wir müssen einander in Christo lieben; aber wir dürfen nicht derart eins sein, daß wir nicht imstande sind, die Fehler anderer und unsere eigenen Fehler zu sehen. Nein, reinigt das Haus Gottes, und dann werden große und selige Zeiten für uns anbrechen.


Und nun wende ich mich an die, welche unbekehrt sind, die sich aber sehnen, zu hören, daß ihnen das Evangelium von Jesu Christo gepredigt wird. Ich denke, daß das, was ich bereits gesagt habe, wichtig ist; aber dieser letzte Teil ist der allerwichtigste. Mein Zuhörer, ich will annehmen, daß in deinem Herzen das sehnliche Verlangen ist, gerettet zu werden, daß du aber den Heilsplan nicht verstehst. Es tut mir leid um dich; denn wenn du ihn nicht verstehst, wirst du, wenngleich du Christum suchst, Mißgriffe tun, und du wirst dir damit viel Unannehmlichkeit schaffen. Es war ganz recht, daß David die Lade heraufzubringen wünschte; aber vielleicht war er hinsichtlich der Art und Weise unwissend, und sieh, wie er darunter zu leiden hatte: die Lade schwankte, die Rinder traten beiderseits aus. Wenn du nun hinsichtlich des Heilsplanes nicht klar bist, wirst du auch schwanken und viele Zweifel und Befürchtungen haben. Laß mich dich denn bitten, in der Heiligen Schrift zu forschen, und dann sei bestrebt, mit Gottes Hilfe eine klare Anschauung von der Tatsache in dir zu bewahren, daß du, wenn du überhaupt gerettet wirst, du durch das Vertrauen auf Jesum Christum und allein durch Ihn gerettet wirst. Der Heilsplan ist: ,,Vertraue Jesu." Machst du hinsichtlich anderer Dinge Mißgriffe, so wirst du darunter zu leiden haben; ein Mißgriff aber hier ist verhängnisvoll für dich. Mich dünkt, ich höre jemand sagen: ,,Ich sehne mich, gerettet zu werden, aber ich bin doch unruhig; ich denke, wenn ich gute Werke tue und mich dadurch retten könnte, so könnte ich Jesum vertrauen." Tritt zurück, Usa, tritt zurück; du gehst damit um, die Lade Gottes anzurühren; hüte dich, daß du nicht stirbst; andere Mißgriffe werden dich beunruhigen; dieser Mißgriff ist verhängnisvoll für dich. Christus bedarf deiner Mithilfe nicht; laß Ihn alles tun; nimm Ihn, wie Er ist, und geh zu Ihm, wie du bist, und du wirst gerettet werden. Suche Christus zu helfen, und du kannst nicht gerettet werden. Solange du nicht mit dem Gedanken gebrochen hast, mußt du traurig und in deinem Tode bleiben. Christus muß alles sein, und du mußt überhaupt nichts sein. Wenn du es versuchst, sein vollkommenes Kleid zu flicken, so kann dieses Kleid nie deine Blöße decken. Du mußt einen ganzen Christus haben und nichts als Christum.


Nach allem aber, liebe Freunde, habt ihr gar keine Verdienste. Christus bietet sich euch umsonst an, wenn ihr Ihn für nichts nehmen wollt. Sünder, nimm Christum, wie Er ist; nimm Ihn jetzt, wie du bist. Dies ist das Evangelium: Vertraue Christum, und du bist gerettet. Verlaß dich auf das, was Er getan hat, und du bist selig. Wirf ab dein Vertrauen auf irgendwelche Zeremonien, auf irgendwelche Lehren, auf irgendwelche Formen, auf irgendwelche Werke, und verlaß dich auf Christus, und du bist gerettet. ,,Wie aber, wenn ich in meinen Sünden fortfahre?" Nachdem du dich auf Christus geworfen hast, kannst du nicht in deinen Sünden weiterleben. ,,Nein," sagt ein anderer; ,,aber ich habe nichts in der Welt; keinen Grund, aus dem ich gerettet werden sollte; ich habe gar nichts Gutes." Genau so; ich weiß, daß du nichts hast; aber ob du etwas Gutes hast oder nicht, dir wird dennoch gesagt, daß du auf Jesum vertrauen sollst. Mir ist, als hörte ich jemand sagen: ,,Ich darf Jesum nicht vertrauen; ich habe kein Recht dazu." Aber, lieber Freund, dir wird befohlen, es zu tun. ,,Gott gebietet allen Menschen, Buße zu tun." Das ist sein Gebot, daß wir glauben an den Herrn Jesum Christum, den Er gesandt hat. Ist dies nicht wirklich das Evangelium: ,,Glaube an den Herrn Jesum Christum, so wirst du selig"? Nun, was Gott mir zu tun gebietet, das habe ich ein Recht zu tun; es kann nicht unrecht sein, wenn ich tue, was Gott mir zu tun gebietet. Der Prediger, der einem Menschen sagt, daß er sein Recht in seinem Hilfsbedürfnis findet, veranlaßt den Sünder, auf sich selbst zu blicken; wenn er aber sagt: ,,Ob du es fühlst oder nicht fühlst, Gott hat das befohlen zu glauben," dann veranlaßt das den Sünder, sich Christus und Christus allein zuzuwenden.


Zum Schluß will ich dir eine kleine Anekdote erzählen, die ich schon öfter erzählt habe; sie führt dir klarer als alle anderen Mittel dein Recht, an Christus zu glauben, vor Augen. Ich spreche zu denen, die da sagen: ,,Ich habe kein Recht, auf Christus zu vertrauen." Ich saß da eines Tages im Gericht und interessierte mich für einige Verhöre, die vorgenommen wurden, und da wurde ein Zeuge nötig. Ich bin mir hinsichtlich des Namens nicht ganz klar, aber ich denke, er hieß Braun. So wurde denn die Parole ausgegeben, daß nun Braun erscheinen solle. Der Diener ging hinaus und rief: ,,Braun!" Jemand anders, der nahe der Tür stand, rief: ,,Braun!" und ich konnte hören, wie noch einige Male gerufen wurde: ,,Braun! Braun! Braun!" Der Gerichtssaal war dichtbesetzt. Mit der Zeit kam unter einigen Schwierigkeiten ein kleines, häßliches Geschöpf in die Tür getreten. Es kam und bahnte sich seinen Weg. Da stand ihm ein feiner, großer Herr im Saal im Wege, der nicht Platz machen wollte, und in einer peremptorischen Weise sagte: ,,Wer sind Sie?" ,,Braun," sagte der Mann, ,,ich bin Braun." ,,Wer ist denn Braun?" fragte der andere. ,,Nichts," sagte er, ,,mir wurde nur gesagt, daß ich kommen sollte." Es war wunderbar, wie jedermann Platz für Braun machte, weil ihm gesagt worden war, daß er kommen solle. Es war dicht voll; aber Braun mußte irgendwie hindurch, weil man ihn nötig hatte. Es kam nicht darauf an, wie ärmlich, wie zerrissen oder wie schmutzig er aussah; er war nötig, und er hatte ein Recht zu kommen. So gebietet dir Gott jetzt, Christus zu vertrauen. Aber du sagst: ,,Da steht ein großer Sünder vor mir auf." Und er sagt: ,,Wer bist du?" Du sagst: ,,Ein armer Sünder." ,,Und was ist ein armer Sünder?" fragt er. ,,Gar nichts," sagst du; ,,aber Christus hat mir gesagt, daß ich Ihm vertrauen soll." - Er sagt: ,,Spring in meine Arme." Ich befinde mich oben in einem brennenden Hause; Er ruft: ,,Spring, und ich will dich auffangen," und ich folge dem Ruf. Ob zerschmettert oder gerettet; ich habe keinen anderen Heilsweg, ich falle in seine Arme. - Ich versinke, die Fluten sind bereit, mich zu verschlingen. Christus sagt: ,,Ergreife dieses Seil." Es sieht schwach aus, aber ich ergreife es. Ich will mich auf nichts anderes verlassen, und ich bin gerettet.

Tue das, armer Sünder, wer du auch sein magst, vertraue Christus jetzt. Jetzt, ich bitte dich, jetzt, da es angenehme Zeit ist. Möchte der Heilige Geist dich befähigen, Christus zu vertrauen, und wenngleich du mit Sünden bedeckt hierhergekommen bist, kannst du reingewaschen weggehen mit Frieden und Freude in deinem Herzen, weil der Geist Gottes dich so liebreich geleitet hat, Jesu zu vertrauen, und du bist gerettet. Möchte Gott nun seinen Segen hinzufügen um Jesu willen. Amen.



Die Seligkeit früh gestorbener Kinder.



,,Geht es dem Kinde wohl? Und sie sprach: Wohl."
2 Kön. 4, 26.


Der Gegenstand uns
erer heutigen Betrachtung soll sein ,,die Seligkeit der früh gestorbenen Kinder". Das mag möglicherweise nicht alle Anwesenden interessieren; aber ich erinnere mich nicht, jemals vor dieser Gemeinde über diesen Gegenstand gesprochen zu haben, und es liegt mir daran, daß die gedruckten Predigten möglichst das ganze Gebiet der Theologie umfassen. Vielleicht haben die meisten der hier Anwesenden zu der einen oder anderen Zeit über dem kleinen Sarg des geliebten Kindes heiße Tränen weinen müssen; und es mag sein, daß ihnen durch diesen Gegenstand Trost dargebracht wird. Jede Mutter und jeder Vater sollte die Versicherung in sich aufnehmen, daß es ihrem Kinde wohl geht, wenn Gott euch dasselbe in seinem Säuglingsalter genommen hat. Ihr hörtet von ihm nie eine Erklärung seines Glaubens, es war nicht imstande, eine solche abzulegen; es war nicht in den Herrn Jesum Christum getauft, nicht mit Ihm in der Taufe begraben; es war nicht imstande, den ,,Bund eines guten Gewissens mit Gott" zu schließen, und dessenungeachtet könnt ihr dessen gewiß sein, daß es dem Kinde wohl geht, wohl in einem höheren und besseren Sinn, als es euch selbst wohl geht, wohl ohne Beschränkung, wohl ohne Ausnahme und unendlich wohl für alle Ewigkeit. Aber ihr werdet fragen: ,,Welchen Grund haben wir, zu glauben, daß es dem Kinde wohl geht?" Ehe ich darauf eingehe, möchte ich eine Bemerkung machen. Man hat in gottloser, lügnerischer und verleumderischer Weise von den Calvinisten gesagt, daß wir glaubten, daß manche kleine Kinder verloren sind. Ich weise diese wissentlich falsche Aussage zurück und sage, daß wir das nie geglaubt haben. Wir haben uns nie etwas Derartiges träumen lassen und uns nie eingebildet, daß Kinder, die als Säuglinge sterben, verloren sind, sondern wir haben stets geglaubt und glauben es noch, daß sie ins Paradies Gottes eingehen.

Ich will denn heute zuerst bestrebt sein, zu erklären den Weg, auf welchem Kinder, wie wir glauben, gerettet werden; zweitens will ich Gründe dafür angeben, daß wir so glauben, und dann will ich drittens versuchen, praktischen Nutzen aus diesem Gegenstand zu ziehen.


I. Zuerst der Weg, auf welchem, wie wir glauben, Kinder gerettet und selig werden.

Manche gründen die Idee von der ewigen Seligkeit des Säuglings auf dessen Unschuld. Wir tun das nicht; wir glauben, daß das Kind in dem ersten Adam gefallen ist; denn in Adam sterben alle. Die ganze Nachkommenschaft Adams, ob sie Säuglinge oder Erwachsene sind, wurde durch ihn repräsentiert; er stand für alle da, und als er fiel, fiel er für alle. Hinsichtlich der sterbenden Säuglinge wurde in dem mit Adam geschlossenen Werkbunde überhaupt keine Ausnahme gemacht, und insofern sie in Adam eingeschlossen waren, haben sie Erbsünde, obgleich sie nicht mit gleicher Übertretung wie Adam gesündigt haben. Sie sind ,,in Sünden geboren, und ihre Mütter haben sie in Sünden empfangen"; so sagt David von sich und (durch Schlußfolgerung) von dem ganzen menschlichen Geschlecht. Wenn sie selig werden, so glauben wir nicht, daß es wegen ihrer natürlichen Unschuld geschieht. Sie gehen auf demselben Wege in den Himmel wie wir; sie werden in dem Namen Christi aufgenommen. ,,Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist," und ich bilde mir nicht ein, daß es für den Säugling einen andern Grund gibt, als er für den Erwachsenen gelegt ist. Und ebensoweit sind wir davon entfernt zu glauben, daß Säuglinge durch die Taufe in den Himmel eingehen, zunächst nichts davon zu sagen, daß wir die Säuglingsbesprengung für eine menschliche und fleischliche Erfindung, für einen Zusatz zum Worte Gottes und darum für gottlos und gefährlich halten. Wenn wir erwägen, daß es zu etwas Schlimmerem als zum Aberglauben führt, wenn Kinder belehrt werden, daß sie in ihrer Taufe zu Kindern Gottes und zu Erben des Himmelreichs werden - es ist das eine so schreckliche Lüge, wie sie nur jemals in der Hölle geschmiedet werden konnte - dann werden wir tief betrübt über die furchtbaren Irrtümer, die sich durch die eine kleine Tür der Säuglingsbesprengung in die Kirche eingeschlichen haben. Nein, Kinder werden nicht selig, weil sie getauft sind; denn wenn das wäre, hätte der katholisch gesinnte Priester ganz recht, wenn er sich weigert, unsre kleinen Kinder zu beerdigen, wenn sie ungetauft sterben. Wenn das Kind durch den Tod weggerafft wird, wird es aus einem andern Grund selig als aus dem der Zeremonien und des Willens der Menschen.


Auf welchen Grund hin glauben wir denn, daß das Kind selig werde? Wir glauben, daß es von Natur ebenso verloren ist wie die ganze Menschheit und ebenso verdammt durch das Urteil, welches lautete: ,,Welches Tages du davon issest, wirst du des Todes sterben." Es wird selig, weil es erwählt ist. Wir glauben, daß sich in dem lebendigen Buch des Lammes Millionen von Seelen eingetragen finden werden, die sich auf Erden nur gezeigt und dann ihre Schwingen entfaltet haben, um in den Himmel zu eilen. Sie werden auch selig, weil sie durch das teure Blut Jesu Christi erlöst worden sind. Er, der Sein Blut für Sein ganzes Volk vergoß, erkaufte sie für denselben Preis, mit welchem Er ihre Eltern erlöste, und sie werden selig, weil Christus Bürge für sie wurde und an ihrer Statt litt und starb. Sie werden ferner selig, nicht ohne Wiedergeburt; denn ,,es sei denn, daß jemand," der Text bezieht sich nicht nur auf Erwachsene, sondern auf irgend jemand des menschlichen Geschlechts, ,,es sei denn, daß jemand von neuem geboren werde, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen". Ohne Zweifel wiedergebärt der Geist Gottes die Seele des Säuglings in einer geheimnisvollen Weise, und diese geht in die Herrlichkeit ein als ,,tüchtig gemacht zu dem Erbteil der Heiligen im Licht". Daß dies möglich ist, erhellt aus biblischen Beispielen. Johannes der Täufer war im Mutterleib mit dem Heiligen Geist erfüllt. Wir lesen auch von Jeremia, daß ihm dasselbe geschah, und von Samuel lesen wir, daß der Herr ihn rief, als er noch ein kleiner Knabe war. Wir glauben darum, daß Gott, welcher nicht durch den Willen der Menschen, noch durch das Geblüt, sondern durch die geheimnisvolle Tätigkeit Seines Heiligen Geistes die Seele des Säuglings, selbst ehe dessen Verstand tätig wird, zu einer Schöpfung in Christo Jesu macht, und daß sie dann eingeht in ,,die Ruhe, die dem Volke Gottes noch vorhanden ist". Durch die Erwählung, durch die Erlösung, durch die Wiedergeburt geht das Kind durch dieselbe Pforte, durch welche jeder Gläubige an Christum Jesum einzugehen hofft, in die Herrlichkeit ein und auf keinem anderen Wege. Wir können einsehen, daß die Seele des Säuglings durch denselben Heilsplan, auf genau derselben Grundlage und durch dieselbe Einwirkung und durch dieselben Aneignungen wie die Erwachsenen das Angesicht des Heilandes in Ewigkeit sehen werden, und darum sind wir hinsichtlich dieser Sache völlig ruhig.


II. Dies führt mich nun zu den Gründen, aus welchen wir so annehmen, daß Säuglinge selig sind.


Zuerst gründen wir unsere Überzeugung sehr auf die Gütigkeit der Natur Gottes. Wir sagen, daß die entgegengesetzte Lehre, nach welcher manche Kinder umkommen und verloren gehen, ganz der Idee widerspricht, die wir von Dem haben, dessen Name Liebe ist. Wenn wir einen Gott hätten, dessen Name Moloch ist, wenn Gott ein launiger Tyrann wäre, könnten wir annehmen, daß manche Kinder zur Hölle verstoßen werden; aber unser Gott, der die jungen Raben hört, die Ihn anrufen, hat gewiß keinen Gefallen an dem Schreien
der Säuglinge, die von Seinem Angesicht verstoßen sind. Wir haben es gelernt, unser Urteil in aller Demut Seinem Willen zu unterwerfen, und wir wagen es nicht, den Herrn über alles zu kritisieren oder anzuschuldigen; wir glauben, daß Er groß ist in allem, was Er tut, und darum würden wir annehmen alles, was Er offenbart; aber Er hat noch nie von uns den verzweifelten Glauben gefordert, daß wir irgendwelche Gütigkeit in dem ewigen Elend eines in die Hölle geworfenen Säuglings sehen sollen. Ihr wißt, daß, als der mürrische Jona Ninive wollte untergehen sehen, Gott als Grund für die Erhaltung der Stadt angab, daß hundertundzwanzigtausend kleine Kinder darin seien; Er sagte: ,,Menschen, die nicht wissen, was rechts oder links ist." Wenn Er Ninives schonte, damit ihr Leben erhalten bliebe, meint ihr, daß ihre unsterblichen Seelen nutzlos verworfen werden? Würde euer Gott einen Säugling verwerfen? Wenn der eure es könnte, so bin ich so glücklich, sagen zu können, daß das nicht der Gott ist, den ich anbete.


Ferner halten wir das für ganz unvereinbar mit dem bekannten Charakter unseres Herrn Jesu Christi. Als Seine Jünger die kleinen Kinder fernzuhalten suchten, die die besorgten Mütter zu Jesu brachten, sagte Jesus: ,,Laßt die Kindlein zu Mir kommen und wehrt ihnen nicht; denn solcher ist das Himmelreich," womit Er lehrte, daß solche einen großen Teil des Himmelreichs ausmachten. Und wenn wir beachten, daß durch die besten Statistiken festgestellt ist, daß der dritte Teil der Menschheit im Säuglingsalter stirbt, so ist in dem Ausspruch des Heilandes: ,,Solcher ist das Himmelreich" viel enthalten. Wenn etliche mit daran erinnern, daß das Himmelreich das Zeitalter der Gnade auf Erden bedeute, so antworte ich: ,,Ja, dem ist so, und es bedeutet auch zugleich den Himmel." Wir wissen, daß diese Stelle beständig als ein Beweis für die Taufe angeführt wird; aber einmal taufte Christus die Kindlein nicht, und zum anderen tauften auch Seine Jünger sie nicht, denn sie wehrten ihnen und hätten sie gerne weggetrieben. Wenn es denn Jesus nicht tat, und wenn Seine Jünger es nicht taten, wer tat es dann? Die Stelle hat mit der Taufe sowenig zu tun wie mit der Beschneidung. Es findet sich weder in jenem Text noch in der Textverbindung auch nur die leiseste Anspielung auf die Taufe, und ich kann die Beschneidung der Kinder daraus ebenso logisch beweisen, wie andere es versuchen, die Kindertaufe daraus zu beweisen. Die Stelle beweist jedoch, daß Kinder einen großen Teil der Familie Christi ausmachen und daß Jesus Christus sehr liebenswürdig gegen die Kleinen war. Schalt Er sie, als sie im Tempel ,,Hosianna!" riefen? Nein, sondern Er freute Sich der kindlichen Rufe. ,,Aus dem Munde der Unmündigen und Säuglinge hast Du Dir eine Macht zugerichtet," und scheint diese Stelle nicht zu sagen, daß im Himmel dem großen Gott von großen Scharen solcher, die hier auf Erden waren - euren Kleinen, die an eurem Busen lagen und dann plötzlich in den Himmel aufgenommen wurden - ,,vollkommenes Lob" dargebracht werden wird? Ich könnte von Jesu nicht glauben, daß Er zu kleinen Kindern sagen würde: ,,Geht hin, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer!" Ich kann es mir nicht als möglich denken, daß Er, wenn Er alle Völker richten wird, die Kleinen zu Seiner Linken stellen und sie auf ewig von Seinem Angesicht verbannen werde. Könnte Er sie anreden und zu ihnen sagen: ,,Ich bin hungrig gewesen, und ihr habt Mich nicht gespeist; Ich bin durstig gewesen, und ihr habt Mich nicht getränkt; Ich bin krank und gefangen gewesen, und ihr seid nicht zu Mir gekommen"? Wie hätten sie das können?


Ferner ist einer der stärksten Beweise dafür in dem Umstand zu finden, daß die Heilige Schrift positiv feststellt, daß die Zahl der seligen Seelen schließlich sehr groß sein wird. In der Offenbarung lesen wir von einer Schar, die niemand zählen kann. Der Psalmist spricht von ihnen als von dem Tau aus der Morgenröte. Viele Stellen geben Abraham, dem Vater der Gläubigen, einen Samen, wie die Sterne am Himmel, wie der Sand am Meer. Christus soll die Arbeit Seiner Seele sehen und die Fülle haben; es kann gewiß nicht wenig sein, das Ihn befriedigt. Die Kraft der Erlösung schließt eine große Schar Erlöster in sich. Die ganze Schrift scheint zu lehren, daß der Himmel keine beschränkte Welt sein wird, sondern daß Christus von großen Scharen verherrlicht werden wird, die Er mit Seinem Blut erlöst hat. Nun, wo sollen sie alle herkommen? Welch ein kleiner Teil der Erdbevölkerung kann christlich genannt werden! Und welch ein kleiner Teil von dem kleinen Teil, die Christen genannt werden, trägt mit Recht den Namen der Gläubigen? Und wie viele Heuchler befinden sich unter denen, die für Namenchristen gehalten werden! Ich sehe nicht ein, wie es möglich ist, daß eine so ungeheure Schar in den Himmel eingeht, wenn nicht das tausendjährige Reich bald hereinbricht und wenn es nicht die tausend Jahre weit überschreitet. Und ich sehe trotz dessen nicht, wie es möglich wird, wenn ich nicht annehmen darf, daß die Seelen der Säuglinge die große Majorität bilden. Es ist mir ungemein tröstlich, zu glauben, daß mehr Seelen selig werden, als verloren gehen; denn wenn Christus in allem den Vorgang haben soll, warum nicht auch hierin? Es war der Gedanke eines großen Theologen, daß schließlich die Zahl der Verlorenen zu der Zahl der Seligen etwa in demselben Verhältnis stehen dürfte, in welchem die Zahl der Verbrecher in den Gefängnissen zu der Zahl derer steht, welche in geordneten Verhältnissen leben. Ich hoffe, daß es sich so herausstellen werde. Jedenfalls ist es nicht meine Aufgabe zu fragen. ,,Herr, werden nur wenige selig werden?" Die Pforte ist eng; aber der Herr weiß, wie Er Tausende hindurchbringen kann, ohne die Pforte weiter zu machen, und wir dürfen es nicht versuchen, dadurch welche auszuschließen, daß wir sie enger machen. Ich weiß, daß Christus den Sieg davontragen wird, und daß, während Ihm große Scharen folgen, der schwarze Höllenfürst nicht imstande sein wird, in seinem Schreckensgefolge so viele Nachfolger zu zählen, wie Jesus sie in Seinem glänzenden Triumphzuge hat.


Und nun einige gelegentliche Dinge, die in der Heiligen Schrift vorkommen, und die auch ein wenig Licht auf diesen Gegenstand werfen dürften. Ihr habt den Fall Davids nicht vergessen. Sein Kind von der Bath-Seba sollte als Bestrafung der Sünde seines Vaters sterben. David betete und fastete und trauerte sehr; endlich sagte man ihm, daß das Kind gestorben sei. Er fastete nicht mehr, sagte aber: ,,Ich werde wohl zu ihm fahren; es kommt aber nicht wieder zu mir." Wohin erwartete denn David zu gehen? Gewiß doch in den Himmel. Demnach mußte er sein Kind dort wissen, denn er sagte: ,,Ich werde wohl zu ihm fahren." Ich höre ihn das nicht bei Absaloms Tode sagen. Er hatte für den rebellischen Sohn keine Hoffnung. Bei diesem Kinde sagte er aber nicht: ,,Mein Sohn, wollte Gott, ich wäre an deiner Statt gestorben!" Nein, er konnte diesen Säugling in vollem Vertrauen entlassen; denn er sagte: ,,Ich werde zu ihm gehen." ,,Ich weiß," mochte er sagen, ,,daß Er mir einen Bund gesetzt hat, der ewig ist, und wenn ich durch das Tal des Todesschattens wandern muß, so fürchte ich kein Unglück, denn Er ist bei mir; ich werde zu meinem Kinde gehen, und im Himmel werden wir wieder vereinigt werden." - Die Errettung aus Ägypten war ein Vorbild von der Erlösung des auserwählten Samens, und ihr wißt, daß in diesem Fall die Kleinen mit auszogen, daß auch nicht eine Klaue dahintenbleiben durfte. Warum sollten in der größeren Errettung die Kinder nicht in das Lied Mosis und des Lammes einstimmen? - Und dann findet sich eine Stelle in Hesekiel - denn wo wir nur wenig haben, müssen wir die Brosamen auflesen nach dem Wort des Meisters: ,,Sammelt die übrigen Brocken, auf daß nichts umkomme" - im Propheten Hesekiel 16, 21 straft Gott Sein Volk dafür, daß es die kleinen Säuglinge dem Moloch opferte, indem es sie durchs Feuer gehen ließ, und Er sagt von diesen Kleinen: ,,Daß du Meine Kinder schlachtest und läßt sie demselben verbrennen." Diese Kleinen, welchen den glühenden Armen des Moloch starben, als sie noch Säuglinge waren, nennt Gott ,,Meine Kinder". Wir dürfen darum hinsichtlich derer, die in ihren frühen Lebenstagen sterben, getrost glauben, daß Jesus von ihnen sagt: ,,Dies sind Meine Kinder," und daß Er heute, während Er Seine Schafe zu den lebendigen Wasserbrunnen führt, nicht vergessen wird, Seine eigene Mahnung zu befolgen: ,,Weide Meine Lämmer." Ja, selbst heute trägt Er ,,die Lämmer an Seinem Busen", und selbst vor dem ewigen Thron wird Er Sich nicht schämen zu sagen: ,,Siehe da, Ich und die Kinder, die Mir Gott gegeben hat." - Da ist noch eine andere Stelle in der Schrift, die herangezogen werden kann. 5 Mose 1 ist eine Drohung über die Kinder Israel in der Wüste ausgesprochen, nach welcher sie mit Ausnahme von Kaleb und Josua nie das verheißene Land sehen sollten; doch es wird hinzugefügt: ,,Eure Kinder, davon ihr sagtet, sie würden ein Raub werden, und eure Söhne, die heutigentags weder Gutes noch Böses verstehen, die sollen hineinkommen; denselben will Ich es geben, und sie sollen es einnehmen." Euch Vätern und Müttern, die ihr Gott nicht fürchtet, die ihr ungläubig lebt und sterbt, möchte ich sagen: ,,Euer Unglaube kann eure Kinder nicht vom Himmel ausschließen, und ich preise Gott dafür. Wie die Sünde des Geschlechts in der Wüste die nächstfolgende Generation nicht von Kanaan ausschloß, sondern dieselbe gewiß hineinkam, so ist die Sünde ungläubiger Eltern nicht notwendig der Untergang ihrer Kinder, sondern diese werden durch Gottes souveräne Gnade und überfließende Barmherzigkeit der Ruhe teilhaftig, welche Er für Sein Volk bereitet hat, wenn sie in ihrem zarten Alter aus der Welt abgerufen werden. Merkt wohl, daß ich zwischen den Kindern gottseliger und gottloser Eltern keinen Unterschied gemacht habe. Wenn sie im Säuglingsalter sterben, sind sie selig, wie auch ihre Eltern gestanden haben mögen oder noch stehen. Ich stimme der Theorie eines lieben presbyterianischen Predigers nicht bei, der da annimmt, daß die Kinder gottseliger Eltern einen besseren Platz im Himmel haben werden als die, welche ohne ihren Willen von ungläubigen Eltern abstammen. Dergleichen glaube ich nicht. Ich bin nicht gewiß, daß es Grade im Himmel gibt; aber selbst wenn es der Fall ist, bin ich mir noch nicht klar, daß das beweise, daß unsere Kinder größere Rechte haben als andere. Wir glauben, daß alle ohne Ausnahme, und von wem sie auch abstammen mögen, nicht durch die Taufe, nicht wegen des Glaubens ihrer Eltern, sondern einfach wie wir alle ,,selig werden, durch die Erwählung Gottes, durch das teure Blut Christi, durch den wiedergebärenden Einfluß des Heiligen Geistes zur Herrlichkeit und Unsterblichkeit gelangen und das Bild des Himmlischen tragen werden, wie sie getragen haben das Bild des Irdischen. 


III. Ich komme nun dazu, praktischen Gebrauch von dieser Lehre zu machen.

Zunächst sei es Trost für beraubte Eltern. Ihr sagt, es sei ein schweres Kreuz, das ihr zu tragen habt. Beachtet, daß es leichter ist, ein totes Kreuz zu tragen als ein lebendiges. Ein lebendiges Kreuz ist wirklich eine Trübsal, nämlich ein Kind zu haben, das rebellisch in seiner Kindheit, lasterhaft in seiner Jugend und ausschweifend in seinem späteren Leben ist! Wollte Gott, daß es bei seiner Geburt gestorben wäre und nie das Licht erblickt hätte! So manches Vaters Haare sind durch lebendige Kinder, aber wohl nie durch seinen gestorbenen Säugling grau geworden; denn ein Christ trauert nicht wie die, welche keine Hoffnung haben. Du hättest dein Kind doch lieber lebendig behalten? Möchtest du, daß es am Leben bleibe, um reif für den Galgen zu werden? Möchtest du, daß es am Leben bleibe, um dem Gott seines Vaters zu fluchen? Möchtest du, daß es am Leben bleibe, um dein Haus unglücklich zu machen und dein Kissen mit Tränen zu netzen? Dahin hätte es kommen können, kommt nun aber nicht dazu, denn dein kleiner Liebling singt nun vor dem Thron Gottes. Weißt du, welchen Kümmernissen dein Kindlein entrückt ist? Du hast davon genug gehabt. Beklagst du es, daß es den Schmerzen entrückt ist? Gedenke dann auch an deine eigenen Sünden und an den tiefen Schmerz der Buße. Wenn dein Kind lebte, würde es als Sünder aufwachsen und müßte später die Bitterkeit der Sünde kennen lernen. Es ist dem entrückt; es freut sich nun in Gottes Herrlichkeit. Möchtest du es denn wieder zurück haben? Betrübte Eltern, wenn ihr euer Kind nur einen Augenblick droben sehen könntet, ich denke, ihr würdet eure Tränen sogleich trocknen. Es ist zur Würde der Unsterblichen erhoben worden; es ist mit besseren als königlichen Kleidern angetan; es ist reicher und seliger, als es sein könnte, wenn ihm alle irdischen Kronen aufs Haupt gesetzt würden. Warum wolltest du denn klagen? Es ist gut, kämpfen und den Sieg erlangen; aber den Sieg erlangen ohne den Kampf! Es ist gut, das Triumphlied singen zu können, nachdem wir durchs Rote Meer mit allen seinen Schrecken hindurchgegangen sind; aber das Lied ohne das Meer zu singen, ist noch herrlicher. Ich weiß nicht, ob ich das Los eines Kindes im Himmel dem meinen vorziehen soll. Ich halte es für edler, den Sturm ertragen und gegen Wind und Wetter gekämpft zu haben. Ich denke, es wird für euch und mich durch alle Ewigkeit ein Gegenstand der Beglückwünschung sein, daß wir nicht auf so leichtem Wege in den Himmel gekommen sind; denn es gibt nachher eine überschwengliche Herrlichkeit. Aber ich denke dennoch, daß wir Gott für diese Kleinen danken können dafür, daß ihnen unsere Sünden, unsere Gebrechen und unsere Ängste erspart worden sind, und daß sie ohne das alles in die Ruhe eingegangen sind. ,,Rahel weint über ihre Kinder und will sich nicht trösten lassen über ihre Kinder, denn es ist aus mit ihnen." ,,Aber der Herr spricht also: Laß dein Schreien und Weinen und die Tränen deiner Augen, denn deine Arbeit wird wohl belohnt werden, spricht der Herr. Sie sollen wiederkommen aus dem Lande des Feindes."


Der nächste und vielleicht vorteilhaftere Schluß, den wir aus dem Text ziehen, ist dieser: Viele unter euch sind Eltern, die Kinder im Himmel haben. Ist es da nicht sehr wünschenswert, daß ihr auch dorthin geht? Und habe ich nicht doch vielleicht viele hier, die keine zukünftige Hoffnung haben? Ihr habt das, was jenseits des Grabes liegt, tatsächlich auf spätere Tage verschoben und alle eure Zeit und Gedanken den kurzen, ungenügenden Bestrebungen dieses Lebens zugewandt. Unbekehrte Mutter, von des Himmels Zinnen winkt dir dein Kind zu und lockt dich hin zum Paradies. Unbußfertiger Vater, die kleinen Äuglein, die einst so freundlich blickten, schauen auf dich herab, und die Lippen, die kaum gelernt hatten, Vater zu stammeln, ehe sie sich im Schweigen des Todes schlossen, sagen heute zu dir: ,,Vater, sollen wir auf ewig durch die große Kluft getrennt werden, die niemand überschreiten kann?" Weckt nicht die Natur an und für sich eine Sehnsucht in euren Seelen, euch mit euren Kindern im Bund der Lebendigen eingebunden zu sehen? Haltet ein und denkt nach. So wie ihr seid, dürft ihr das nicht hoffen; aber wenn ihr euren Blick dem Kreuz des Heilandes zuwendet, sollt ihr leben. Wenn ihr von ganzem Herzen an Ihn glaubt, sollt ihr mit allen, die Ihm der Vater gegeben hat, dort sein, wo Er ist. Du brauchst nicht ausgeschlossen bleiben. Warum wolltest du dein eigenes Todesurteil unterschreiben und verloren gehen? Ich möchte dich bei der Hand nehmen und sagen: ,,Wir können dir deinen Liebling nicht wiederbringen, aber du kannst zu ihm kommen! Siehe vor dir die lichtvolle Leiter! Die erste Sprosse derselben ist Buße, heraus aus dir selbst; die nächste ist Glaube, in Christum hinein, und wenn du da bist, bist du sicherlich auf dem rechten Wege und es dauert nicht lange, dann wirst du an den Pforten des Himmels in Empfang genommen von den Kleinen, die dir vorangegangen sind, um dich zu begrüßen, wenn du an der ewigen Küste landest."


Doch noch eine andere nützliche Lektion, und ich will euch nicht länger aufhalten. Was sollen wir den Eltern sagen, die lebende Kinder haben? Wir haben von den abgerufenen gesprochen; was sollen wir von den lebendigen sagen? Ich möchte sagen: Spart eure Tränen, beraubte Eltern, für die Kinder auf, die da leben. Ihr könnt zu dem kleinen Grab hingehen und daraufblicken und sagen: ,,Dieses eine Kind ist gerettet; es ruht auf ewig sicher und ist allem Leid entrückt." Ihr kommt zurück zu denen, die um euren Tisch hersitzen, und blickt eins nach dem anderen an und sagt: ,,Von diesen Kindern sind mehrere noch nicht errettet." Fern von Gott und fern von Christus reifen einige von ihnen heran zu Jünglingen und Jungfrauen, und ihr könnt deutlich sehen, daß ihre Herzen, gleich jedem natürlichen Herzen, verzweifelt böse sind. Da habt ihr Grund und Ursache zu weinen. Ich wünschte, ihr hörtet nicht auf, über sie zu weinen, bis sie aufhören zu sündigen, und hörtet nicht auf, für sie zu hoffen, bis sie aufgehört haben zu leben, und hörtet nicht auf, für sie zu beten, bis ihr aufhört zu atmen. Bringt sie in den Armen des Glaubens vor Gott, o, verzagt nicht, weil sie das nicht sind, was ihr wünscht. Sie werden gewonnen werden, wenn ihr nur Glauben an Gott habt. Der euch gerettet hat, kann auch sie retten. Bringt sie beständig einzeln vor den Gnadenstuhl und ringt mit Ihm und sprecht: ,,Ich lasse Dich nicht, Du segnest mich denn." Dies war das Wort, welches der Apostel dem Kerkermeister sagte: ,,Glaube an den Herrn Jesum Christum, so wirst du und dein Haus selig." Wir haben viele Beweise davon gehabt, denn in diesem Taufbassin habe ich nicht nur den Vater und die Mutter getauft, sondern in vielen Fällen auch die Kinder, die eines nach dem anderen aus Gnaden dahin gebracht wurden, ihr Vertrauen auf Jesus zu setzen. Bittet von Ihm, fleht zu Ihm, geht Ihn an in der Kraft des Glaubens und mit heiligem Ernst, und Er wird euch gewißlich erhören.

Möchte der Herr erhören und segnen um Seines Namens willen! Amen.



Die Wiedergeburt und das neue Leben.


,,Als die da wiederum geboren sind, nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen, nämlich aus dem lebendigen Wort Gottes, das da ewiglich bleibt. Denn alles Fleisch ist wie Gras, und alle Herrlichkeit der Menschen wie des Grases Blume. Das Gras ist verdorrt, und die Blume abgefallen; aber des Herrn Wort bleibt in Ewigkeit. Das ist aber das Wort, welches unter euch verkündigt ist."
1.Petrus 1, 23-25.


Petrus hatte die zerstreuten Gläubigen ernstlich ermahnt, einander ,,brünstig lieb zu haben aus reinem Herzen", und wohlweislich holt er seine Beweggründe her nicht aus dem Gesetz, noch aus der Natur, noch aus der Philosophie, sondern aus der höheren und göttlichen Natur, die Gott Seinem Volk eingepflanzt hat. ,,Ihr seid wiedergeboren, nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen;" darum habt euch brünstig lieb. Er ist bemüht, in Königskindern die königliche Gesinnung zu fördern. Es wäre gut, wenn wir im Geist der Demut die wahre Würde unserer neuen Natur erkennten und danach lebten. Was ist ein Christ? Wenn ihr ihn mit einem König vergleicht, so fügt er seiner königlichen Würde noch seine priesterliche Heiligkeit hinzu. Er ist von einem anderen Geschlecht als die, welche nur vom Weibe geboren sind. Er ist durch seine neue Geburt so sehr über seine Mitmenschen erhaben, wie diese über die Tiere erhaben sind. Gewiß, er sollte sich betragen und handeln wie einer, der nicht von der Welt ist, wie einer, der von der Welt erwählt und durch souveräne Gnade ausgezeichnet worden ist, der dem Volk des Eigentums zugezählt ist. Gläubige an Christus, laßt euch durch die Würde eurer Natur und durch eure herrlichen Aussichten anspornen, der Heiligung nachzujagen und auch den bösen Schein zu meiden.


Im Text sind drei Punkte, die unserer ernsten Beachtung wert sind. Der Apostel spricht augenscheinlich von einem zweifachen Leben, dem natürlichen, das nur vom Fleisch geboren ist, und dem geistlichen Leben, das aus dem Geist geboren ist, das in Gegnerschaft zu dem aus dem Fleisch steht, das es überlebt und sich endlich triumphierend zur himmlischen Herrlichkeit erhebt. Von diesem zweifachen Leben handelnd, hebt der Apostel zuerst einen Vergleich und einen Gegensatz zwischen den beiden Geburten hervor; denn jedes Leben hat seine eigene Geburt. Dann zeigt er einen Gegensatz zwischen der offenbaren Existenz dieser zweierlei Leben und zuletzt zwischen der Herrlichkeit dieses zweifachen Lebens; denn jedes Leben hat seine Herrlichkeit, aber die Herrlichkeit des geistlichen Lebens übertrifft die Herrlichkeit des natürlichen Lebens weit.


I. Erstens stellt der Apostel Petrus einen Vergleich und einen Kontrast zwischen den beiden Geburten auf, welche den Eintritt in das zweifache Leben bilden.


Zuerst wird uns gesagt, daß jedem Leben eine Geburt vorangeht. Es ist so bei dem natürlichen Leben: wir sind geboren; es ist so bei dem geistlichen Leben: wir sind wiederum geboren. Es sei denn, daß ein Mensch geboren werde, sonst kann er nicht in das Reich der Natur eingehen; es sei denn, daß jemand von neuem geboren werde, sonst kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Die Geburt ist das bescheidene Tor, durch welche wir ins Leben eintreten, und das erhabene Portal, durch welches wir ins Himmelreich eingelassen werden.


Hier ist ein Vergleich zwischen den beiden Geburten; in beiden Fällen waltet ein ernstes Geheimnis ob. Wie es etwas überaus Ernstes ist, zu sterben, so ist es auch etwas sehr Ernstes, geboren zu werden. Geburtstage und Sterbetage sind Tage tiefen Ernstes. Die Geburt ist in der Schrift oft als ein höchst ausdrucksvolles Bild von einem ernsten Geheimnis gebraucht worden. Größer noch als die natürliche Geburt ist das Geheimnis der neuen Geburt. Daß wir wiedergeboren sind, wissen wir, aber wie, das können wir nicht sagen. Wie der Geist Gottes auf das Innere einwirkt, wie es kommt, daß Er die Fähigkeiten erneuert und neue Wünsche mitteilt, durch welche diese Fähigkeiten angeleitet werden, wie es zugeht, daß Er den Verstand erleuchtet, den Willen unterwirft, die Hoffnung aufrichtet und die Furcht in den rechten Kanal einleitet, das können wir nicht sagen; das gehört zu den verborgenen Dingen, die Gott zugehören. Der Heilige Geist wirkt, aber die Art und Weise Seiner Einwirkung ist nicht zu erfassen. ,,Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, von woher er kommt und wohin er fährt. Also ist ein jeglicher, der aus dem Geist geboren ist." Meine Zuhörer, habt ihr dieses Geheimnis gefühlt? Erklären könnt ihr es sowenig wie ich; es hat auch keinen Zweck, eine Erklärung zu versuchen; denn wo Gott still ist, da wäre es Vermessenheit, wenn wir reden wollten. Die beiden Geburten sind hinsichtlich des ernsten Geheimnisses einander gleich.


Dann aber wissen wir von der natürlichen Geburt so viel, daß sich darin ein Leben kundgibt. Jenes Kindlein beginnt sein Dasein, ein anderes Wesen erhebt seinen Schrei und beginnt zu atmen, zu leben und zu sterben. Und so zeigt sich in der neuen Geburt eine absolute Schöpfung; wir werden neue Kreaturen in Christo Jesu; es ist ein anderer Geist geboren, um zu beten, um an Christum zu glauben, Ihn hier zu lieben und sich nachher in Ihm zu freuen. Wie kein Zweifel daran ist, daß die Geburt die Offenbarung einer Schöpfung ist, so darf auch niemand daran zweifeln, daß die Wiedergeburt, eine Schöpfung Gottes, so göttlich ist, daß sie Menschenmacht ebenso übersteigt wie die Schöpfung eines menschlichen Geistes selbst.


Aber wir wissen auch, daß in der Geburt nicht nur ein erschaffenes Leben, sondern auch ein mitgeteiltes Leben in die Erscheinung tritt. Jedes Kind hat seine Eltern. Wir sind nicht selbsterschaffene Wesen; unser Leben ist ein uns mitgeteiltes. Wir haben Verbindungsglieder zwischen dem Sohn und dem Vater und so weiter zurück, bis wir zu Vater Adam kommen. So ist auch in der Wiedergeburt ein nicht nur erschaffenes, sondern mitgeteiltes Leben, nämlich das Leben Gottes, der uns wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung. So gewiß, wie der Vater in dem Kinde lebt, so gewiß lebt das Leben und die Natur Gottes in jedem zweimal geborenen Himmelserben. Wir sind durch die neue Geburt der göttlichen Natur ebenso gewiß teilhaftig geworden, wie wir durch die erste Geburt der menschlichen Natur teilhaftig geworden sind; so weit paßt der Vergleich.


Ebenso gewiß ist es, daß sowohl in der natürlichen wie in der geistlichen Geburt ein unveräußerliches Leben übertragen wird. Es gibt gewisse Eigenheiten, die wir erben, von denen wir diesseits des Grabes nicht frei werden. Unser Temperament, ob es ernst oder heiter ist; unsere Gemütsbewegungen, ob sie langsam oder hastig sein mögen; unsere Neigungen, ob sie sinnlicher oder hochtrabender Art sind; unsere Fähigkeiten, ob sie beschränkt oder ausgedehnt sind, sind zu einem großen Maße ein unveräußerliches Erbe und ebenso mit unserem zukünftigen Teil verbunden wie die Schwingen mit dem Adler oder die Schale mit der Schnecke. Ohne Zweifel wird vieles von unserer Geschichte mit uns geboren, und der Säugling trägt den Keim zu seinen zukünftigen Handlungen in sich. So ist es mit uns, wenn wir wiedergeboren sind; unsere himmlische Natur ist uns unveräußerlich übertragen. Wir können nicht anders als heilig sein; die neue Natur kann nicht anders, als Gott dienen; sie muß, sie wird sich sehnen, näher zu Christus zu kommen, Ihm ähnlicher zu werden. Sie hat ein Sehnen, das die Zeit nicht befriedigen kann, Wünsche, die die Erde nicht stillen kann, und ein Streben, das nur mit dem Himmel enden kann. In dem Augenblick, da wir in dem ernsten Geheimnis der Wiedergeburt vom Tod zum Leben durchdringen, wird ein unveräußerliches Leben auf uns übertragen.


In der ersten und auch in der neuen Geburt offenbart sich ein Leben, das in allen seinen Teilen vollständig ist und nur der Entwicklung bedarf. Jener Säugling in der Wiege wird nie andere Glieder oder ein anderes Auge haben. Seine Glieder verdichten und verhärten sich und wachsen und werden kräftiger; sein Gehirn dehnt sich aus; aber die Fähigkeiten sind bereits da und werden nicht erst später eingepflanzt. Wahrlich, so ist es mit dem neugeborenen Kind Gottes. Glaube, Liebe, Hoffnung und jede Gnade ist in dem Augenblick da, in welchem es an Christus glaubt. Es ist wahr, diese Gnaden wachsen, aber sie sind mit dem Augenblick der Wiedergeburt alle vorhanden. Der Säugling in der Gnade, der eben erst geboren ist, hat jeden Teil des geistlichen Mannes; er hat nur nötig zu wachsen, bis er ein vollkommener Mann wird in Christo Jesu.


Ihr seht, soweit haben beide Geburten eine große Ähnlichkeit miteinander. Ich bitte euch nur, euch von dem angeregten Gegenstand nicht abzuwenden, bis ihr euch die Wirklichkeit der neuen Geburt so klargemacht habt, wie euch die erste klar ist. Ihr wäret nicht hier, wenn ihr nicht geboren wäret, und ihr werdet nie im Himmel sein, wenn ihr nicht wiedergeboren seid. Ihr seid heute nicht imstande zu beten oder an Christus zu glauben, wenn ihr nicht wiedergeboren seid. Ihr kenntet die Genüsse dieser Welt nicht, wenn ihr nicht geboren wärt, und ihr kennt die heiligen, göttlichen Genüsse heute nicht, und ihr werdet sie nie kennen lernen, wenn ihr nicht wiedergeboren werdet. Blickt nicht auf die Wiedergeburt, als ob sie etwas Erdichtetes oder Eingebildetes wäre. Ich versichere euch, meine Zuhörer, daß sie ebenso wirklich ist wie die natürliche Geburt. Wiedergeboren sein ist etwas so Tatsächliches, daß man es entdecken und erkennen und sich ebenso klar darüber werden kann wie über das erste Geborensein in dieses Erdental.


Aber nun kommt der Gegensatz. ,,Wiederum geboren nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen." Hierin liegt der Kontrast zwischen beiden. Das Kind, das soeben die erste Geburt erfahren hat, ist dadurch eines vergänglichen und verderbten Samens teilhaftig geworden. Die Verderbtheit seiner Eltern liegt schlummernd in ihm. Wenn es reden könnte, würde es uns das sagen. David tat es, als er sagte: ,,Siehe, ich bin aus sündlichem Samen gezeugt, und meine Mutter hat mich in Sünden empfangen." Er erhielt das böse Gift, welches uns durch den Fall eingeflößt worden ist. Nicht so ist es jedoch, wenn wir wiedergeboren werden. Damit wird keine Sünde in uns gesät. Die Sünde des alten Fleisches bleibt zwar, aber in der neugeborenen Natur ist keine Sünde; sie kann nicht sündigen, weil sie von Gott selber geboren ist, es ist der neuen Natur so unmöglich zu sündigen, wie es für die Gottheit unmöglich ist, befleckt zu werden. Sie ist ein Teil der göttlichen Natur, ein Funke von dem Zentralkörper des Lichtes und Lebens; es wäre ihrer Natur entgegen, dunkel zu werden oder zu sterben. Welch ein Unterschied! In der ersten Geburt zur Sünde geboren, in der zweiten zur Heiligkeit; in der ersten der Verderbtheit teilhaftig geworden und in der anderen der Vollkommenheit. Kann es einen größeren Kontrast geben? Was anderes könnte uns veranlassen, uns gründlicher nach dieser neuen Geburt zu sehnen als der herrliche Umstand, daß wir durch sie bewußt aus den Ruinen des Falles emporgehoben und in Christo Jesu vollkommen gemacht werden!


Welche schrecklichen Ungewißheiten begleiten auch die Geburt aus dem Fleisch? Was wird aus jenem Kindlein werden? Es mag leben, um eines Tages den Tag seiner Geburt zu verfluchen, wie es der arme, leidende Patriarch einst tat. Welche Schmerzen mögen auf der noch glatten Stirn tiefe Furchen ziehen? Kind, du wirst eines Tages grau sein, und ehe es dahin kommt, wirst du tausend Stürme erfahren, die dein Herz und Haupt umtosen. Du weißt nichts von deiner Bestimmung; aber sicher ist, daß du kurze Zeit lebst und voll Unruhe bist. In der Wiedergeburt dagegen werden wir den Tag nie beklagen, an welchem wir wiedergeboren wurden, sondern werden uns dessen stets mit Wonne und Entzücken erinnern, denn wir werden dadurch nicht in die Höhle der Menschheit, sondern in den Palast der Gottheit eingeführt. Wir werden dadurch nicht in ein Tränental hineingeboren, sondern in das Erbe in dem Kanaan unseres Gottes. Es ist auch möglich, daß das Kind, das heute der Gegenstand der zärtlichsten Liebe seiner Mutter ist, eines Tages den Eltern das Herz bricht. Sind Kinder nicht zweifelhafte Gnaden? Schade um den allerliebsten Plauderer, der da aufwächst, um als Verbrecher in seiner Zelle zu sitzen! Aber gelobt sei Gott, die da Kinder Gottes sind, werden ihrem Vater nie das Herz brechen. Ihre neue Natur wird Dessen würdig sein, der ihr das Dasein gab. Sie werden leben, um Ihn zu ehren; sie werden sterben, um Ihm vollkommen gleich zu sein, und werden auferstehen, um Ihn ewiglich zu verherrlichen. Man hat zuweilen gesagt, daß Gott eine recht schlechte Familie habe; aber die Schlechtigkeit liegt in der alten Adamsnatur und nicht in Jehovahs glorreichem Werk. In der neuen Natur ist keine Schlechtigkeit. In der neuen Kreatur ist kein Fleck von Sünde. Die neue Natur, die Gott gegeben hat, sündigt nie; sie wäre nicht die neue Natur, wenn sie es täte; denn was von Gott kommt, ist gleich Ihm heilig, rein, unbefleckt, von der Sünde abgesondert. Hierin ist wirklich ein großer Unterschied. Wir wissen nicht, wohin die erste Natur neigt; wer kann sagen, welche Bitterkeiten sie erzeugen mag? Aber wir wissen, wohin die neue Natur neigt; denn sie reift dem vollkommenen Bilde Dessen entgegen, der uns geschaffen hat in Christo Jesu.


Es verbleibt mir noch, mit allem Ernst mich dem Punkt zuzuwenden, in welchem, wie ich fürchte, die größte Schwierigkeit liegt: die klare Vergegenwärtigung dieser Geburt; denn wir wiederholen es, wir sprechen von einer Tatsache und nicht von einem Traum, von einer Wirklichkeit und nicht von einem Bild.


Manche sagen euch, daß das Kind wiedergeboren sei, wenn die Tropfen von Priesterhand seine Stirn berührt haben. Meine Brüder, ein närrischerer und verderblicherer Betrug ist auf der Erde noch nie erfunden worden. Rom selbst könnte keinen schlimmeren Irrtum erzeugen. Laßt euch das nicht träumen. ,,Es sei denn, daß jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen." Der Herr richtete diese Worte nicht an einen Säugling, sondern an einen ausgewachsenen Mann. Nikodemus, ein Mann, der nach dem jüdischen Gesetz beschnitten worden war, bedurfte es, als ein Mann wiedergeboren zu werden, obgleich er das Bundessiegel empfangen hatte. Wir alle ohne Ausnahme müssen diese Veränderung kennen lernen. Euer Leben mag ein moralisches gewesen sein, aber das genügt nicht, denn auch die moralisierteste menschliche Natur kann nie zur göttlichen Natur heranreichen. Und wenn ihr von Jugend auf so erzogen worden seid, daß ihr die Laster der Leute kaum kennengelernt habt; ihr mögt so bewacht und umzäunt und vor der Ansteckung der Sünde geschützt worden sein, daß ihr die Versuchung nicht kennt, und müßt doch wiedergeboren werden, und diese Geburt, ich wiederhole es, muß ebenso eine Tatsache, ebenso wahr und wirklich und gewiß sein wie die erste Geburt, durch welche ihr in diese Welt eingeführt worden seid. Was weißt du davon, mein Zuhörer? Was weißt du hiervon? Es ist etwas, das du nicht selber zustande bringen kannst. Es ist etwas, das außer dem Bereich menschlicher Macht liegt; die neue Geburt ist übernatürlich, göttlich. Hast du teil daran? Blicke nicht nur zurück auf irgendwelche Stunde, in welcher du einmal etwas Besonderes gefühlt hast, sondern beurteile dich nach den Früchten. Haben deine Besorgnisse und Hoffnungen einen Wechsel erfahren? Liebst du, was du einst haßtest, und haßt du, was du einst liebtest? Ist das Alte vergangen? Ist alles neu geworden? Ihr Christenbrüder, ich richte die Frage ebenso an euch wie an alle anderen. Es ist so leicht, sich hier zu täuschen. Wir werden finden, daß es keine Kleinigkeit ist, wiedergeboren zu werden. Es ist eine ernste, eine überaus wichtige Sache. Laßt uns nicht annehmen, daß sie eine erwiesene Sache ist, weil wir die Trunksucht aufgegeben haben, und darum bekehrt sind, weil wir nicht fluchen und weil wir die Gottesdienste besuchen. Es ist mehr nötig als das. Denkt nicht, daß ihr gerettet seid, weil ihr einige gute Gefühle und gute Gedanken gehabt habt. Es ist mehr nötig; ihr müßt wiedergeboren werden. Christliche Eltern, erzieht eure Kinder in der Furcht Gottes; aber gebt euch mit eurer Erziehung nicht zufrieden; sie müssen wiedergeboren werden. Und ihr christlichen Männer und christlichen Frauen, gebt euch nicht damit zufrieden, daß ihr für die Ehehälfte betet, daß sie moralisch und rechtschaffen werde; bittet, daß etwas geschehe an ihnen, das sie selber nicht tun können. Und ihr Philanthropen, die ihr allerlei Verbesserungen trefft, um die Welt umzugestalten, ich bitte euch, geht weiter. Ihr müßt auf die Änderung des Herzens hinwirken. Es hat wenig Zweck, das Äußere zu ändern, solange das Innere nicht erneuert ist. Es ist nicht die Rinde des Baumes, die verdorben ist; es ist der Saft. Der Mensch muß so neu werden, als ob er noch gar keine Existenz gehabt hätte. Nein, noch ein größeres Wunder als dies - es müssen zwei Wunder vereinigt werden: das Alte muß vergehen, und es muß durch den Heiligen Geist Neues geschaffen werden. Ich zittere, während ich über dieses Thema spreche, daß ich nicht nur die Theorie eines so erhabenen Geheimnisses kenne, sondern es aus Erfahrung wisse. Was können wir anderes tun, als das Gebet hinaufsenden: ,,O Gott, wenn wir nicht wiedergeboren sind, so laß uns unseren Zustand erkennen, auch wenn es der traurigste ist, und wenn wir es sind, so laß uns nie aufhören, für andere zu beten, bis auch sie durch den Heiligen Geist erneuert worden sind." Was vom Fleisch geboren wird, das ist Fleisch; auch dessen beste Bestrebungen gehen nicht über das Fleisch hinaus, und das Fleisch kann das Reich Gottes nicht ererben. Was vom Geist geboren wird, das allein ist Geist, und nur der Geist kann in geistliche Dinge eingehen und den geistlichen Teil ererben, den Gott für Sein Volk bereitet hat. So habe ich versucht, der etwas delikaten und äußerst schwierigen Aufgabe zu genügen, den Vergleich zwischen den beiden Geburten anzugeben, die die Eingangstüren zu den zweierlei Leben sind.


II. Ich komme nun zu dem zweiten Punkt: Der offenbare Unterschied in den zweierlei Leben, die aus den zwei Geburten hervorgehen.


Brüder, blickt um euch! Womit wollen wir diese immense Versammlung vergleichen? Indem ich auf die vielen Farben und auf die sehr verschiedenen Gesichter sehe, breitet sich vor meiner Einbildungskraft eine mit allerlei Blumen dicht bewachsene Wiese aus. Blickt auf die hier versammelte Menschenmenge, und erinnert sie euch nicht an das Feld in seiner vollen Sommerherrlichkeit mit den vielen Blumen und Grasblüten, die sich in zahlloser Mannigfaltigkeit und Schönheit sonnen? Aber die Ähnlichkeit zeigt sich nicht nur dem Blick des Poeten, sondern auch in Gottes Sinn und in der Erfahrung der Menschen. ,,Alles Fleisch ist wie Gras;" alles, was mit der ersten Geburt ins Dasein getreten ist, kann wegen seiner Hinfälligkeit und wegen seiner kurzen Existenz tatsächlich damit verglichen werden. Wir gingen erst vor einem Monat an einer Wiese vorüber, und bei dem Windstoß wogte das frische, saftige Grün wie die Wellen des Ozeans. Wir hatten einen überaus schönen Anblick. Wir gingen gestern wieder daran vorüber, und des Schnitters Sense hatte die Schönheit bis an die Wurzel umgemäht, und da lag das einst saftige Grün welk in Haufen und wartete auf völlige Trockenheit, um eingefahren werden zu können. Das Gras ist bald abgemäht; aber wenn es stehen bliebe, würde es doch verwelken, und einige Handvoll Staub nehmen den Platz der grünen und farbigen Blätter ein; denn verwelkt nicht das Gras, und fallen die Blumen nicht ab? Das ist das sterbliche Leben. Wir leben nicht, Brüder, sondern wir sind am Sterben. Wir fangen an zu atmen und machen die Zahl unserer Atemzüge beständig weniger. Der Tod steht auf jeder Stirn geschrieben. Mensch, wisse, daß du sterblich bist, denn du bist vom Weibe geboren. Die erste Geburt gab dir das Leben und auch zugleich den Tod. Du atmest nur kurze Zeit, um dich vom Rachen des Grabes fernzuhalten; wenn dein Atem verbraucht ist, fällst du in des Todes Staub.


Alles um uns her lehrt uns die Hinfälligkeit des menschlichen Lebens. Der Richter, der viele verurteilt hat, empfängt schließlich sein eigenes Urteil. Seitdem wir das letztemal hier zusammentrafen, sind große Helden dahingesunken, und selbst ein Monarch auf seinem Thron hat die Monarchie des Todes anerkennen müssen. Wie viele sind aus den großen Volksmassen niedergemäht und zu ihrer Ruhestätte gebracht worden! Es hat Leichenbegängnisse gegeben, deren etliche ehrenvoll waren, weil Männer in der Ausführung des Willens ihres Meisters in der Errettung von Menschenseelen zusammenbrachen, und es sind andere begraben worden, die den Willen des Satans taten und demzufolge die Flammen geerbt haben. Zur Rechten und zur Linken hat es Todesfälle gegeben, und Petri Worte haben sich als wahr erwiesen: ,,Alles Fleisch ist wie Gras, und alle Herrlichkeit der Menschen wie des Grases Blume; das Gras ist verdorrt und die Blume abgefallen."


Und nun, Brüder, laßt uns die andere Seite der Frage betrachten. Die zweite Geburt gab uns auch eine Natur; wird auch sie sterben? Gleicht sie dem Grase, und ist ihre Herrlichkeit wie die Blume auf dem Feld? Nein, wahrlich nicht. Die erste Natur stirbt, weil der Same vergänglich war; aber die zweite Natur ging nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen hervor, nämlich aus dem Wort Gottes, dem Gott Sein eigenes Leben eingehaucht hatte, so daß es uns durch den Geist beleben konnte. Dies unvergängliche Wort bewirkt ein unvergängliches Leben. Das Kind Gottes in seiner neuen Natur stirbt niemals. Es kann den Tod nicht sehen. Christus, der in ihm ist, ist die Unsterblichkeit und das Leben. ,,Wer da lebt und glaubt an Christum, wird nimmermehr sterben." Und wieder: ,,Er wird leben, ob er gleich stürbe." Wenn wir wiedergeboren werden, empfangen wir eine Natur, welche unzerstörbar ist, welche nicht vom Feuer verzehrt, nicht vom Wasser ertränkt, nicht durch Alter geschwächt und nicht von der Pest hingerafft werden kann, eine Natur, die nicht vergiftet, die nicht vom Schwert zerstört werden kann, eine Natur, die nie sterben kann, es sei denn, daß Gott, der sie gegeben hat, auch sterben könnte. Denkt daran, meine Brüder, und gewiß, ihr habt Grund, euch zu freuen. Aber vielleicht fragt ihr, wie es zugehe, daß diese neue Natur nie sterben kann. Der Text lehrt uns, daß sie es nicht kann. ,,Wiederum geboren, nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen, nämlich aus dem lebendigen Wort Gottes, das da ewiglich bleibt." Wenn das nicht lehrt, daß die uns in der neuen Geburt gegebene Natur niemals stirbt, dann lehrt uns überhaupt nichts etwas, und wenn es uns das lehrt, wo bleibt dann die armianische Lehre von dem Abfall von der Gnade? Aber laßt mich euch zeigen, wie es zugeht, daß diese Natur nie stirbt. Erstens liegt das in der Natur selbst. Sie selbst ist unvergänglich. Gleiches erzeugt Gleiches. Der sterbliche Mensch erzeugt sterbliche Menschen; wenn Gott, der ewige Gott, uns durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten zu einer lebendigen Hoffnung wiedergeboren werden läßt, so erzeugt Er eine ewige Natur. ,,Welcherlei die Irdischen sind, solcherlei sind auch die Irdischen;" das Irdische stirbt, und wir, die wir irdisch sind, sterben auch. ,,Welcherlei die Himmlischen sind, solcherlei sind auch die Himmlischen;" das Himmlische stirbt nie. Aber mehr als das; die neue Natur kann nicht sterben, weil der Heilige Geist sie beständig mit Leben versieht. ,,Er gibt reichlich Gnade," Gnade auf Gnade. Ihr wißt, der Apostel gibt es so: ,,Denn so wir Gott versöhnt sind durch den Tod Seines Sohnes, da wir noch Feinde waren; wieviel mehr werden wir selig werden durch Sein Leben, so wir nun versöhnt sind!" Ist es nicht der Heilige Geist, durch welchen uns das Leben Christi eingeflößt worden ist? Nun, die Lebensfluten, die der Heilige Geist in uns gesandt hat, wirken mit der Unsterblichkeit des neugeborenen Geistes zusammen, und so wird uns die Ewigkeit der Seligkeit doppelt gesichert. Aber dann stehen wir ferner in lebendiger Verbindung mit Christus, und anzunehmen, daß die neue Natur aussterben könnte, hieße anzunehmen, daß ein Glied Christi, etwa ein Finger, eine Hand, ein Arm, von der Person Christi sterben und abfallen könnte, daß Er verstümmelt und zerteilt werden könnte. Sagt der Apostel nicht: ,,Ist nun Christus zerteilt?" Und stand es nicht geschrieben: ,,Ihr sollt Ihm kein Bein zerbrechen"? Und wie würde das wahr, wenn wir von Ihm abgebrochen und von Seinem Leibe getrennt werden könnten? Meine Brüder, wir empfangen den göttlichen Saft durch Christum, den Stamm; dieser göttliche Saft erhält uns lebendig, aber mehr, die Tatsache, daß wir mit Christus vereint sind, bewahrt unser Leben. ,,Ich lebe, und ihr sollt auch leben." Das neue Leben kann nicht sterben, weil Gott verpflichtet ist, es am Leben zu erhalten. ,,Ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand soll sie aus Meiner Hand reißen." ,,Mein Vater, der sie Mir gegeben hat, ist größer denn alle, und niemand wird sie aus Meines Vaters Hand reißen." Und ferner: ,,Das Wasser, das Ich ihm geben werde, wird in ihm ein Brunnen des Wassers werden, das in das ewige Leben quillt." Und noch einmal: ,,Wer an Mich glaubt, den wird ewiglich nicht dürsten." Und so könnten wir eine Menge Stellen anführen, in denen die göttliche Verheißung die Allmacht und göttliche Weisheit verpflichtet, das neue Leben zu bewahren.


So laßt uns denn alles zusammenfassen. Als Mensch vom Fleisch geboren werde ich sterben; als neuer Mensch vom Geist geboren werde ich nie sterben. Du Fleisch, du Erzeugnis des Fleisches, wirst verwesen. Du neuerschaffener Geist, du Same vom Herrn, wirst die Verwesung nie sehen. Ich werde sterben und doch niemals sterben. Ich werde aufhören und dennoch bleiben; ich werde ins Grab gelegt werden, und dennoch wird das Grab nie den aufschwebenden, lebendigen Geist in sich aufnehmen. Kinder Gottes, ich weiß keinen Gegenstand, der euch so gründlich aus euch selbst herausheben könnte als diesen. Laßt die göttliche Natur in euch leben; laßt den lebendigen Funken auflodern; kommt, laßt das göttliche Element, die neugeborene Natur, die Gott euch gegeben hat, laßt sie neu werden und laßt deren Sprache Lob und Dank sein; laßt sie aufwärts blicken und ihre eigene Luft, den Himmel Gottes, einatmen, in welcher ihr euch bald völlig freuen werdet. O Gott, unser Vater, hilf uns, daß wir nicht wandeln nach dem Fleisch, sondern nach dem Geist, da wir nun wissen, daß wir durch Dein eigenes Selbst zu einem unsterblichen Leben lebendig gemacht worden sind.


III. Ich komme nun zu dem letzten und vielleicht interessantesten Punkt: Die Herrlichkeit der beiden Naturen im Gegensatz zueinander. Jede Natur hat ihre Herrlichkeit. Blickt noch einmal auf das Feld. Da ist nicht nur das Gras, sondern da ist die Blume, die die Herrlichkeit des Feldes ist. Zuweilen bekleiden viele Farben die Weideplätze mit größter Schönheit. Die gefärbte Blume ist die Herrlichkeit des grünen Feldes. Sie kommt später als das Gras und welkt früher; denn das Gras ist aufgeschossen, ehe die Blume blüht, und wenn die Blume bereits verwelkt ist, behält der Grashalm seine Lebensfähigkeit noch. Genau so ist es mit uns. Unsere Natur hat ihre Herrlichkeit, aber diese Herrlichkeit zeigt sich erst nach Jahren. Der Säugling hat die Herrlichkeit des Mannesalters nicht, und wenn diese Herrlichkeit kommt, so welkt sie, ehe unsere Natur stirbt, denn ,,die Gesichter durch die Fenster werden finster, und die Müller stehen müßig, daß ihrer so wenige geworden sind". Der Mann verliert seine Herrlichkeit und wird gebrechlich, ehe das Leben ausgelöscht wird. Die Blume kommt zuletzt und verwelkt zuerst; auch unsere Herrlichkeit kommt zuletzt und verfällt zuerst. O Fleisch, deine Existenz ist schwach und gebrechlich; aber deine Herrlichkeit ist noch schwächer und gebrechlicher. Sie zeigt sich erst spät und ist dann so bald dahin. Aber welches ist die Herrlichkeit des Fleisches? Schenkt mir einen Augenblick eure Aufmerksamkeit, damit ich es sagen kann. In manchen ist die Herrlichkeit des Fleisches die Schönheit. Ihr Angesicht ist schön anzusehen, und als das Werk des großen Werkmeisters sollte es bewundert werden. Wenn eine Person deswegen eitel wird, so wird die Schönheit unschön; aber gut proportionierte Züge zu haben, ist zweifellos keine unbedeutende Ausstattung. Hier ist in der Schönheit des Fleisches eine Herrlichkeit; aber wie spät hat sie sich entwickelt, und wie bald verwelkt sie! Wie bald werden die Wangen hohl, wie bald werden leuchtende Augen verdunkelt und das schöne Angesicht verunziert! Ein Teil der Herrlichkeit des Fleisches ist auch physische Stärke. Es ist nichts Geringes, ein starker Mann zu sein und kräftige Knochen und stählerne Muskeln zu haben. So mancher hat Gefallen an dem Gebein des Mannes und an der Kraft seines Armes. Gewiß, wie Gott ihn gemacht hat, ist er ein wundervolles Geschöpf, und es wäre unrecht, wenn wir das Meisterstück Gottes nicht bewundern wollten. Aber wie spät erst tritt die Muskelkraft hervor! In den Tagen der Kindheit, in seinem Jünglingsalter ist der Mensch noch schwach, und wenn er nun seine volle Kraft entwickelt hat, wie bald fängt er dann wieder an, seine Stärke zu verlieren! Und der faulende Zahn und das grau werdende Haar zeigt an, daß der Tod angefangen hat, seinen Raub zu beanspruchen, und daß er bald ganz von ihm Besitz ergreifen wird. ,,Die Herrlichkeit fällt ab." Für andere liegt die Herrlichkeit des Fleisches mehr in den geistigen Fähigkeiten. Sie haben Beredsamkeit; sie können so sprechen, daß sie die Ohren der Menge bezaubern. Ja, aber wie spät treten diese Dinge hervor! Wie viele Jahre vergehen, ehe das Kind verständlich sprechen lernt, und ehe der junge Mann imstande ist, mutig eine Rede zu halten! Und dann, wie bald ist alles dahin! Wenn der arme Mann weise Worte sprechen möchte, verwehrt ihm der zahnlose Mund, sich mitzuteilen. Oder die Herrlichkeit sei Weisheit. Hier ist ein Mann, dessen Herrlichkeit seine meisterhafte Macht über andere ist. Er kann weiter sehen als andere; er kann einer Klugheit mit der anderen begegnen; er ist so weise, daß seine Mitmenschen ihr Vertrauen auf ihn setzen. Dies ist die Herrlichkeit des Fleisches; aber wie spät zeigt sie sich! Welcher Zeitraum liegt zwischen dem geschwätzigen Kind und dem weisen Mann! Und wie bald ist diese Herrlichkeit dahin! Und wenn er auch körperlich noch kräftig ist, wie bald zeigt sein Geist Symptome des Verfalls! Betrachtet als die Herrlichkeit des Fleisches, was ihr wollt, ich will darüber schreiben: ,,Eitelkeit der Eitelkeiten; es ist alles ganz eitel." Wenn das Fleisch hinfällig ist, ist die Herrlichkeit des Fleisches noch hinfälliger; wenn das Gras verdorrt, so verdorrt des Grases Blume schon vorher.


Aber ist dies auch wahr von der neuen Natur? Gilt das auch von dem, was uns in der zweiten Geburt eingepflanzt ist? Ich denke, ich habe euch eben gezeigt, daß die Existenz der neuen Natur eine ewige ist, weil sie nicht aus vergänglichem, sondern aus unvergänglichem Samen gekommen ist. Ich habe versucht, zu zeigen, daß sie nie untergehen und nie sterben kann. Aber euer Unglaube flüstert euch zu: ,,Vielleicht hört ihre Herrlichkeit auf." Nein, das kann nicht sein. Und welches ist die Herrlichkeit der neugeborenen Natur? Nun, ihre Herrlichkeit ist zunächst die Schönheit. Aber was ist ihre Schönheit? Sie besteht darin, dem Herrn Jesu gleich zu sein. Wir werden Ihm gleich sein, denn wir werden Ihn sehen, wie Er ist. Aber diese Herrlichkeit wird nie verwelken; selbst die Ewigkeit wird die Wangen dieser seraphischen Schöne nie aushöhlen noch den himmlischen Glanz des leuchtenden Auges verdunkeln. Wir werden Christo gleich sein; aber diese Gleichheit wird durch die Zeit nicht entstellt noch durch den Verfall vernichtet. Ich sagte soeben, daß die Herrlichkeit des Fleisches zuweilen in seiner Kraft bestehe; so besteht auch die Herrlichkeit des Geistes in seiner Kraft, aber es ist eine Kraft, die nie aufgezehrt wird. Die Kraft der neugeborenen Natur ist der Heilige Geist selbst, und solange die Gottheit allmächtig bleibt, wird unsere neugeborene Natur an Stärke zunehmen, bis wir zunächst zu dem vollkommenen Mannesalter in Christo heranwachsen und dann als verklärte Menschen vor Seinem Thron stehen werden. Die Blume der neuen Natur könnt ihr jetzt noch nicht recht sehen. Diese Blume der Herrlichkeit besteht vielleicht auch in Beredsamkeit. ,,Beredsamkeit," sagt ihr, ,,wie kann das sein?" Ich sagte, die Herrlichkeit der alten Natur könnte Beredsamkeit sein - und so ist es bei der neuen; aber dies ist die Beredsamkeit des ,,Abba, lieber Vater", eine Beredsamkeit, davon ihr jetzt Gebrauch machen könnt. Es ist eine, die, wenn ihr kein Wort sprechen könnt, um Menschen in Bewegung zu setzen, auf eurer Zunge bleibt, um den Himmel in Bewegung zu setzen. Ihr werdet unter den Ängsten des Todes imstande sein. ,,Abba, lieber Vater!" zu sagen, und wenn ihr aus dem Bett des Staubes euch erhebt, noch viel beredter ausrufen: ,,Halleluja!" und werdet euch mit dem ewigen Chor verbinden und die göttlichen Sinfonien der Cherubim und Seraphim verstärken, und durch alle Ewigkeit wird eure Herrlichkeit nie verschwinden. Und dann, wenn Weisheit Herrlichkeit ist, wird eure Weisheit, die ihr in der neuen Natur erbt - und es ist keine andere denn Christi, welcher uns von Gott gemacht ist zur Weisheit - eure Weisheit wird nie welken; tatsächlich wird sie zunehmen, denn ihr werdet erkennen, gleichwie ihr erkannt seid. Während ihr jetzt durch einen Spiegel in einem dunkeln Wort seht, werdet ihr dann von Angesicht zu Angesicht sehen. Ihr nippt heute von dem Bach und werdet morgen im Ozean baden; ihr seht jetzt von fern, werdet aber bald in den Armen der Weisheit liegen, denn die Herrlichkeit des Geistes stirbt nie, sondern dehnt sich durch alle Ewigkeit beständig aus und erweitert sich beständig; ihr werdet nie, nie schwach werden. Brüder, was immer es auch sein mag, das ihr als die Herrlichkeit eurer neuen Natur erwartet, ihr habt noch keine Idee von dem, was sie sein wird. ,,Was kein Auge gesehen, kein Ohr gehört, und keines Menschen Herz und Sinn gekommen ist, das hat Gott bereitet denen, die Ihn liebhaben." Aber wenngleich Er es uns geoffenbart hat durch Seinen Geist, so fürchte ich doch, daß wir es noch nicht genügend gelernt haben. Welches aber auch diese Herrlichkeit sein mag - wir wollen davon sagen, daß es eine unvergängliche, unbefleckte und unverwelkliche ist. Die einzige Frage, die wir aufzuwerfen haben und mit der wir schließen wollen, ist: Sind wir wiedergeboren? Brüder, es ist unmöglich, das neue Leben ohne die neue Geburt zu haben, und die Herrlichkeit der neuen Geburt könnt ihr ohne ein neues Herz nicht kennen. Ich frage: Bist du wiedergeboren? Stehe nicht auf und sage, daß du zur Kirche gehörst und getauft und konfirmiert bist. Das magst du sein, ohne daß du wiedergeboren bist. Sage nicht: ,,Ich bin Baptist; ich habe ein Bekenntnis meines Glaubens abgelegt und bin getauft worden." Das magst du sein, ohne daß du wiedergeboren bist. Sage nicht: ,,Ich stamme von christlichen Eltern ab." Das mag so sein, und doch kannst du ein Kind des Zornes sein, gleichwie auch die anderen. Bist du wiedergeboren? O, möchte Gott, der Heilige Geist, euch Christum offenbaren, und wenn ihr dahin kommt, mit dem tränenden Auge eines bußfertigen Glaubens zu Christo aufzublicken, dann sei euch kund, daß ihr wiedergeboren seid.
Gott helfe euch, daß ihr glaubt! Amen.

 



Buße und Glaube.

 
,,So wisse nun das ganze Haus Israel gewiß, daß Gott diesen Jesum, den ihr gekreuzigt habt, zu einem Herrn und Christ gemacht hat. Da sie aber das hörten, ging es ihnen durchs Herz, und sprachen zu Petrus und zu den anderen Aposteln - Ihr Männer, liebe Brüder, was sollen wir tun?"
Apg. 2, 36. 37.


Dies war die erste öffentliche Predigt des Evangeliums, nachdem der Herr Jesus in die Herrlichkeit aufgenommen worden war. Es war eine recht denkwürdige Predigt, eine Art Erstlingsfrucht der großen Ernte der evangelischen Zeugnisse. Es ist sehr ermutigend für die, die zum Predigen berufen sind, daß die erste Predigt eine so erfolgreiche war. Dreitausend bei dem ersten Auswerfen des Netzes, das war ein großartiger Fischzug. In Zukunft hoffen wir noch großartigere Resultate durch die unsterbliche und unveränderliche Macht erzielt zu sehen, die Petrus befähigte, eine so herzdurchdringende Predigt halten zu können.


Petri Predigt zeichnete sich nicht durch irgendwelche besondere rhetorische Darstellung aus; sie hatte es nicht auf den Kopf, sondern auf das Herz abgesehen. Sie war einfach, praktisch, persönlich und überzeugend, und darin war sie ein Muster von dem, was eine Predigt hinsichtlich ihres Zieles und ihres Stils sein sollte. Petrus hätte unter dem Eindruck des göttlichen Geistes nicht anders sprechen können; seine Rede war wie die Orakel Gottes, das getreue Produkt einer göttlichen Inspiration. In nüchternem Ernst hielt er sich an die einfachen Tatsachen und stellte sie im Lichte des Wortes Gottes dar, und dann wandte er die Wahrheit mit aller Macht auf die an, deren Rettung ihm am Herzen lag. Möchte es stets des Predigers einziges Verlangen sein, seine Zuhörer für die Buße zu Gott und für den Glauben an unseren Herrn Jesum Christum zu gewinnen! O, daß wir so predigen könnten, daß es unseren Zuhörern durchs Herz ginge und sie sofort veranlaßt würden, an unseren Herrn Jesum Christum zu glauben und hervorzutreten, um ihren Glauben an Seinen Namen zu bekennen!


Wenn wir den Gang der Beweisführung Petri verfolgen, wundern wir uns nicht darüber, daß es den Zuhörern durchs Herz ging. Wir schreiben jene tiefe Zerknirschung dem Geiste Gottes zu, und doch war es nur vernünftig, daß sie sich kundgab. Nachdem ihnen klar gezeigt worden war, daß sie wirklich den Messias, die große Hoffnung ihrer Nation, gekreuzigt hatten, war es durchaus nicht zu verwundern, daß sie von Schrecken ergriffen wurden. Wenngleich wir hinsichtlich des Resultats unserer Wirksamkeit ganz von dem Geiste Gottes abhängig sind, müssen wir doch unsere Predigt dem Zwecke anpassen, den wir erstreben; oder besser gesagt, wir müssen uns sowohl hinsichtlich der Predigt selbst, wie hinsichtlich des Resultats der Predigt dem Heiligen Geiste in die Hand legen. Der Heilige Geist gebraucht die Mittel, die dem gesteckten Ziele angepaßt sind. Weil ich nun vor allen Dingen wünsche, daß es vielen in dieser Versammlung durchs Herz gehen möchte, habe ich diesen Schlußsatz der Rede Petri zum Text gewählt; doch mein Vertrauen setze ich nicht auf das Wort selbst, sondern auf den belebenden Geist, der dadurch wirkt. Möchte der Geist Gottes das Rapier Seines Wortes gebrauchen, um es in die Herzen meiner Zuhörer zu treiben!


Beachtet zunächst, daß Petrus zu seinen Zuhörern über ihr schlechtes Verhalten gegen den Herrn Jesus spricht; zweitens erklärt er ihnen die Erhöhung, die Ihm durch Gott geworden ist, und dann wollen wir drittens achtgeben auf das Resultat, das sich aus dem Wissen dieser erhabenen Tatsache ergibt.


I. Zuerst sprach sich Petrus zwar zärtlich, aber doch sehr deutlich über ihr schlechtes Verhalten gegen den Herrn Jesus aus. "Er kam in Sein Eigentum, und die Seinen nahmen Ihn nicht auf." Als eine Nation hatte Israel Ihn verworfen, den Gott gesandt hatte. Die Einwohner zu Jerusalem waren weiter gegangen und hatten Seinem Tode nicht nur zugestimmt, sondern hatten ihn gefordert, indem sie riefen: "Kreuzige, kreuzige Ihn!" Sie hatten feierlich ausgerufen: "Sein Blut komme über uns und über unsere Kinder!" Keiner hatte gegen den Mord des Unschuldigen Protest erhoben; aber viele waren begierig gewesen, Seiner ein Ende zu machen. Dies hielt ihnen Petrus in klaren Worten vor, und sie konnten es nicht leugnen, und sie versuchten das auch nicht. Es ist gut, wenn ein Schuldgefühl einen Menschen zwingt, unter den Vorstellungen Gottes stillzustehen. Wir dürfen dann hoffen, daß er Vergebung suchen werde.


Männer und Brüder, wir sind nicht in Jerusalem, und der Tod unseres Herrn fand vor mehr denn achtzehnhundert Jahren statt; darum haben wir nicht nötig, uns lange bei der Sünde derer aufzuhalten, die längst gestorben sind. Es ist vorteilhafter für uns, praktisch zu erwägen, wie weit wir uns ähnlicher Sünden gegen den Herrn Jesum Christum schuldig gemacht haben. Laßt uns bei uns stillstehen und nachdenken. Ich spreche heute vielleicht zu etlichen, die den Namen des Herrn Jesu verlästert haben. Ich nehme nicht an, daß ihr gemeine Lästerworte gebraucht habt; man kann dasselbe Verbrechen nach feiner Manier begehen. Manche verwunden das Christentum mit ihren wohlüberlegten Kritiken mehr als die Atheisten mit ihren gottlosen Ausbrüchen. Indem sie das Versöhnungsopfer leugnen oder an dessen Stelle etwas anderes dafür ausgeben, versuchen sie es, das abzuschaffen, was das Herz und die Seele des Werkes des Erlösers ist. Manche nehmen Ansichten auf, die die Schuld der Sünde verringern und demzufolge den Wert des sühnenden Blutes herabsetzen. Das Kreuz ist noch ein Stein des Anstoßes und ein Fels des Ärgernisses. Die Menschen werfen sich zu Lehrern des großen Lehrers und zu Reformatoren des göttlichen Evangeliums auf. Wenn etliche der Anwesenden dessen schuldig sein sollten, so wünsche ich, daß der Heilige Geist sie von ihrer Sünde überzeuge. Seitdem Gott der Herr diesen sühnenden Jesus zum Herrn und Christ gemacht und Ihn zu Seiner Rechten gesetzt hat, ist jede Lehre, die Ihn herabsetzt, eine große Sünde wider Gott den Herrn selbst. Mein Zuhörer, wenn du Christi Gottheit geleugnet, Sein sühnendes Blut verachtet, Seine zugerechnete Gerechtigkeit verhöhnt oder deine Seligkeit durch den Glauben an Ihn bespöttelt hast, dann sollte es dir wohl durchs Herz gehen, wenn du siehst, daß Gott diesen Jesum zum Herrn über alles gemacht hat.


Viel gewöhnlicher ist indessen eine andere Sünde wider den Herrn Jesum, nämlich die, Ihn zu vernachlässigen, Seine Ansprüche zu umgehen und die Zeit des Glaubens an Ihn hinauszuschieben. Ich hoffe, daß niemand der Anwesenden unbekehrt sterben oder ohne in Jesu Blut gewaschen zu sein, aus der Welt scheiden möchte; aber, meine Zuhörer, ihr habt schon lange gelebt, und etliche sind alt geworden, ohne Jesum als ihren Heiland angenommen und ohne Ihm ihre Herzen übergeben zu haben. Das ist mindestens eine sehr betrübende Vernachlässigung. Jemand gänzlich ignorieren heißt in einem gewissen Sinn ihn töten. Wenn ihr Ihn außer Betracht laßt und Ihn wie nichts behandelt, so habt ihr Ihn, soweit es euch betrifft, existenzlos gemacht. Ist das nicht ein grausames Vergehen? Euer Herr ist euren Gedanken von früh bis spät fern; ihr fragt nicht nach Ihm und kümmert euch nicht um Ihn, und so ist Er tot für euch. Ihr habt eure Sünden nie vor Ihm bekannt und nie von Ihm Vergebung erbeten, und habt nie zu erfahren gesucht, ob Er anch eure Sünden an Seinem Leibe auf dem Holz getragen hat. Seele, das ist böse Vernachlässigung und undankbare Verachtung! Gott gedenkt Seines Sohnes so sehr, daß Er Jhn nicht zu hoch stellen kann; Er hat Ihn zu Seiner Rechten gesetzt, und doch kümmerst du dich nicht um Ihn! Der große Gott hat Ihn erhöht über alles und Ihn zum König aller Könige, zum Herrn aller Herren gemacht, und doch behandelst du Ihn, als ob Er nichts zu bedeuten hätte. Ist das recht? Willst du deinen Heiland so behandeln? Möchte dir das durchs Herz gehen, damit du diese schlechte Undankbarkeit aufgibst!


Es gibt andere, die noch weiter gegangen sind, denn sie haben Christum verworfen. - Ich wende mich an die unter euch, die den Einwirkungen der Predigt nicht haben widerstehen können. Ihr fühltet viel mehr, als ihr bekennen möchtet. Ihr seid so geneigt gewesen, den Heiland zu suchen, daß ihr es beinahe getan hättet; die Sünden traten euch vor die Augen, als ob es Flammen aus Tophet wären, und in eurer Not entschloßt ihr euch, das Heil zu suchen; ihr gingt heim, um eure Knie im Gebet zu beugen und die Schrift zu lesen, um den Weg des ewigen Lebens kennenzulernen; aber ach, ein böser Gefährte durchkreuzte euren Pfad, und ihr standet vor der Frage: ,,Soll es dieser oder soll es Christus sein?" Ihr wähltet den Menschen, fast hätte ich gesagt, ihr wähltet Barabbas, und verwarft Christum. Als ihr anfingt, ernst zu werden, tauchte ein sündliches Vergnügen vor euch auf, und ihr saht euch vor die Frage gestellt: ,,Soll ich dieses Vergnügen aufgeben, oder soll ich alle Hoffnung auf Christum drangeben?" Ihr haschtet nach dem Vergnügen und ließt euren Heiland gehen. Erinnert ihr euch noch, wie ihr eurem Gewissen Gewalt antatet und eure Überzeugung unterdrücktet? Ich weiß nicht, wem dies gilt, aber ich weiß, daß ich zu etlichen rede, die den Herrn Jesum nicht einmal, sondern zweimal verworfen haben. Euer etliche haben Ihn bestimmt fast an jedem Sonntag verworfen, besonders aber, als das Wort Gottes mit außergewöhnlicher Kraft an euch herantrat und ihr fühltet, daß es euch schüttelte, wie ein Löwe seinen Raub schüttelt. Dankt Gott, ihr seid noch nicht gefühllos; aber rechnet nicht darauf, daß es so bleiben wird. Ihr werdet nicht immer empfinden, wie ihr empfunden habt; es kann der Tag kommen, da das betäubte Ohr selbst die Donner Gottes nicht mehr hört, oder da die Liebe Christi euer Herz nicht mehr rühren wird, wenn ihr es durch eigenwillige Halsstarrigkeit verhärtet habt. Wehe dem Menschen, wenn sein Herz in einen Stein umgewandelt worden ist! Gott erbarme Sich euer und lasse es euch heute durchs Herz gehen, da ihr noch weich genug seid, um zu fühlen, daß ihr Ihn verworfen habt, den ihr von ganzem Herzen umfassen solltet!


Einigen unter euch, die ihr den Herrn Jesum verlassen habt, muß ich noch ein wenig näherkommen. Es sind heute einige unglückliche Personen hier, über die ich wegen ihrer Verirrungen sehr betrübt bin, und dennoch freue ich mich, daß sie die Vorhöfe des Hauses des Herrn nicht ganz vergessen haben. Sie bekannten einst, Jünger Christi zu sein; aber sie sind hinter sich gegangen und wandeln nicht mehr mit Ihm. Sie wurden einst zu uns gezählt und sie gingen unter uns ein und aus, aber jetzt kennen wir sie nicht. Sie scheuten sich nicht, sich als Christen zu bekennen, aber jetzt verleugnen sie den Herrn. Früher waren sie eifrig zum Dienst Gottes bereit und in ihrem Glaubensbekenntnis auch gesund. Aber es kam ein Tag - ich brauche die Umstände nicht zu beschreiben, da sie in verschiedenen Fällen verschieden sind - da zwei Wege vor ihnen lagen und sie entweder zur Rechten oder zur Linken gehen mußten, und sie wählten den Weg, auf welchem sie Christo und der wahren Gottseligkeit den Rücken kehrten. Sie fielen in Sünde und wurden abtrünnig vom Glauben. Wir fürchten, ,,sie sind von uns ausgegangen, weil sie nicht von uns waren; denn wenn sie von uns wären gewesen, so wären sie bei uns geblieben". Sie sind ihre krummen Wege gegangen, und wir fürchten, daß der Herr sie wegtreiben wird samt den Übeltätern. O abtrünniger Zuhörer, ich hoffe, daß du kein Judas, sondern daß du ein Petrus bist. Du hast deinen Meister verleugnet; aber ich hoffe, daß du bitterlich weinen und wieder von dem Herrn eingesetzt werden wirst. Dir zu gut muß ich dir deine Verirrung vorhalten; möchte der Herr sie dir durchs Herz gehen lassen! Warum hast du deinen Herrn verlassen? Worin hat Er dich ermüdet? Bist du ein Heuchler gewesen? Wenn nicht, warum hast du dich abgewandt? Gott hat den Heiland auf Seinen Thron erhöht, du aber hast Ihm deinen Rücken zugekehrt; hast du darin nicht wahnsinnig gehandelt? Der allerhöchste Gott ist auf seiten Jesu, und du bist offenbar gegen Ihn. Ist das recht, ist das weise? Es ist peinlich für mich, von diesen Dingen zu reden; aber ich hoffe, daß es noch peinlicher für dich ist, davon zu hören. Ich wünschte, du fühltest wie David, als ihm sein Herz schlug. Was hast du getan? Hat Jesus solches von deinen Händen verdient? Ich bitte dich, kehre um von dem bösen Wege und wende dich mit festem Herzen dem Herrn zu.


II. Nachdem Petrus seinen Zuhörern ihre Sünde gegen den Herrn vor Augen gehalten, verkündigte er ihnen die Erhöhung, die Gott Ihm hatte widerfahren lassen. Der große Gott liebte und ehrte und erhöhte denselben Jesus, den sie gekreuzigt hatten. Meine Zuhörer, was ihr auch von dem Herrn Jesu halten mögt, Gott hält groß von Ihm! Euch mag Er gestorben und begraben sein; aber Gott hat Ihn von den Toten auferweckt. Ihm ist Er der ewig lebende, der ewig vielgeliebte Christus. Ihr könnt den Herrn Jesum und Seine Sache nicht vernichten. Was ihr auch tut, ihr könnt die Wahrheit des Evangeliums nicht erschüttern noch dem Herrn Jesu einen Strahl Seiner Herrlichkeit rauben. Er lebt und herrscht, und Er wird leben und herrschen, was auch aus euch werden mag. Ihr mögt euch Seines Heiles weigern, aber Er ist dennoch ein Heiland, ein großer Heiland. Wenn ihr dem Herrn widersteht, so tut es auf eure Gefahr hin; aber ihr tut es vergeblich. Ihr könntet ebensogut hoffen, die Naturgesetze umzustoßen, die Sonne auszulöschen, den Mond aus seiner Bahn zu reißen, als die Sache und das Reich des Herrn Jesu zu überwinden; Gott ist für Ihn, und Sein Thron steht fest durch alle Ewigkeit. Gott hat Seinen Sohn von den Toten auferweckt und zu Seiner Rechten gesetzt, und dort wird Er bleiben, bis alle Seine Feinde zum Schemel Seiner Füße geworden sind. Hieran könnt ihr erkennen, was Er ist, den ihr vernachlässigt, versäumt und verlassen habt. Bedenkt, daß unser Herr zur Rechten Gottes in unendlicher Majestät thront. Jesus, an den ihr wenig denkt, von dem ihr euch abwendet, wird heute von Engeln und von den Geistern der vollkommenen Gerechten angebetet, und Seraphim sind Ihm freudig gehorsam. Hört ihr nicht die Posaunen des Himmels, die Ihn als das Haupt der Fürstentümer und Obrigkeiten und Kräfte verkündigen? Mein Glaube sieht den seligen Tag voraus, da ich als Hofmann in Seiner unvergleichlichen Gegenwart stehen und Ihn, das Lamm, auf dem Thron sehen werde, wie Er über alles herrscht und wie sich aller Knie im Himmel und auf Erden freudig vor Ihm beugen werden. Ist es möglich, daß ihr Ihn vernachlässigt habt, den Gott erhöht hat? Ist es möglich, daß ihr euch Seiner geweigert, daß ihr Ihm getrotzt und Ihn, soweit ihr konntet, getötet habt, Ihn, den Gott zum Herrn über alles gemacht hat?


Das ist noch nicht alles, denn der Platz zur Rechten Gottes, zu welchem Er nun erhöht ist, ist der Platz der Macht. Dort thront der Mittler, der Sohn Gottes, der Mensch Christus Jesus, während Seine Feinde Ihm unterworfen sind. Glaube nicht, du stolzester der Zweifler, daß du Ihm auch nur einen Teil Seiner Macht nehmen kannst. Er überwacht alle sterblichen Wesen; Er ordnet die Bewegungen der Sterne; Er beherrscht die himmlischen Heere. Er bändigt die Wut Seiner Widersacher, und was Er geschehen läßt, das wendet Er zu Seiner Verherrlichung. Ihm ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden; Er herrscht in den drei Gebieten der Natur, der Vorsehung und der Gnade. Sein Reich herrscht über alles, und Seiner Herrschaft ist kein Ende. Es ist dieser Christus, dieser mächtige Christus, den etliche unter euch verspotten, so daß ihr es riskiert, verloren zu gehen, weil ihr kein Herz für Ihn und für Sein großes Heil habt.


Lernt sodann, daß Er als unser Richter zur Rechten der Majestät in der Höhe thront. Wenn wir Ihn als Heiland von uns weisen, werden wir nicht imstande sein, Ihm als unserem Richter an jenem großen Tage auszuweichen. Alle Taten der Menschen sind verzeichnet, und an jenem Tage, da der große, weiße Thron im Himmel aufgerichtet werden wird, wird alles offenbar werden, und wir werden unverhüllt vor Seinem Angesicht stehen. Ihr habt oft von Ihm gehört und gesungen, dessen Angesicht mehr als das anderer Menschen entstellt wurde, als Er hier ein Opfer für schuldige Menschen ward. Wenn ihr euch Seiner weigert, werdet ihr vor Seinen Schranken stehen müssen, um euch deswegen zu verantworten. Der furchtbarste Anblick am Gerichtstage wird für die Unbußfertigen das Angesicht des Herrn Jesu sein. Ich finde nicht, daß sie schreien: ,,Verbergt uns vor dem Sturm!" oder: ,,Verbergt uns vor den Engelwachen!" oder: ,,Verbergt uns vor ihren feurigen Schwertern!" sondern: ,,Verbergt uns vor dem Angesicht Des, der auf dem Stuhl sitzt, und vor dem Zorn des Lammes!" Wenn die Liebe sich einmal in Zorn verwandelt hat, ist Er über alle Beschreibung entsetzlich. Sünder, vielleicht habt ihr euch aus Unkenntnis aufgelehnt. Tut Buße und schlagt einen anderen Weg ein. Ihr wähntet, daß ihr euch nur gegen die Predigt, gegen die Worte eines Predigers auflehntet; in Wirklichkeit aber widerstandet ihr der Liebe des Heilandes. Indem ihr euch des Wortes des Herrn weigertet, verschloßt ihr euch gegen Den, der vom Himmel redet; ihr weigert euch nicht nur Seiner Worte, sondern Seiner selbst, und Er wird euer Richter sein, euer höchst gerechter, euer höchst heiliger Richter. O, wie wollt ihr das ertragen? Wie wollt ihr es ertragen, vor den Schranken des verachteten Heilandes zu stehen? Petrus zeigte seinen Zuhörern auch, daß der Herr im Himmel hoch erhöht wurde als das Haupt der Gemeinde über alles; denn Er hatte an jenem Tage den Heiligen Geist ausgegossen. Wenn der Heilige Geist kommt, so kommt Er von Christo als der Zeuge Seiner Macht. Er geht aus vom Vater und vom Sohn und zeugt mit beiden. Nachdem Christus erst kurze Zeit im Himmel war, wurde Seine Macht wunderbar erwiesen; Er konnte den Menschen solche Gaben verleihen und insbesondere feurige Zungen und das Brausen eines gewaltigen Windes senden, welche Dinge die Kraft des Heiligen Geistes anzeigten. Er ist ein Herr, der retten und vernichten kann. Dem Christus, der am Kreuze starb, ist alles übergeben worden. Er kann heute das Heil bis an die Enden der Erde senden, so daß große Scharen glauben und leben; denn Ihn hat Gott erhöht zum Fürsten und Heiland, zu geben Buße und Vergebung der Sünden. Oder Er kann den Schlüssel umdrehen und die Tür diesem unartigen Geschlecht verschließen; denn Er schließt auf und niemand schließt zu, und Er schließt zu, so daß niemand öffnen kann. Seid jedenfalls dessen gewiß - wie Petrus auch wollte, daß das Haus Israel es gewiß wisse - ,,daß Gott diesen Jesum, den ihr gekreuzigt habt, zu einem Herrn und Christ gemacht hat".


Jesus ist beides: Herr und Christus. Wir müssen Seine Gottheit, Seine Herrschaft und Seine göttliche Salbung anerkennen. Er ist ,,Gott über alles, hochgelobt in Ewigkeit," und wir können Ihn nie zu hoch preisen. Ein großer und betrübender Irrtum dieser Zeit ist der Mangel an Ehrerbietung gegen unseren Herrn und Sein Opfer. Über Seine heiligen Lehren zu Gericht sitzen, heißt Ihm ins Angesicht speien; Seine Wunder leugnen, heißt Ihm Seine Kleider ausziehen; Ihn als einen bloßen Sittenlehrer darstellen, heißt Ihn mit einem Purpurmantel verhöhnen; in philosophischen Ausdrücken Sein Versöhnungsopfer leugnen, heißt Ihn mit Dornen krönen, Ihn von neuem kreuzigen und Ihn für Spott halten. Macht euch dessen nicht schuldig, meine Zuhörer, denn Gott hat diesen Jesum ,,zu einem Herrn und Christus gemacht"; laßt uns Ihn als Herrn anbeten und laßt uns Ihm als Christ vertrauen.


III. Nun komme ich zu meinem letzten Punkt: Das Resultat davon, daß man dies gewiß weiß. Darf ich hier innehalten, um zu fragen: Wißt ihr dies gewiß? Ich hoffe, ihr alle glaubt, daß Gott Jesum Christum, den Mittler, in Seiner zusammengesetzten Person als Gott und Mensch zum ,,Herrn und Christus" gemacht hat. Als Gott war Er stets Herr; aber als Gott und Mensch ist Er nun Herr und Christ. Menschheit und Gottheit ist in Ihm zu einer wunderbaren Person vereinigt, und diese Person ist beides, ,,Herr und Christ". Ihr glaubt das. Aber glaubt ihr so, daß es euch eine Tatsache von der höchsten Wichtigkeit ist? Wollt ihr es gewiß glauben, daß der Mann von Nazareth, der auf Golgatha starb, heute beides ist, Herr und Christus? Wenn ihr das nun glaubt, welches sind dann eure Empfindungen, wenn ihr euer früheres Mißverhalten gegen Ihn überschaut? Geht euch eure frühere Vernachlässigung nicht durchs Herz? Wenn ihr nicht so glaubt, hat es wenig Zweck, euch zu beschreiben, welches das Resultat solchen Glaubens sein würde, denn dies Resultat zeigt sich bei euch nicht; wenn ihr aber so glaubt und Jesus euch Herr und Christus ist, dann werdet ihr Ihn ansehen, in welchen ihr gestochen habt, und werdet trauern. Indem ihr euch erinnert, wie ihr Ihn vernachlässigt und verachtet und verworfen habt, wie ihr von Ihm abgewichen seid, und wenn ihr eurer undankbaren Handlungen gedenkt, welche anzeigen, daß ihr Ihn verachtet habt, dann muß es euch sein, als ob euch das Herz brechen wollte, und ihr werdet von einer großen Betrübnis und von einer aufrichtigen Buße ergriffen werden. Der Herr wirke es in euch um Seines Sohnes willen! Beachtet, daß als Resultat von Petri Predigt seine Zuhörer einen tödlichen Stich fühlten: ,,Es ging ihnen durchs Herz." Die Wahrheit hatte ihre Seelen durchbohrt. Wenn ein Mensch herausfindet, daß er gegen jemand, der ihn geliebt hat, ein großes Unrecht begangen hat, dann wird er herzkrank und betrachtet sein eigenes Verhalten mit Abscheu. Wir alle erinnern uns der Geschichte von Llevellyn und seinem treuen Hunde. Der Prinz kam von der Jagd zurück und vermißte sein kleines Kindlein, sah aber überall Blutspuren. Vermutend, daß sein Hund Gelert das Kind getötet haben könne, stieß er sein rächendes Schwert in den treuen Hund, der sein Kind gegen einen zerrissen und tot daliegenden großen Wolf kühn und tapfer verteidigt hatte. Ja, er hatte das getreue Geschöpf getötet, das ihm sein Kind bewahrt hatte. Das Todesgestöhn des armen Gelert zerriß dem Prinzen das Herz, und das konnte es auch. Wenn sich solche Empfindungen regen, wenn wir die Entdeckung machen, daß wir irrtümlicherweise grausam gegen einen Hund gehandelt haben, wie sollten wir dem Herrn Jesu gegenüber empfinden, der Sein Leben ließ, damit wir, die wir Seine Feinde waren, das Leben haben möchten?


Ich erinnere mich einer furchtbar tragischen Geschichte von einem bösen Ehepaar, das eine Herberge hatte, die in schlechtem Rufe stand. Eines Abends kam ein junger Mann, der dort zu logieren wünschte. Sie merkten, daß er Geld in seiner Börse hatte, und sie ermordeten ihn in der Nacht. Es war ihr eigener Sohn, der zurückgekommen war, um ihr Alter angenehm zu gestalten; er wollte zusehen, ob seine Eltern ihn wiedererkennen würden. O, was gab es für bittere Klagen, als sie herausfanden, daß sie in ihrer Geldgier ihren eigenen Sohn ermordet hatten!


Entnehmt solchem herzzerreißenden Kummer den besseren Teil und fügt eine geistliche Überzeugung von der Sünde, den Sohn Gottes, den Vollkommenen, den Freund der Seelen, so übel behandelt zu haben, hinzu, und ihr kommt dem Sinn des ,,durchs Herz gehen" sehr nahe. O, zu denken, daß wir Den verachtet haben, der uns so geliebt und Sich selbst für uns dargegeben hat, daß wir uns gegen Den aufgelehnt haben, der uns, da wir Seine Feinde waren, mit Seinem eigenen Blute erkauft hat! Ich wünsche zu Gott, daß jeder, der noch nicht zu Christo gekommen ist, jetzt einen Stachel in seinem Gewissen fühlen und darüber trauern möchte, daß er dies überaus große Übel begangen hat wider den hochgelobten Sohn Gottes, der Mensch ward und aus Liebe zu schuldigen Menschen am Kreuze starb.


Wenn wir lesen, daß ,,es ihnen durchs Herz" ging, können wir darin auch den Sinn sehen, daß sie eine Regung der Liebe zu Ihm empfanden, ein Weichwerden des Herzens, eine Neigung zu Ihm hin. Sie sagten sich: ,,Haben wir Ihn so behandelt? Was können wir tun, um unseren Abscheu über unser eigenes Verhalten zu zeigen?" Sie waren nicht nur überzeugt von ihrer Sünde, so daß sie darüber betrübt waren, sondern ihre Wünsche und Begierden neigten sich dem Beleidigten und Gekränkten zu, und sie riefen: ,,Was sollen wir tun? In welcher Weise können wir unser Unrecht anerkennen? Gibt es einen Weg, auf welchem wir dies gegen Ihn begangene Unrecht irgendwie ungeschehen machen können?" Ich wünschte, daß ihr alle zu diesem Punkte kämt. Laßt uns unter Tränen forschen, wie wir unsere Auflehnung gegen Ihn beenden und uns als Seine Freunde und demütigen Knechte erweisen können.


Als eine Folge der Predigt Petri, die er in der Kraft des Heiligen Geistes gehalten hatte, zeigten diese Leute gehorsamen Glauben. Sie wurden zur Tätigkeit erweckt, und sie sagten: ,,Jhr Männer, liebe Brüder, was sollen wir tun?" Sie glaubten, daß derselbe Jesus, den sie gekreuzigt hatten, nun Herr über alles war, und sie beeilten sich, Ihm gehorsam zu sein. Als Petrus sagte: ,,Tut Buße!" taten sie tatsächlich Buße. Wenn Buße Bekümmernis ist, so waren sie in ihren Herzen bekümmert. Wenn Buße eine Änderung des Sinnes und Lebens ist, so waren sie tatsächlich andere Menschen geworden. Dann sagte Petrus: ,,Lasse sich ein jeglicher taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden." Tut den offenen und entscheidenden Schritt; tretet als Gläubige an Jesum hervor und bekennt Ihn durch das äußere und sichtbare Zeichen, welches Er angeordnet hat. Werdet mit Ihm begraben, in dem eure Sünden begraben sind. Ihr tötetet Ihn irrtümlicherweise; laßt euch in Wahrheit mit Ihm begraben. Sie taten dies gerne; sie wandten sich von der Sünde ab; sie wurden in den heiligen Namen getauft. Und dann konnte Petrus ihnen sagen: ,,Ihr habt Vergebung der Sünden; das Unrecht, das ihr an eurem Herrn getan habt, ist ausgelöscht; der Herr hat eure Sünden auf immer weggenommen. Vergebung der Sünde wird euch durch Jesum, den ihr getötet habt, den der Vater auferweckt hat. Ihr werdet wegen des schrecklichen Verbrechens der Ermordung des Herrn nicht aufgefordert werden, vor den Schranken Gottes zu erscheinen und euch zu verantworten; denn durch Seinen Tod ist euch Vergebung geworden. Zum Beweise der Vergebung sollt ihr nun der großen Gabe teilhaftig werden, die ein Zeichen Seiner himmlischen Macht ist. Der Heilige Geist wird über euch kommen, ja, über euch, die ihr Seine Mörder gewesen seid, und ihr werdet hingehen und Seine Zeugen sein."


Meine lieben Zuhörer, zu welchem Standpunkt habe ich euch nun geführt! Wenn euch der Heilige Geist beigestanden hat, so daß ihr mir in der Schrift folgen konntet, seht, wohin wir gekommen sind! Wie schwarz auch euer Verbrechen und wie nichtig auch euer Charakter sein mag, wenn ihr das Unrecht eingesehen habt, das ihr getan habt; wenn ihr herzlich bereut, was ihr getan habt, weil ihr einseht, daß ihr gegen euren liebevollen Herrn gesündigt habt, und wenn ihr bußfertig und gläubig zu Ihm kommen wollt, und wenn ihr Ihn bekennen wollt, wie Er euch geboten hat, Ihn in der Taufe zu bekennen: dann habt ihr völlige Vergebung, und ihr werdet teilhaftig werden der Gaben und Gnaden Seines Heiligen Geistes, und hinfort werdet ihr Zeugen für den Christus werden, welchen Gott von den Toten auferweckt hat. Geliebte, ihr bedürft keiner gewählten Rede von mir; reines Gold bedarf keiner Vergoldung, und wie ich euch die wundervollste aller Tatsachen im Himmel und auf Erden erzählt habe, so lasse ich sie in ihrer einfachen Erhabenheit bestehen bleiben.

Möchte Gott diese alte, alte Geschichte auf eure Herzen schreiben! O, daß Er eine neue Auflage Seines Evangeliums der Liebe, das auf eure Herzen gedruckt wird, herausgeben möchte! Jedes Menschen Bekehrung ist eine neu gedruckte Kopie der Heilsgeschichte. Möchte der Herr euch heute als frisch von der Presse kommenden lebendigen Brief herausgeben, der von jedermann erkannt und gelesen wird, der insbesondere von euren Kindern daheim und von euren Nachbarn in eurer Straße gelesen wird! Der Herr gebe, daß auch diese Predigt vielen durchs Herz gehe um Seines Namens willen! Amen.



Glaube und Taufe in ihrer Verbindung.


,,Und Er sprach zu ihnen: Geht hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur. Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden."
Mk. 16, 15. 16.


Ich will mich diesmal sehr kurz fassen, will aber sehr ernst einige wichtige Dinge betonen. Der Glaube ist das unerläßliche Erfordernis zur Seligkeit. ,,Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden." Der Glaube ist das eine unerläßliche Erfordernis zur Seligkeit. Dieser Glaube ist Gottes Gabe. Er ist das Werk des Heiligen Geistes. Manche Menschen glauben nicht an Jesum; sie glauben nicht, weil sie Christi Schafe nicht sind, wie Er selbst zu ihnen sagte; aber Seine Schafe hören Seine Stimme. Er kennt sie, und sie folgen Ihm. Er gibt ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus Seiner Hand reißen. Was ist dieses Glauben? Glauben besteht in zwei Dingen; es ist zunächst ein Annehmen des Zeugnisses, das Gott zeugt von Seinem Sohne. Gott sagt uns, daß Sein Sohn in die Welt gekommen und Fleisch geworden ist, daß Er um der Menschen willen auf Erden gelebt hat und daß Er, nachdem Er Sein Leben in Heiligkeit gespendet, als eine Versöhnung für die Sünde geopfert worden ist, daß Er am Kreuz die Sühnung für die Sünden der Welt herbeigeführt hat, so daß, ,,wer an Ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern das ewige Leben hat". Wenn ihr gerettet werden wollt, müßt ihr dieses Zeugnis annehmen, das Gott von Seinem Sohne zeugt. Nachdem das geschehen, ist das nächste, dem zu vertrauen. Hierin liegt tatsächlich das Wesen des seligmachenden Glaubens, daß ihr euch hinsichtlich der ewigen Seligkeit auf das Sühnopfer und auf die Gerechtigkeit Jesu Christi verlaßt und ein für allemal alles Vertrauen auf Gefühle oder auf eigenes Tun aufgebt und Jesu Christo in dem vertraut, was Er für eure Errettung getan hat.


Dies ist Glaube, die Wahrheit von Christo annehmen, zuerst sie als wahr erkennen und dann auf dieses Annehmen hin handeln. Ein solcher wirklicher Glaube veranlaßt den Menschen, hinfort die Sünde zu hassen. Wie kann Er das lieben, das dem Heiland Blut gekostet hat? Er veranlaßt ihn, in Heiligkeit zu leben. Wie kann er anders als suchen, den Gott zu ehren, der ihn so geliebt hat, daß Er Seinen Sohn gab, daß Er für ihn sterbe? Dieser Glaube ist in seiner Natur und in seinen Wirkungen geistlich; er wirkt auf den ganzen Menschen ein; er verändert sein Herz, erleuchtet seinen Verstand und unterwirft seinen Willen; er unterwirft ihn der Oberherrschaft Gottes und nötigt ihn, das Wort Gottes anzunehmen als ein kleines Kind, das da willig ist, die Wahrheit auf das Wort des Ewigen hin anzunehmen; er heiligt seinen Verstand und macht ihn willig, durch Gottes Wort gelehrt zu werden; er reinigt innerlich; er macht das Inwendige der Schüssel und des Bechers rein und verschönt ihn nach außen; er reinigt das äußere Verhalten und die inneren Beweggründe, so daß der Mensch, wenn sein Glaube wirklich und echt ist, hinfort ein ganz anderer wird, als er zuvor war.


Nun halte ich es für ganz vernünftig, daß solcher Glaube die Seele rettet; nein, es ist gewiß, denn wir haben gesehen, daß Menschen dadurch gerettet worden sind. Wir haben es hier in diesem Bethause gesehen. Wir haben gesehen, wie die Hure aus dem höllischen Sumpf ihrer Sünde herausgezogen und zu einer ehrlichen Frau gemacht worden ist; wir haben gesehen, daß der Dieb gerettet worden ist, und in Hunderten von Fällen sind Trunkenbolde zu nüchternen Männern geworden; wir haben wahrgenommen, daß der Glaube solche Veränderung wirkte, daß alle Nachbarn es bewundert haben, obgleich sie es hassen mochten; wir haben gesehen, wie der Glaube Menschen aus der Stunde der Versuchung rettet und ihnen hilft, sich und ihre Habe Gott zu weihen; wir haben Taten heldenmütiger Hingabe an Gott gesehen und hoffen, sie noch viel mehr zu sehen. Meine Zuhörer, wenn ihr errettet werden wollt, müßt ihr an den Herrn Jesum Christum glauben. Laßt mich euch von ganzem Herzen bitten, hinsichtlich eurer Seligkeit nirgendwo anders hinzublicken als zu dem gekreuzigten Christo. Wenn ihr euch auf eine Zeremonie verlaßt - wenn es auch nicht gerade die Taufe ist -, wenn ihr euch auf etwas anderes als auf Christus verlaßt, müßt ihr, so gewiß dieses Buch wahr ist, verloren gehen. Ich bitte euch, glaubt nicht einem jeglichen Geist, und ob auch ich oder ein Engel vom Himmel euch eine andere Lehre predigt als diese, der sei verflucht; denn dies und dies allein ist die Seelen rettende Wahrheit, welche die Welt wiedergebären kann: ,,Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden." In einem Blick auf den Gekreuzigten ist Leben, und es ist in diesem Augenblick für euch da. Wer unter euch an die große Liebe Gottes in Christo Jesu zu euch glauben kann, wird selig werden. Wenn ihr glauben könnt, daß unser großer Vater wünscht, daß wir zu Ihm kommen, daß Er Sich nach uns sehnt, daß Er täglich durch die laute Stimme der Wunden Seines Sohnes ruft; wenn ihr jetzt glauben könnt, daß in Christo Vergebung für frühere Übertretungen und Reinigung für zukünftige Jahre ist; wenn ihr Ihm vertrauen könnt, daß Er euch rettet, so habt ihr bereits die Kennzeichen der Wiedergeburt. Soweit es das Werk des Geistes betrifft, ist das Heilswerk in euch bereits begonnen, und soweit es das Werk Christi betrifft, ist es für euch vollbracht. O, ich möchte euch anflehen: Verlaßt euch auf Jesum Christum. Dies ist der Grund: Baut darauf. Dies ist der Zufluchtsort: Flieht dahin. Ich bitte euch, flieht jetzt dahin. Das Leben ist kurz; die Zeit eilt auf Adlers Flügeln dahin. So schnell wie die vom Habicht verfolgte Taube fliehe, fliehe, armer Sünder, zu Gottes liebem Sohne; rühre den Saum Seines Gewandes an; blicke jetzt in das liebe Angesicht, das einst von Schmerz für dich entstellt ward; schaue in jene Augen, die einst Tränen für dich vergossen. Vertraue Ihm, und wenn du Ihn falsch erfindest, dann mußt du verloren gehen; aber solange Sein Wort wahr ist: ,,Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden," wirst du Ihn nicht als falsch erfinden. Gott gebe uns diesen wesentlichen, lebendigen Glauben, ohne welchen es keine Seligkeit gibt! Getauft, wieder getauft, beschnitten, konfirmiert, mit dem Abendmahl versehen und in geweihter Erde begraben - werdet ihr dennoch verloren gehen, wenn ihr nicht an Jesum glaubt. Das Wort ist ausdrücklich und klar; wer nicht glaubt, mag seine Taufe und irgend etwas geltend machen - ,,wer nicht glaubt, der wird verdammt werden"; für ihn gibt es nichts anderes als den Zorn Gottes, die Flammen der Hölle, ewiges Verderben. So erklärt Christus, und so muß es sein.


Aber nun zum Schluß, und hier sind etliche, welche sagen: ,,Aber die Taufe ist doch im Text, welche Stellung weisen Sie ihr an?" Das soll ein anderer Punkt sein, und dann schließen wir. Die Taufe im Text ist eine, die offenbar mit dem Glauben verbunden ist. ,,Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden." Es fällt mir auf, daß hier die Annahme nicht besteht, daß jemand getauft werden könnte, welcher nicht glaubt; oder, wenn doch solche Annahme vorhanden sein sollte, so ist sehr klar dargelegt, daß diese Taufe von keinem Nutzen für ihn ist; denn er wird verdammt werden, wenn er nicht glaubt, ob er nun getauft ist oder nicht. Die Taufe des Textes scheint mir - wenn ihr euch darin von mir unterscheidet, so tut es mir leid, aber ich muß meine Meinung festhalten und aussprechen - direkt dem Glauben zu folgen. Ich möchte nicht zu sehr auf der Ordnung der Worte bestehen, aber ich denke, daß auch aus anderen Gründen die Taufe dem Glauben folgen sollte. Jedenfalls verhindert sie so den Irrtum recht wirksam, den wir bekämpft haben. Jemand, der da weiß, daß er durch den Glauben an Christus gerettet ist, wird, nachdem er getauft worden ist, seine Taufe nicht zu einer seligmachenden Vorschrift erheben. Tatsächlich ist er der beste Protestler gegen den Mißgriff, weil er dafür hält, daß er kein Recht hat, getauft zu werden, bis er gerettet ist. Er legt dadurch, daß er als bereits wiedergeborener Mensch getauft wird, Zeugnis ab gegen die Taufwiedergeburt. Brüder, die hier gemeinte Taufe ist eine Taufe, die mit dem Glauben verbunden ist, und ich will zugeben, daß dieser Taufe in der Schrift vieles zugeschrieben wird. Ich finde einige sehr merkwürdige Stellen, in denen sehr stark von der Taufe gesprochen wird. Ich finde diese: ,,Stehe auf und laß dich taufen und abwaschen deine Sünden, und rufe an den Namen des Herrn." Ich finde anderswo dasselbe. Ich weiß, daß der Gläubigen Taufe an und für sich die Sünde nicht abwäscht; doch sie ist so für den Gläubigen das äußere Zeichen und Emblem davon. Ebenso wie unser Heiland sagte: ,,Dies ist Mein Leib", während es doch nicht Sein Leib, sondern Brot war; da es indessen Seinen Leib darstellte, war es nach dem Sprachgebrauch recht und billig, zu sagen: ,,Nehmt, eßt, das ist Mein Leib." Und insofern die Taufe dem Gläubigen die Abwaschung der Sünde darstellt, kann sie die Abwaschung der Sünde genannt werden, nicht, weil sie das ist, sondern weil sie der geretteten Seele das äußere Symbol und die Darstellung von dem ist, was durch die Kraft des Heiligen Geistes in dem Menschen, der an Christum glaubt, geschehen ist.


Welche Verbindung hat diese Taufe mit dem Glauben? Die Taufe ist das Bekenntnis des Glaubens. Der Mensch war Christi Soldat, aber nun legt er in der Taufe Seine Uniform an. Der Mensch glaubte an Christum, aber sein Glaube blieb zwischen Gott und seiner eigenen Seele. In der Taufe sagt er zu dem Täufer: ,,Ich glaube an Jesum Christum" ; er sagt zu der Gemeinde: "Als Gläubiger an die gemeinsamen Wahrheiten des Christentums verbinde ich mich mit euch"; er sagt zu dem Zuschauer: ,,Was ihr auch tun mögt, ich aber will dem Herrn dienen." Sie ist das Bekenntnis seines Glaubens.


Als nächstes halten wir dafür, daß die Taufe dem Gläubigen ein Zeugnis von seinem Glauben ist; in seiner Taufe sagt er der Welt, was er glaubt. ,,Ich bin bereit," sagt er, ,,im Wasser begraben zu werden. Ich glaube, daß der Sohn Gottes bildlich in Leiden eingetaucht worden ist; ich glaube, daß Er buchstäblich starb und begraben ward." Das Heraussteigen aus dem Wasser stellt allen Menschen dar, daß er an die Auferstehung Christi glaubt. Im Abendmahl ist eine Verkündigung des Todes Christi, in der Taufe ist die Verkündigung des Begräbnisses und der Auferstehung Christi. Es ist der Welt ein Bild, ein Zeichen, ein Symbol, ein Spiegel, in welchem die Religion gleichsam reflektiert wird. Dem Zuschauer, welcher fragt, welches denn der Sinn dieser Vorschrift sei, sagen wir: ,,Wir beabsichtigen, unseren Glauben zu zeigen, daß Christus begraben ward und daß Er von den Toten auferstand, und wir bekennen, daß dieser Tod und diese Auferstehung der Grund unseres Vertrauens ist."


In der Taufe nimmt ferner der Glaube seinen rechten Platz ein. Die Taufe ist eine seiner ersten Taten des Gehorsams, oder sie sollte es doch sein. Die Vernunft blickt auf die Taufe und sagt: ,,Vielleicht ist nichts darin; sie kann mir nichts nützen." ,,Das ist wahr," sagt der Glaube, ,,und darum will ich sie beobachten. Wenn sie mir nützte, würde mich meine Selbstsucht dazu veranlassen; aber da sie mir nach meinem Dafürhalten nichts nützt, sie mir aber von meinem Herrn geboten ist, weil ich alle Gerechtigkeit erfüllen soll, ist es meine erste öffentliche Erklärung, daß etwas, das unvernünftig scheinen und nutzlos sein mag, mir ein Gesetz ist, weil Gott es befohlen hat. Wenn mein Herr mir geboten hätte, sechs Steine aufzulesen und in einer Reihe hinzulegen, so würde ich es tun, ohne zu fragen: ,,Was soll das nützen?" 'Cui bono' ist für Jesu Soldaten keine passende Frage; die bloße Einfachheit und scheinbare Nutzlosigkeit der Vorschrift sollte den Gläubigen veranlassen, zu sagen: ,,Ich tue es darum, weil es mir ein um so besserer Prüfstein meines Gehorsams gegen meinen Meister wird." Wenn du deinem Diener etwas zu tun befiehlst und wenn er das nicht verstehen kann und sich umdreht und fragt: ,,Bitte, mein Herr, wozu das?", so bist du dir ganz klar darüber, daß er das Verhältnis zwischen Herrn und Diener schwerlich versteht. Und wenn Gott mir etwas zu tun aufgibt und ich sage: ,,Wozu?", kann ich den Platz nicht einnehmen, den der Glaube einnehmen sollte: den des einfältigen Gehorsams gegen alles, das der Herr gesagt hat. Die Taufe ist befohlen, und der Glaube gehorcht, weil sie befohlen ist, und nimmt so seine rechte Stellung ein.


Noch eins, die Taufe ist dem Glauben eine Erfrischung. Da wir aus Leib und Seele bestehen, werden wir mancher Mittel bedürfen, durch welche der Leib zuweilen angeregt wird, mit der Seele zusammen zu wirken. Im Abendmahl wird mein Glaube durch das äußere und sichtbare Zeichen unterstützt. In dem Brot und Wein sehe ich kein abergläubisches Geheimnis; ich sehe nichts als Brot und Wein; aber in dem Brot und Wein sehe ich eine Unterstützung meines Glaubens. Durch das Zeichen hindurch sieht dein Glaube das Bezeichnete. So ist hinsichtlich der Taufe weder im Baptisterium noch in dem Wasser eine geheimnisvolle Wirksamkeit. Wir zollen weder dem einen noch dem anderen irgendwelche Ehrerbietung; aber wir sehen in dem Wasser und in der Taufe einen Beistand, der unseren Glauben, unser Begrabensein mit Christus und unser Auferstehen zu einem neuen Leben offenkundig nahelegt. Erklärt die Taufe so, liebe Freunde, und wir können dann nicht annehmen, daß irgendwelche Seele veranlaßt wird, ihr Vertrauen darauf zu setzen; aber sie nimmt dann unter den Vorschriften des Hauses Gottes ihre rechte Stellung ein. Wenn ich mich nicht täusche, so wird der Tag kommen, da wir mehr als bisher um eine einfache geistliche Religion zu kämpfen haben werden. Wir haben Freundschaft mit denen gepflegt, welche entweder in ihrem Glaubensbekenntnis unbiblisch oder sonst unehrlich sind, welche entweder an die Taufwiedergeburt glauben oder doch bekennen, es zu tun, und vor Gott beschwören, daß sie es tun, während sie es nicht tun. Die Zeit ist da, da die, welche Gott folgen, Gott folgen müssen und da die, welche es versuchen, sich selbst zu schmücken und einen Weg ausfindig zu machen, der dem Fleisch gefällt, ihres Weges gehen müssen. Wir müssen uns reinigen von denen, welche die Seligkeit durch die Taufe lehren, anstatt das Heil durch das Blut unseres hochgelobten Herrn Jesu Christi zu verkündigen. O, möchte der Herr unsere Lenden umgürten! Aus einem System, das die Seligkeit durch die Taufe lehrt, muß der Unglaube entspringen, ein Unglaube, den die falsche Kirche unter ihren Fittichen zu nähren und zu pflegen bereits willig zu sein scheint. Brüder, besteht nur in der Freiheit, damit uns Christus befreit hat, und fürchtet euch vor keiner plötzlich hereinbrechenden Kalamität; denn wer sich auf den Herrn verläßt, den wird die Güte umfangen, und wer Gott und Christo treu ist, wird Ihn schließlich sagen hören: ,,Wohl, du frommer und getreuer Knecht, gehe ein zu deines Herrn Freude." Möchte der Herr dieses Wort segnen um Christi willen! Amen.

 

 



Wer sollte getauft werden?


,,Glaubst du von ganzem Herzen, so mag es wohl sein."
Apg. 8, 37.


Es ist nicht meine Gewohnheit, sogenannte ,,Taufpredigten" zu halten. Ich erwähne selbst die Taufe in meinen Predigten selten, denn ich finde, daß viele meiner Zuhörer die biblische Lehre von der Taufe auch ohne meine besondere Hilfe herausfinden. Unter denen die sich mit unserer Gemeinschaft verbunden haben, befinden sich viele, die die Wahrheit durch eigenes Forschen entdeckt haben. Das ist eine Methode, zur Wahrheit zu gelangen, die ich der Unterweisung, die ich geben könnte, weit vorziehe, denn da, wo Menschen so von Gott selbst unterwiesen werden, weiß ich, daß ihr Glaube ,,nicht beruht auf Menschen Weisheit, sondern auf Gottes Kraft". Wo ich auch sein mag, überall bin ich bestrebt, als vor den Augen Gottes so auf die Menschen einzuwirken, daß ich sie zu Christus führe und es dem Geist Gottes überlasse, das Weitere von dem zu nehmen, das Christi ist, und es ihnen zu offenbaren.


Doch ich darf hinsichtlich der Taufe der Gläubigen nicht gänzlich schweigen. Wenn ich mein Amt redlich ausrichten und das ganze Evangelium predigen will, wie es im Neuen Testament enthalten ist, dann muß ich die Wahrheit mit Bezug auf die große Vorschrift unseres Herrn Jesu Christi verkündigen, welcher Er selbst eine so wichtige Stellung anwies, als Er sie mit dem Glauben und dem Seligwerden verband: ,,Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden." Doch laßt mich euch versichern, lieben Freunde, daß ich dieses Thema nicht im streitsüchtigen Geist erwählte, sondern nur, weil ich fühle, daß es ,,die Last des Herrn" ist, die auf mir liegt, und insofern die Taufe ein Teil des Wortes Gottes ist, muß ich darüber predigen. In der vortrefflichen und geschätzten Presbyterianerkirche ist es üblich, daß vor der Feier des Abendmahls eine Predigt zur Vorbereitung der Abendmahlsgenossen gehalten werde. Das hauptsächliche Thema des Predigers ist dann etwa: ,,Welches sind die rechtmäßigen Empfänger des Abendmahls? Wer darf hinzutreten und teilnehmen an dem symbolischen Brot und Wein, und wer darf nicht daran teilnehmen?"


Wie nun der Abendmahlstisch eingehegt wird, so sollte das auch bei dem Taufwasser und bei allen großen und herrlichen Lehren geschehen, die das Wesentliche unseres Glaubens ausmachen, und ich glaube, daß der einzige Zaun, welcher notwendig und biblisch ist, der in unserem Text aufgestellte ist: ,,Glaubst du von ganzem Herzen, so mag es wohl sein." Wenn mich jemand fragt: ,,Darf ich mich zu den Erwählten zählen?", so antworte ich: ,,Gott hat ein auserwähltes Volk; aber du hast kein Recht, dich für einen Erwählten zu halten, wenn du nicht von ganzem Herzen glaubst." Dann ist da die Lehre von der kräftigen Berufung, und wenn mich jemand fragt, ob er kräftig berufen ist, so antworte ich: ,,Glaubst du von ganzem Herzen, dann hast du gewiß Anteil an dieser herrlichen Lehre von der Gnade Gottes." Und was nun die Lehre von der Erlösung durch Christi Blut betrifft, die die Grundlage und das Fundament aller unserer Hoffnungen bildet, so habe ich kein Recht, es irgend einem Menschen zu sagen, daß er erlöst ist, bis ich ihn veranlassen kann, eine völlige und befriedigende Antwort auf die Frage zu geben: ,,Glaubst du von ganzem Herzen an den Herrn Jesum Christum?" Es ist mir klar, daß die Lehren des Evangeliums keine wahrhaft tröstliche Botschaft für einen Menschen enthalten, bis er von ganzem Herzen an Christum glaubt.


Ebenso ist es mit den Verheißungen Gottes. Sie bilden einen reich mit geistlichen Speisen bedeckten Tisch; aber wer nicht von ganzem Herzen an Christum glaubt, hat kein Recht, sich auf ,,die teuren und allergrößten Verheißungen" zu verlassen, welche Gott zur Tröstung Seines Volkes verzeichnet hat. Ich weiß, daß es köstliche und gnadenvolle Einladungen gibt, die an den Sünder ergehen, und ich danke Gott dafür, daß dem so ist; aber ich weiß auch, daß sich der Sünder ihre Köstlichkeit nie klarmachen kann, bis er an Jesum glaubt. Ich bin durchaus davon überzeugt, daß dasselbe bei den Vorschriften unseres Herrn Jesu Christi der Fall ist. So hinsichtlich der Taufe der Gläubigen. Welche Ansichten auch verschiedene Männer mit Bezug auf sie haben mögen, das Wort Gottes muß den Ausschlag geben, und es ist unsere Pflicht, alles zu predigen, was uns darin geoffenbart ist. Ein Punkt, der sehr klar ist, ist, daß niemand ein Recht zu dieser Vorschrift hat, bis er an Christum gläubig ist. Es setzt mich in Erstaunen, daß Christen sich jemals haben einbilden können, daß in irgendeinem Fall von dieser Regel abgegangen werden könne, und oft staune ich darüber, daß nicht alle Calvinisten es einsehen können, daß die Taufe dem Volk Gottes und ihm allein gehören müsse. Lehren wir nicht richtig, daß die Lehren der Schrift zum Trost und zur Unterweisung der Gläubigen da sind und daß die Verheißungen in der Regel den Gläubigen gehören? Dann kann ich nicht verstehen, woraufhin von der göttlichen Regel eine einzige Ausnahme gemacht werden kann und wie man sich denken kann, daß diese feierliche Vorschrift aller Welt offengelassen werden soll, nicht nur allen verständigen Weltbewohnern, sondern daß selbst ein unbewußter Säugling ein Gegenstand derselben werden soll.


Das ist für mich nicht nur ein überzeugender Beweisgrund, sondern soweit ich es verstehe, ist das ganze Evangelium Christi an verständige Persönlichkeiten gerichtet. Ich kann nicht einsehen, daß ich irgend etwas ausrichten könnte, wenn ich berufen würde, einer unbewußten Person zu predigen. Das Evangelium wendet sich an das Verständnis und an die Herzen der Menschen; wenn sich aber ihre ganzen geistigen Fähigkeiten in einem schlummernden Zustand befinden, sehe ich nicht ein, was ich als Prediger in einem solchen Fall tun könnte oder welche Beziehungen das Evangelium zu solchen Wesen haben kann. Es setzt mich in Erstaunen, daß ein unbewußter Säugling an einer Verordnung teilnimmt; welche nach der deutlichen Lehre der Heiligen Schrift die bewußte Einwilligung und das vollständige Herzensvertrauen bei dem Empfänger erfordert. Nur sehr wenige würden beweisen wollen, daß Säuglinge das Mahl des Herrn empfangen sollten; aber es ist nicht mehr biblische Bürgschaft dafür vorhanden, sie zu der einen Verordnung zu bringen, als sie da ist, sie zu der anderen zu bringen.


Der Katechismus der englischen Kirche hat durchaus recht, wenn er sagt, daß von den Personen, die getauft werden sollen, Buße und Glaube gefordert werden müsse; aber ihre Praxis stimmt mit der biblischen Lehre nicht überein. Wenn die Paten des Kindes es zum Taufstein bringen, versprechen sie in seinem Namen, daß es Buße tun und glauben und dem Teufel und allen seinen Werken entsagen solle. Das ist mehr, als das Kind jemals versprechen könnte, mehr, als ich zu tun versprechen könnte, oder wenn ich wirklich so sagte, so wäre ich ein Lügner wider Gott und wider meine eigene Seele, da es mir ganz unmöglich wäre, solches Versprechen zu halten. Die Theorie der Kirche ist, daß dies Versprechen der Buße und des Glaubens gleich dem im Umlauf befindlichen Papiergeld sei; es ist wahr, daß es nicht die gangbare Münze der Buße und des Glaubens ist; trotzdem ist es gültig - das Versprechen, daß das Kind Buße tun und glauben werde, ist genügend -, das erscheint mir als eine seltsame Erdichtung, die ein vernünftiges Geschöpf nicht annehmen kann. Ich will den Fall so darstellen: Nehmt an, es gäbe einen König, der absolute Herrschaft über seine Untertanen hat, und nehmt an, es gäbe eine gewisse Tat auszuführen, es handelte sich etwa um die Ergänzung einer zerbrochenen Fensterscheibe. Nehmt ferner an, daß zwei Handwerker da waren, denen beiden der König befiehlt: "Geht an die Arbeit und setzt eine neue Fensterscheibe ein." Der eine von ihnen sagt: ,,Ich will nicht"; der andere sagt: ,,Ich will," doch er hängt sofort Spinngewebe über die zerbrochene Stelle. Es ist mir klar, daß in dem Ungehorsam in beiden Fällen kein großer Unterschied ist, und es ist fast dasselbe bei denen, die sich ganz bestimmt weigern, zu tun, was sie als die klaren Befehle des Wortes Gottes hinsichtlich der Taufe erkennen, und bei denen, welche diesen Befehlen praktisch ungehorsam sind, indem sie an die Stelle der Untertauchung der Gläubigen die Besprengung der Säuglinge stellen und dann die Erfindung der Patenschaft einführen, um ihrer Abänderung der göttlichen Anordnung den Schein der Gültigkeit zu geben. Meines Erachtens ist es ein vergeblicher Versuch, der Unterwerfung unter ein einfaches und klares Gebot auszuweichen, und ist darum schlimmer, als ein offener Ungehorsam sein könnte. Ich kann mich in die Lage eines Menschen versetzen, der in seinem Gewissen nicht fühlt, daß es sich hier um eine Vorschrift handelt, die auf die Gläubigen beschränkt ist; aber ich kann die Konsequenz eines Menschen nicht verstehen, der da sagt, daß Buße und Glaube vor der Taufe erforderlich ist, und der dann den unbewußten Säugling in seine Arme nimmt, einige Tropfen Wasser auf seine Stirn sprengt und dann erklärt, daß er ein Kind Gottes und ein Erbe des Himmelreiches geworden ist. Das erscheint mir nicht nur als der Gipfel der Ungereimtheit, sondern auch als eine schreckliche Sünde in den Augen des allerhöchsten Gottes. Ich wiederhole, was ich bereits gesagt habe, daß die Einzäunung beider Anordnungen Christi durch die im Text ausgesprochene Bedingung zustande kommt: ,,Glaubst du von ganzem Herzen, so mag es wohl sein." Ich kann kein Kind von der Taufe zurückhalten, das von ganzem Herzen an Jesus glaubt; andererseits aber könnte ich als ein Diener des Herrn selbst um eines ehrwürdigen Greises willen und ihm zu gefallen meines Königs Gesetze nicht abändern, sondern würde vielmehr zu ihm sagen: ,,Tritt zurück, bis du dich in dem passenden Zustand befindest, den Befehlen meines Herrn gehorchen zu können. Du bist nicht berechtigt, an den Vorrechten teilzunehmen, die der Familie Gottes gehören. Solange du nicht an Jesus glaubst und dich als eines Seiner Kinder erweisest, kann ich nicht gestatten, daß du an der einen oder an der anderen Vorschrift teilnimmst."


Nun gehe ich dazu über, die Lehre des Textes praktisch auszuüben, indem ich mich kurz und liebevoll an unsere lieben Freunde wende, welche nun getauft zu werden wünschen. Die Befolgung dieser Anordnung wird in vielen unter uns Erinnerungen an frühere gleiche Fälle wachrufen. Sie erinnert mich an einen Fluß in Cambridgeshire, an dessen Ufern eine große Schar von Zuschauern stand, und an einen Jüngling, der an der Hand eines Mannes mitten in das fließende Wasser stieg und sich selbst, Geist, Seele und Leib dem Dienste seines Meisters übergab. Sie erinnert mich an die Stunde, da ich dem Könige aller Könige meine Treue und Anhänglichkeit öffentlich bekannte, und vielleicht werden andere, welche so ,,Christum angezogen" haben, durch die Ansprache erfreut und erfrischt und angeregt, die ich jetzt an unsere Taufkandidaten richten will.


I. In Erläuterung des Textes wollen wir ihn fast Wort für Wort durchgehen, und beachtet, liebe Freunde, zunächst die Wichtigkeit des persönlichen Glaubens: ,,Glaubst du von ganzem Herzen, so" kannst du getauft werden.


Glaubt ihr für euch selbst an Christus? Es ist nutzlos, zu sagen, daß ihr die Söhne frommer Eltern, die Töchter gottseliger Väter und Mütter seid; wenn ihr selbst nicht an Jesus glaubt, so werdet ihr ebenso gewiß wie die gottlosen Nachkömmlinge gottloser Männer und Frauen zur Hölle gekehrt werden. Der Glaube eurer Eltern mag von Gott als das Mittel gesegnet worden sein, durch welches ihr zu Christus geführt wurdet; wenn ihr aber nicht zu Ihm gebracht worden seid, so kann euch aller Glaube anderer nicht zu eurer Seligkeit verhelfen. Und wenn ihr Abraham zum Vater und Sara zur Mutter hättet, so könntet ihr ohne euren persönlichen Glauben an den Herrn Jesum Christum doch nicht gerettet werden. Wir, die wir von Kind auf mit zur Predigt genommen worden sind, sind so sehr geneigt, uns einzubilden, daß es eine Art Familienheiligkeit gebe, welche uns allen zustatten kommt, und anzunehmen, daß auch wir selig werden müssen, weil unsere Eltern Christen gewesen sind. Doch dem ist nicht so; es nützt uns nichts, einer sogenannten ,,christlichen Familie" anzugehören, wenn ihr, die ihr derselben angehört, nicht selber Christen seid. ,,So wird nun ein jeglicher für sich selbst Gott Rechenschaft geben." Keines anderen Herzens Buße kann die Stelle eurer Traurigkeit über eure Sünden einnehmen. Ihr selbst müßt dahin gebracht werden, das Bedürfnis eines Heilandes zu empfinden; ihr selbst müßt durch den Heiligen Geist in den Stand gesetzt werden, euer Vertrauen auf Jesum zu setzen, sonst werdet ihr ebenso gewiß verloren gehen, als wenn ihr von Eltern geboren wärt, welche den Herrn weder gekannt noch geliebt haben.


Persönliche Religion ist ein wesentliches Vorerfordernis für die Aufnahme in die Gemeinde Christi oder zu den Verordnungen, die Er eingesetzt hat. Es macht mich schaudern, wenn ich sehe, wie Menschen, die keine Christen sind, die Verheißungen für sich in Anspruch nehmen, die für Gläubige bestimmt sind. ,,Glaubst du von ganzem Herzen", so magst du Honig aus den Verheißungen saugen; wenn du aber nicht glaubst, so werden dir deine frommen Eltern am letzten großen Tage keinen Vorteil gewähren und jetzt ebensowenig, denn der Zorn Gottes bleibt auf dir, weil du nicht glaubst an Seinen Sohn Jesum Christum, den Er als den einen und alleinigen Heiland der Sünder in die Welt gesandt hat.


Legt denn die Hand aufs Herz, meine lieben Brüder und Schwestern, und forscht und seht, ob ihr wirklich persönlich für euch glaubt. Nehmt an, der Kämmerer hätte geantwortet: ,,Ich selbst glaube nicht an Jesum, aber mein Vater und meine Mutter haben es getan," so würde Philippus erwidert haben: ,,Deren Glaube kann dir nichts nützen; nur wenn du >>von ganzem Herzen<< glaubst, magst du getauft werden." Religion ist eine persönliche Sache, die Verordnungen Christi müssen von Gläubigen je nach ihrer persönlichen Stellung in Ihm beobachtet werden. Glaubst du an den Sohn Gottes? Wenn das nicht der Fall ist, können wir dich nicht in Seinen Namen taufen und dich nicht zur Gemeinschaft mit Seinem Volke zulassen.


II. Beachtet sodann das große Vorerfordernis zur Taufe: ,,Glaubst du von ganzem Herzen, so" magst du getauft werden.


Dies ist also die Frage, die ein jeder unter euch zu beantworten hat: Glaubst du an den Herrn Jesum Christum? ,,Nun," sagt der eine, ,,ich versuche, dem Meister zu dienen, so gut ich nur kann." Es freut mich, das zu hören, und wenn dein Dienst das Resultat des Glaubens an Christum ist, so preise ich Gott dafür; wenn er aber nicht auf Glauben basiert und nicht die Frucht des Glaubens ist, so ist er wertlos. Alles Dienen ungläubiger Menschen ist nur übertünchte Sünde. Es mag wie eine Tugend aussehen, aber es ist nicht echte Münze, sondern nur eine schlechte Nachahmung. Ich richte wieder die Frage an euch: ,,Glaubt ihr an den Herrn Jesum Christum?"


,,Nun," sagt ein anderer, ,,ich nehme alle Lehren von der Gnade an, die mit der Vorherbestimmung beginnen und mit der Beharrlichkeit bis ans Ende aufhören; ich bin so orthodox, wie nur ein Gläubiger es sein kann." Das ist nicht genau, was ich von dir zu wissen wünschte. Der Glaube an Christum ist nicht die Annahme einer trockenen, toten Orthodoxie, nicht die Annahme eines Glaubensbekenntnisses oder irgendwelcher Form. Glauben heißt vertrauen, und in dem neutestamentlichen Sinne des Wortes glaubt kein Mensch wirklich, bis er dahin gebracht ist, Christo allein zu vertrauen und sich zu verlassen nicht auf das, was er sieht, noch auf das, was er ist, sondern auf das, was in Gottes Wort geoffenbart ist, nicht auf das, was er ist oder sein kann oder sein wird, noch auf das, was er tut oder tun kann, noch auf das, was er fühlt oder nicht fühlt, sondern sich zu verlassen einzig und allein auf das, was Christus getan hat, tut und noch tun wird. Nun, liebe Brüder und Schwestern, glaubt ihr so von ganzem Herzen an den Herrn Jesum Christum? Wenngleich ihr als Taufkandidaten gekleidet seid, bitte ich euch doch dringend, euch von dem Taufbassin zurückzuziehen, wenn ihr nicht an Christum glaubt.


Es sollte euer Bestreben sein, in eurer Taufe Gott zu gefallen; ,,aber ohne Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen". Wie kann das, was Ihm nicht gefällt, als die Beobachtung einer Seiner Verordnungen angesehen werden? Wenn du aber von ganzem Herzen glaubst, so magst du sie beobachten, und deine Befolgung wird Ihm angenehm sein. Wenn Christus der feste Pfeiler deiner Hoffnung, die einzige Stütze deines Vertrauens ist, wenn dein Glaube wirklich und wahrhaftig sagt: ,,Ich verlasse mich hinsichtlich meines Heiles auf nichts anderes als auf Jesum allein", so komm und sei willkommen. ,,Komm herein, du Gesegneter des Herrn; warum stehst du draußen?" Vor einigen Jahren kam ein Mann zu mir und wünschte getauft zu werden. Ich richtete die Frage an ihn: ,,Warum wünschen Sie das?" Er antwortete: ,,Weil ich ein Christ werden möchte." ,,Aber," fragte ich, ,,denken Sie denn, daß die Taufe Sie zu einem Christen machen werde?" ,,Jawohl," sagte er. ,,Dann", erwiderte ich, ,,sind Sie aber sehr im Irrtum. Wir taufen niemand als solche, welche bekennen, durch den Glauben an Jesus bereits gerettet zu sein." Der Mann schien über diese Idee äußerst verdutzt, denn er hatte irgendwie den Gedanken in seinen Kopf aufgenommen, daß in der Verordnung selbst etwas Wirksames liegen müsse, und als ich versuchte, ihm zu erklären, daß die Heilige Schrift für einen solchen Gedanken gar keinen Anhalt biete und daß wir darum niemand taufen würden, welcher sich nicht bereits gerettet glaube, ging der Mann ganz verblüfft hinweg. Doch ich hoffe, daß er auch mit dem Entschluß wegging, sich ernste Fragen vorzulegen wie: ,,Wie kommt es, daß ich kein Christ bin? Wie geht es zu, daß ich kein Nachfolger Christi bin und daß der Prediger sich darum weigerte, mich zu taufen, und daß er in mich drang, zuerst nach dem Reiche Gottes und nach Seiner Gerechtigkeit zu trachten und mich danach, aber nicht vorher, taufen zu lassen?" Gott verhüte, daß irgend jemand unter euch, teure Freunde, auch nur einen Augenblick annehme, daß in dem Wasser in jenem Bassin irgendwelche seligmachende Kraft liege! Was könnte es euch nützen, selbst wenn ihr im Jordanfluß getauft würdet? Und wenn das Taufwasser aus dem Garten Eden geflossen käme, so würde es doch die Flecken der Sünde nicht wegwaschen können; nichts anderes vermag das als Jesu Blut allein. Wer darin versenkt worden ist, kann auch in das Taufwasser versenkt werden; wer da glaubt, der möge sich taufen lassen. Wenn du nicht glaubst, so tritt zurück; wenn du aber glaubst, so komm und bekenne deinen Glauben, wie dein Herr es verordnet hat. Wenn du nicht glaubst, so hüte dich wohl, daß du deine eigene Seele nicht dadurch verdirbst, daß du dich mit einer Anordnung befassest, die in deinem gegenwärtigen Zustand nicht für dich da ist.


III. Und nun beachtet drittens die hier erwähnte Art des Glaubens: ,,Glaubst du von ganzem Herzen?"


Zwischen Glauben und Glauben ist ein sehr großer Unterschied. Eine Art des Glaubens ist der Kopfglaube, eine andere der Glaube des Herzens. Manche Leute haben alle ihre Religion in ihrem Kopf; gleich armen, dürftigen und elenden Studenten beschränken sie ihre Religion auf ihren Kopf und lassen sie sich nähren von trockenen Gedanken und müßigen Spekulationen; aber der Glaube des wahren Christen nimmt die gute Stube des Herzens für sich ein. Er hat seine Zitadelle in dem innersten Teile seines Wesens und ist in seiner innersten Seele zu Hause.


Einen Kopfglauben hat selbst der Teufel; er glaubt und zittert. Er ist so orthodox wie viele sehr gelehrte Theologen; soweit es die bloße Aufstellung der Theologie betrifft, traue ich dem Teufel zu, daß er ein Glaubensbekenntnis entwerfen könnte. Ich glaube, daß er über Gottes Worte besser unterrichtet ist als die meisten unter uns. Wenngleich er außerordentlich gewandt ist, sie zu seinen eigenen Zwecken falsch anzuwenden, kann er sie doch auch ganz korrekt zitieren, wenn es ihm so paßt. Doch der Teufel haßt viel von dem, was er mit seinem Kopfe glaubt. Da ist zum Beispiel die Lehre von der Erwählung. ,,Ich kann die Wahrheit dieser Lehre nicht leugnen," sagt er, ,,aber ich hasse sie, denn ich weiß, daß ich zu den Erwählten nicht gehöre." Dasselbe ist der Fall bei der Erlösung; der Teufel sagt: ,,Ich hasse diese Lehre. Ich weiß, daß Christus Sein Volk mit Seinem Blute erlöst hat, aber ich gehöre nicht zu ihnen. Das Kreuz Christi ist herrlich, und ich kann nicht umhin, seine Kraft anzuerkennen, denn ich habe sie oft empfunden und werde sie mehr und mehr empfinden, aber ich hasse das Kreuz, denn es erdrückt mich und entreißt mir ganze Scharen meiner Untertanen. Ich weiß, daß Jesus der Sohn Gottes ist; ich wünschte, Er wäre es nicht, und wenn ich könnte, möchte ich Ihn von Seinem Thron herunterreißen und aus Seinem Reiche verbannen." So seht ihr, daß der Teufel mit seinem Kopf vieles glaubt, das er von Herzen haßt.


Der Glaube an Christum ist niemals echt, wenn er nicht der Glaube des Herzens ist, wenn ihm nicht das Herz ebenso wie der Kopf seine Zustimmung gibt, wenn die Wahrheit nicht nur geglaubt, sondern auch geliebt wird. Glaubt ihr die Wahrheit von Herzen, liebe Freunde? Seid ihr nicht nur von ihr überzeugt, sondern ist sie auch eure Wonne und Freude? Wißt ihr, daß ihr Sünder seid, und trauert ihr über diese betrübende Tatsache? Kennt ihr diese Wahrheit aus Erfahrung? Kennt ihr Christum auch als euren Heiland? Habt ihr Ihn als einen Besitz von unendlicher Wichtigkeit für euch in euer Herz aufgenommen? Wißt ihr Seine Gegenwart zu schätzen und freut ihr euch, Ihn stets bei euch zu haben? Wißt ihr, daß Jesu Blut die Sünden tilgt? Habt ihr erfahren, daß eure Sünden getilgt worden sind? Glaubt ihr in euren Herzen, daß der Heilige Geist Der ist, der da heiligt? Glaubt ihr diese Wahrheit von Herzen und betet ihr deshalb: ,,Herr, erneuere und heilige mich durch Deinen guten Geist am inwendigen Menschen!"? Wenn nicht, dann berechtigt euch der Glaube, den ihr haben mögt, nicht zur Taufe, noch viel weniger zum Himmel, und tretet darum zurück. Wenn allein dein Kopf voll ist von dem, was gesund und recht und wahr ist, und wenn dein Herz leer ist vom Glauben an Christum und von der Liebe zu Gott und zu Seiner Wahrheit, so tritt von dem Taufbassin zurück, denn du darfst da nicht eindringen, wo allein Christi Nachfolger hingehören. Philippus sagte zu dem Kämmerer: Glaubst du von ganzem Herzen, so magst du getauft werden. Ich fürchte, daß manche in jenem Bassin getauft worden sind, welche nicht von ganzem Herzen glaubten. Sie sagten das zwar, aber ich bezweifle, daß es von allen auch wirklich wahr war. Und, Geliebte, wenn wir uns ehrlich selbst prüfen, werden manche unter uns ernste Ursache haben, uns zu fragen, ob wir irgendwelches Recht an die Verordnung der Taufe der Gläubigen haben. Freund, glaubst du von ganzem Herzen an Christus? Christus will dein ganzes Herz oder überhaupt nichts haben; Er wird nie damit zufrieden sein, einen Teil davon zu haben und dem Teufel das übrige zu lassen. Ihr Taufkandidaten, könnt ihr von Herzen sagen, daß ihr alles für Christum aufgebt? Könnt ihr alles - Leben, Leib, Seele, Gesundheit, Habe oder Gabe -, könnt ihr Christo alles übergeben? Wenn ihr es nicht könnt, so glaubt ihr nicht von ganzem Herzen an Ihn, dann ist etwas da, das ihr zurückhaltet. Wenn ihr von ganzem Herzen glaubt, dann werdet ihr das ganze Herz übergeben.


Beachtet noch eine andere Seite des Textes. Habt ihr außer dem Vertrauen auf Christum noch irgendwelches andere Vertrauen? Ist da hinsichtlich des Heiles in euren Herzen noch ein wenig Selbstvertrauen oder etwas Vertrauen auf eure guten Werke oder auf irgendwelche Zeremonien, die ihr beobachten könnt? Dann muß ich euch sagen: Tretet vom Taufbassin zurück, bis ihr von ganzem Herzen an Christum glaubt und zu Ihm sagen könnt:

,,Mein ganzes Vertrauen auf Dich ist gerichtet,
Von Dir ich allein meine Hilfe bezieh'."

Wenn ihr das vertrauensvoll sagen könnt, so kommt und seid willkommen, wenn nicht, so tretet zurück. Hier kann ich Trost für mich finden, denn was ich sonst auch nicht sagen kann - ich kann in Wahrheit sagen, daß ich von ganzem Herzen an Jesum glaube; ich habe nichts anderes, darauf ich irgendwelches Vertrauen setze. Andere mögen sich auf ihre guten Werke verlassen, ich habe keine, darauf ich mich verlassen könnte. Manche mögen sich auf ihre Gebete verlassen, ich habe darüber zu weinen, daß die meinen so wenige sind und daß diese so schwach sind. Manche mögen sich auf Zeremonien verlassen, ich habe oft erlebt, wie nutzlos selbst die besten derselben sind, meine Stütze muß einzig und allein Christus sein. Meine eigene Kraft ist vollkommene Schwachheit; ich kann mich weder auf sie noch auf irgend etwas anderes verlassen, als auf Christum allein. Könnt ihr dasselbe sagen, liebe Brüder und Schwestern? Dann mögt ihr ohne Furcht hinabsteigen in das Wasser; aber wenn ihr nicht von ganzem Herzen glaubt, so tretet vom Taufbassin zurück.


Indem ich meine Rede schließe, möchte ich allen meinen Zuhörern sehr herzlich diese Frage vorlegen und es dem Heiligen Geist anheimstellen, sie eurem Herzen nahezubringen: Geht aus dieser Stelle nicht deutlich hervor, daß der Glaube vor der Taufe notwendig ist und daß, wenn der Kämmerer nicht an Jesum geglaubt hätte, Philippus ihn nicht getauft haben würde? ,,Als mit den Klugen rede ich; richtet ihr, was ich sage." Die ihr Ungläubige seid, wagt es nicht, anzunehmen, daß ihr in eurem gegenwärtigen Zustand nach biblischer Weise getauft werden könnt; wenn ihr aber zu den Gläubigen gehört und noch nicht getauft worden seid, so laßt mich an euer Gewissen die Frage richten, ob ihr meint, in der Vernachlässigung dieser Verordnung Christi richtig gehandelt zu haben. Dies ist eine Sache, die ernstlich durchdacht werden sollte; sie liegt zwischen eurem Heiland und eurer Seele. Ich bitte den Herrn, daß Er euch zu einer rechten Entscheidung bringe. Möchte Er uns berichtigen, wenn wir im Unrecht sind, und möchte Er euch zurechtbringen, wenn ihr unrecht seid! Das Gebet eines gewissen Gelehrten war ein sehr weises Gebet, und ich möchte es euch empfehlen. Bei einem großen Wortkampf, in welchen er verflochten war, bemerkte man, daß er häufig Notizen machte, und einer sagte zu ihm: ,,Darf ich mir Ihre niedergeschriebenen Notizen ansehen?" ,,Gewiß," erwiderte er. Als man auf sein Papier blickte, fand sich's, daß sämtliche Notizen in den Worten bestanden: ,,Mehr Licht, Herr, mehr Licht! " Ich denke, das ist eine Bitte, welche sich für viele unserer Brüder und gewiß auch für uns eignet. Wir sollten flehen: ,,Mehr Licht, Herr, mehr Licht! " Amen.

 



Bekehrt, getauft und glücklich geworden.


,,Und er nahm sie zu sich in derselben Stunde der Nacht und wusch ihnen die Striemen ab; und er ließ sich taufen und alle die Seinen alsbald. Und führte sie in sein Haus, und setzte ihnen einen Tisch, und freute sich mit seinem ganzen Hause, daß er an Gott gläubig geworden war."
Apg. 16, 33.34.


Wenn das Evangelium vom Geiste Gottes begleitet ist, ist es allezeit siegreich; aber es ist eine sehr angenehme Beschäftigung, von seinen Siegen Notiz zu nehmen. Das Evangelium kam zu Lydia, einem gottesfürchtigen Weibe, das Gott anbetete, obgleich es den Herrn Jesum Christum nicht kannte. Sie war eine Frau von zartem Herzen, und sie wurde bald gewonnen. Der Herr klopfte zart an die Tür ihres Herzens an, und es wurde geöffnet. Sie hörte Pauli einfache Predigt, nahm die Wahrheit auf, wurde getauft und wurde der Eckstein der Gemeinde zu Philippi. ,,Jawohl," sagt jemand, ,,das ist ein Beispiel von dem, was das Evangelium bei weichen und zarten Naturen ausrichtet." Nun, hier ist ein alter Soldat, der Kriege mitgemacht, der sich Auszeichnungen erworben hat und zu dem Amt des Kerkermeisters zu Philippi bestimmt ist. Er ist ein Mann, der Blut sehen kann; er ist rauh, aber augenscheinlich ehrlich veranlagt. Er bewacht Gefangene, und das ist kein Amt, das mit besonderem Zartgefühl verbunden ist, und er steht unter einem sehr strengen Gesetz. Er selbst hält in seinem Gefängnis auf strenge Zucht, und er ist hart wie ein Mühlstein. Was wird das Evangelium mit ihm anfangen? Brüder, es triumphierte in dem Herzen des Kerkermeisters ebenso wie in dem Herzen der Dame von Thyatira. Der Sieg über den rauhen Kerkermeister war ebenso glänzend wie der über die gottesfürchtige Lydia. Ich möchte eure Aufmerksamkeit besonders auf den folgenden Punkt lenken. Der philippinische Kerkermeister steht vor uns als einer, der innerhalb einer oder zwei Stunden bekehrt und getauft wurde, und der in derselben Zeit nützliche Frucht trug. ,,Alsbald," sagt ein Text, ,,in derselben Stunde der Nacht." Dieser Mann. wurde plötzlich aus der Finsternis an das wundervolle Licht geführt, und zwar so bestimmt, daß er seine Bekehrung zur selben Zeit bekannte und deren Wirklichkeit sogleich in seinem eigenen Hause dadurch bewies, daß er die Männer bei sich aufnahm, die er erst wenige Stunden zuvor in das innerste Gefängnis geworfen, und deren Füße er in den Stock gelegt hatte.


In sehr vielen Fällen spricht man von der Bekehrung als von einem langsamen Werk. Ich denke nicht, daß es wirklich so ist; aber es scheint doch so zu sein. Wir haben um uns her eine große Menge Leute, bei denen es sehr langsam geht. Wie es zugeht, weiß ich nicht, da man bei irdischen Dingen doch schnell zu Werke zu gehen pflegt. Wir können nicht schnell genug reisen; alles muß in Eile geschehen, aber in göttlichen Dingen sind viele Personen so langsam wie die Schnecken. Es dauert oft recht lange, ehe man sie auf dem Wege zu einer tröstlichen Versicherung des Heils eine kleine Strecke vorwärtsbringen kann.


Ich zweifle nicht daran, daß das Gnadenwerk in manchen Menschen ein sehr stufenförmiges ist; es gleicht dem Sonnenaufgang in unserem Land. An nebeligen Tagen könnt ihr nicht sagen, wann die Sonne aufgeht. Zuweilen habe ich gezweifelt, ob sie überhaupt in England aufgeht; jedenfalls habe ich in den letzten Tagen wenig von ihr gesehen. Wer kann sagen, wann sie auf Erden zu scheinen beginnt? Es zeigt sich ein kleiner Lichtstrahl, mit der Zeit ein wenig mehr und noch ein wenig mehr, und endlich könnt ihr sagen, daß die Sonne wirklich aufgegangen ist. So ist es mit manchen Christen. Es zeigt sich bei ihnen ein kleiner Lichtfunke und dann etwas mehr Licht und dann noch ein weiterer Lichtstrahl; aber erst nach einer längeren Zeit könnt ihr sagen, daß das volle Licht wirklich in ihre Seelen eingedrungen ist. Beachtet jedoch, daß es einen Augenblick gibt, da die Sonnenscheibe zuerst über dem Horizont sichtbar wird, einen Augenblick, und in der Bekehrung muß es eine Zeit geben, in welcher der Tod weg und das Leben da ist, und das muß eine so scharfe Linie sein, wie sie ein Rasiermesser nur machen kann. In Wirklichkeit kann nichts zwischen Leben und Tod sein. Der Mensch ist entweder tot oder lebendig, und es muß einen Zeitpunkt geben, bei welchem er aufhört, tot zu sein, und er anfängt, lebendig zu sein. Ein Mensch kann zwischen der Verdammung und der Rechtfertigung nicht irgendwo sein, weil es zwischen beiden kein Land gibt. Er ist entweder wegen der Sünde verdammt, oder er ist durch die Gerechtigkeit Christi gerechtfertigt; zwischen beiden Zuständen kann er nicht sein. Wenn ihr der Sache auf den Grund geht, findet ihr, daß es einen scharf bestimmten Wendepunkt gibt, und wenn es euch nicht klar ist, ist es doch Dem klar, der in dem Herzen gewirkt hat, das vom Tode zum Leben und von der Verdammnis durch die Sünde zur Rechtfertigung durch Jesum Christum gebracht worden ist.


I. In dem Falle dieses Kerkermeisters zu Philippi ist alles scharf, klar und bestimmt. Indem wir ihn betrachten, will ich eure Aufmerksamkeit zuerst auf die Tatsache lenken, daß hier eine Person ist, die sogleich bekehrt ist.


Dieses Mannes Bekehrung kam mit einem Male zustande. Es gab hier keinen vorangehenden Gedanken. Ich kann mir in seinem früheren Leben nichts denken, das dazu geführt hätte. Er war mit keinen Predigten, Unterweisungen, Einladungen und Bitten beschäftigt worden. Wahrscheinlich hatte er bis zu jener Nacht noch nie den Namen Christi gehört, und was er hörte, war, daß diese beiden Männer, die nach Philippi gekommen waren, Christum zu predigen, mit Strenge behandelt und sicher in Verwahrsam behalten werden müßten. Deshalb warf er sie in das innerste Loch und legte ihre Füße fest in den Stock. Seine ganze frühere Erziehung war, wenn nicht eine antichristliche, so doch eine nichtchristliche gewesen. Sein ganzes früheres Leben war ohne jede christliche Tugend gewesen, gleichviel, welche römische Tugenden er auch haben mochte. Nichts konnte einen größeren Kontrast bilden als die Sittenlehre Roms und die Lehren Christi. Dieser Kerkermeister war ein guter Römer, aber er hatte nichts von einem Christen an sich, als er die Apostel ins Gefängnis warf, und doch gab es, ehe die Sonne wieder aufging, keinen besseren Christen, als dieser Mann es war. Er war vom Tode zum Leben hindurchgedrungen; er ruhte auf dem christlichen Grunde; er war der Besitzer christlicher Gnaden. Hört das, die ihr nie über Christus nachgedacht habt, und jeder, der heute hierhergekommen ist als einer, der der wahren Religion gänzlich fremd ist, darf darum bitten, daß das Gleiche bei ihm der Fall sein und daß er, ehe es Mitternacht schlägt, auch den Heiland finden möchte.


Was meint ihr, das auf diesen Mann Eindruck gemacht haben mag? Ich denke, daß es zum Teil das Verhalten von Paulus und Silas gewesen sein dürfte. Sie hatten keine Flüche auf ihren Lippen, als er ihre Füße fest in den Stock legte. Ich zweifle nicht daran, daß sie Worte fallen ließen, dergleichen er noch nie gehört hatte, und ihre Geduld, ihre Freudigkeit, ihr unerschrockener Mut und ihre heilige Freundlichkeit mußten ihm auffallen. Sie gehörten einer ganz anderen Klasse von Gefangenen an, als er sie bisher gesehen hatte. Solche Gefangenen hatte er noch nicht gehabt, und dies konnte er sich nicht erklären. Er ging zu Bett mit vielen Gedanken ganz eigener Art. Wer waren diese Männer? Wer war dieser Jesus, von dem sie sprachen?


Dann geschieht mitten in der Nacht ein sonderbares Wunder. Das Gefängnis wird durch ein Erdbeben erschüttert. Der Kerkermeister erhebt sich. Die Gefangenen müssen alle entflohen sein, denn die Türen stehen offen. Er hatte sie sämtlich sorgfältig verriegelt, ehe er zu Bett ging; aber sie stehen alle offen, und die Gefangenen sind ohne Ketten; sie werden davoneilen, und er wird dafür zu leiden haben. Er setzt sein Schwert an seine Brust; er will sich töten, als er im selben Augenblick eine laute Stimme hört, die ihm zuruft: ,,Tue dir nichts Übels, denn wir sind alle hier." Welch ein Erstaunen! Welche ganz andere Empfindungen wecken diese Worte! ,,Wir sind alle hier." Er denkt bei sich: "Wahrlich, es gibt einen Gott; es muß der Gott des Paulus und des Silas sein, der dieses Wunder getan hat." Er fängt an zu zittern; er hat gelebt, ohne diesen Gott zu kennen; er hat die Gesandten dieses Gottes schlecht behandelt. Er führt sie heraus und redet sie respektvoll an: ,,Liebe Herren"; er fleht sie ernstlich an: ,,Was soll ich tun, daß ich selig werde?" Der Gedanke, daß er verloren ist, hat sich seiner bemächtigt. Er fürchtet sich nicht zu sterben, denn er war willens, sich selber zu töten; aber er fürchtet sich vor dem, was nach dem Tod kommt. Er ist ein verlorener Mann, und darum fragt er: " Was soll ich tun, daß ich selig werde?" Nun geschah es, daß ihm der Weg des Heils klargemacht wurde. Er wurde ihm sehr kurz vorgeführt: ,,Glaube an den Herrn Jesum Christum, so wirst du und dein Haus selig." Wahrscheinlich verstand er es nicht, als er es hörte, und so sagten sie ,,ihm das Wort des Herrn und allen, die in seinem Hause waren". Sein Weib, seine Kinder, seine Knechte und Dienstboten, wer auch seinem Haushalt angehören mochte, alle sammelten sich um die beiden Prediger; und sie erklärten ihnen den Heilsweg, die Rettung durch den Glauben an Jesum, die Rettung durch das Sühnopfer Christi, die Rettung durch den Glauben an das teure Blut Christi. Paulus und Silas sagten der Versammlung ohne Zweifel, daß, wer an Jesum glaube, nicht verloren werde, sondern das ewige Leben haben solle. Der Kerkermeister glaubte es; er glaubte jedes Wort, und darum wurde er gerettet und sogleich gerettet.


Wenn ihr das Evangelium vorher noch nie gehört habt und es heute hört und an Christum glaubt, so werdet ihr sogleich gerettet. Wenn ihr bisher allem Guten gänzlich fremd gewesen seid und nun die frohe Botschaft von Gottes Barmherzigkeit durch den Sohn Gottes, die Vergebung durch Sein vergossenes Blut annehmt, so geht ihr gerechtfertigt und in einem Augenblick gerettet, gerettet durch die einfache Tat des Glaubens, aus diesem Hause hinweg. Es ist ein glücklicher Umstand, daß das Evangelium so einfach ist. Es gibt zweifellos viele, die aus dem Evangelium etwas machen, das schwer zu verstehen ist; aber es ist für das gewöhnliche Volk bestimmt und nicht nur für die Elite und für die Gelehrten, denn ,,den Armen wird das Evangelium gepredigt", o, das Evangelium paßt durchaus dazu, den Armen gepredigt zu werden. Dies ist das Evangelium: ,,Glaube an den Herrn Jesum Christum, so wirst du und dein Haus selig." Vertraue Christus, und wenn du das tust, wirst du selig werden.


II. Zweitens, hier ist eine Person, die sogleich ihren Glauben bekennt. ,,Er ließ sich taufen und alle die Seinen alsbald."


Sollte jemand getauft werden, sobald er glaubt? In der Regel ja; aber es mag gute Gründe geben, aus denen es nicht geschehen sollte. Im Fall dieses Mannes war kein Grund zum Aufschub vorhanden, denn erstens war seine Bekehrung so klar wie der Mittag. Paulus zweifelte nicht daran. Dieser Mann war wirklich bekehrt. Auch Silas war sich dessen gewiß, und sie zögerten deshalb nicht, ihn und sein ganzes Haus zu taufen; denn sie waren alle an Gott gläubig geworden. Beachtet, wie es bei Philippus und dem Kämmerer war. Dieser hieß den Wagen halten und sagte: ,,Siehe, da ist Wasser; was hindert es, daß ich mich taufen lasse?" Philippus erwiderte: ,,Glaubst du von ganzem Herzen, so mag es wohl sein." Da dies der Fall war, stiegen sie hinab in das Wasser, beide, Philippus und der Kämmerer, und er taufte ihn. Wenn der Täufer glaubt, daß der Bekenner des Glaubens an Christum aufrichtig ist, hat er nicht nötig, zu zögern. Wenn er in Bezug darauf Zweifel hat, wenn er fürchtet, daß das Bekenntnis in Unwissenheit oder ohne gebührendes Nachdenken abgelegt ist, dann mag es ihm obliegen, noch etwas zu warten, sonst aber muß er tun, wie Ananias bei Saulus von Tarsus tat: er muß ihn auf das Bekenntnis seines Glaubens taufen, wenn er es verlangt. Die Bekehrung des Kerkermeisters war also klar.


In seinem Fall gab es auch keinen anderen Grund zum Aufschub. Im Fall mancher junger Leute gibt es Gründe zum Aufschub. Ich erinnere zum Beispiel in meinem Falle, daß ich, der ich im Alter zwischen fünfzehn und sechzehn Jahren stand und Eltern hatte, die an die Taufe der Gläubigen nicht glaubten, es für meine Pflicht hielt, Vater und Mutter um ihre Ansicht und um ihren Rat zu befragen. Ich denke, ich tat recht daran; ich erwartete nicht, daß sie gleichen Sinnes mit mir seien, aber ich erwartete, daß sie ihre liebevolle Zustimmung geben würden, und ich wartete, bis ich dieselbe erhalten hatte. Zuweilen ist es auch recht auf seiten der jungen Leute, dasselbe zu tun. Es kann Gründe und recht praktische Gründe zum Aufschub geben, physische, moralische, geistliche Gründe, auf die ich jetzt hier nicht näher eingehen kann. Aber in dem Falle des Kerkermeisters war kein Grund zum Aufschub vorhanden. Dieser Mann war sein eigener Herr, und seine Kinder und sonstigen Hausgenossen hatten keine Schwierigkeit, zu ihrer Taufe seine Zustimmung zu erhalten, zumal er selbst den Weg geführt wurde, Christum nach biblischer Weise zu bekennen.


Beachtet auch in dem Falle dieses Mannes, daß er nicht durch selbstsüchtige Erwägungen aufgehalten wurde. Wenn der Kerkermeister wie andere Leute gewesen wäre, die ich kenne, so würde er reichlich Gründe gefunden haben, seine Taufe hinauszuschieben. Zunächst würde er gesagt haben: ,,Es ist jetzt Mitternacht; wollt ihr, daß ich mich zu dieser Stunde taufen lassen soll?" Er würde gesagt haben, daß er nicht wüßte, ob auch die passenden Einrichtungen für die Taufe vorhanden seien; denn wenn ihr es nicht gerne tut, ist es so leicht, es unpassend zu finden. Er hätte auch sagen können: ,,Ich weiß nicht, wie meine vorgesetzte Behörde das aufnehmen würde." Er kümmerte sich nicht um die Behörde. Vielleicht mochte er seine Stellung verlieren. Er zog seine Lage nicht in Betracht. Und dann, was würden die Soldaten in der ganzen Kolonie von Philippi sagen, wenn sie hören sollten, daß der Kerkermeister in den Namen Christi getauft worden sei? O, welche Belustigung für die Wachstube, und welch Gespött durch ganz Philippi! Dieser brave Mann zog das alles nicht in Betracht, und wenn er wirklich daran dachte, so überwand er es doch sofort. Es war ganz in der Ordnung, daß er nun, da er an Christum glaubte, auch seinen Glauben an Christum bekenne, und das wollte er auch, und er wollte es ,,alsbald". Liebe Freunde, es sind etliche unter euch, die nie als Christen hervorgetreten sind! Ihr sagt nie, was ihr seid; ihr tretet nie für Christum ein. Ich will euch nicht verurteilen, wünsche jedoch, daß ihr euch selbst verurteilt; denn ich nehme an, daß ihr euch als recht niedrige Menschenkinder verurteilen müßt. Die Verheißung des ewigen Lebens ist keinem Glauben gegeben, der niemals bekannt wird. Gestattet mir, es noch einmal zu sagen: Die Verheißung der Seligkeit ist nicht einem Glauben gegeben, der sich nie erklärt. ,,Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden." ,,So man von Herzen glaubt, wird man gerecht, und so man mit dem Munde bekennt, wird man selig." Des Herrn eigene Worte sind: ,,Wer Mich bekennt vor den Menschen, den will Ich auch bekennen vor Meinem himmlischen Vater," und in Verbindung mit diesem Bekenntnis sagt Er auch: ,,Wer Mich aber verleugnet" (was soviel bedeuten muß als, wer Mich nicht bekennt) ,,vor den Menschen, den will Ich auch verleugnen vor Meinem himmlischen Vater." Wenn ihr nicht genug Glauben an Christum habt, um sagen zu können, daß ihr an Ihn glaubt, kann ich auch nicht annehmen, daß ihr Glauben genug an Christum habt, daß Er euch in den Himmel aufnehmen wird; denn hinsichtlich der Stätte des Verderbens steht geschrieben: ,,Die Feigen aber und Ungläubigen . . . deren Teil wird sein in dem Pfuhl, der mit Feuer und Schwefel brennt."


Tatsache war, daß es diesem Manne durchaus Ernst war, und darum wollte er seine Taufe nicht hinausgeschoben haben. Er hatte sich in Christi Armee eintragen lassen, und er wollte alsbald Christi Uniform anlegen. Ich wünschte, daß etliche, die da bekennen, daß sie bekehrt seien, es so ernst nehmen möchten, wie dieser Kerkermeister es tat. ,,Aber," sagt jemand, ,,verfahren Sie doch nicht gar zu streng mit uns; ich hoffe, daß ich auch ein Christ bin, obgleich ich Christum bisher noch nie bekannt habe." Warum bekennst du Christum nicht, wenn du Ihm angehörst? So ähnlich sprach ich zu einem Manne, der seiner eigenen Angabe nach schon seit zwanzig Jahren ein Christ war. Er hatte sich der Gemeinde nie angeschlossen und nie ein offenes Bekenntnis abgelegt, und als ich zu ihm sprach, was meint ihr, was er mir antwortete? Er sagte: ,,Wer glaubt, der eilt nicht." ,,Nun," erwiderte ich, ,,wenn Sie morgen getauft und in die Gemeinde aufgenommen würden, so könnte man gerade nicht sagen, daß Sie große Eile haben, zumal Sie schon seit zwanzig Jahren gläubig sind; aber ein viel passenderer Text für Sie wäre doch das Wort des Psalmisten: >>Ich eile, und säume mich nicht, auf daß ich Deine Gebote halte.<<"


,,Aber," sagt ein anderer, ,,ich habe es nur kurze Zeit hinausgeschoben, und - " ,,Kurze Zeit! " Erlaubst du es deinem Jungen, so zu dir zu sprechen? Du sagst zu ihm: ,,Johannes, gehe hinauf zur Stadt, um dort eine Sache für mich zu erledigen." Etwa eine Stunde später siehst du ihn noch daheim, und du fragst ihn, warum er deinen Befehl nicht ausgeführt habe, und er sagt: ,,Vater, ich habe es kurze Zeit hinausgeschoben." Ich halte es für wahrscheinlich, daß du ihm einen Denkzettel geben wirst, so daß er die Entschuldigung nicht wiederholt. Aber wenn du ihn eine Stunde nach der anderen noch immer zu Hause sehen solltest und ihn sagen hörtest, daß er durchaus nicht ungehorsam sei, sondern daß er nur einige kleine eigene Dinge zuerst wahrnehmen wolle, so bilde ich mir ein, daß du ihn lehren würdest, was die Pflicht eines Sohnes sei. Ein Knecht dieser Art würde sich wahrscheinlich sehr bald einen anderen Dienst suchen müssen, und nennst du dich einen Knecht Christi, wenn du das dir befohlene Bekenntnis durch die Taufe hinausgeschoben und wieder hinausgeschoben und noch einmal hinausgeschoben hast, bis du, soweit ich sehen kann, von dem Gehorsam gegen deines Herrn Gebote soweit entfernt bist, wie du es nur je gewesen bist? Dieser Kerkermeister legte ,,in derselben Stunde der Nacht" ein Bekenntnis seines Glaubens ab ,,und ließ sich taufen und alle die Seinen alsbald", und alsbald waren alle mit Paulus und Silas zu einem Liebesmahl vereinigt und hatten selige Gemeinschaft miteinander. Lieber Freund, wenn du bekehrt bist, so schiebe das Bekenntnis von Christo nicht hinaus. Du beraubst deinen Prediger seines Soldes, denn es ist sein Lohn, zu hören, daß Gott deine Seele gesegnet hat. Du beraubst auch die Gemeinde. Wenn du ein Recht hast, draußen zu bleiben und Christum nicht zu bekennen, so hat jeder andere dasselbe Recht, und wo gäbe es dann überhaupt noch irgendwelches Bekenntnis von Christus, oder irgendwelche sichtbare Gemeinde Christi , oder irgendwelche Verordnungen Christi, oder auch nur Diener Christi? Wenn du ein Recht hast, dich nicht taufen zu lassen und ein Recht hast, das Abendmahl in der Gemeinde zu vernachlässigen, so hat auch jeder andere Christ das Recht, diese Dinge zu vernachlässigen. Wozu wären aber dann diese Anordnungen überhaupt getroffen worden? Was ist Christus in Seinem Hause? Ist Er der Hausherr, oder bist du es, und nimmst du dir die Freiheit, zu tun oder nicht zu tun, gerade was und wie es dir gefällt? Kommt und laßt meinen Text von euch allen wahr werden, die ihr glaubt: ,,Er ließ sich taufen und alle die Seinen alsbald."


III. Und nun drittens, hier ist jemand, der sich alsbald nützlich macht.


Nützlich! Was konnte er tun? Nun, er tat alles, was er konnte. Zunächst übte er eine Tat der Barmherzigkeit: ,,Er nahm sie zu sich in derselben Stunde der Nacht und wusch ihnen die Striemen ab." Die lieben, guten Männer, sie waren ganz von den Merkzeichen der römischen Geißel bedeckt. Sie waren braun und blau geschlagen worden, und das Blut war reichlich geflossen. Mir ist, als sähe ich, wie zärtlich der Kerkermeister ihre Wunden wusch. Ehe er getauft wurde, brachte er rechtschaffene Früchte der Buße. Die übel behandelten Prediger bedurften der Waschung; wie konnten ihre Wunden heilen, wenn sie nicht sorgfältig gereinigt wurden? ,,Er wusch ihnen die Striemen ab." Ich mag diese Worte gerne lesen. Ich bin gewiß, daß Paulus und Silas sich darüber freuen mußten, daß einer ihre Wunden kühlte und reinigte, der sie noch kurz vorher so rauh behandelt hatte. Ich wüßte nicht, daß er etwas Besseres hätte tun können, um seine aufrichtige Buße zu zeigen.


Nachdem er das getan hatte und getauft worden war, lesen wir, daß er sie in sein Haus führte und ihnen Speise vorsetzte. So übte er Gastfreundschaft. Was konnte er mehr tun? Da es um Mitternacht war, kann ich mir nicht denken, daß er noch mehr tun konnte. So fangt auch ihr, die ihr eben an den Herrn gläubig geworden seid, an, alsbald für Ihn etwas zu tun, wenn ihr Ihn liebhabt. Es ist ein Jammer, daß wir so viele sogenannte Christen haben, die nichts, buchstäblich nichts für Christum tun. Er stirbt für sie, Er erlöst sie mit Seinem teuren Blut, und sie haben in Erwiderung darauf nichts für Ihn getan. ,,Ich wüßte nicht, was ich tun könnte, " sagt jemand. Ich weiß, daß du etwas tun könntest. Dieser Kerkermeister kann innerhalb der Gefängnismauern für Paulus und Silas das allernotwendigste tun, und du kannst innerhalb der Grenzen deines Hauses etwas für Jesum tun. Ich möchte dich bitten, heute noch etwas für Ihn zu tun, wenn du heute an Ihn gläubig geworden bist. Tue heute etwas für Christum, indem du zu deiner Frau, zu deinen Kindern, zu deinen Dienstboten oder zu deinen Nachbarn sprichst. Wenn auch kein Prediger in deinem Hause ist, dem du die Striemen abwaschen kannst, so ist vielleicht eine arme Seele in der Nähe, die der Hilfe etwas bedarf. Tue eine Tat der Nächstenliebe um Christi willen. Oder es mag ein Kind Gottes da sein, dessen Herz du heute noch trösten könntest. Erweise einem bedürftigen Gläubigen eine Wohltat und zeige so deine Dankbarkeit für das, was der Herr für dich getan hat. Wenn du ein wahrer Christ bist, mußt du etwas für Christum tun.


Wir möchten eine Gemeinde haben, in welcher alle Glieder etwas tun, in welcher alle tun, was sie nur können, in welcher alle allezeit alles tun, was sie können; denn das ist es, was unser Herr von einem lebendigen, liebenden Volk verdient, das Er mit Seinem teuren Blut erkauft hat. Wenn Er mich errettet hat, will ich Ihm immer und ewiglich dienen, und was in meiner Macht steht, zu Seiner Verherrlichung zu tun, das will ich mit Freuden tun und will es sogleich tun. O, wenn etliche von euch heute gerettet werden, wie ganz anders werden sich die Dinge in euren Häusern gestalten! Jedermann im Hause wird es erfahren, daß es anders mit euch geworden ist. Wenn ein Mensch, der ein Trinker gewesen, oder der gewohnt gewesen ist, schlechte Reden zu führen, oder ein Sabbatschänder oder ein gottloser, christusloser Elender gewesen ist, bekehrt wird, das ist, als ob die Hölle in einen Himmel und der Teufel in einen Engel umgewandelt worden ist. Gott mache es durch die Wirkung Seiner souveränen Gnade so mit etlichen unter euch!


In diesem Augenblick erinnere ich mich des Tages, an welchem ich den Heiland fand. Es war ein kalter, schneeiger Morgen, und ich erinnere mich noch, wie ich, nachdem ich nach Hause gekommen war, vor dem Feuer stand und meine Mutter zu mir sprach und ich sie dann draußen vor der Tür sagen hörte: ,,Mit Charles ist eine Veränderung vorgegangen." Sie hatte kaum ein halbes Dutzend Worte mit mir gewechselt; aber sie sah, daß ich nicht mehr war, was ich gewesen war. Ich war niedergeschlagen, traurig, schwermütig gewesen, und als ich zu Christus aufgesehen hatte, war mein Gesicht verändert worden; es lag ein Lächeln, ein freudiger, glücklicher, zufriedener Ausdruck darauf, und sie konnte das sehen, und nur wenige Worte sagten ihr, daß ihr schwermütiger Knabe sich aus seiner Verzagtheit erhoben hatte und freudig geworden war. Möchte solche Veränderung auch über etliche unter euch kommen!


IV. Hier ist noch eins, damit wir schließen wollen. Viertens, hier ist jemand, der alsbald vollkommen glücklich ist.


Als der Kerkermeister Paulus und Silas in sein Haus geführt hatte, setzte er "ihnen einen Tisch und freute sich mit seinem ganzen Hause, daß er an Gott gläubig geworden war".


Das war eine glückliche, selige Zeit! Er freute sich, daß er gerettet worden war. Sein Herz frohlockte. ,,Halleluja! Halleluja! Halleluja!" Als er so mit seinen beiden fremden Gästen zu Tisch saß, hatte er wirklich Ursache zur Freude. Seine Sünden waren ihm vergeben; seine Natur war verändert; er hatte einen Heiland gefunden; er hatte seine Götzen aufgegeben, und er freute sich, daß er an Gott gläubig geworden war. Ihm war gesagt worden, an den Herrn Jesum Christum zu glauben. Er glaubte, daß Jesus Christus Gott war, und er freute sich, von Herzen glauben zu können.


Und dann freute er sich, daß sein ganzes Haus gerettet worden war. Welche Wonne war es, sein ganzes Haus bekehrt zu sehen! Da war seine Frau. Wenn sie nicht bekehrt worden wäre, so wäre es sehr mißlich für ihn gewesen, Paulus und Silas zum mitternächtlichen Mahle einzuladen. Sie würde gesagt haben: ,,Ich will nicht, daß Gefangene in meine beste Stube kommen und mir meine Vorräte verzehren." Ihr würde das nicht gefallen haben; als kluge Hausfrau würde sie sich dagegen aufgelehnt haben. Aber nun wartete Frau Kerkermeisterin ihnen allen mit einer heiligen Glückseligkeit, mit einer neuen Art von Freundlichkeit auf. Ich weiß nicht, ob sie auch Knaben und Mädchen hatte. Es kann sein oder auch nicht; aber wie viele auch in seinem Hause sein mochten, Kinder oder Dienstboten oder Wärter, sie alle waren gläubig geworden. Sie wurden auch alle getauft, die Söhne und Töchter und auch die Bediensteten, denn sie waren in den Haushalt eingeschlossen. Ich mag es nicht, daß ihr das kleine Dienstmädchen weglaßt, wenn ihr euren Haushalt zählt; sie bildet einen Teil eures Hausstandes, und ich bitte Gott, daß sie alle bekehrt werden möchten.


Des Kerkermeisters Freude war auch ein Siegel des Geistes auf seine Aufrichtigkeit. Mußte es nicht eine wahre Wonne für ihn sein, mit den beiden Predigern des Wortes um die Mitternacht dazusitzen? Jene beiden Männer mußten guten Appetit haben, denn sie hatten wahrscheinlich lange nichts genossen, und sie hatten, nachdem sie grausam geschlagen worden waren, mit ihren Füßen in dem Stock in ihrer schrecklichen Höhle gelegen, und so waren sie aufs Essen vorbereitet worden, ob es nun mitten in der Nacht oder mitten am Tage sein mochte. Und die übrigen Familienglieder kamen und saßen mit zu Tisch, und alle freuten sich. Solche Nacht hatte es vorher in einem Gefängnis noch nicht gegeben. Der Kerkermeister ,,freute sich mit seinem ganzen Hause, daß er an Gott gläubig geworden war".


Indem ich diese letzten Worte meines Textes anführe, ist's mir, als hörte ich einen Freund da drüben tief seufzen. Ich weiß, was der Seufzer bedeutet. Er besagt, daß der liebe Mann sein ganzes Haus nicht bekehrt weiß. Lieber Bruder, ich kann aus Erfahrung nicht mit dir fühlen, denn ich danke Gott dafür, daß mein ganzes Haus zu Christus gebracht ist; aber es muß ein großer Kummer sein, einen erwachsenen Sohn zu haben, der da tut, wie er tut, oder ein liebes Mädchen zu haben, auf welches du so große Hoffnungen gesetzt hast, und das nun seine krummen Wege geht! Laß mich dich fragen: Hast du Glauben für dein Haus gehabt? Beachte, daß Paulus zu dem Kerkermeister sagte: ,,Glaube an den Herrn Jesus Christus, so wirst du und dein Haus selig." Möchte Gott dir Glauben für dein Haus geben! Du glaubst für dich selbst und bist gerettet; glaube auch, daß deine Kinder gerettet werden; rufe zu Gott, daß Er dir Glauben schenke. Bete gläubig darum, daß sie dahin geführt werden, auch für sich selbst gläubig und so gerettet zu werden.


Daß diese große Versammlung im Himmel zusammentreffen möchte! Möchtet ihr, die ihr das Wort jahrelang gehört habt, heute an Christum glauben und leben! Möchtet auch ihr, die ihr es nie vorher gehört habt, zu Christo kommen und an Ihn glauben, wie der Kerkermeister es tat, und möchtet ihr wie er gerettet werden! Der Herr soll das ganze Lob und die ganze Ehre haben; aber o, daß Er dies Wunder der Gnade heute wirken möchte! Laßt uns Ihn darum bitten. Amen.


 

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