Nachdem uns der Herr so einen Einblick in den Charakter derer gegeben, die Er zur
Verkündigung seiner Wahrheit erwählt hat, fährt Er fort, den erwählten Kämpfern ihren
Auftrag für den heiligen Krieg zu geben. Ich bitte euch, die Worte mit ernster Sorgfalt
zu beachten. Er faßt ihre Aufgabe in wenigen Worten zusammen und sagt ihnen zugleich das
Resultat derselben voraus, indem Er ihnen mitteilt, daß ohne Zweifel die einen glauben
und selig werden und die andern nicht glauben und darum gewißlich verdammt, das heißt,
auf ewig zu den Strafen des Zornes Gottes verurteilt werden würden. Die Zeilen, welche
den Auftrag unseres aufgefahrenen Herrn enthalten, sind gewiß von größter Wichtigkeit
und erfordern große Aufmerksamkeit und unbedingten Gehorsam nicht nur von denen, welche
das Werk des Dienstes am Wort zu treiben bestrebt sind, sondern auch von denen, die die
Botschaft der Gnade hören. Zu unserm Erfolg im Werk unseres Meisters ist ein klares
Verständnis dieser Worte absolut notwendig, denn wenn wir den Auftrag nicht verstehen,
ist es nicht wahrscheinlich, daß wir ihn richtig ausführen werden. Diese Worte
abändern, wäre mehr als Unverschämtheit; es schlösse das Verbrechen des Hochverrats
wider die Autorität Christi und wider die besten Interessen der Menschenseelen in sich.
Wohin sich die Apostel auch wenden mochten, die Predigt des Evangeliums stieß auf
Hindernisse, und je offener und wirksamer die Tür des Worts war, um so zahlreicher wurden
die Widersacher. Diese kühnen Männer schwangen das Schwert des Geistes, um alle ihre
Feinde in die Flucht zu jagen, und sie taten es nicht durch List oder Falschheit, sondern
indem sie direkt auf den Irrtum losgingen, der ihnen im Wege stand. Sie dachten nie einen
Augenblick daran, das Evangelium dem unheiligen Geschmack oder den Vorurteilen der Leute
anzupassen, sondern sie gingen direkt und kühn mit dem gewaltigen Schwert des Geistes
gegen die Krone des ihnen entgegenstehenden Irrtums an. Ich will heute im Namen des Herrn
Zebaoth, meines Helfers und Beschützers, dasselbe zu tun versuchen und wenn ich
irgendwelche Feindseligkeit erregen sollte, wenn ich dadurch, daß ich ausspreche, was ich
als die Wahrheit glaube, die Freundschaft etlicher verlieren und die Feindschaft bei
andern erregen sollte, so kann ich dem nicht abhelfen. Die Last des Herrn ist auf mir und
ich muß meine Seele frei machen. Ich habe lange genug damit zurückgehalten, aber das
überwältigende Gefühl von meiner heiligen Pflicht zwingt mich jetzt dazu. Da ich bald
vor den Schranken meines Meisters erscheinen muß, will ich heute auf jede Gefahr hin mein
Zeugnis für die Wahrheit ablegen. Wenn es sein muß, will ich mich damit zufrieden geben,
als böse verworfen zu werden, aber ich kann und darf nicht schweigen. Der Herr weiß,
daß ich nichts anderes in meinem Herzen habe als die reinste Liebe zu den Seelen derer,
die in des Herrn Namen ernstlich anzureden ich mich gebieterisch berufen fühle. Unter
meinen Zuhörern und Lesern werden mich viele tadeln, wenn nicht verurteilen, aber ich
kann nicht anders. Wenn ich um der Wahrheit willen eure Liebe verscherze, so tut es mir
leid um euch, aber ich kann und darf nicht anders. Habe ich jemals um euren Beifall
gebuhlt? Es ist jedermann angenehm, applaudiert zu werden; aber wenn irgend ein
christlicher Prediger um der Behaglichkeit oder um seines Ansehens oder um des Lächelns
der Menschen willen einen Teil seines Zeugnisses zurückhält, so wird sein Herr es
schließlich von seinen Händen fordern. In der unmittelbaren Gegenwart Gottes stehend,
will ich heute ehrlich aussprechen, was ich fühle, je nachdem mich der Heilige Geist dazu
befähigen wird, und ich will es euch überlassen, die Angelegenheit zu beurteilen, wie
ihr denn auch am jüngsten Tage davon Rechenschaft zu geben haben werdet.
Ich finde, daß der große Irrtum, mit welchem wir im ganzen Lande zu kämpfen haben,
einer ist, der in direktem Gegensatz zu meinem Text steht; er ist euch als die Lehre von
der Taufwiedergeburt wohl bekannt. Wir wollen dieses Dogma der Behauptung
gegenüberstellen, daß die Taufe ohne den Glauben niemand selig macht. Der Text sagt:
,,Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden;" und er behauptet, daß
,,wer nicht glaubt, der wird verdammt werden," ob er nun getauft ist oder nicht, so
daß die Taufe den Ungläubigen nicht selig macht, daß sie ihn auch nicht im Geringsten
von dem gemeinsamen Urteil aller Gottlosen freispricht. Ob er nun durch Untertauchung oder
durch Besprengung, in seinem Säuglingsalter oder als Erwachsener getauft werden mag -
wenn er sein Vertrauen nicht auf Jesum Christum setzt, wenn er ein Ungläubiger bleibt,
dann gilt ihm dieses schreckliche Urteil: ,,Wer nicht glaubt, der wird verdammt
werden." Die sehr mächtige Kirche Englands lehrt diese Lehre nicht nur durch ihre
Diener, sondern sie erklärt sie auch öffentlich und kühn in ihrer bestimmten
Glaubensregel, dem allgemeinen Gebetbuch, und zwar in so ausdrücklichen Worten, daß sie
nicht mißverstanden werden kann.
Wir zitieren die Worte aus dem Katechismus, welcher zum Unterricht der Jugend bestimmt und
natürlich sehr klar und einfach abgefaßt ist, da es ja töricht wäre, die Jugend mit
metaphysischen Künsteleien zu belästigen. Das Kind wird nach seinem Namen und dann
weiter gefragt: ,,Wer hat dir diesen Namen gegeben?" ,,Meine Paten und Patinnen in
meiner Taufe, durch welche ich ein Glied Christi, ein Kind Gottes und ein Erbe des
Himmelreichs geworden bin." Ist das nicht bestimmt und klar genug? Ich schätze die
Worte wegen ihrer Offenheit; sie könnten nicht deutlicher sein. Damit kein Zweifel
bestehe, wird es dreimal gegeben. Das Wort Wiedergeburt könnte durch einige Künsteleien
anders ausgelegt werden; aber hier kann es kein Mißverständnis geben. Das Kind ist nicht
nur ,,ein Glied Christi" geworden - und Verbindung mit Christo ist keine kleine
geistliche Gabe - sondern ist durch die Taufe auch ,,ein Kind Gottes" geworden, und
da die Regel ist: ,,sind wir denn Kinder, so sind wir auch Erben", so ist es auch
,,ein Erbe des Himmelreichs". Nichts kann deutlicher sein. Ich wage es zu sagen, daß
solange noch Ehrlichkeit auf Erden ist, wird es über den Sinn dieser Worte zu keinem
Streit kommen. Es ist klar wie der Mittag, daß, wie die liturgische Vorschrift lautet,
,,Väter, Mütter, Lehrmeister und Herrschaften ihre Kinder, Lehrlinge und Dienstboten
(gleichviel wie träge, eitel oder gottlos sie auch sein mögen) veranlassen sollten, den
Katechismus zu lernen und zu sagen, daß sie durch die Taufe Glieder Christi und Gottes
Kinder geworden sind". Die Form für die Erteilung dieser Taufe ist kaum weniger klar
und ausgesprochen, denn dem Allmächtigen wird ausdrücklich dafür gedankt, daß die
getaufte Person wiedergeboren ist. ,,Dann soll der Priester sagen: >>Da wir nun,
geliebte Brüder, sehen, daß dieses Kind wiedergeboren und in den Leib der Kirche Christi
eingepflanzt ist, so laßt uns dem allmächtigen Gott für diese Segnungen danken und Ihn
einmütig bitten, daß dieses Kind sein übriges Leben diesem Anfang gemäß
wandle<<" Das ist aber noch nicht alles. Damit kein Irrtum obwalte, haben wir
die Worte der Danksagung vorgeschrieben: ,,Dann soll der Priester sagen: >>Wir
bringen Dir herzlichen Dank, allbarmherziger Vater, daß es Dir gefallen hat, dieses
Kindlein durch Deinen Heiligen Geist wiederzugebären, es durch Adoption als Dein eigenes
Kind anzunehmen und es Deiner heiligen Kirche einzuverleiben<<".
Dies ist also die klare und unverkennbare Lehre einer Kirche, die sich protestantisch
nennt. Ich behandle jetzt nicht die Frage von der Säuglingstaufe; damit habe ich es heute
nicht zu tun. Ich erwäge jetzt die Frage von der Wiedergeburt durch die Taufe, ob in
Erwachsenen oder in Kindern oder ob sie der Besprengung, der Begießung oder der
Untertauchung zugeschrieben wird. Hier ist eine Kirche, welche an jedem Sonntag in der
Sonntagsschule, und welche nach der Vorschrift öffentlich in der Kirche alle Kinder
darüber belehrt, daß sie, als sie getauft wurden, Christi Glieder, Gottes Kinder und
Erben des Himmelreichs wurden! Hier ist eine sich protestantisch nennende Kirche, welche
jedesmal, wenn ihr Diener ans Taufbecken tritt, erklärt, daß jede Person, die die Taufe
empfängt, dann ,,wiedergeboren und in den Leib der Kirche Christi eingepflanzt worden
ist".
Wir selbst sind über diesen Punkt nicht im Zweifel; wir
behaupten, daß Menschen dadurch, daß sie getauft werden, nicht selig werden. In solcher
Versammlung wie dieser schäme ich mich fast, auf die Sache einzugehen, weil ihr zu sicher
seid, um irregeführt zu werden. Doch um anderer willen wollen wir es tun. Wir halten
dafür, daß Menschen nicht durch die Taufe selig werden, denn erstens nehmen wir an, daß
es mit der geistlichen Religion nicht zu stimmen scheint, die Christus zu lehren gekommen
ist, daß Er die Seligkeit von einer Zeremonie abhängig machen sollte. Der Judaismus
konnte möglicherweise die Zeremonie als eine Art Vorbild in seine Vorschriften aufnehmen,
die ihm zum ewigen Leben als wesentlich vorkamen; denn es war eine Religion von Vorbildern
und Schatten. Aber Jesus Christus beansprucht für seinen Glauben, daß er rein geistlich
sei, und wie konnte Er die Wiedergeburt mit einer besonderen Anwendung einer wässerigen
Flüssigkeit verbinden? Ich kann nicht einsehen, wie das ein geistliches Evangelium sein
kann; aber ich kann einsehen, wie mechanisch es würde, wenn ich ausgesandt wäre, zu
lehren, daß das Benetzen der Stirn oder selbst das Eintauchen einer Person in Wasser die
Seele rette. Dies scheint mir die mechanischste Religion zu sein, die da existiert und die
mit den Gebetswindmühlen in Tibet oder mit dem Hinauf- und Herabkriechen auf der
Pilatustreppe, dem sich auch Luther in den Tagen seiner Dunkelheit unterzog, auf gleicher
Stufe steht.
Ich kann keine Verbindung sehen, welche zwischen der Besprengung oder Untertauchung und
der Wiedergeburt besteht, so daß das eine ohne den Glauben notwendig an das andere
gebunden ist. Wenn Gott es so geboten hätte, könnten, wenn es im Glauben geschehe,
Wunder gewirkt werden; wie aber können ohne Glauben oder selbst ohne Bewußtsein, wie in
dem Falle der Säuglinge, notwendig geistliche Segnungen mit dem Besprengen von Wasser
verbunden werden?
Aber als kräftigeres Argument fällt mir auf, daß das Dogma nicht durch Tatsachen unterstützt ist. Sind alle getauften Personen Kinder Gottes? Wohl, wir wollen uns die göttliche Familie ansehen. Laßt uns auf ihre Ähnlichkeit mit ihrem Vater achten! Bin ich unwahr, wenn ich sage, daß sich Tausende von denen, welche im Säuglingsalter getauft wurden, jetzt in unseren Gefängnissen befinden? Ihr könnt das, wenn ihr wollt, feststellen, wenn ihr euch an die Gefängnisbehörden wendet. Glaubt ihr, daß diese Menschen, deren viele von Raub, Diebstahl, Betrug und allerlei Verbrechen gelebt haben, wiedergeboren sind? Wenn so, dann bewahre uns Gott vor solcher Wiedergeburt. Sind diese Elenden Christi Glieder? Wenn so, dann hat sich Christus seit der Zeit, da Er heilig, unbefleckt und von den Sündern abgesondert war, schmerzlich verändert. Hat Er wirklich getaufte Trunkenbolde und Huren zu Gliedern seines Leibes gemacht? Lehnt ihr euch gegen solche Annahme nicht auf? Es ist eine wohlbekannte Tatsache, daß getaufte Personen hingerichtet worden sind. Gewiß, es kann kaum recht sein, Erben des Himmelreichs hinzurichten! Welche verabscheuungswürdige Farce ist das am offenen Grabe, wenn ,,ein lieber Bruder", welcher im trunkenen Zustande gestorben ist, in einer ,,sicheren und gewissen Hoffnung der Auferstehung zum ewigen Leben" begraben wird! Hier ist ein wiedergeborener Bruder, welcher, nachdem er seinen Wohnort durch seine beständige Unreinigkeit und Trunksucht verunreinigt hat, ohne ein Zeichen der Buße stirbt, in ,,einer sicheren und gewissen Hoffnung der Auferstehung zum ewigen Leben" mit allen Ehren in die Erde versenkt wird, die man ungetauften Unschuldigen verweigert. Finden wir, die wir auf das Bekenntnis des Glaubens hin durch Untertauchen taufen - eine Weise, die für korrekt, wenngleich von etlichen zu ihrer Gültigkeit nicht für absolut notwendig gehalten wird, - finden wir, die wir wie andere in den Namen der Heiligen Dreieinigkeit taufen, daß die Taufe wiedergebärt? Nein. Weder bei den Gerechten noch bei den Gottlosen finden wir, daß durch die Taufe Wiedergeburt gewirkt wird. Wir sind nie mit einem Gläubigen zusammengetroffen, der, wie gut er auch in göttlichen Dingen unterrichtet sein mochte, seine Wiedergeburt auf seine Taufe zurückführen konnte, und anderseits bekennen wir mit Schmerz, aber ohne Erstaunen, daß wir solche gesehen haben, die wir selbst nach apostolischem Vorbilde getauft haben, die zur Welt zurückgegangen und sich in die häßlichsten Sünden verirrt haben, und ihre Taufe ist kaum eine Schranke für sie gewesen, weil sie nicht an den Herrn Jesum Christum glaubten. Alle Tatsachen zeigen, daß, was Gutes auch in der Taufe liegen mag, sie gewiß einen Menschen nicht zu ,,einem Glied Christi, zu einem Kinde Gottes oder zu einem Erben des Himmelreichs" macht; sonst sind viele Diebe, Huren, Trunkenbolde, Ehebrecher und Mörder Glieder Christi, Kinder Gottes und Erben des Himmelreichs. Tatsachen, Brüder, sprechen wider die päpstliche Lehre, und Tatsachen sind unbeugsame Dinge, die sich nicht verleugnen lassen.
Doch ferner bin ich davon überzeugt, daß es überhaupt nicht wahrscheinlich ist, daß die im Gebetbuch als Taufe bezeichnete Handlung wiedergebärt und selig macht. Wenn man von einem Vorgang hört, durch welchen Menschen zu Gliedern Christi und Kindern Gottes und Erben des Himmelreichs werden, ist man gespannt, zu wissen, wie das geschieht. Es muß das an und für sich etwas Heiliges, in allen Einzelheiten Wahres und in jedem Teil Erbauliches sein. Wir wollen annehmen, daß wir eine Anzahl Menschen um das Wasser her versammelt sehen und daß der Prozeß der Wiedergeburt nun vor sich gehen soll. Wir wollen annehmen, daß sie sämtlich gottesfürchtige Leute seien. Der amtierende Geistliche ist ein gründlicher Gläubiger an den Herrn Jesum, Vater und Mutter sind exemplarische Christen, und die Paten und Patinnen sind gläubige Leute. Es ist dies eine von Liebe diktierte Annahme; aber sie mag korrekt sein. Was wird von diesen lieben Leuten erwartet, daß sie sagen sollen? Laßt uns auf das Gebetbuch achten. Der Geistliche hat zu diesen Leuten zu sagen: ,,Ihr habt auch gehört, daß unser Herr Jesus Christus in seinem Evangelium versprochen hat, alles das zu gewähren, um das ihr gebeten habt, und sein Versprechen wird Er seinerseits aufs gewisseste halten und erfüllen. Nachdem nun Christus dieses Versprechen gegeben hat, muß darum auch dieses Kind seinerseits durch euch, die ihr seine Bürgen seid, getreulich versprechen (bis es alt genug ist, um es selber tun zu können), daß es dem Teufel und allen seinen Werken entsagen, beständig Gottes heiliges Wort glauben und gehorsam seine Gebote halten will." Dieses kleine Kind hat zu versprechen, daß es das tun will, oder richtiger haben andere es zu übernehmen, das zu versprechen und selbst zu geloben, daß es das tun soll. Aber wir dürfen das Zitat nicht unterbrechen, und darum laßt uns zu dem Buch zurückkehren. ,,Ich fordere dich deshalb auf, entsagest du im Namen dieses Kindes dem Teufel und allen seinen Werken, dem eitlen Pomp und der Herrlichkeit der Welt mit allen lüsternen Wünschen derselben und den fleischlichen Begierden, so daß du dem nicht folgest, noch dich davon leiten läßt?" Antwort: ,,Ich entsage dem allen." Das heißt, auf den Namen und für dieses zarte Kind, das eben getauft werden soll, entsagen diese gläubigen Leute, diese erleuchteten Christen, die es besser wissen, die keine Betrogenen sind, die wohl wissen, daß sie Unmöglichkeiten versprechen - sie entsagen an Stelle dieses Kindes dem, dem für sich selbst zu entsagen sie so sehr schwer finden - sie entsagen ,,allen lüsternen Wünschen der Welt und den sinnlichen Begierden des Fleisches, so daß sie denselben nicht folgen, noch sich von ihnen leiten lassen". Wie können sie ihre Angesichter so verhärten, daß sie vor dem allmächtigen Vater solch falsches Versprechen geben? Dann bekennen sie vor dem Himmel an Stelle dieses Kindes, daß es standhaft das Glaubensbekenntnis glauben werde, während sie wissen oder leicht beurteilen können, daß das kleine Geschöpf an nichts fest glaubt. Beachtet, sie sagen nicht nur, daß der Säugling das Glaubensbekenntnis glauben werde, sondern sie behaupten, daß er das tue, denn sie antworten in des Kindes Namen: ,,Alles dieses glaube ich fest." Nicht wir glauben fest, sondern ich, das kleine Baby, das hinsichtlich aller ihrer Glaubensbekenntnisse völlig unbewußt ist. In Beantwortung der Frage: ,,Willst du in diesem Glauben getauft werden?" antworten sie für das Kind: ,,Das ist mein Wunsch." Gewiß hat das Kind in dieser Sache keinen Wunsch, oder wenigstens ist niemand autorisiert worden, an seiner Statt irgendwelche Wünsche zu äußern. Aber dies ist noch nicht alles, denn demnächst versprechen diese gottesfürchtigen, verständigen Leute an Stelle des Säuglings, daß ,,er den heiligen Willen Gottes und alle seine Gebote gehorsam halten und sein ganzes Leben hindurch darin wandeln" werde. Nun frage ich euch, die ihr wißt, was wahre Religion bedeutet, könnt ihr selbst in sämtlichen heiligen Geboten Gottes wandeln? Wagt ihr es heute, eurerseits ein Gelübde abzulegen, daß ihr dem Teufel und allen seinen Werken, dem Gepränge und den Eitelkeiten dieser bösen Welt und allen sündlichen Lüften des Fleisches entsagt? Wagt ihr es vor Gott, solches Versprechen zu geben? Ihr wünscht solche Heiligkeit, ihr ringt ernstlich danach, aber ihr ersehnt sie von Gottes Verheißung und erwartet sie nicht von euren Gelöbnissen. Wenn ihr es wagt, solche Versprechungen zu geben, so bezweifle ich, daß ihr eure eigenen Herzen und den geistlichen Sinn des Gesetzes Gottes richtig kennengelernt habt. Aber selbst wenn ihr dies für euch tun könntet, würdet ihr es wagen, für irgend eine andere Person - und wäre es der bestgeborene Säugling auf Erden - solches Versprechen zu geben? Brüder, was sagt ihr? Habt ihr eure bündige Antwort nicht bereit? Ich kann verstehen, daß ein einfältiger, unwissender Mensch, der nie lesen gelernt hat, dies alles auf die Forderung eines Priesters hin tut; aber ich kann nicht verstehen, wie gottesfürchtige, verständige Leute am Taufstein stehen und den so gnädigen Vater mit Gelübden beleidigen können, die nach einer Erdichtung zusammengestellt sind und praktisch Falschheit in sich schließen. Wie dürfen verständige Gläubige an Christum es wagen, Worte zu sprechen, von denen sie in ihrem Gewissen überzeugt sind, daß sie sich weit von der Wahrheit entfernen? Selbst wenn ich imstande sein sollte, den Prozeß zu verstehen, durch welchen gottesfürchtige Menschen ihre Gewissen mit solchem Tun in Übereinstimmung bringen können, selbst dann werde ich den festen Glauben haben, daß der Gott der Wahrheit niemals einen geistlichen Segen höchster Art mit dem Hersagen solcher falschen Versprechungen und unwahren Gelübde in Verbindung brachte und daß Er es niemals tun werde. Meine Brüder, fällt es euch nicht auf, daß solche erdichteten Erklärungen aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mit einer neuen Geburt verbunden sein können, die von dem Geist der Wahrheit gewirkt wird?
Ich bin mit diesem Punkt noch nicht ganz fertig, denn ich muß einen anderen Fall annehmen und voraussetzen, daß Paten und andere gottlos sind, und das ist keine harte Voraussetzung, da wir in vielen Fällen wissen, daß Paten und Eltern nicht mehr über die Religion nachdenken als der abgöttisch geheiligte Stein, um den sie sich versammeln. Was sind diese Sünder zu sagen bereit, wenn sie ihren Platz eingenommen haben? Nun, sie sind bereit, die ernsten Gelübde abzulegen, die ich bereits erwähnt habe. Total irreligiös, wie sie sind, versprechen sie demnach für den Säugling, was sie selber niemals getan und worüber sie nie nachgedacht haben ; sie versprechen an Stelle dieses Kindes, ,,daß es dem Teufel und allen seinen Werken entsagt und beständig Gottes heiliges Wort glauben und gehorsam seine Gebote halten werde". Meine Brüder, denkt nicht, daß ich hier hart spreche. Ich denke wirklich, daß hier etwas ist, das Teufeln Ursache zum Gespött gibt. Jeder ehrliche Mensch sollte es beklagen, daß Gottes Gemeinde so etwas duldet und daß es gläubige Leute gibt, die sich schmerzlich darüber betrübt fühlen, daß ich in aller Freundlichkeit des Herzens die Abscheulichkeit strafe. Unwiedergeborene Sünder versprechen für einen armen Säugling, daß er alle heiligen Gebote Gottes halten werde, die sie selbst tagtäglich in ausgelassener Weise brechen! Dies kann nur die Langmut Gottes ertragen. Und man sollte nicht dagegen sprechen? Die Steine auf der Straße könnten sich über solche Niedertracht gottloser Männer und Frauen beklagen, welche versprechen, daß ein andrer dem Teufel und allen seinen Werken entsage, während sie selber dem Teufel dienen und seine Werke mit wahrer Begierde tun. Und der Höhepunkt von dem allen ist, daß ich glauben soll, daß Gott das gottlose Versprechen annehme und infolgedessen das Kind wiedergebäre! Ihr könnt an eine Wiedergeburt durch diese Operation nicht glauben, gleichviel ob die Paten Heilige oder Sünder sind. Wenn sie Gläubige sind, so tun sie unrecht, wenn sie tun, was ihr Gewissen verdammen muß; wenn sie Gottlose sind, so tun sie unrecht, wenn sie etwas versprechen, von dem sie wissen, daß sie es nicht halten können, und in keinem Falle kann Gott solchen Dienst annehmen, noch viel weniger die Wiedergeburt unfehlbar an solche Taufe knüpfen.Aber ihr werdet sagen: ,,Warum protestieren Sie denn so dagegen?" Ich protestiere dagegen, weil ich glaube, daß die Taufe die Seele nicht selig macht, und weil die Predigt dieser Lehre einen verkehrten und bösen Einfluß auf Menschen ausübt. Wir treffen mit Personen zusammen, welche, wenn wir ihnen sagen, daß sie wiedergeboren werden müssen, uns versichern, daß das schon in ihrer Taufe geschehen ist. Wie kann jemand auf seiner Kanzel stehen und zu seiner Versammlung sagen: ,,Ihr müßt von neuem geboren werden," wenn er ihnen bereits die Versicherung gegeben hat, daß jeder einzelne von ihnen bereits in der Taufe wiedergeboren sei? Was kann er mit ihnen tun? Nun, meine lieben Freunde, das Evangelium hat dann keine Stimme mehr; es kann nicht sprechen, um ihre Sünde zu strafen. Der Mensch, der getauft oder besprengt ist, sagt: ,,Ich bin gerettet, ich bin ein Glied Christi, ein Kind Gottes und ein Erbe des Himmelreichs. Wer bist du, der du mich tadelst? Mich zur Buße rufen? Mich zu einem neuen Leben auffordern? Welch besseres Leben kann ich denn haben? Denn ich bin ein Glied Christi - ein Teil seines Leibes. Wie, mich strafen? Ich bin ein Kind Gottes. Können Sie mir das nicht vom Gesicht ablesen? Gleichviel wie mein Leben und Wandel ist, ich bin ein Kind Gottes. Ich bin ferner ein Erbe des Himmelreichs. Es ist wahr, ich trinke und fluche und dergleichen mehr; aber sie wissen, ich bin ein Erbe des Himmelreichs, denn wenngleich ich beständig in Sünden lebe, werden sie mich doch, nachdem ich gestorben bin, beerdigen und es jedermann sagen, daß ich >>in der sicheren und gewissen Hoffnung der Auferstehung zum ewigen Leben<< gestorben sei."
Welcher Art kann nun der Einfluß solcher Predigt auf dieses unser Land sein? Der denkbar schlechteste. Wenn ich mein Land nicht liebte, sondern mich selbst am meisten liebte, könnte ich still sein, da ich es aber liebe, kann und darf ich es nicht, und da ich bald Rechenschaft vor meinem Gott abzulegen habe, dessen Knecht ich zu sein hoffe, muß ich mich sowohl von diesem wie von jedem andern Übel frei machen, sonst könnte das Blut der Seelen über mein Haupt kommen.
Wir bedürfen wieder eines Luthers, der den Menschen in nicht mißzuverstehenden und bekannten Ausdrücken die Wahrheit sagt. In letzter Zeit hat sich der Samt um den Mund vieler Prediger gelegt; aber wir müssen die weiche Kleidung ablegen, und es muß die Wahrheit und nichts als die Wahrheit gesprochen werden; denn von allen Lügen, welche Millionen zur Hölle geschleppt haben, betrachte ich diese als eine der schrecklichsten, daß es in einer protestantischen Kirche Leute gibt, welche darauf schwören, daß die Taufe die Seele errettet. Nennt jemand einen Baptisten oder einen Presbyterianer oder einen Dissidenten oder einen Kirchenmann - das ist mir einerlei - wenn er sagt, daß die Taufe die Seele rettet, so stellt er auf, was Gott nie gelehrt hat, was die Bibel nie aufgestellt hat und was nie behauptet werden sollte von Menschen, die da bekennen, daß die Bibel und die ganze Bibel die Religion der Protestanten ist.
So viel habe ich gesagt, und es werden etliche hier sein, die da sagen, daß ich das alles bitter gesagt habe. Sei es so. Medizin ist oft bitter, aber sie wird gut wirken, und der Arzt ist nicht bitter, weil die Medizin es ist, oder wenn er so angesehen wird, so tut das nichts zur Sache, wenn nur der Patient geheilt wird; jedenfalls geht es dem Patienten wenig an, ob der Arzt bitter ist oder nicht, er hat sich um die Gesundheit seiner Seele zu kümmern. Hier ist die Wahrheit, und ich habe sie euch gesagt, und wenn jemand unter euch oder unter denen sein sollte, die die Predigt lesen werden, wenn sie gedruckt ist, der sich auf die
Taufe oder auf irgendwelche Zeremonien verläßt, so bitte ich euch, schüttelt diesen giftigen Glauben ab ins Feuer hinein, wie Paulus die Natter abschüttelte, die sich an seine Hand gesetzt hatte. Ich bitte euch, verlaßt euch nicht auf die Taufe. Ich bitte euch dringend, zu bedenken, daß ihr ein neues Herz und einen gewissen Geist haben müßt, und diese kann euch die Taufe nicht geben. Ihr müßt euch von euren Sünden bekehren und Christo nachfolgen; ihr müßt solchen Glauben haben, der euer Leben heilig und eure Sprache rein macht, sonst habt ihr den Glauben der Erwählten Gottes nicht und werdet in Gottes Reich nie eingehen. Ich bitte euch, stützt euch nicht auf diesen elenden und faulen Grund, auf diese betrügliche Erfindung des Antichristen. Möchte Gott euch davon erretten und euch dahin bringen, daß ihr den rechten Fels der Zuflucht für müde Seelen sucht. Amen.Originaltext http://www.spurgeon.org/sermons/0573.htm http://www.biblebb.com/files/spurgeon/573U.HTM http://www.biblebelievers.net/Doctrine/kjcbapt2.htm http://www.baptistpage.com/distinctives/baptism/baptism02_spurgeon.htm
Die Bundeslade war eine Art Kasten aus Föhrenholz gemacht und innen und außen vergoldet.
In dieser Lade wurden die steinernen Tafeln aufbewahrt, die Mose auf dem Berg aus dem
Himmel empfing. Auch der goldene Mannakrug und Aarons grünender Stab wurden darin
aufbewahrt. Auf dem Deckel waren Cherubim dargestellt, und wenn die Lade ruhte, zeigte
sich zwischen den Flügeln der Cherubim jenes wunderbare helle Licht, die
Schechinah, die
das Zeichen der Gegenwart des Allerhöchsten war. Wie ihr wißt, wurde der Deckel der Lade
der Gnadenstuhl genannt. Die ganze Lade war in dem symbolischen Gottesdienst der Juden
eines der heiligsten Dinge, weil sie ihnen, wenn sie es richtig verstanden, der Ausdruck
des Wohnens Gottes unter ihnen war; denn wo diese Lade war, da weilte Gott. Der Deckel,
Gnadenstuhl genannt, war die Darstellung Jesu Christi, der unsere Bundeslade ist, in
welchem Gott unter Menschen wohnte, und Er ist unser Gnadenstuhl, durch welchen wir Zugang
zu Gott, unserem Vater, haben. Ihr wißt, daß die Lade, nachdem sie gemacht worden war,
sorgfältig im Allerheiligsten der Stiftshütte aufbewahrt wurde, in welches niemand
eintrat als der Hohepriester einmal jedes Jahr, und auch dieser nie ohne Blut. Mit seinem
Rauchfaß machte er eine dichte Wolke von Rauchwerk, und indem er den Gnadenstuhl mit Blut
besprengte, wagte er es, sich demselben zu nähern, aber nicht ohne Blut. Wenn die Lade
weiterbefördert wurde, wurde sie ganz bedeckt, so daß kein menschliches Auge sie sehen
konnte, und sie wurde dann an vergoldeten Stäben von Leviten auf deren Schultern
getragen. Angesichts der Lade trat der Jordan zurück, so daß die Kinder Israels, als sie
in Kanaan einzogen, hindurchgehen konnten. In einer trüben Zeit wurde die Lade von den
Philistern gefangen genommen; als sie sie aber in ihr Land brachten, schlug sie, wohin sie
auch kam, die Philister mit Plagen, so daß diese genötigt waren sie wieder
zurückzugeben. Sie stellten den gefürchteten Gefangenen auf einen neuen Wagen und
ließen die Rinder damit ziehen, wohin sie wollten, und durch Gottes Vorsehung kam die
Lade nach Beth-Semes. Die Leute von Beth-Semes ließen sich durch ihre böse Neugierde
verleiten, den Deckel aufzuheben und hineinzusehen, und die Folge dieser gottlosen
Vermessenheit war, daß viele Tausende getötet wurden. Die Lade wurde dann nach
Kirjath-Jearim in das Haus eines Abinadab gebracht, wo sie bis zu den Tagen Davids blieb,
welcher den Wunsch hatte, sie in die Stiftshütte zu bringen, die er auf dem Berge Zion
errichtet hatte. Die Boten durcheilten das Land und luden die Stämme Israels und die
Kinder Judas ein, die Bundeslade unter Freudenmusik heraufzubringen. Und sie kamen aus
allen Städten. Aber das göttliche Gesetz vergessend, nahmen sie die Lade und stellten
sie auf einen neuen Wagen, der zu diesem Zweck gemacht worden war. Ohne Zweifel dachten
sie, daß sie zu schwer sei, um von den Priestern meilenweit getragen werden zu können,
oder aber sie hatten das göttliche Gesetz ganz vergessen und ahmten dem Beispiel der
Philister nach. Es ist eine schlimme Zeit für das Volk Gottes, wenn es sein eigenes
Urteil aufstellt und es unterläßt, dem göttlichen Gesetz unbedingten Gehorsam zu
leisten. Die Lade wurde von Rindern gezogen, und da es im Morgenland keine gebahnten Wege
gibt, sondern nur hier und da eine Wagenspur, so ging der Wagen einmal schief, und die
Lade schwankte, und als sie auf den Platz Chidon kamen, wo der Weg besonders uneben sein
mochte, kippte der Wagen fast um, und die Lade kam in Gefahr, herunterzufallen. So dachte
wohl Usa, und er streckte seine Hand aus, faßte die Lade an, um sie zu halten, und er
wurde auf der Stelle geschlagen und starb daselbst vor Gott. Die Prozession hielt inne,
und statt des Freudenjubels gab es Kummer und Tränen, und selbst der König schien seinem
Gott zu zürnen, weil er dachte, daß Gott hart gegen sein Volk handelte.
Ihr habt das Bild vor euch. Ich möchte euch ersuchen, zuerst im einzelnen darauf einzugehen, um gewisse Wahrheiten hervorzuheben, die es nach meiner Ansicht lehrt, und dann das Bild als ein Ganzes zu überblicken, um dessen volle Bedeutung zu erfassen.
I. Zuerst wollen wir das Bild in seinen Einzelheiten betrachten.
1. Die erste Bemerkung, die ich darüber mache, ist, daß Gottes Urteil über die Sünde sich außerordentlich von dem unseren unterscheiden muß. Wer unter uns, der diese Geschichte gelesen, hat nicht gedacht, daß Usa hart behandelt wurde? Wurde er in seiner Handlungsweise nicht von einem guten Beweggrund geleitet? Er konnte den Gedanken nicht ertragen, daß die Lade vom Wagen auf die Erde fallen könnte, und darum streckte er seine Hand aus. Nach unserem Dafürhalten war die Sünde nur sehr klein und der Beweggrund so vortrefflich, daß die Tat fast gerechtfertigt erschien. Wir sind geneigt, Usa zu entschuldigen und anzunehmen, daß das Gericht, welches über ihn erging, ein unverdientes war. Laßt mich hier bemerken, daß ich mir nicht klar darüber bin, daß Usa als das Resultat seines Vergehens eine ewige Bestrafung erlitt. Wir haben es nur mit dem zu tun, was Gott mit ihm in dieser Welt tat. Wir können das Böse nicht so bald entdecken, aber es war Sünde in der Tat, sonst würde Gott sie nicht bestraft haben. Er ist zu gut und zu gerecht, um jemand härter zu bestrafen, als er es verdient. Gott übertreibt unsere Sünden nie. Er sieht sie an, wie sie sind. Und was meint ihr, meine Zuhörer, wenn die bloße Sünde der Berührung der Lade den Tod über den Menschen brachte, was wohl unsere Sünden über uns bringen müßten, wenn Gott ,,das Recht zur Richtschnur und die Gerechtigkeit zum Gewicht machen" wollte? Wir alle haben tausendmal schlimmere Dinge verübt als Usa. Nein, manche unter uns leben heute in Begehung der Sünde. Ihr habt eure Sünden nie bereut, sondern liebt eure bösen Wege, und wenngleich ihr oftmals gewarnt worden seid, beharrt ihr dennoch in euren Missetaten. Muß nicht Gottes Geduld unter euren Sünden erdrückt werden? Es erscheint seltsam, daß der Umstand, daß Eva von der Frucht genoß, der Ruin der ganzen Welt werden und den Tod mit allem seinem Weh in die Welt bringen mußte. Aber das erscheint uns so, weil wir nicht wissen, ein wie böses Ding die Sünde ist. Die geringste Sünde ist ein so großes Übel, ein so außerordentlich schwarzer Greuel, daß Gott gerecht wäre, wenn Er uns in dem Augenblick, da wir einen schlechten Gedanken hegen oder ein einziges verkehrtes Wort aussprechen, in die Hölle verstieße. Die Sünde ist ein unermeßliches Übel. Sie ist ein bodenloser Abgrund. Sie ist ein verzweifelt böses Etwas, dessen Abscheulichkeit wir nie erkennen werden, wenn wir nicht, was Gott verhüten wolle, auf ewig seine Schrecken in der bodenlosen Hölle fühlen.
2. Aber wir lernen dann zweitens aus dieser Geschichte, daß alle Abweichungen von der
geschriebenen Offenbarung Gottes unrecht sind. In der Gemeinde Christi ist die Idee
aufgetaucht, daß viele Dinge, die in der Schrift gelehrt werden, nicht wesentlich sind
und daß wir sie eben ein wenig dahin abändern können, daß sie uns passend werden, und
daß, wenn wir nur in den Fundamentalwahrheiten richtig stehen, die anderen Dinge von
keinem Belang und Wert für uns sind. Nun blickt auf unser Bild und laßt diesen Irrtum
für alle Zeit fahren. Es erschien dem Volk Israel als etwas sehr Gleichgültiges, ob die
Lade auf den Schultern von Männern getragen oder ob sie auf einem Wagen gefahren werde.
,,Es kommt nicht darauf an," sagten sie. ,,Es ist ja wahr, daß Gott uns gesagt hat,
daß sie von Leviten getragen werden soll; aber was hat das zu bedeuten, solange sie
überhaupt nur getragen wird? Es wird alles ganz richtig sein. Wir wollen das so machen
und den Modus abändern; das macht ja nichts aus." Ja, aber es machte etwas aus! Denn
gerade infolge dieser Abänderung, die sie an Gottes Gesetz vornahmen, geschah es, daß
die Lade anfing, zu schwanken, und daß Usa versucht wurde, seine Hand danach
auszustrecken und sie anzurühren, so daß der Tod Usas die Bestrafung des ganzen Volkes
dafür wurde, daß sie es versäumt hatten, die präzisen Gesetze Gottes in ihren
Einzelheiten zu beobachten. Meine Brüder, als Mose die Stiftshütte erbaute, wurde es ihm
nicht überlassen, sie nach seiner Laune und nach seinem Geschmack herzustellen. Jeder
Knauf und jede Schleife, jedes Brett und jede Leiste, alles war in dem göttlichen Plan
vorgezeichnet, und Mose mußte alles machen nach dem Bild, das ihm auf dem Berg gezeigt
worden war. Nun, dies ist das Vorbild für einen Christen - dieses Buch Gottes, das vor
mir liegt. Das Neue Testament unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi ist unsere Regel
für unsere Praxis. Und meint ihr, daß ihr einige wenige Dinge dahin abändern dürft,
daß sie für das Klima passen oder sich mit euren eigenen Ideen oder eurem Geschmack
vertragen? Ihr bildet euch ein, daß z. B. diese Lehre nicht von so großer Wichtigkeit
ist, daß, wenn ein Mensch nur die Fundamentalwahrheiten predigt, er sonst alles andere
predigen kann und daß dann alles gut ist und daß man dann die Verordnungen, wie zum
Beispiel die Taufe und das Abendmahl, zerschneiden, zerhacken und umgestalten kann, daß
sie modernen Anschauungen entsprechen und daß sie in ihrer Vollständigkeit und
Unverfälschtheit nach der apostolischen Regel und nach apostolischem Vorgang nicht
aufrecht erhalten werden müssen? Aber wisset dies, daß auch die geringste Umgehung des
göttlichen Gesetzes Gerichte über die Kirche bringen wird und solche gebracht hat und
bis zu diesem Tage Gottes Hand davon abhält, uns zu segnen. Denn innerhalb weniger Jahre
könnten wir erleben, daß alle Reiche der Welt unseres Herrn und seines Christus werden,
wenn wir Gottes Lade nur tragen möchten, wie Gott sie getragen haben will, anstatt das
Evangelium durch menschliche Erfindungen zu verunstalten und die Einfachheit des
Evangeliums Jesu Christi zu verlassen.
Ich habe nicht die Absicht, heute auf Besonderes einzugehen; aber ich muß die allgemeine
Tatsache aufrecht erhalten, daß, was Gott auch verordnet haben mag, richtig ist und daß
ich kein Recht habe, irgend etwas zu verändern, auch nicht das Geringste, sondern daß
ich das Wort, so wie es dasteht, so wie Gott es mir geoffenbart hat, als die Regel meines
Glaubens und meiner Praxis annehmen muß. Aber es sind etliche unter euch, die nie ihre
Bibel lesen. Ihr habt eure Religion aus zweiter Hand und habt sie anderen Leuten entlehnt;
ihr kommt nicht zu diesem Buch, um aus dem Quell zu schöpfen. Eure Großmutter hat euch
so und so gelehrt, und ihr denkt ebenso; euer Urgroßvater ging zur Kirche oder zur
Kapelle, und das ist der Grund, aus welchem ihr dorthin geht, aber ihr seid nicht zum Wort
Gottes gekommen, um euer Urteil demselben zu unterwerfen. Das ist der Grund, warum heute
so viele Sekten vorhanden sind. Wenn wir alle direkt zur Bibel kämen, würden wir
einander viel näher kommen. Wenn wir alle unsere Gedanken dem einen geschriebenen Wort
beugen und keine andere Autorität als die der Bibel anerkennen würden, dann könnte die
Kirche nicht geteilt und so in Stücke zerschnitten sein, wie sie es jetzt ist. Wir kommen
zusammen, wenn wir zum Wort Gottes kommen. Aber wenn ich über diese Dinge spreche, wird
mir stets geantwortet: ,,Aber diese Punkte sind doch nicht wesentlich!" Wer hat euch
gesagt, daß sie es nicht sind? ,,Nun," sagt jemand, ,,wir wollen zugeben, daß die
Kindertaufe nicht in der Bibel ist; aber das ist doch nichts Wesentliches; man kann sie
üben, und das tut doch keinen Schaden." Nein, ihr Herren, ihr habt kein Recht, an
Gottes Gebot ein Wort zu ändern; ihr habt kein Recht, euch in irgendeiner Beziehung oder
in irgendeiner Weise davon abzuwenden. Gottes Lehren müssen gepredigt werden, wie Gott
sie gelehrt hat, und seine Vorschriften müssen nach seinem Modus und nach seinem Gesetz
beobachtet werden. Der Tag ist zu beklagen, an welchem Gottes Lade auf den Wagen gesetzt
und von Rindern gezogen wird, anstatt auf den Schultern der Männer getragen zu werden,
die Gottes Wort lesen und es so nehmen, wie es dasteht, und dann dem folgen, was Gott
ihnen gebietet, und nicht von irgendeinem Menschen oder von einer Klasse von Menschen an
der Nase herumgeführt werden. Vergeßt diese Lektion nicht, Brüder, denn sie ist für
die Gemeinde von größter Wichtigkeit.
3. Hier ist ein Drittes, und das ist, daß, wenn die Praxis der Christen von der Schrift
abweicht, dieses Abweichen sicherlich Nachteile zur Folge hat. Als die Lade auf den
Schultern von Männern getragen wurde, kam es nicht darauf an, ob es bergauf oder bergab
ging, ob der Weg rauh oder eben war - die Lade wurde wie die Sänfte eines Königs
getragen. Aber setzt sie auf den Wagen - ob sie auch meinen mochten, daß das besser
aussehe -, dann holpert es hier, und es holpert da, und sie droht beständig
herunterzufallen. Wenn wir ein Wort der Schrift ändern, bringen wir uns selbst in Unruhe.
Wir mögen das anfangs nicht einsehen, aber mit der Zeit finden wir es gewiß heraus.
Ändere ein Wort, und du gerätst in eine Schlinge und in ein Labyrinth, und Gott helfe
dir, den Weg wieder heraus zu finden, denn du selbst findest nicht wieder heraus. Stehe zu
Gottes Wort, und du stehst sicher. Ändere einen Punkt auf einem i, und du befindest dich
in Feindesland und kannst dich nicht schützen. Wenn wir uns auf die Schrift verlassen
können, können wir der Welt trotzen; wenn wir aber nichts haben als das Werk eines
großen Predigers oder den Beschluß eines Konzils oder die Tradition der Väter, so sind
wir verloren; wir versuchen, aus Sand ein Seil zu winden, und wir bauen ein Kartenhaus,
das einstürzen muß. Die Bibel, die ganze Bibel und nichts als die Bibel ist die Religion
der Gemeinde Christi. Und solange wir nicht dahin zurückkehren, wird die Kirche zu leiden
haben. Sie wird die Lade nicht auf den Berg Zion bringen; sie wird Christi Reich nicht
kommen sehen, bis sie mit jenen Rindern und dem neuen Wagen gebrochen hat und zurückkehrt
zu dem Plan des Neuen Testaments, sich beharrlich an die Wahrheit zu klammern, wie sie in
Jesu ist, und ernstlich um den Glauben zu kämpfen.
4. Es liegt ferner noch ein anderes auf der Oberfläche dieser Stelle, nämlich daß eine
Neuerung an der Heiligen Schrift zu einer weiteren Neuerung führt. Ein kleiner Irrtum
führt zu einem großen. Niemand beabsichtigte, daß Usa die Lade anrühren sollte. Sie
dachten nicht daran, als sie sie auf den Wagen setzten, daß das zu Usas Tod führen werde
und daß er die Sünde begehen würde, die Lade anzurühren, sonst würden sie sich
sicherlich nach dem biblischen Plan gerichtet haben. So befinden sich etliche unter euch,
meine lieben Brüder in Christo, die in ihren Anschauungen von der Schrift nicht ganz
richtig sind. Vielleicht denkt ihr dasselbe von mir. Wir wollen also von jemand anderem
sprechen. Da ist in der Welt ein Mann, dessen Anschauungen nicht ganz mit der Schrift
übereinstimmen. Er sagt: ,,Das tut nichts; das ist eine kleine, eine ganz kleine
Sache." Ja, aber dies kleine unrechte Etwas führt zu einem großen unrechten Etwas.
Des Sünders Weg geht bergab, und wenn ihr in der Übertretung der Vorschrift der Heiligen
Schrift erst einen Schritt tut, ist euer nächster Schritt nicht nur leicht, sondern er
scheint sich euch aufzudrängen. Woher kamen die Irrtümer der römischen Kirche? Wurden
sie alle an einem Tage geboren? Nein, sie kamen nach und nach. Ich will nur einen Irrtum
verfolgen, gegen den wir als eine Denomination beständig Protest erheben, und ich nehme
das nur als ein Beispiel vom Ganzen. Bei den ersten Christen war es Praxis, die, welche an
Jesum Christum glaubten, durch Untertauchung in Wasser in den Namen des Vaters und des
Sohnes und des Heiligen Geistes zu taufen. Nun, die erste verkehrte Lehre, die da
auftauchte, war die Idee, daß vielleicht in dem Wasser irgendwelche Wirksamkeit liege.
Darauf folgte, daß, wenn jemand im Sterben lag, der noch nicht getauft war, er vielleicht
den Glauben an Christum bekennen und darum bitten mochte, getauft zu werden; da er aber im
Sterben lag, konnten sie ihn nicht aus dem Bett nehmen, und darum nahmen sie die
Besprengung als eine leichtere Methode an, durch welche sie das Wasser anwenden und das
Gewissen des Sterbenden beruhigen konnten. Nachdem das geschehen war, war es nur noch ein
Schritt dazu, auch die kleinen Kinder in die Kirche aufzunehmen, Kinder, unbewußte
Säuglinge, die zu Gliedern des Leibes Christi werden sollten, und so wurde die
Säuglingsbesprengung angenommen. Der Irrtum war nicht mit einem Mal da, sondern kam nach
und nach, bis er schließlich in der Kirche eingeführt wurde. Ich kenne gegenwärtig
keinen Irrtum, der zur Verdammnis von mehr Seelen führt als dieser. Es gibt Tausende von
Leuten, welche fest glauben, daß sie in den Himmel gehen werden, weil sie als kleine
Kinder besprengt und nachher konfirmiert worden sind und dann das Abendmahl empfangen
haben. Die Wirksamkeit der Sakramente und die Taufwiedergeburt - alles entspringt aus dem
ersten Irrtum der Säuglingstaufe. Hätte man sich an die Schrift gehalten und hätte die
Kirche stets den Glauben vor der Taufe gefordert, so wäre dieser Irrtum nicht entstanden.
Er hätte vor dem Licht der Wahrheit nicht bestehen und in der christlichen Kirche nicht
festen Fuß fassen können. Aber ein Irrtum führt zum anderen, daran besteht kein
Zweifel. Es ist nicht zu sagen, wo ihr enden werdet, wenn ihr einmal falsch angefangen
habt. Ich spreche heute sehr bestimmt und deutlich über einen Gegenstand, den ich nicht
oft berühre. Wenn ich aber darüber spreche, muß ich in meiner Sprache deutlich sein,
zumal ich selten Anspielungen auf diese Wahrheit mache. Beurteilt mich, wie ich andere
beurteile. Ihr sagt mir, daß ihr, wenn ich einen irrtümlichen Schritt tue, nicht
wißt,
wie weit ich gehen kann. Ich glaube euch. Glaubt mir auch, wenn ich dasselbe sage. Laßt
uns zur Heiligen Schrift gehen und dabei bleiben. Und soweit glaubt mir, aber nicht einen
Zoll weiter. Brecht mit mir, wenn ich mit meinem Meister breche. Die Bibel, die Bibel
allein ist die Musterlehre, die Musterpraxis, die Mustererfahrung eines Christen, und was
darüber ist, das ist vom Bösen.
5. Nachdem ich nun diese Punkte hervorgehoben habe, will ich noch einen erwähnen. Es
fällt mir auf, daß auch auf der Oberfläche dieser Stelle eine Widerlegung eines sehr
allgemeinen Irrtums liegt, daß Gott etwas annimmt, und wäre es auch etwas Verkehrtes,
wenn es nur aus einem richtigen Beweggrund geschieht. Der allgemeine Irrtum der Zeit ist
dieser: ,,Ich zweifle nicht daran," sagt jemand, ,,daß, wenn ein Mensch ein guter
Mohammedaner ist und sich nach dem hält, was er weiß,, er in den Himmel kommen
wird." ,,Ja," sagt ein anderer, ,,und wenn er ein guter römischer Katholik ist,
und wenn er sich nach dem hält, was er weiß, so ist er sicher." ,,Jawohl,"
sagt noch ein anderer, ,,wir dürfen einander nicht hart richten; ohne Zweifel sind auch
die, die sich vor Juggernaut beugen, wenn sie nach dem leben, was sie wissen, auch
selig." Wollt ihr die Teufelsanbeter und die Schlangenanbeter auch mit aufzählen?
Ihr müßt sie alle einlassen. Ihr habt die Tür weit genug aufgetan, um alle einzulassen.
Und die Thugs, die in Indien umhergehen und dem Menschen die Kehle durchschneiden - sie
tun es aus Prinzip, es ist ein Teil ihrer Religion, und sie halten es für Recht - meint
ihr, daß sie auch in den Himmel eingehen werden, weil sie getan haben, was sie für Recht
hielten? ,,Nein," sagt der eine, ,,so weit will ich denn doch nicht gehen." Ja,
aber wenn das Prinzip in dem einen Falle richtig ist, dann ist es das auch in einem
anderen.
Aber das ist alles Betrug und Falschheit. Gott hat uns die eine wahre Religion gelehrt,
und einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist. Wir sind Gott für
unseren Glauben verantwortlich; wir sind verpflichtet zu glauben, was Er uns zu glauben
befiehlt, und unser Urteilsvermögen ist ebenso verpflichtet, sich dem Gesetz Gottes zu
unterwerfen, wie jede andere Kraft unseres Wesens. Wenn wir vor Gott treten, ist es keine
Entschuldigung für uns, wenn wir sagen: ,,Mein Herr, ich habe unrecht getan; aber ich war
der Meinung, daß ich recht täte." ,,Ja, aber ich habe dir mein Gesetz gegeben, und
du hast es nicht gelesen, oder wenn du es gelesen hast, so hast du es so sorglos gelesen,
daß du es nicht verstanden und so unrecht getan hast, und nun sagst du mir, daß du es
aus einem richtigen Beweggrunde getan hast. Aber das hat gar keinen Zweck." Schien es
in Usas Fall nicht das richtigste von der ganzen Welt zu sein, daß er seine Hand
ausstreckte, um das Herabgleiten der Lade zu verhindern? Wer wollte den Mann tadeln? Aber
Gott hatte geboten, daß keine nichtpriesterliche Hand sie jemals berühre, und da Usa sie
dennoch berührte, und ob er es auch aus richtigem Beweggrund tat, mußte er sterben. Gott
will, daß seine Gesetze gehalten werden. Überdies, meine lieben Brüder, bin ich mir
nach allem hinsichtlich der Richtigkeit eurer Beweggründe nicht sicher. Der Staat hat
eine Proklamation veröffentlicht, die nach der Weise der alten Römer in Erz eingegraben
ist. Ein Mensch geht mit seiner Feile daran, an dem Erz herumzufeilen und hier etwas
wegzunehmen und dort etwas hinzuzufügen. Er sagt: ,,Ich habe es aus einem rechten
Beweggrund getan; ich hielt das Gesetz nicht für gut; ich dachte, es sei für diese Zeit
zu altmodisch, und so dachte ich, ich wollte es ein wenig abändern und es für das Volk
besser gestalten." Wer bist du, daß du es wagst, auch nur einen einzigen Buchstaben
des Buches Gottes anzurühren, das Gott mit jenem furchtbaren Satz umzäunt hat, in
welchem geschrieben steht: ,,So jemand dazusetzt, so wird Gott zusetzen auf ihn die Plagen
die in diesem Buch geschrieben stehen. Und so jemand davontut von den Worten des Buchs
dieser Weissagung, so wird Gott abtun sein Teil von dem Buch des Lebens und von der
heiligen Stadt und von dem, das in diesem Buch geschrieben steht." Tatsache ist, daß
es nur einen Weg und nicht fünfzig Wege zum Himmel gibt; daß es nicht zwei Tore, sondern
nur ein Tor gibt, das in den Himmel einführt. Christus ist der Weg. Vertrauen auf
Christum ist der Pfad zum Paradies. Wer nicht an Jesus glaubt, muß verdammt werden. Die
Religion Christi ist intolerant; sie gestattet keine zweite Heilsmethode. Sie fordert
euren völligen Gehorsam, euren kindlichen Glauben; im anderen Fall bedroht sie euch, wenn
ihr euch weigert, mit der furchtbarsten Strafe. Die Idee von der Freidenkerei und
dergleichen und von dem Recht des Menschen, zu denken, wie es ihm gefällt, hat keinen
Boden in der Schrift. Gott wird abtun sein Teil vom Buch des Lebens. Wir
sind verpflichtet zu glauben, was Gott uns sagt, wie Er es uns sagt; verpflichtet, kein
einziges Wort zu ändern, sondern die Bibel zu nehmen, wie sie ist, oder sie zu verleugnen
und die Folgen davon zu tragen.
Dies alles scheint mir in dem Bilde von dem Tod des Usa zu liegen, das wir vor uns haben.
II. Ich verlasse diese Punkte, die ich zur Warnung für alle Christen für sehr notwendig
hielt; denn bei aller Liebe können wir doch nicht glauben, daß die Irrtümer, die bei
uns vorherrschen, der Aufmerksamkeit gegen das Wort entsprungen sein können; sie müssen
aus der Idee entsprungen sein, daß die kleinen Dinge Christi von keiner Wichtigkeit sind.
Ich komme zu dem zweiten Punkt; laßt uns auf das Bild als ein Ganzes blicken. Wir haben
hier zwei Bilder, eines für das Volk Gottes und das andere für die Ungläubigen. Ich
will mich bei beiden der Kürze befleißigen.
Brüder in Jesu, trotz unserer Mißgriffe - und wir irren in manchen Dingen, was uns Gott
vergeben wolle - trotz unserer Irrungen sind wir eins in Jesu. Doch, wenngleich eins in
Christo Jesu, sollten wir unsere Irrtümer doch nicht für unwichtig halten, sondern unser
jeglicher sollte auf seinen Knieen göttliche Belehrung suchen, damit wir von allem
falschen Weg gereinigt und bis an unser Ende auf den Weg des göttlichen Gehorsams
geführt werden. Ich bin gewiß, daß das eine Ziel eures Lebens, auch das meines Lebens
ist: das Reich unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi herbeizuführen. Wir haben das
Bedürfnis, die Lade aus ihrer Verborgenheit an den Platz der Herrlichkeit zu bringen.
Jedesmal, wenn wir unsere Kniee beugen, ist ein Gebet auf unseren Lippen, das wir nicht
unterlassen können: ,,Dein Reich komme; Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf
Erden." Seit langen Jahrhunderten hat die Gemeinde gesucht, das Reich Christi auf die
Erde zu bringen. Ist es gekommen? Gelobt sei Gott, in einem gewissen Maße ja. Aber haben
wir die volle Frucht der jahrhundertelangen Arbeit? Ich denke nicht. Ich glaube sagen zu
können, daß zwei Jahrhunderte nach dem Tod Christi die Religion Jesu auf der Erde fast
ebenso mächtig war, wie sie es jetzt ist. Und die ganze Zwischenzeit, Gott verhüte, daß
ich sage, sie sei verschwendet, ist dessenungeachtet mehr eine Zeit des Rückgangs als des
Fortschritts gewesen. Nun, wie läßt sich das erklären? War nicht in Jesu Religion das,
was ihre Feinde bis ans Ende der Erde treiben konnte? Laßt Paulus nur in Rom auftreten,
und wenngleich nach einiger Zeit sein Kopf von seinem Leibe getrennt wurde, so fing doch
das Reich der sieben Hügel an zu zittern, als er sprach. Laßt die anderen Apostel
ausziehen, und soviel Widerstand sie auch finden mögen, sie gehen von einem Land zum
anderen, und die Länder unterwerfen sich. Es ist wahr, die Märtyrer bluten, und die
Apostel sterben, und die Bekenner werden verbrannt; aber die Wahrheit lebt und überwindet
und siegt. Innerhalb zweier oder dreier Jahrhunderte ist der Name Jesu besser bekannt als
der irgend eines Menschen, und seine Religion hat größere Macht als jede andere in der
Welt. Und hier sind wir nun und senden unsere Missionare überall hin, und was ist der
Erfolg? Gott sei Dank für das, was da ist; es ist ein vortrefflicher Lohn aller unserer
Arbeit und viel mehr, als wir verdienen. Aber in unseren Missionaren ist die Macht nicht,
die in den Aposteln war. Unsere Siege gleichen den Siegen der alten Zeit nicht. Wie geht
das zu? Meine Theorie, wie das zu erklären, ist diese: Erstens fehlt uns der Heilige
Geist in einem großen Maße. Aber wenn ihr der Sache auf den Grund geht, so ist meine
völligere andere Antwort diese: Die Kirche hat ihre ursprüngliche Reinheit aufgegeben,
und darum hat sie ihre Kraft verloren. Wenn wir einmal mit allem Irrigen brechen möchten,
wenn durch den einstimmigen Willen des ganzen Leibes Christi jede schlechte Zeremonie,
jede nicht in der Schrift verordnete Zeremonie aufgegeben und abgeschafft würde, wenn
jede Lehre verworfen würde, die sich durch die Heilige Schrift nicht decken
läßt, wenn
die Kirche rein und klar wäre, so würde ihr Pfad ein triumphierender und siegreicher
sein. Sie würde ihren Fuß auf Brahma setzen und Wischnu unter ihren Füßen zertreten.
Sie würde zum Halbmond Mohammeds sagen: ,,Geh unter auf ewig." Sie würde den Papst
vom Thron reißen; sie würde falsche Religionen mit der Wurzel ausreißen; sie würde als
die Königin auf Erden thronen, und Christus, ihr Bräutigam, würde mit ihr herrschen,
und es würde eine Hütte Gottes bei den Menschen sein. Aber wir sind nicht rein; wir sind
nicht rein; wir können die Lade Gottes nicht heraufbringen. Gelobt sei Gott, sie ruht
noch im Hause Obed-Edoms. Wahre Religion ist in den Herzen des Volkes Gottes zu finden,
und in manchen Gemeinden wird die Wahrheit noch bewahrt; aber ehe nicht die ganze Gemeinde
hervorgeht schön wie der Mond, auserwählt wie die Sonne, wird sie auch nie schrecklich
werden wie die Heeresspitzen.
Dies mag manchem sehr unbedeutend erscheinen, aber in Wirklichkeit handelt es sich um das
Leben. Ich könnte jeden einzelnen Christen bitten: denke darüber nach, mein lieber
Bruder. Wenn die einen ein Christentum vor aller Autorität schützen - mit Ausnahme der
Autorität Christi! - und die anderen eine Staatskirche festhalten, so können nicht beide
recht haben. Wir mögen in den großen Stücken richtig sein, aber wir können nicht in
allem richtig sein; der eine muß im Unrecht sein. Wenn die einen die Säuglinge
besprengen und die anderen die Gläubigen taufen, so können nicht beide richtig sein; es
wäre töricht, das zu denken. Christus hat keine schwer zu beschreibende Religion
gegründet, die alle Arten Leute in sich aufnimmt, und der doch alle gleich gehorsam sind.
Die Wahrheit schwankt nicht wie ein Pendel, der sich rück- und vorwärts bewegt. Sie
gleicht nicht einem Kometen, der hier und da und überall ist. Der eine muß recht, der
andere muß unrecht haben. Es ist nicht meine Sache, zu erklären, wer recht und wer
unrecht hat. Ich bin nicht unfehlbar. Es ist meine Aufgabe, die Schrift für mich selbst
als vor Gottes Auge zu beurteilen. Ich bitte euch, dasselbe zu tun. Haltet keinen Irrtum
für einen unwichtigen; sondern prüft die Geister; prüft, ob dies oder das recht sein
kann. Ich bin der Überzeugung, daß der beste Weg, die Einheit zu fördern, der ist, die
Wahrheit zu fördern. Wir müssen einander in Christo lieben; aber wir dürfen nicht
derart eins sein, daß wir nicht imstande sind, die Fehler anderer und unsere eigenen
Fehler zu sehen. Nein, reinigt das Haus Gottes, und dann werden große und selige Zeiten
für uns anbrechen.
Und nun wende ich mich an die, welche unbekehrt sind, die sich aber sehnen, zu hören,
daß ihnen das Evangelium von Jesu Christo gepredigt wird. Ich denke, daß das, was ich
bereits gesagt habe, wichtig ist; aber dieser letzte Teil ist der allerwichtigste. Mein
Zuhörer, ich will annehmen, daß in deinem Herzen das sehnliche Verlangen ist, gerettet
zu werden, daß du aber den Heilsplan nicht verstehst. Es tut mir leid um dich; denn wenn
du ihn nicht verstehst, wirst du, wenngleich du Christum suchst, Mißgriffe tun, und du
wirst dir damit viel Unannehmlichkeit schaffen. Es war ganz recht, daß David die Lade
heraufzubringen wünschte; aber vielleicht war er hinsichtlich der Art und Weise
unwissend, und sieh, wie er darunter zu leiden hatte: die Lade schwankte, die Rinder
traten beiderseits aus. Wenn du nun hinsichtlich des Heilsplanes nicht klar bist, wirst du
auch schwanken und viele Zweifel und Befürchtungen haben. Laß mich dich denn bitten, in
der Heiligen Schrift zu forschen, und dann sei bestrebt, mit Gottes Hilfe eine klare
Anschauung von der Tatsache in dir zu bewahren, daß du, wenn du überhaupt gerettet
wirst, du durch das Vertrauen auf Jesum Christum und allein durch Ihn gerettet wirst. Der
Heilsplan ist: ,,Vertraue Jesu." Machst du hinsichtlich anderer Dinge Mißgriffe, so
wirst du darunter zu leiden haben; ein Mißgriff aber hier ist verhängnisvoll für dich.
Mich dünkt, ich höre jemand sagen: ,,Ich sehne mich, gerettet zu werden, aber ich bin
doch unruhig; ich denke, wenn ich gute Werke tue und mich dadurch retten könnte, so
könnte ich Jesum vertrauen." Tritt zurück, Usa, tritt zurück; du gehst damit um,
die Lade Gottes anzurühren; hüte dich, daß du nicht stirbst; andere Mißgriffe werden
dich beunruhigen; dieser Mißgriff ist verhängnisvoll für dich. Christus bedarf deiner
Mithilfe nicht; laß Ihn alles tun; nimm Ihn, wie Er ist, und geh zu Ihm, wie du bist, und
du wirst gerettet werden. Suche Christus zu helfen, und du kannst nicht gerettet werden.
Solange du nicht mit dem Gedanken gebrochen hast, mußt du traurig und in deinem Tode
bleiben. Christus muß alles sein, und du mußt überhaupt nichts sein. Wenn du es
versuchst, sein vollkommenes Kleid zu flicken, so kann dieses Kleid nie deine Blöße
decken. Du mußt einen ganzen Christus haben und nichts als Christum.
Nach allem aber, liebe Freunde, habt ihr gar keine Verdienste. Christus bietet sich euch
umsonst an, wenn ihr Ihn für nichts nehmen wollt. Sünder, nimm Christum, wie Er ist;
nimm Ihn jetzt, wie du bist. Dies ist das Evangelium: Vertraue Christum, und du bist
gerettet. Verlaß dich auf das, was Er getan hat, und du bist selig. Wirf ab dein
Vertrauen auf irgendwelche Zeremonien, auf irgendwelche Lehren, auf irgendwelche Formen,
auf irgendwelche Werke, und verlaß dich auf Christus, und du bist gerettet. ,,Wie aber,
wenn ich in meinen Sünden fortfahre?" Nachdem du dich auf Christus geworfen hast,
kannst du nicht in deinen Sünden weiterleben. ,,Nein," sagt ein anderer; ,,aber ich
habe nichts in der Welt; keinen Grund, aus dem ich gerettet werden sollte; ich habe gar
nichts Gutes." Genau so; ich weiß, daß du nichts hast; aber ob du etwas Gutes hast
oder nicht, dir wird dennoch gesagt, daß du auf Jesum vertrauen sollst. Mir ist, als
hörte ich jemand sagen: ,,Ich darf Jesum nicht vertrauen; ich habe kein Recht dazu."
Aber, lieber Freund, dir wird befohlen, es zu tun. ,,Gott gebietet allen Menschen, Buße
zu tun." Das ist sein Gebot, daß wir glauben an den Herrn Jesum Christum, den Er
gesandt hat. Ist dies nicht wirklich das Evangelium: ,,Glaube an den Herrn Jesum Christum,
so wirst du selig"? Nun, was Gott mir zu tun gebietet, das habe ich ein Recht zu tun;
es kann nicht unrecht sein, wenn ich tue, was Gott mir zu tun gebietet. Der Prediger, der
einem Menschen sagt, daß er sein Recht in seinem Hilfsbedürfnis findet, veranlaßt den
Sünder, auf sich selbst zu blicken; wenn er aber sagt: ,,Ob du es fühlst oder nicht
fühlst, Gott hat das befohlen zu glauben," dann veranlaßt das den Sünder, sich
Christus und Christus allein zuzuwenden.
Zum Schluß will ich dir eine kleine Anekdote erzählen, die ich schon öfter erzählt
habe; sie führt dir klarer als alle anderen Mittel dein Recht, an Christus zu glauben,
vor Augen. Ich spreche zu denen, die da sagen: ,,Ich habe kein Recht, auf Christus zu
vertrauen." Ich saß da eines Tages im Gericht und interessierte mich für einige
Verhöre, die vorgenommen wurden, und da wurde ein Zeuge nötig. Ich bin mir hinsichtlich
des Namens nicht ganz klar, aber ich denke, er hieß Braun. So wurde denn die Parole
ausgegeben, daß nun Braun erscheinen solle. Der Diener ging hinaus und rief:
,,Braun!" Jemand anders, der nahe der Tür stand, rief: ,,Braun!" und ich konnte
hören, wie noch einige Male gerufen wurde: ,,Braun! Braun! Braun!" Der Gerichtssaal
war dichtbesetzt. Mit der Zeit kam unter einigen Schwierigkeiten ein kleines, häßliches
Geschöpf in die Tür getreten. Es kam und bahnte sich seinen Weg. Da stand ihm ein
feiner, großer Herr im Saal im Wege, der nicht Platz machen wollte, und in einer
peremptorischen Weise sagte: ,,Wer sind Sie?" ,,Braun," sagte der Mann, ,,ich
bin Braun." ,,Wer ist denn Braun?" fragte der andere. ,,Nichts," sagte er,
,,mir wurde nur gesagt, daß ich kommen sollte." Es war wunderbar, wie jedermann
Platz für Braun machte, weil ihm gesagt worden war, daß er kommen solle. Es war dicht
voll; aber Braun mußte irgendwie hindurch, weil man ihn nötig hatte. Es kam nicht darauf
an, wie ärmlich, wie zerrissen oder wie schmutzig er aussah; er war nötig, und er hatte
ein Recht zu kommen. So gebietet dir Gott jetzt, Christus zu vertrauen. Aber du sagst:
,,Da steht ein großer Sünder vor mir auf." Und er sagt: ,,Wer bist du?" Du
sagst: ,,Ein armer Sünder." ,,Und was ist ein armer Sünder?" fragt er. ,,Gar
nichts," sagst du; ,,aber Christus hat mir gesagt, daß ich Ihm vertrauen soll."
- Er sagt: ,,Spring in meine Arme." Ich befinde mich oben in einem brennenden Hause;
Er ruft: ,,Spring, und ich will dich auffangen," und ich folge dem Ruf. Ob
zerschmettert oder gerettet; ich habe keinen anderen Heilsweg, ich falle in seine Arme. -
Ich versinke, die Fluten sind bereit, mich zu verschlingen. Christus sagt: ,,Ergreife
dieses Seil." Es sieht schwach aus, aber ich ergreife es. Ich will mich auf nichts
anderes verlassen, und ich bin gerettet.
Tue das, armer Sünder, wer du auch sein magst, vertraue
Christus jetzt. Jetzt, ich bitte dich, jetzt, da es angenehme Zeit ist. Möchte der
Heilige Geist dich befähigen, Christus zu vertrauen, und wenngleich du mit Sünden
bedeckt hierhergekommen bist, kannst du reingewaschen weggehen mit Frieden und Freude in
deinem Herzen, weil der Geist Gottes dich so liebreich geleitet hat, Jesu zu vertrauen,
und du bist gerettet. Möchte Gott nun seinen Segen hinzufügen um Jesu willen. Amen.
Der Gegenstand unserer
heutigen Betrachtung soll sein ,,die Seligkeit der früh gestorbenen Kinder". Das mag
möglicherweise nicht alle Anwesenden interessieren; aber ich erinnere mich nicht, jemals vor dieser Gemeinde
über diesen Gegenstand gesprochen zu haben, und es liegt mir daran, daß die gedruckten
Predigten möglichst das ganze Gebiet der Theologie umfassen. Vielleicht haben die meisten
der hier Anwesenden zu der einen oder anderen Zeit über dem kleinen Sarg des geliebten Kindes heiße Tränen
weinen müssen; und es mag sein, daß ihnen durch diesen Gegenstand Trost dargebracht
wird. Jede Mutter und jeder Vater sollte die Versicherung in sich aufnehmen, daß es ihrem
Kinde wohl geht, wenn Gott euch dasselbe in seinem Säuglingsalter genommen hat. Ihr
hörtet von ihm nie eine Erklärung seines Glaubens, es war nicht imstande, eine solche
abzulegen; es war nicht in den Herrn Jesum Christum getauft, nicht mit Ihm in der Taufe
begraben; es war nicht imstande, den ,,Bund eines guten Gewissens mit Gott" zu
schließen, und dessenungeachtet könnt ihr dessen gewiß sein, daß es dem Kinde wohl
geht, wohl in einem höheren und besseren Sinn, als es euch selbst wohl geht, wohl ohne
Beschränkung, wohl ohne Ausnahme und unendlich wohl für alle Ewigkeit. Aber ihr werdet
fragen: ,,Welchen Grund haben wir, zu glauben, daß es dem Kinde wohl geht?" Ehe ich
darauf eingehe, möchte ich eine Bemerkung machen. Man hat in gottloser, lügnerischer und
verleumderischer Weise von den Calvinisten gesagt, daß wir glaubten, daß manche kleine
Kinder verloren sind. Ich weise diese wissentlich falsche Aussage zurück und sage, daß
wir das nie geglaubt haben. Wir haben uns nie etwas Derartiges träumen lassen und uns nie
eingebildet, daß Kinder, die als Säuglinge sterben, verloren sind, sondern wir haben
stets geglaubt und glauben es noch, daß sie ins Paradies Gottes eingehen.
Ich will denn heute zuerst bestrebt sein, zu erklären den Weg, auf welchem Kinder, wie wir glauben, gerettet werden; zweitens will ich Gründe dafür angeben, daß wir so glauben, und dann will ich drittens versuchen, praktischen Nutzen aus diesem Gegenstand zu ziehen.
I. Zuerst der Weg, auf welchem, wie wir glauben, Kinder gerettet und selig werden.
Manche gründen die Idee von der ewigen Seligkeit des Säuglings auf dessen Unschuld. Wir tun das nicht; wir glauben, daß das Kind in dem ersten Adam gefallen ist; denn in Adam sterben alle. Die ganze Nachkommenschaft Adams, ob sie Säuglinge oder Erwachsene sind, wurde durch ihn repräsentiert; er stand für alle da, und als er fiel, fiel er für alle. Hinsichtlich der sterbenden Säuglinge wurde in dem mit Adam geschlossenen Werkbunde überhaupt keine Ausnahme gemacht, und insofern sie in Adam eingeschlossen waren, haben sie Erbsünde, obgleich sie nicht mit gleicher Übertretung wie Adam gesündigt haben. Sie sind ,,in Sünden geboren, und ihre Mütter haben sie in Sünden empfangen"; so sagt David von sich und (durch Schlußfolgerung) von dem ganzen menschlichen Geschlecht. Wenn sie selig werden, so glauben wir nicht, daß es wegen ihrer natürlichen Unschuld geschieht. Sie gehen auf demselben Wege in den Himmel wie wir; sie werden in dem Namen Christi aufgenommen. ,,Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist," und ich bilde mir nicht ein, daß es für den Säugling einen andern Grund gibt, als er für den Erwachsenen gelegt ist. Und ebensoweit sind wir davon entfernt zu glauben, daß Säuglinge durch die Taufe in den Himmel eingehen, zunächst nichts davon zu sagen, daß wir die Säuglingsbesprengung für eine menschliche und fleischliche Erfindung, für einen Zusatz zum Worte Gottes und darum für gottlos und gefährlich halten. Wenn wir erwägen, daß es zu etwas Schlimmerem als zum Aberglauben führt, wenn Kinder belehrt werden, daß sie in ihrer Taufe zu Kindern Gottes und zu Erben des Himmelreichs werden - es ist das eine so schreckliche Lüge, wie sie nur jemals in der Hölle geschmiedet werden konnte - dann werden wir tief betrübt über die furchtbaren Irrtümer, die sich durch die eine kleine Tür der Säuglingsbesprengung in die Kirche eingeschlichen haben. Nein, Kinder werden nicht selig, weil sie getauft sind; denn wenn das wäre, hätte der katholisch gesinnte Priester ganz recht, wenn er sich weigert, unsre kleinen Kinder zu beerdigen, wenn sie ungetauft sterben. Wenn das Kind durch den Tod weggerafft wird, wird es aus einem andern Grund selig als aus dem der Zeremonien und des Willens der Menschen.
Auf welchen Grund hin glauben wir denn, daß das Kind selig werde? Wir glauben, daß es
von Natur ebenso verloren ist wie die ganze Menschheit und ebenso verdammt durch das
Urteil, welches lautete: ,,Welches Tages du davon issest, wirst du des Todes
sterben." Es wird selig, weil es erwählt ist. Wir glauben, daß sich in dem
lebendigen Buch des Lammes Millionen von Seelen eingetragen finden werden, die sich auf
Erden nur gezeigt und dann ihre Schwingen entfaltet haben, um in den Himmel zu eilen. Sie
werden auch selig, weil sie durch das teure Blut Jesu Christi erlöst worden sind. Er, der
Sein Blut für Sein ganzes Volk vergoß, erkaufte sie für denselben Preis, mit welchem Er
ihre Eltern erlöste, und sie werden selig, weil Christus Bürge für sie wurde und an
ihrer Statt litt und starb. Sie werden ferner selig, nicht ohne Wiedergeburt; denn ,,es
sei denn, daß jemand," der Text bezieht sich nicht nur auf Erwachsene, sondern auf
irgend jemand des menschlichen Geschlechts, ,,es sei denn, daß jemand von neuem geboren
werde, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen". Ohne Zweifel wiedergebärt der
Geist Gottes die Seele des Säuglings in einer geheimnisvollen Weise, und diese geht in
die Herrlichkeit ein als ,,tüchtig gemacht zu dem Erbteil der Heiligen im Licht".
Daß dies möglich ist, erhellt aus biblischen Beispielen. Johannes der Täufer war im
Mutterleib mit dem Heiligen Geist erfüllt. Wir lesen auch von Jeremia, daß ihm dasselbe
geschah, und von Samuel lesen wir, daß der Herr ihn rief, als er noch ein kleiner Knabe
war. Wir glauben darum, daß Gott, welcher nicht durch den Willen der Menschen, noch durch
das Geblüt, sondern durch die geheimnisvolle Tätigkeit Seines Heiligen Geistes die Seele
des Säuglings, selbst ehe dessen Verstand tätig wird, zu einer Schöpfung in Christo
Jesu macht, und daß sie dann eingeht in ,,die Ruhe, die dem Volke Gottes noch vorhanden
ist". Durch die Erwählung, durch die Erlösung, durch die Wiedergeburt geht das Kind
durch dieselbe Pforte, durch welche jeder Gläubige an Christum Jesum einzugehen hofft, in
die Herrlichkeit ein und auf keinem anderen Wege. Wir können einsehen, daß die Seele des
Säuglings durch denselben Heilsplan, auf genau derselben Grundlage und durch dieselbe
Einwirkung und durch dieselben Aneignungen wie die Erwachsenen das Angesicht des Heilandes
in Ewigkeit sehen werden, und darum sind wir hinsichtlich dieser Sache völlig ruhig.
II. Dies führt mich nun zu den Gründen, aus welchen wir so annehmen, daß Säuglinge
selig sind.
Zuerst gründen wir unsere Überzeugung sehr auf die Gütigkeit der Natur Gottes. Wir
sagen, daß die entgegengesetzte Lehre, nach welcher manche Kinder umkommen und verloren
gehen, ganz der Idee widerspricht, die wir von Dem haben, dessen Name Liebe ist. Wenn wir
einen Gott hätten, dessen Name Moloch ist, wenn Gott ein launiger Tyrann wäre, könnten
wir annehmen, daß manche Kinder zur Hölle verstoßen werden; aber unser Gott, der die
jungen Raben hört, die Ihn anrufen, hat gewiß keinen Gefallen an dem Schreien der Säuglinge, die von Seinem Angesicht
verstoßen sind. Wir haben es gelernt, unser Urteil in aller Demut Seinem Willen zu
unterwerfen, und wir wagen es nicht, den Herrn über alles zu kritisieren oder
anzuschuldigen; wir glauben, daß Er groß ist in allem, was Er tut, und darum würden wir
annehmen alles, was Er offenbart; aber Er hat noch nie von uns den verzweifelten Glauben
gefordert, daß wir irgendwelche Gütigkeit in dem ewigen Elend eines in die Hölle
geworfenen Säuglings sehen sollen. Ihr wißt, daß, als der mürrische Jona Ninive wollte
untergehen sehen, Gott als Grund für die Erhaltung der Stadt angab, daß
hundertundzwanzigtausend kleine Kinder darin seien; Er sagte: ,,Menschen, die nicht
wissen, was rechts oder links ist." Wenn Er Ninives schonte, damit ihr Leben erhalten
bliebe, meint ihr, daß ihre unsterblichen Seelen nutzlos verworfen werden? Würde euer
Gott einen Säugling verwerfen? Wenn der eure es könnte, so bin ich so glücklich, sagen
zu können, daß das nicht der Gott ist, den ich anbete.
Ferner halten wir das für ganz unvereinbar mit dem bekannten Charakter unseres Herrn Jesu
Christi. Als Seine Jünger die kleinen Kinder fernzuhalten suchten, die die besorgten
Mütter zu Jesu brachten, sagte Jesus: ,,Laßt die Kindlein zu Mir kommen und wehrt ihnen
nicht; denn solcher ist das Himmelreich," womit Er lehrte, daß solche einen großen
Teil des Himmelreichs ausmachten. Und wenn wir beachten, daß durch die besten Statistiken
festgestellt ist, daß der dritte Teil der Menschheit im Säuglingsalter stirbt, so ist in
dem Ausspruch des Heilandes: ,,Solcher ist das Himmelreich" viel enthalten. Wenn
etliche mit daran erinnern, daß das Himmelreich das Zeitalter der Gnade auf Erden
bedeute, so antworte ich: ,,Ja, dem ist so, und es bedeutet auch zugleich den
Himmel." Wir wissen, daß diese Stelle beständig als ein Beweis für die Taufe
angeführt wird; aber einmal taufte Christus die Kindlein nicht, und zum anderen tauften
auch Seine Jünger sie nicht, denn sie wehrten ihnen und hätten sie gerne weggetrieben.
Wenn es denn Jesus nicht tat, und wenn Seine Jünger es nicht taten, wer tat es dann? Die
Stelle hat mit der Taufe sowenig zu tun wie mit der Beschneidung. Es findet sich weder in
jenem Text noch in der Textverbindung auch nur die leiseste Anspielung auf die Taufe, und
ich kann die Beschneidung der Kinder daraus ebenso logisch beweisen, wie andere es
versuchen, die Kindertaufe daraus zu beweisen. Die Stelle beweist jedoch, daß Kinder
einen großen Teil der Familie Christi ausmachen und daß Jesus Christus sehr
liebenswürdig gegen die Kleinen war. Schalt Er sie, als sie im Tempel ,,Hosianna!"
riefen? Nein, sondern Er freute Sich der kindlichen Rufe. ,,Aus dem Munde der Unmündigen
und Säuglinge hast Du Dir eine Macht zugerichtet," und scheint diese Stelle nicht zu
sagen, daß im Himmel dem großen Gott von großen Scharen solcher, die hier auf Erden
waren - euren Kleinen, die an eurem Busen lagen und dann plötzlich in den Himmel
aufgenommen wurden - ,,vollkommenes Lob" dargebracht werden wird? Ich könnte von
Jesu nicht glauben, daß Er zu kleinen Kindern sagen würde: ,,Geht hin, ihr Verfluchten,
in das ewige Feuer!" Ich kann es mir nicht als möglich denken, daß Er, wenn Er alle
Völker richten wird, die Kleinen zu Seiner Linken stellen und sie auf ewig von Seinem
Angesicht verbannen werde. Könnte Er sie anreden und zu ihnen sagen: ,,Ich bin hungrig
gewesen, und ihr habt Mich nicht gespeist; Ich bin durstig gewesen, und ihr habt Mich
nicht getränkt; Ich bin krank und gefangen gewesen, und ihr seid nicht zu Mir
gekommen"? Wie hätten sie das können?
Ferner ist einer der stärksten Beweise dafür in dem Umstand zu finden, daß die Heilige
Schrift positiv feststellt, daß die Zahl der seligen Seelen schließlich sehr groß sein
wird. In der Offenbarung lesen wir von einer Schar, die niemand zählen kann. Der Psalmist
spricht von ihnen als von dem Tau aus der Morgenröte. Viele Stellen geben Abraham, dem
Vater der Gläubigen, einen Samen, wie die Sterne am Himmel, wie der Sand am Meer.
Christus soll die Arbeit Seiner Seele sehen und die Fülle haben; es kann gewiß nicht
wenig sein, das Ihn befriedigt. Die Kraft der Erlösung schließt eine große Schar
Erlöster in sich. Die ganze Schrift scheint zu lehren, daß der Himmel keine beschränkte
Welt sein wird, sondern daß Christus von großen Scharen verherrlicht werden wird, die Er
mit Seinem Blut erlöst hat. Nun, wo sollen sie alle herkommen? Welch ein kleiner Teil der
Erdbevölkerung kann christlich genannt werden! Und welch ein kleiner Teil von dem kleinen
Teil, die Christen genannt werden, trägt mit Recht den Namen der Gläubigen? Und wie
viele Heuchler befinden sich unter denen, die für Namenchristen gehalten werden! Ich sehe
nicht ein, wie es möglich ist, daß eine so ungeheure Schar in den Himmel eingeht, wenn
nicht das tausendjährige Reich bald hereinbricht und wenn es nicht die tausend Jahre weit
überschreitet. Und ich sehe trotz dessen nicht, wie es möglich wird, wenn ich nicht
annehmen darf, daß die Seelen der Säuglinge die große Majorität bilden. Es ist mir
ungemein tröstlich, zu glauben, daß mehr Seelen selig werden, als verloren gehen; denn
wenn Christus in allem den Vorgang haben soll, warum nicht auch hierin? Es war der Gedanke
eines großen Theologen, daß schließlich die Zahl der Verlorenen zu der Zahl der Seligen
etwa in demselben Verhältnis stehen dürfte, in welchem die Zahl der Verbrecher in den
Gefängnissen zu der Zahl derer steht, welche in geordneten Verhältnissen leben. Ich
hoffe, daß es sich so herausstellen werde. Jedenfalls ist es nicht meine Aufgabe zu
fragen. ,,Herr, werden nur wenige selig werden?" Die Pforte ist eng; aber der Herr
weiß, wie Er Tausende hindurchbringen kann, ohne die Pforte weiter zu machen, und wir
dürfen es nicht versuchen, dadurch welche auszuschließen, daß wir sie enger machen. Ich
weiß, daß Christus den Sieg davontragen wird, und daß, während Ihm große Scharen
folgen, der schwarze Höllenfürst nicht imstande sein wird, in seinem Schreckensgefolge
so viele Nachfolger zu zählen, wie Jesus sie in Seinem glänzenden Triumphzuge hat.
Und nun einige gelegentliche Dinge, die in der Heiligen Schrift vorkommen, und die auch
ein wenig Licht auf diesen Gegenstand werfen dürften. Ihr habt den Fall Davids nicht
vergessen. Sein Kind von der Bath-Seba sollte als Bestrafung der Sünde seines Vaters
sterben. David betete und fastete und trauerte sehr; endlich sagte man ihm, daß das Kind
gestorben sei. Er fastete nicht mehr, sagte aber: ,,Ich werde wohl zu ihm fahren; es kommt
aber nicht wieder zu mir." Wohin erwartete denn David zu gehen? Gewiß doch in den
Himmel. Demnach mußte er sein Kind dort wissen, denn er sagte: ,,Ich werde wohl zu ihm
fahren." Ich höre ihn das nicht bei Absaloms Tode sagen. Er hatte für den
rebellischen Sohn keine Hoffnung. Bei diesem Kinde sagte er aber nicht: ,,Mein Sohn,
wollte Gott, ich wäre an deiner Statt gestorben!" Nein, er konnte diesen Säugling
in vollem Vertrauen entlassen; denn er sagte: ,,Ich werde zu ihm gehen." ,,Ich
weiß," mochte er sagen, ,,daß Er mir einen Bund gesetzt hat, der ewig ist, und wenn
ich durch das Tal des Todesschattens wandern muß, so fürchte ich kein Unglück, denn Er
ist bei mir; ich werde zu meinem Kinde gehen, und im Himmel werden wir wieder vereinigt
werden." - Die Errettung aus Ägypten war ein Vorbild von der Erlösung des
auserwählten Samens, und ihr wißt, daß in diesem Fall die Kleinen mit auszogen, daß
auch nicht eine Klaue dahintenbleiben durfte. Warum sollten in der größeren Errettung
die Kinder nicht in das Lied Mosis und des Lammes einstimmen? - Und dann findet sich eine
Stelle in Hesekiel - denn wo wir nur wenig haben, müssen wir die Brosamen auflesen nach
dem Wort des Meisters: ,,Sammelt die übrigen Brocken, auf daß nichts umkomme" - im
Propheten Hesekiel 16, 21 straft Gott Sein Volk dafür, daß es die kleinen Säuglinge dem
Moloch opferte, indem es sie durchs Feuer gehen ließ, und Er sagt von diesen Kleinen:
,,Daß du Meine Kinder schlachtest und läßt sie demselben verbrennen." Diese
Kleinen, welchen den glühenden Armen des Moloch starben, als sie noch Säuglinge waren,
nennt Gott ,,Meine Kinder". Wir dürfen darum hinsichtlich derer, die in ihren
frühen Lebenstagen sterben, getrost glauben, daß Jesus von ihnen sagt: ,,Dies sind Meine
Kinder," und daß Er heute, während Er Seine Schafe zu den lebendigen Wasserbrunnen
führt, nicht vergessen wird, Seine eigene Mahnung zu befolgen: ,,Weide Meine
Lämmer." Ja, selbst heute trägt Er ,,die Lämmer an Seinem Busen", und selbst
vor dem ewigen Thron wird Er Sich nicht schämen zu sagen: ,,Siehe da, Ich und die Kinder,
die Mir Gott gegeben hat." - Da ist noch eine andere Stelle in der Schrift, die
herangezogen werden kann. 5 Mose 1 ist eine Drohung über die Kinder Israel in der Wüste
ausgesprochen, nach welcher sie mit Ausnahme von Kaleb und Josua nie das verheißene Land
sehen sollten; doch es wird hinzugefügt: ,,Eure Kinder, davon ihr sagtet, sie würden ein
Raub werden, und eure Söhne, die heutigentags weder Gutes noch Böses verstehen, die
sollen hineinkommen; denselben will Ich es geben, und sie sollen es einnehmen." Euch
Vätern und Müttern, die ihr Gott nicht fürchtet, die ihr ungläubig lebt und sterbt,
möchte ich sagen: ,,Euer Unglaube kann eure Kinder nicht vom Himmel ausschließen, und
ich preise Gott dafür. Wie die Sünde des Geschlechts in der Wüste die nächstfolgende
Generation nicht von Kanaan ausschloß, sondern dieselbe gewiß hineinkam, so ist die
Sünde ungläubiger Eltern nicht notwendig der Untergang ihrer Kinder, sondern diese
werden durch Gottes souveräne Gnade und überfließende Barmherzigkeit der Ruhe
teilhaftig, welche Er für Sein Volk bereitet hat, wenn sie in ihrem zarten Alter aus der
Welt abgerufen werden. Merkt wohl, daß ich zwischen den Kindern gottseliger und gottloser
Eltern keinen Unterschied gemacht habe. Wenn sie im Säuglingsalter sterben, sind sie
selig, wie auch ihre Eltern gestanden haben mögen oder noch stehen. Ich stimme der
Theorie eines lieben presbyterianischen Predigers nicht bei, der da annimmt, daß die
Kinder gottseliger Eltern einen besseren Platz im Himmel haben werden als die, welche ohne
ihren Willen von ungläubigen Eltern abstammen. Dergleichen glaube ich nicht. Ich bin
nicht gewiß, daß es Grade im Himmel gibt; aber selbst wenn es der Fall ist, bin ich mir
noch nicht klar, daß das beweise, daß unsere Kinder größere Rechte haben als andere.
Wir glauben, daß alle ohne Ausnahme, und von wem sie auch abstammen mögen, nicht durch
die Taufe, nicht wegen des Glaubens ihrer Eltern, sondern einfach wie wir alle ,,selig
werden, durch die Erwählung Gottes, durch das teure Blut Christi, durch den
wiedergebärenden Einfluß des Heiligen Geistes zur Herrlichkeit und Unsterblichkeit
gelangen und das Bild des Himmlischen tragen werden, wie sie getragen haben das Bild des
Irdischen.
III. Ich komme nun dazu, praktischen Gebrauch von dieser Lehre zu machen.
Zunächst sei es Trost für beraubte Eltern. Ihr sagt, es sei ein schweres Kreuz, das ihr zu tragen habt. Beachtet, daß es leichter ist, ein totes Kreuz zu tragen als ein lebendiges. Ein lebendiges Kreuz ist wirklich eine Trübsal, nämlich ein Kind zu haben, das rebellisch in seiner Kindheit, lasterhaft in seiner Jugend und ausschweifend in seinem späteren Leben ist! Wollte Gott, daß es bei seiner Geburt gestorben wäre und nie das Licht erblickt hätte! So manches Vaters Haare sind durch lebendige Kinder, aber wohl nie durch seinen gestorbenen Säugling grau geworden; denn ein Christ trauert nicht wie die, welche keine Hoffnung haben. Du hättest dein Kind doch lieber lebendig behalten? Möchtest du, daß es am Leben bleibe, um reif für den Galgen zu werden? Möchtest du, daß es am Leben bleibe, um dem Gott seines Vaters zu fluchen? Möchtest du, daß es am Leben bleibe, um dein Haus unglücklich zu machen und dein Kissen mit Tränen zu netzen? Dahin hätte es kommen können, kommt nun aber nicht dazu, denn dein kleiner Liebling singt nun vor dem Thron Gottes. Weißt du, welchen Kümmernissen dein Kindlein entrückt ist? Du hast davon genug gehabt. Beklagst du es, daß es den Schmerzen entrückt ist? Gedenke dann auch an deine eigenen Sünden und an den tiefen Schmerz der Buße. Wenn dein Kind lebte, würde es als Sünder aufwachsen und müßte später die Bitterkeit der Sünde kennen lernen. Es ist dem entrückt; es freut sich nun in Gottes Herrlichkeit. Möchtest du es denn wieder zurück haben? Betrübte Eltern, wenn ihr euer Kind nur einen Augenblick droben sehen könntet, ich denke, ihr würdet eure Tränen sogleich trocknen. Es ist zur Würde der Unsterblichen erhoben worden; es ist mit besseren als königlichen Kleidern angetan; es ist reicher und seliger, als es sein könnte, wenn ihm alle irdischen Kronen aufs Haupt gesetzt würden. Warum wolltest du denn klagen? Es ist gut, kämpfen und den Sieg erlangen; aber den Sieg erlangen ohne den Kampf! Es ist gut, das Triumphlied singen zu können, nachdem wir durchs Rote Meer mit allen seinen Schrecken hindurchgegangen sind; aber das Lied ohne das Meer zu singen, ist noch herrlicher. Ich weiß nicht, ob ich das Los eines Kindes im Himmel dem meinen vorziehen soll. Ich halte es für edler, den Sturm ertragen und gegen Wind und Wetter gekämpft zu haben. Ich denke, es wird für euch und mich durch alle Ewigkeit ein Gegenstand der Beglückwünschung sein, daß wir nicht auf so leichtem Wege in den Himmel gekommen sind; denn es gibt nachher eine überschwengliche Herrlichkeit. Aber ich denke dennoch, daß wir Gott für diese Kleinen danken können dafür, daß ihnen unsere Sünden, unsere Gebrechen und unsere Ängste erspart worden sind, und daß sie ohne das alles in die Ruhe eingegangen sind. ,,Rahel weint über ihre Kinder und will sich nicht trösten lassen über ihre Kinder, denn es ist aus mit ihnen." ,,Aber der Herr spricht also: Laß dein Schreien und Weinen und die Tränen deiner Augen, denn deine Arbeit wird wohl belohnt werden, spricht der Herr. Sie sollen wiederkommen aus dem Lande des Feindes."
Der nächste und vielleicht vorteilhaftere Schluß, den wir aus dem Text ziehen, ist
dieser: Viele unter euch sind Eltern, die Kinder im Himmel haben. Ist es da nicht sehr
wünschenswert, daß ihr auch dorthin geht? Und habe ich nicht doch vielleicht viele hier,
die keine zukünftige Hoffnung haben? Ihr habt das, was jenseits des Grabes liegt,
tatsächlich auf spätere Tage verschoben und alle eure Zeit und Gedanken den kurzen,
ungenügenden Bestrebungen dieses Lebens zugewandt. Unbekehrte Mutter, von des Himmels
Zinnen winkt dir dein Kind zu und lockt dich hin zum Paradies. Unbußfertiger Vater, die
kleinen Äuglein, die einst so freundlich blickten, schauen auf dich herab, und die
Lippen, die kaum gelernt hatten, Vater zu stammeln, ehe sie sich im Schweigen des Todes
schlossen, sagen heute zu dir: ,,Vater, sollen wir auf ewig durch die große Kluft
getrennt werden, die niemand überschreiten kann?" Weckt nicht die Natur an und für
sich eine Sehnsucht in euren Seelen, euch mit euren Kindern im Bund der Lebendigen
eingebunden zu sehen? Haltet ein und denkt nach. So wie ihr seid, dürft ihr das nicht
hoffen; aber wenn ihr euren Blick dem Kreuz des Heilandes zuwendet, sollt ihr leben. Wenn
ihr von ganzem Herzen an Ihn glaubt, sollt ihr mit allen, die Ihm der Vater gegeben hat,
dort sein, wo Er ist. Du brauchst nicht ausgeschlossen bleiben. Warum wolltest du dein
eigenes Todesurteil unterschreiben und verloren gehen? Ich möchte dich bei der Hand
nehmen und sagen: ,,Wir können dir deinen Liebling nicht wiederbringen, aber du kannst zu
ihm kommen! Siehe vor dir die lichtvolle Leiter! Die erste Sprosse derselben ist Buße,
heraus aus dir selbst; die nächste ist Glaube, in Christum hinein, und wenn du da bist,
bist du sicherlich auf dem rechten Wege und es dauert nicht lange, dann wirst du an den
Pforten des Himmels in Empfang genommen von den Kleinen, die dir vorangegangen sind, um
dich zu begrüßen, wenn du an der ewigen Küste landest."
Doch noch eine andere nützliche Lektion, und ich will euch nicht länger aufhalten. Was
sollen wir den Eltern sagen, die lebende Kinder haben? Wir haben von den abgerufenen
gesprochen; was sollen wir von den lebendigen sagen? Ich möchte sagen: Spart eure
Tränen, beraubte Eltern, für die Kinder auf, die da leben. Ihr könnt zu dem kleinen
Grab hingehen und daraufblicken und sagen: ,,Dieses eine Kind ist gerettet; es ruht auf
ewig sicher und ist allem Leid entrückt." Ihr kommt zurück zu denen, die um euren
Tisch hersitzen, und blickt eins nach dem anderen an und sagt: ,,Von diesen Kindern sind
mehrere noch nicht errettet." Fern von Gott und fern von Christus reifen einige von
ihnen heran zu Jünglingen und Jungfrauen, und ihr könnt deutlich sehen, daß ihre
Herzen, gleich jedem natürlichen Herzen, verzweifelt böse sind. Da habt ihr Grund und
Ursache zu weinen. Ich wünschte, ihr hörtet nicht auf, über sie zu weinen, bis sie
aufhören zu sündigen, und hörtet nicht auf, für sie zu hoffen, bis sie aufgehört
haben zu leben, und hörtet nicht auf, für sie zu beten, bis ihr aufhört zu atmen.
Bringt sie in den Armen des Glaubens vor Gott, o, verzagt nicht, weil sie das nicht sind,
was ihr wünscht. Sie werden gewonnen werden, wenn ihr nur Glauben an Gott habt. Der euch
gerettet hat, kann auch sie retten. Bringt sie beständig einzeln vor den Gnadenstuhl und
ringt mit Ihm und sprecht: ,,Ich lasse Dich nicht, Du segnest mich denn." Dies war
das Wort, welches der Apostel dem Kerkermeister sagte: ,,Glaube an den Herrn Jesum
Christum, so wirst du und dein Haus selig." Wir haben viele Beweise davon gehabt,
denn in diesem Taufbassin habe ich nicht nur den Vater und die Mutter getauft, sondern in
vielen Fällen auch die Kinder, die eines nach dem anderen aus Gnaden dahin gebracht
wurden, ihr Vertrauen auf Jesus zu setzen. Bittet von Ihm, fleht zu Ihm, geht Ihn an in
der Kraft des Glaubens und mit heiligem Ernst, und Er wird euch gewißlich erhören.
Möchte der Herr erhören und segnen um Seines Namens
willen! Amen.
Dies war die erste öffentliche Predigt des Evangeliums, nachdem der Herr Jesus in die
Herrlichkeit aufgenommen worden war. Es war eine recht denkwürdige Predigt, eine Art
Erstlingsfrucht der großen Ernte der evangelischen Zeugnisse. Es ist sehr ermutigend für
die, die zum Predigen berufen sind, daß die erste Predigt eine so erfolgreiche war.
Dreitausend bei dem ersten Auswerfen des Netzes, das war ein großartiger Fischzug. In
Zukunft hoffen wir noch großartigere Resultate durch die unsterbliche und
unveränderliche Macht erzielt zu sehen, die Petrus befähigte, eine so herzdurchdringende
Predigt halten zu können.
Petri Predigt zeichnete sich nicht durch irgendwelche besondere rhetorische Darstellung
aus; sie hatte es nicht auf den Kopf, sondern auf das Herz abgesehen. Sie war einfach,
praktisch, persönlich und überzeugend, und darin war sie ein Muster von dem, was eine
Predigt hinsichtlich ihres Zieles und ihres Stils sein sollte. Petrus hätte unter dem
Eindruck des göttlichen Geistes nicht anders sprechen können; seine Rede war wie die
Orakel Gottes, das getreue Produkt einer göttlichen Inspiration. In nüchternem Ernst
hielt er sich an die einfachen Tatsachen und stellte sie im Lichte des Wortes Gottes dar,
und dann wandte er die Wahrheit mit aller Macht auf die an, deren Rettung ihm am Herzen
lag. Möchte es stets des Predigers einziges Verlangen sein, seine Zuhörer für die Buße
zu Gott und für den Glauben an unseren Herrn Jesum Christum zu gewinnen! O, daß wir so
predigen könnten, daß es unseren Zuhörern durchs Herz ginge und sie sofort veranlaßt
würden, an unseren Herrn Jesum Christum zu glauben und hervorzutreten, um ihren Glauben
an Seinen Namen zu bekennen!
Wenn wir den Gang der Beweisführung Petri verfolgen, wundern wir uns nicht darüber, daß
es den Zuhörern durchs Herz ging. Wir schreiben jene tiefe Zerknirschung dem Geiste
Gottes zu, und doch war es nur vernünftig, daß sie sich kundgab. Nachdem ihnen klar
gezeigt worden war, daß sie wirklich den Messias, die große Hoffnung ihrer Nation,
gekreuzigt hatten, war es durchaus nicht zu verwundern, daß sie von Schrecken ergriffen
wurden. Wenngleich wir hinsichtlich des Resultats unserer Wirksamkeit ganz von dem Geiste
Gottes abhängig sind, müssen wir doch unsere Predigt dem Zwecke anpassen, den wir
erstreben; oder besser gesagt, wir müssen uns sowohl hinsichtlich der Predigt selbst, wie
hinsichtlich des Resultats der Predigt dem Heiligen Geiste in die Hand legen. Der Heilige
Geist gebraucht die Mittel, die dem gesteckten Ziele angepaßt sind. Weil ich nun vor
allen Dingen wünsche, daß es vielen in dieser Versammlung durchs Herz gehen möchte,
habe ich diesen Schlußsatz der Rede Petri zum Text gewählt; doch mein Vertrauen setze
ich nicht auf das Wort selbst, sondern auf den belebenden Geist, der dadurch wirkt.
Möchte der Geist Gottes das Rapier Seines Wortes gebrauchen, um es in die Herzen meiner
Zuhörer zu treiben!
Beachtet zunächst, daß Petrus zu seinen Zuhörern über ihr schlechtes Verhalten gegen
den Herrn Jesus spricht; zweitens erklärt er ihnen die Erhöhung, die Ihm durch Gott
geworden ist, und dann wollen wir drittens achtgeben auf das Resultat, das sich aus dem
Wissen dieser erhabenen Tatsache ergibt.
I. Zuerst sprach sich Petrus zwar zärtlich, aber doch sehr deutlich über ihr schlechtes
Verhalten gegen den Herrn Jesus aus. "Er kam in Sein Eigentum, und die Seinen nahmen
Ihn nicht auf." Als eine Nation hatte Israel Ihn verworfen, den Gott gesandt hatte.
Die Einwohner zu Jerusalem waren weiter gegangen und hatten Seinem Tode nicht nur
zugestimmt, sondern hatten ihn gefordert, indem sie riefen: "Kreuzige, kreuzige
Ihn!" Sie hatten feierlich ausgerufen: "Sein Blut komme über uns und über
unsere Kinder!" Keiner hatte gegen den Mord des Unschuldigen Protest erhoben; aber
viele waren begierig gewesen, Seiner ein Ende zu machen. Dies hielt ihnen Petrus in klaren
Worten vor, und sie konnten es nicht leugnen, und sie versuchten das auch nicht. Es ist
gut, wenn ein Schuldgefühl einen Menschen zwingt, unter den Vorstellungen Gottes
stillzustehen. Wir dürfen dann hoffen, daß er Vergebung suchen werde.
Männer und Brüder, wir sind nicht in Jerusalem, und der Tod unseres Herrn fand vor mehr
denn achtzehnhundert Jahren statt; darum haben wir nicht nötig, uns lange bei der Sünde
derer aufzuhalten, die längst gestorben sind. Es ist vorteilhafter für uns, praktisch zu
erwägen, wie weit wir uns ähnlicher Sünden gegen den Herrn Jesum Christum schuldig
gemacht haben. Laßt uns bei uns stillstehen und nachdenken. Ich spreche heute vielleicht
zu etlichen, die den Namen des Herrn Jesu verlästert haben. Ich nehme nicht an, daß ihr
gemeine Lästerworte gebraucht habt; man kann dasselbe Verbrechen nach feiner Manier
begehen. Manche verwunden das Christentum mit ihren wohlüberlegten Kritiken mehr als die
Atheisten mit ihren gottlosen Ausbrüchen. Indem sie das Versöhnungsopfer leugnen oder an
dessen Stelle etwas anderes dafür ausgeben, versuchen sie es, das abzuschaffen, was das
Herz und die Seele des Werkes des Erlösers ist. Manche nehmen Ansichten auf, die die
Schuld der Sünde verringern und demzufolge den Wert des sühnenden Blutes herabsetzen.
Das Kreuz ist noch ein Stein des Anstoßes und ein Fels des Ärgernisses. Die Menschen
werfen sich zu Lehrern des großen Lehrers und zu Reformatoren des göttlichen Evangeliums
auf. Wenn etliche der Anwesenden dessen schuldig sein sollten, so wünsche ich, daß der
Heilige Geist sie von ihrer Sünde überzeuge. Seitdem Gott der Herr diesen sühnenden
Jesus zum Herrn und Christ gemacht und Ihn zu Seiner Rechten gesetzt hat, ist jede Lehre,
die Ihn herabsetzt, eine große Sünde wider Gott den Herrn selbst. Mein Zuhörer, wenn du
Christi Gottheit geleugnet, Sein sühnendes Blut verachtet, Seine zugerechnete
Gerechtigkeit verhöhnt oder deine Seligkeit durch den Glauben an Ihn bespöttelt hast,
dann sollte es dir wohl durchs Herz gehen, wenn du siehst, daß Gott diesen Jesum zum
Herrn über alles gemacht hat.
Viel gewöhnlicher ist indessen eine andere Sünde wider den Herrn Jesum, nämlich die,
Ihn zu vernachlässigen, Seine Ansprüche zu umgehen und die Zeit des Glaubens an Ihn
hinauszuschieben. Ich hoffe, daß niemand der Anwesenden unbekehrt sterben oder ohne in
Jesu Blut gewaschen zu sein, aus der Welt scheiden möchte; aber, meine Zuhörer, ihr habt
schon lange gelebt, und etliche sind alt geworden, ohne Jesum als ihren Heiland angenommen
und ohne Ihm ihre Herzen übergeben zu haben. Das ist mindestens eine sehr betrübende
Vernachlässigung. Jemand gänzlich ignorieren heißt in einem gewissen Sinn ihn töten.
Wenn ihr Ihn außer Betracht laßt und Ihn wie nichts behandelt, so habt ihr Ihn, soweit
es euch betrifft, existenzlos gemacht. Ist das nicht ein grausames Vergehen? Euer Herr ist
euren Gedanken von früh bis spät fern; ihr fragt nicht nach Ihm und kümmert euch nicht
um Ihn, und so ist Er tot für euch. Ihr habt eure Sünden nie vor Ihm bekannt und nie von
Ihm Vergebung erbeten, und habt nie zu erfahren gesucht, ob Er anch eure Sünden an Seinem
Leibe auf dem Holz getragen hat. Seele, das ist böse Vernachlässigung und undankbare
Verachtung! Gott gedenkt Seines Sohnes so sehr, daß Er Jhn nicht zu hoch stellen kann; Er
hat Ihn zu Seiner Rechten gesetzt, und doch kümmerst du dich nicht um Ihn! Der große
Gott hat Ihn erhöht über alles und Ihn zum König aller Könige, zum Herrn aller Herren
gemacht, und doch behandelst du Ihn, als ob Er nichts zu bedeuten hätte. Ist das recht?
Willst du deinen Heiland so behandeln? Möchte dir das durchs Herz gehen, damit du diese
schlechte Undankbarkeit aufgibst!
Es gibt andere, die noch weiter gegangen sind, denn sie haben Christum verworfen. - Ich
wende mich an die unter euch, die den Einwirkungen der Predigt nicht haben widerstehen
können. Ihr fühltet viel mehr, als ihr bekennen möchtet. Ihr seid so geneigt gewesen,
den Heiland zu suchen, daß ihr es beinahe getan hättet; die Sünden traten euch vor die
Augen, als ob es Flammen aus Tophet wären, und in eurer Not entschloßt ihr euch, das
Heil zu suchen; ihr gingt heim, um eure Knie im Gebet zu beugen und die Schrift zu lesen,
um den Weg des ewigen Lebens kennenzulernen; aber ach, ein böser Gefährte durchkreuzte
euren Pfad, und ihr standet vor der Frage: ,,Soll es dieser oder soll es Christus
sein?" Ihr wähltet den Menschen, fast hätte ich gesagt, ihr wähltet Barabbas, und
verwarft Christum. Als ihr anfingt, ernst zu werden, tauchte ein sündliches Vergnügen
vor euch auf, und ihr saht euch vor die Frage gestellt: ,,Soll ich dieses Vergnügen
aufgeben, oder soll ich alle Hoffnung auf Christum drangeben?" Ihr haschtet nach dem
Vergnügen und ließt euren Heiland gehen. Erinnert ihr euch noch, wie ihr eurem Gewissen
Gewalt antatet und eure Überzeugung unterdrücktet? Ich weiß nicht, wem dies gilt, aber
ich weiß, daß ich zu etlichen rede, die den Herrn Jesum nicht einmal, sondern zweimal
verworfen haben. Euer etliche haben Ihn bestimmt fast an jedem Sonntag verworfen,
besonders aber, als das Wort Gottes mit außergewöhnlicher Kraft an euch herantrat und
ihr fühltet, daß es euch schüttelte, wie ein Löwe seinen Raub schüttelt. Dankt Gott,
ihr seid noch nicht gefühllos; aber rechnet nicht darauf, daß es so bleiben wird. Ihr
werdet nicht immer empfinden, wie ihr empfunden habt; es kann der Tag kommen, da das
betäubte Ohr selbst die Donner Gottes nicht mehr hört, oder da die Liebe Christi euer
Herz nicht mehr rühren wird, wenn ihr es durch eigenwillige Halsstarrigkeit verhärtet
habt. Wehe dem Menschen, wenn sein Herz in einen Stein umgewandelt worden ist! Gott
erbarme Sich euer und lasse es euch heute durchs Herz gehen, da ihr noch weich genug seid,
um zu fühlen, daß ihr Ihn verworfen habt, den ihr von ganzem Herzen umfassen solltet!
Einigen unter euch, die ihr den Herrn Jesum verlassen habt, muß ich noch ein wenig
näherkommen. Es sind heute einige unglückliche Personen hier, über die ich wegen ihrer
Verirrungen sehr betrübt bin, und dennoch freue ich mich, daß sie die Vorhöfe des
Hauses des Herrn nicht ganz vergessen haben. Sie bekannten einst, Jünger Christi zu sein;
aber sie sind hinter sich gegangen und wandeln nicht mehr mit Ihm. Sie wurden einst zu uns
gezählt und sie gingen unter uns ein und aus, aber jetzt kennen wir sie nicht. Sie
scheuten sich nicht, sich als Christen zu bekennen, aber jetzt verleugnen sie den Herrn.
Früher waren sie eifrig zum Dienst Gottes bereit und in ihrem Glaubensbekenntnis auch
gesund. Aber es kam ein Tag - ich brauche die Umstände nicht zu beschreiben, da sie in
verschiedenen Fällen verschieden sind - da zwei Wege vor ihnen lagen und sie entweder zur
Rechten oder zur Linken gehen mußten, und sie wählten den Weg, auf welchem sie Christo
und der wahren Gottseligkeit den Rücken kehrten. Sie fielen in Sünde und wurden
abtrünnig vom Glauben. Wir fürchten, ,,sie sind von uns ausgegangen, weil sie nicht von
uns waren; denn wenn sie von uns wären gewesen, so wären sie bei uns geblieben".
Sie sind ihre krummen Wege gegangen, und wir fürchten, daß der Herr sie wegtreiben wird
samt den Übeltätern. O abtrünniger Zuhörer, ich hoffe, daß du kein Judas, sondern
daß du ein Petrus bist. Du hast deinen Meister verleugnet; aber ich hoffe, daß du
bitterlich weinen und wieder von dem Herrn eingesetzt werden wirst. Dir zu gut muß ich
dir deine Verirrung vorhalten; möchte der Herr sie dir durchs Herz gehen lassen! Warum
hast du deinen Herrn verlassen? Worin hat Er dich ermüdet? Bist du ein Heuchler gewesen?
Wenn nicht, warum hast du dich abgewandt? Gott hat den Heiland auf Seinen Thron erhöht,
du aber hast Ihm deinen Rücken zugekehrt; hast du darin nicht wahnsinnig gehandelt? Der
allerhöchste Gott ist auf seiten Jesu, und du bist offenbar gegen Ihn. Ist das recht, ist
das weise? Es ist peinlich für mich, von diesen Dingen zu reden; aber ich hoffe, daß es
noch peinlicher für dich ist, davon zu hören. Ich wünschte, du fühltest wie David, als
ihm sein Herz schlug. Was hast du getan? Hat Jesus solches von deinen Händen verdient?
Ich bitte dich, kehre um von dem bösen Wege und wende dich mit festem Herzen dem Herrn
zu.
II. Nachdem Petrus seinen Zuhörern ihre Sünde gegen den Herrn vor Augen gehalten,
verkündigte er ihnen die Erhöhung, die Gott Ihm hatte widerfahren lassen. Der große
Gott liebte und ehrte und erhöhte denselben Jesus, den sie gekreuzigt hatten. Meine
Zuhörer, was ihr auch von dem Herrn Jesu halten mögt, Gott hält groß von Ihm! Euch mag
Er gestorben und begraben sein; aber Gott hat Ihn von den Toten auferweckt. Ihm ist Er der
ewig lebende, der ewig vielgeliebte Christus. Ihr könnt den Herrn Jesum und Seine Sache
nicht vernichten. Was ihr auch tut, ihr könnt die Wahrheit des Evangeliums nicht
erschüttern noch dem Herrn Jesu einen Strahl Seiner Herrlichkeit rauben. Er lebt und
herrscht, und Er wird leben und herrschen, was auch aus euch werden mag. Ihr mögt euch
Seines Heiles weigern, aber Er ist dennoch ein Heiland, ein großer Heiland. Wenn ihr dem
Herrn widersteht, so tut es auf eure Gefahr hin; aber ihr tut es vergeblich. Ihr könntet
ebensogut hoffen, die Naturgesetze umzustoßen, die Sonne auszulöschen, den Mond aus
seiner Bahn zu reißen, als die Sache und das Reich des Herrn Jesu zu überwinden; Gott
ist für Ihn, und Sein Thron steht fest durch alle Ewigkeit. Gott hat Seinen Sohn von den
Toten auferweckt und zu Seiner Rechten gesetzt, und dort wird Er bleiben, bis alle Seine
Feinde zum Schemel Seiner Füße geworden sind. Hieran könnt ihr erkennen, was Er ist,
den ihr vernachlässigt, versäumt und verlassen habt. Bedenkt, daß unser Herr zur
Rechten Gottes in unendlicher Majestät thront. Jesus, an den ihr wenig denkt, von dem ihr
euch abwendet, wird heute von Engeln und von den Geistern der vollkommenen Gerechten
angebetet, und Seraphim sind Ihm freudig gehorsam. Hört ihr nicht die Posaunen des
Himmels, die Ihn als das Haupt der Fürstentümer und Obrigkeiten und Kräfte
verkündigen? Mein Glaube sieht den seligen Tag voraus, da ich als Hofmann in Seiner
unvergleichlichen Gegenwart stehen und Ihn, das Lamm, auf dem Thron sehen werde, wie Er
über alles herrscht und wie sich aller Knie im Himmel und auf Erden freudig vor Ihm
beugen werden. Ist es möglich, daß ihr Ihn vernachlässigt habt, den Gott erhöht hat?
Ist es möglich, daß ihr euch Seiner geweigert, daß ihr Ihm getrotzt und Ihn, soweit ihr
konntet, getötet habt, Ihn, den Gott zum Herrn über alles gemacht hat?
Das ist noch nicht alles, denn der Platz zur Rechten Gottes, zu welchem Er nun erhöht
ist, ist der Platz der Macht. Dort thront der Mittler, der Sohn Gottes, der Mensch
Christus Jesus, während Seine Feinde Ihm unterworfen sind. Glaube nicht, du stolzester
der Zweifler, daß du Ihm auch nur einen Teil Seiner Macht nehmen kannst. Er überwacht
alle sterblichen Wesen; Er ordnet die Bewegungen der Sterne; Er beherrscht die himmlischen
Heere. Er bändigt die Wut Seiner Widersacher, und was Er geschehen läßt, das wendet Er
zu Seiner Verherrlichung. Ihm ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden; Er herrscht
in den drei Gebieten der Natur, der Vorsehung und der Gnade. Sein Reich herrscht über
alles, und Seiner Herrschaft ist kein Ende. Es ist dieser Christus, dieser mächtige
Christus, den etliche unter euch verspotten, so daß ihr es riskiert, verloren zu gehen,
weil ihr kein Herz für Ihn und für Sein großes Heil habt.
Lernt sodann, daß Er als unser Richter zur Rechten der Majestät in der Höhe thront.
Wenn wir Ihn als Heiland von uns weisen, werden wir nicht imstande sein, Ihm als unserem
Richter an jenem großen Tage auszuweichen. Alle Taten der Menschen sind verzeichnet, und
an jenem Tage, da der große, weiße Thron im Himmel aufgerichtet werden wird, wird alles
offenbar werden, und wir werden unverhüllt vor Seinem Angesicht stehen. Ihr habt oft von
Ihm gehört und gesungen, dessen Angesicht mehr als das anderer Menschen entstellt wurde,
als Er hier ein Opfer für schuldige Menschen ward. Wenn ihr euch Seiner weigert, werdet
ihr vor Seinen Schranken stehen müssen, um euch deswegen zu verantworten. Der
furchtbarste Anblick am Gerichtstage wird für die Unbußfertigen das Angesicht des Herrn
Jesu sein. Ich finde nicht, daß sie schreien: ,,Verbergt uns vor dem Sturm!" oder:
,,Verbergt uns vor den Engelwachen!" oder: ,,Verbergt uns vor ihren feurigen
Schwertern!" sondern: ,,Verbergt uns vor dem Angesicht Des, der auf dem Stuhl sitzt,
und vor dem Zorn des Lammes!" Wenn die Liebe sich einmal in Zorn verwandelt hat, ist
Er über alle Beschreibung entsetzlich. Sünder, vielleicht habt ihr euch aus Unkenntnis
aufgelehnt. Tut Buße und schlagt einen anderen Weg ein. Ihr wähntet, daß ihr euch nur
gegen die Predigt, gegen die Worte eines Predigers auflehntet; in Wirklichkeit aber
widerstandet ihr der Liebe des Heilandes. Indem ihr euch des Wortes des Herrn weigertet,
verschloßt ihr euch gegen Den, der vom Himmel redet; ihr weigert euch nicht nur Seiner
Worte, sondern Seiner selbst, und Er wird euer Richter sein, euer höchst gerechter, euer
höchst heiliger Richter. O, wie wollt ihr das ertragen? Wie wollt ihr es ertragen, vor
den Schranken des verachteten Heilandes zu stehen? Petrus zeigte seinen Zuhörern auch,
daß der Herr im Himmel hoch erhöht wurde als das Haupt der Gemeinde über alles; denn Er
hatte an jenem Tage den Heiligen Geist ausgegossen. Wenn der Heilige Geist kommt, so kommt
Er von Christo als der Zeuge Seiner Macht. Er geht aus vom Vater und vom Sohn und zeugt
mit beiden. Nachdem Christus erst kurze Zeit im Himmel war, wurde Seine Macht wunderbar
erwiesen; Er konnte den Menschen solche Gaben verleihen und insbesondere feurige Zungen
und das Brausen eines gewaltigen Windes senden, welche Dinge die Kraft des Heiligen
Geistes anzeigten. Er ist ein Herr, der retten und vernichten kann. Dem Christus, der am
Kreuze starb, ist alles übergeben worden. Er kann heute das Heil bis an die Enden der
Erde senden, so daß große Scharen glauben und leben; denn Ihn hat Gott erhöht zum
Fürsten und Heiland, zu geben Buße und Vergebung der Sünden. Oder Er kann den
Schlüssel umdrehen und die Tür diesem unartigen Geschlecht verschließen; denn Er
schließt auf und niemand schließt zu, und Er schließt zu, so daß niemand öffnen kann.
Seid jedenfalls dessen gewiß - wie Petrus auch wollte, daß das Haus Israel es gewiß
wisse - ,,daß Gott diesen Jesum, den ihr gekreuzigt habt, zu einem Herrn und Christ
gemacht hat".
Jesus ist beides: Herr und Christus. Wir müssen Seine Gottheit, Seine Herrschaft und
Seine göttliche Salbung anerkennen. Er ist ,,Gott über alles, hochgelobt in
Ewigkeit," und wir können Ihn nie zu hoch preisen. Ein großer und betrübender
Irrtum dieser Zeit ist der Mangel an Ehrerbietung gegen unseren Herrn und Sein Opfer.
Über Seine heiligen Lehren zu Gericht sitzen, heißt Ihm ins Angesicht speien; Seine
Wunder leugnen, heißt Ihm Seine Kleider ausziehen; Ihn als einen bloßen Sittenlehrer
darstellen, heißt Ihn mit einem Purpurmantel verhöhnen; in philosophischen Ausdrücken
Sein Versöhnungsopfer leugnen, heißt Ihn mit Dornen krönen, Ihn von neuem kreuzigen und
Ihn für Spott halten. Macht euch dessen nicht schuldig, meine Zuhörer, denn Gott hat
diesen Jesum ,,zu einem Herrn und Christus gemacht"; laßt uns Ihn als Herrn anbeten
und laßt uns Ihm als Christ vertrauen.
III. Nun komme ich zu meinem letzten Punkt: Das Resultat davon, daß man dies gewiß
weiß. Darf ich hier innehalten, um zu fragen: Wißt ihr dies gewiß? Ich hoffe, ihr alle
glaubt, daß Gott Jesum Christum, den Mittler, in Seiner zusammengesetzten Person als Gott
und Mensch zum ,,Herrn und Christus" gemacht hat. Als Gott war Er stets Herr; aber
als Gott und Mensch ist Er nun Herr und Christ. Menschheit und Gottheit ist in Ihm zu
einer wunderbaren Person vereinigt, und diese Person ist beides, ,,Herr und Christ".
Ihr glaubt das. Aber glaubt ihr so, daß es euch eine Tatsache von der höchsten
Wichtigkeit ist? Wollt ihr es gewiß glauben, daß der Mann von Nazareth, der auf Golgatha
starb, heute beides ist, Herr und Christus? Wenn ihr das nun glaubt, welches sind dann
eure Empfindungen, wenn ihr euer früheres Mißverhalten gegen Ihn überschaut? Geht euch
eure frühere Vernachlässigung nicht durchs Herz? Wenn ihr nicht so glaubt, hat es wenig
Zweck, euch zu beschreiben, welches das Resultat solchen Glaubens sein würde, denn dies
Resultat zeigt sich bei euch nicht; wenn ihr aber so glaubt und Jesus euch Herr und
Christus ist, dann werdet ihr Ihn ansehen, in welchen ihr gestochen habt, und werdet
trauern. Indem ihr euch erinnert, wie ihr Ihn vernachlässigt und verachtet und verworfen
habt, wie ihr von Ihm abgewichen seid, und wenn ihr eurer undankbaren Handlungen gedenkt,
welche anzeigen, daß ihr Ihn verachtet habt, dann muß es euch sein, als ob euch das Herz
brechen wollte, und ihr werdet von einer großen Betrübnis und von einer aufrichtigen
Buße ergriffen werden. Der Herr wirke es in euch um Seines Sohnes willen! Beachtet, daß
als Resultat von Petri Predigt seine Zuhörer einen tödlichen Stich fühlten: ,,Es ging
ihnen durchs Herz." Die Wahrheit hatte ihre Seelen durchbohrt. Wenn ein Mensch
herausfindet, daß er gegen jemand, der ihn geliebt hat, ein großes Unrecht begangen hat,
dann wird er herzkrank und betrachtet sein eigenes Verhalten mit Abscheu. Wir alle
erinnern uns der Geschichte von Llevellyn und seinem treuen Hunde. Der Prinz kam von der
Jagd zurück und vermißte sein kleines Kindlein, sah aber überall Blutspuren. Vermutend,
daß sein Hund Gelert das Kind getötet haben könne, stieß er sein rächendes Schwert in
den treuen Hund, der sein Kind gegen einen zerrissen und tot daliegenden großen Wolf
kühn und tapfer verteidigt hatte. Ja, er hatte das getreue Geschöpf getötet, das ihm
sein Kind bewahrt hatte. Das Todesgestöhn des armen Gelert zerriß dem Prinzen das Herz,
und das konnte es auch. Wenn sich solche Empfindungen regen, wenn wir die Entdeckung
machen, daß wir irrtümlicherweise grausam gegen einen Hund gehandelt haben, wie sollten
wir dem Herrn Jesu gegenüber empfinden, der Sein Leben ließ, damit wir, die wir Seine
Feinde waren, das Leben haben möchten?
Ich erinnere mich einer furchtbar tragischen Geschichte von einem bösen Ehepaar, das eine
Herberge hatte, die in schlechtem Rufe stand. Eines Abends kam ein junger Mann, der dort
zu logieren wünschte. Sie merkten, daß er Geld in seiner Börse hatte, und sie
ermordeten ihn in der Nacht. Es war ihr eigener Sohn, der zurückgekommen war, um ihr
Alter angenehm zu gestalten; er wollte zusehen, ob seine Eltern ihn wiedererkennen
würden. O, was gab es für bittere Klagen, als sie herausfanden, daß sie in ihrer
Geldgier ihren eigenen Sohn ermordet hatten!
Entnehmt solchem herzzerreißenden Kummer den besseren Teil und fügt eine geistliche
Überzeugung von der Sünde, den Sohn Gottes, den Vollkommenen, den Freund der Seelen, so
übel behandelt zu haben, hinzu, und ihr kommt dem Sinn des ,,durchs Herz gehen" sehr
nahe. O, zu denken, daß wir Den verachtet haben, der uns so geliebt und Sich selbst für
uns dargegeben hat, daß wir uns gegen Den aufgelehnt haben, der uns, da wir Seine Feinde
waren, mit Seinem eigenen Blute erkauft hat! Ich wünsche zu Gott, daß jeder, der noch
nicht zu Christo gekommen ist, jetzt einen Stachel in seinem Gewissen fühlen und darüber
trauern möchte, daß er dies überaus große Übel begangen hat wider den hochgelobten
Sohn Gottes, der Mensch ward und aus Liebe zu schuldigen Menschen am Kreuze starb.
Wenn wir lesen, daß ,,es ihnen durchs Herz" ging, können wir darin auch den Sinn
sehen, daß sie eine Regung der Liebe zu Ihm empfanden, ein Weichwerden des Herzens, eine
Neigung zu Ihm hin. Sie sagten sich: ,,Haben wir Ihn so behandelt? Was können wir tun, um
unseren Abscheu über unser eigenes Verhalten zu zeigen?" Sie waren nicht nur
überzeugt von ihrer Sünde, so daß sie darüber betrübt waren, sondern ihre Wünsche
und Begierden neigten sich dem Beleidigten und Gekränkten zu, und sie riefen: ,,Was
sollen wir tun? In welcher Weise können wir unser Unrecht anerkennen? Gibt es einen Weg,
auf welchem wir dies gegen Ihn begangene Unrecht irgendwie ungeschehen machen
können?" Ich wünschte, daß ihr alle zu diesem Punkte kämt. Laßt uns unter
Tränen forschen, wie wir unsere Auflehnung gegen Ihn beenden und uns als Seine Freunde
und demütigen Knechte erweisen können.
Als eine Folge der Predigt Petri, die er in der Kraft des Heiligen Geistes gehalten hatte,
zeigten diese Leute gehorsamen Glauben. Sie wurden zur Tätigkeit erweckt, und sie sagten:
,,Jhr Männer, liebe Brüder, was sollen wir tun?" Sie glaubten, daß derselbe Jesus,
den sie gekreuzigt hatten, nun Herr über alles war, und sie beeilten sich, Ihm gehorsam
zu sein. Als Petrus sagte: ,,Tut Buße!" taten sie tatsächlich Buße. Wenn Buße
Bekümmernis ist, so waren sie in ihren Herzen bekümmert. Wenn Buße eine Änderung des
Sinnes und Lebens ist, so waren sie tatsächlich andere Menschen geworden. Dann sagte
Petrus: ,,Lasse sich ein jeglicher taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung der
Sünden." Tut den offenen und entscheidenden Schritt; tretet als Gläubige an Jesum
hervor und bekennt Ihn durch das äußere und sichtbare Zeichen, welches Er angeordnet
hat. Werdet mit Ihm begraben, in dem eure Sünden begraben sind. Ihr tötetet Ihn
irrtümlicherweise; laßt euch in Wahrheit mit Ihm begraben. Sie taten dies gerne; sie
wandten sich von der Sünde ab; sie wurden in den heiligen Namen getauft. Und dann konnte
Petrus ihnen sagen: ,,Ihr habt Vergebung der Sünden; das Unrecht, das ihr an eurem Herrn
getan habt, ist ausgelöscht; der Herr hat eure Sünden auf immer weggenommen. Vergebung
der Sünde wird euch durch Jesum, den ihr getötet habt, den der Vater auferweckt hat. Ihr
werdet wegen des schrecklichen Verbrechens der Ermordung des Herrn nicht aufgefordert
werden, vor den Schranken Gottes zu erscheinen und euch zu verantworten; denn durch Seinen
Tod ist euch Vergebung geworden. Zum Beweise der Vergebung sollt ihr nun der großen Gabe
teilhaftig werden, die ein Zeichen Seiner himmlischen Macht ist. Der Heilige Geist wird
über euch kommen, ja, über euch, die ihr Seine Mörder gewesen seid, und ihr werdet
hingehen und Seine Zeugen sein."
Meine lieben Zuhörer, zu welchem Standpunkt habe ich euch nun geführt! Wenn euch der
Heilige Geist beigestanden hat, so daß ihr mir in der Schrift folgen konntet, seht, wohin
wir gekommen sind! Wie schwarz auch euer Verbrechen und wie nichtig auch euer Charakter
sein mag, wenn ihr das Unrecht eingesehen habt, das ihr getan habt; wenn ihr herzlich
bereut, was ihr getan habt, weil ihr einseht, daß ihr gegen euren liebevollen Herrn
gesündigt habt, und wenn ihr bußfertig und gläubig zu Ihm kommen wollt, und wenn ihr
Ihn bekennen wollt, wie Er euch geboten hat, Ihn in der Taufe zu bekennen: dann habt ihr
völlige Vergebung, und ihr werdet teilhaftig werden der Gaben und Gnaden Seines Heiligen
Geistes, und hinfort werdet ihr Zeugen für den Christus werden, welchen Gott von den
Toten auferweckt hat. Geliebte, ihr bedürft keiner gewählten Rede von mir; reines Gold
bedarf keiner Vergoldung, und wie ich euch die wundervollste aller Tatsachen im Himmel und
auf Erden erzählt habe, so lasse ich sie in ihrer einfachen Erhabenheit bestehen bleiben.
Möchte Gott diese alte, alte Geschichte auf eure Herzen schreiben! O, daß Er eine neue Auflage Seines Evangeliums der Liebe, das auf eure Herzen gedruckt wird, herausgeben möchte! Jedes Menschen Bekehrung ist eine neu gedruckte Kopie der Heilsgeschichte. Möchte der Herr euch heute als frisch von der Presse kommenden lebendigen Brief herausgeben, der von jedermann erkannt und gelesen wird, der insbesondere von euren Kindern daheim und von euren Nachbarn in eurer Straße gelesen wird! Der Herr gebe, daß auch diese Predigt vielen durchs Herz gehe um Seines Namens willen! Amen.
Ich will mich diesmal sehr kurz fassen, will aber sehr ernst einige wichtige Dinge
betonen. Der Glaube ist das unerläßliche Erfordernis zur Seligkeit. ,,Wer da glaubt und
getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt
werden." Der Glaube ist das eine unerläßliche Erfordernis zur Seligkeit. Dieser
Glaube ist Gottes Gabe. Er ist das Werk des Heiligen Geistes. Manche Menschen glauben
nicht an Jesum; sie glauben nicht, weil sie Christi Schafe nicht sind, wie Er selbst zu
ihnen sagte; aber Seine Schafe hören Seine Stimme. Er kennt sie, und sie folgen Ihm. Er
gibt ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus
Seiner Hand reißen. Was ist dieses Glauben? Glauben besteht in zwei Dingen; es ist
zunächst ein Annehmen des Zeugnisses, das Gott zeugt von Seinem Sohne. Gott sagt uns,
daß Sein Sohn in die Welt gekommen und Fleisch geworden ist, daß Er um der Menschen
willen auf Erden gelebt hat und daß Er, nachdem Er Sein Leben in Heiligkeit gespendet,
als eine Versöhnung für die Sünde geopfert worden ist, daß Er am Kreuz die Sühnung
für die Sünden der Welt herbeigeführt hat, so daß, ,,wer an Ihn glaubt, nicht verloren
geht, sondern das ewige Leben hat". Wenn ihr gerettet werden wollt, müßt ihr dieses
Zeugnis annehmen, das Gott von Seinem Sohne zeugt. Nachdem das geschehen, ist das
nächste, dem zu vertrauen. Hierin liegt tatsächlich das Wesen des seligmachenden
Glaubens, daß ihr euch hinsichtlich der ewigen Seligkeit auf das Sühnopfer und auf die
Gerechtigkeit Jesu Christi verlaßt und ein für allemal alles Vertrauen auf Gefühle oder
auf eigenes Tun aufgebt und Jesu Christo in dem vertraut, was Er für eure Errettung getan
hat.
Dies ist Glaube, die Wahrheit von Christo annehmen, zuerst sie als wahr erkennen und dann
auf dieses Annehmen hin handeln. Ein solcher wirklicher Glaube veranlaßt den Menschen,
hinfort die Sünde zu hassen. Wie kann Er das lieben, das dem Heiland Blut gekostet hat?
Er veranlaßt ihn, in Heiligkeit zu leben. Wie kann er anders als suchen, den Gott zu
ehren, der ihn so geliebt hat, daß Er Seinen Sohn gab, daß Er für ihn sterbe? Dieser
Glaube ist in seiner Natur und in seinen Wirkungen geistlich; er wirkt auf den ganzen
Menschen ein; er verändert sein Herz, erleuchtet seinen Verstand und unterwirft seinen
Willen; er unterwirft ihn der Oberherrschaft Gottes und nötigt ihn, das Wort Gottes
anzunehmen als ein kleines Kind, das da willig ist, die Wahrheit auf das Wort des Ewigen
hin anzunehmen; er heiligt seinen Verstand und macht ihn willig, durch Gottes Wort gelehrt
zu werden; er reinigt innerlich; er macht das Inwendige der Schüssel und des Bechers rein
und verschönt ihn nach außen; er reinigt das äußere Verhalten und die inneren
Beweggründe, so daß der Mensch, wenn sein Glaube wirklich und echt ist, hinfort ein ganz
anderer wird, als er zuvor war.
Nun halte ich es für ganz vernünftig, daß solcher Glaube die Seele rettet; nein, es ist
gewiß, denn wir haben gesehen, daß Menschen dadurch gerettet worden sind. Wir haben es
hier in diesem Bethause gesehen. Wir haben gesehen, wie die Hure aus dem höllischen Sumpf
ihrer Sünde herausgezogen und zu einer ehrlichen Frau gemacht worden ist; wir haben
gesehen, daß der Dieb gerettet worden ist, und in Hunderten von Fällen sind Trunkenbolde
zu nüchternen Männern geworden; wir haben wahrgenommen, daß der Glaube solche
Veränderung wirkte, daß alle Nachbarn es bewundert haben, obgleich sie es hassen
mochten; wir haben gesehen, wie der Glaube Menschen aus der Stunde der Versuchung rettet
und ihnen hilft, sich und ihre Habe Gott zu weihen; wir haben Taten heldenmütiger Hingabe
an Gott gesehen und hoffen, sie noch viel mehr zu sehen. Meine Zuhörer, wenn ihr errettet
werden wollt, müßt ihr an den Herrn Jesum Christum glauben. Laßt mich euch von ganzem
Herzen bitten, hinsichtlich eurer Seligkeit nirgendwo anders hinzublicken als zu dem
gekreuzigten Christo. Wenn ihr euch auf eine Zeremonie verlaßt - wenn es auch nicht
gerade die Taufe ist -, wenn ihr euch auf etwas anderes als auf Christus verlaßt, müßt
ihr, so gewiß dieses Buch wahr ist, verloren gehen. Ich bitte euch, glaubt nicht einem
jeglichen Geist, und ob auch ich oder ein Engel vom Himmel euch eine andere Lehre predigt
als diese, der sei verflucht; denn dies und dies allein ist die Seelen rettende Wahrheit,
welche die Welt wiedergebären kann: ,,Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig
werden." In einem Blick auf den Gekreuzigten ist Leben, und es ist in diesem
Augenblick für euch da. Wer unter euch an die große Liebe Gottes in Christo Jesu zu euch
glauben kann, wird selig werden. Wenn ihr glauben könnt, daß unser großer Vater
wünscht, daß wir zu Ihm kommen, daß Er Sich nach uns sehnt, daß Er täglich durch die
laute Stimme der Wunden Seines Sohnes ruft; wenn ihr jetzt glauben könnt, daß in Christo
Vergebung für frühere Übertretungen und Reinigung für zukünftige Jahre ist; wenn ihr
Ihm vertrauen könnt, daß Er euch rettet, so habt ihr bereits die Kennzeichen der
Wiedergeburt. Soweit es das Werk des Geistes betrifft, ist das Heilswerk in euch bereits
begonnen, und soweit es das Werk Christi betrifft, ist es für euch vollbracht. O, ich
möchte euch anflehen: Verlaßt euch auf Jesum Christum. Dies ist der Grund: Baut darauf.
Dies ist der Zufluchtsort: Flieht dahin. Ich bitte euch, flieht jetzt dahin. Das Leben ist
kurz; die Zeit eilt auf Adlers Flügeln dahin. So schnell wie die vom Habicht verfolgte
Taube fliehe, fliehe, armer Sünder, zu Gottes liebem Sohne; rühre den Saum Seines
Gewandes an; blicke jetzt in das liebe Angesicht, das einst von Schmerz für dich
entstellt ward; schaue in jene Augen, die einst Tränen für dich vergossen. Vertraue Ihm,
und wenn du Ihn falsch erfindest, dann mußt du verloren gehen; aber solange Sein Wort
wahr ist: ,,Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt,
der wird verdammt werden," wirst du Ihn nicht als falsch erfinden. Gott gebe uns
diesen wesentlichen, lebendigen Glauben, ohne welchen es keine Seligkeit gibt! Getauft,
wieder getauft, beschnitten, konfirmiert, mit dem Abendmahl versehen und in geweihter Erde
begraben - werdet ihr dennoch verloren gehen, wenn ihr nicht an Jesum glaubt. Das Wort ist
ausdrücklich und klar; wer nicht glaubt, mag seine Taufe und irgend etwas geltend machen
- ,,wer nicht glaubt, der wird verdammt werden"; für ihn gibt es nichts anderes als
den Zorn Gottes, die Flammen der Hölle, ewiges Verderben. So erklärt Christus, und so
muß es sein.
Aber nun zum Schluß, und hier sind etliche, welche sagen: ,,Aber die Taufe ist doch im
Text, welche Stellung weisen Sie ihr an?" Das soll ein anderer Punkt sein, und dann
schließen wir. Die Taufe im Text ist eine, die offenbar mit dem Glauben verbunden ist.
,,Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden." Es fällt mir auf, daß
hier die Annahme nicht besteht, daß jemand getauft werden könnte, welcher nicht glaubt;
oder, wenn doch solche Annahme vorhanden sein sollte, so ist sehr klar dargelegt, daß
diese Taufe von keinem Nutzen für ihn ist; denn er wird verdammt werden, wenn er nicht
glaubt, ob er nun getauft ist oder nicht. Die Taufe des Textes scheint mir - wenn ihr euch
darin von mir unterscheidet, so tut es mir leid, aber ich muß meine Meinung festhalten
und aussprechen - direkt dem Glauben zu folgen. Ich möchte nicht zu sehr auf der Ordnung
der Worte bestehen, aber ich denke, daß auch aus anderen Gründen die Taufe dem Glauben
folgen sollte. Jedenfalls verhindert sie so den Irrtum recht wirksam, den wir bekämpft
haben. Jemand, der da weiß, daß er durch den Glauben an Christus gerettet ist, wird,
nachdem er getauft worden ist, seine Taufe nicht zu einer seligmachenden Vorschrift
erheben. Tatsächlich ist er der beste Protestler gegen den Mißgriff, weil er dafür
hält, daß er kein Recht hat, getauft zu werden, bis er gerettet ist. Er legt dadurch,
daß er als bereits wiedergeborener Mensch getauft wird, Zeugnis ab gegen die
Taufwiedergeburt. Brüder, die hier gemeinte Taufe ist eine Taufe, die mit dem Glauben
verbunden ist, und ich will zugeben, daß dieser Taufe in der Schrift vieles zugeschrieben
wird. Ich finde einige sehr merkwürdige Stellen, in denen sehr stark von der Taufe
gesprochen wird. Ich finde diese: ,,Stehe auf und laß dich taufen und abwaschen deine
Sünden, und rufe an den Namen des Herrn." Ich finde anderswo dasselbe. Ich weiß,
daß der Gläubigen Taufe an und für sich die Sünde nicht abwäscht; doch sie ist so
für den Gläubigen das äußere Zeichen und Emblem davon. Ebenso wie unser Heiland sagte:
,,Dies ist Mein Leib", während es doch nicht Sein Leib, sondern Brot war; da es
indessen Seinen Leib darstellte, war es nach dem Sprachgebrauch recht und billig, zu
sagen: ,,Nehmt, eßt, das ist Mein Leib." Und insofern die Taufe dem Gläubigen die
Abwaschung der Sünde darstellt, kann sie die Abwaschung der Sünde genannt werden, nicht,
weil sie das ist, sondern weil sie der geretteten Seele das äußere Symbol und die
Darstellung von dem ist, was durch die Kraft des Heiligen Geistes in dem Menschen, der an
Christum glaubt, geschehen ist.
Welche Verbindung hat diese Taufe mit dem Glauben? Die Taufe ist das Bekenntnis des
Glaubens. Der Mensch war Christi Soldat, aber nun legt er in der Taufe Seine Uniform an.
Der Mensch glaubte an Christum, aber sein Glaube blieb zwischen Gott und seiner eigenen
Seele. In der Taufe sagt er zu dem Täufer: ,,Ich glaube an Jesum Christum" ; er sagt
zu der Gemeinde: "Als Gläubiger an die gemeinsamen Wahrheiten des Christentums
verbinde ich mich mit euch"; er sagt zu dem Zuschauer: ,,Was ihr auch tun mögt, ich
aber will dem Herrn dienen." Sie ist das Bekenntnis seines Glaubens.
Als nächstes halten wir dafür, daß die Taufe dem Gläubigen ein Zeugnis von seinem
Glauben ist; in seiner Taufe sagt er der Welt, was er glaubt. ,,Ich bin bereit," sagt
er, ,,im Wasser begraben zu werden. Ich glaube, daß der Sohn Gottes bildlich in Leiden
eingetaucht worden ist; ich glaube, daß Er buchstäblich starb und begraben ward."
Das Heraussteigen aus dem Wasser stellt allen Menschen dar, daß er an die Auferstehung
Christi glaubt. Im Abendmahl ist eine Verkündigung des Todes Christi, in der Taufe ist
die Verkündigung des Begräbnisses und der Auferstehung Christi. Es ist der Welt ein
Bild, ein Zeichen, ein Symbol, ein Spiegel, in welchem die Religion gleichsam reflektiert
wird. Dem Zuschauer, welcher fragt, welches denn der Sinn dieser Vorschrift sei, sagen
wir: ,,Wir beabsichtigen, unseren Glauben zu zeigen, daß Christus begraben ward und daß
Er von den Toten auferstand, und wir bekennen, daß dieser Tod und diese Auferstehung der
Grund unseres Vertrauens ist."
In der Taufe nimmt ferner der Glaube seinen rechten Platz ein. Die Taufe ist eine seiner
ersten Taten des Gehorsams, oder sie sollte es doch sein. Die Vernunft blickt auf die
Taufe und sagt: ,,Vielleicht ist nichts darin; sie kann mir nichts nützen." ,,Das
ist wahr," sagt der Glaube, ,,und darum will ich sie beobachten. Wenn sie mir
nützte, würde mich meine Selbstsucht dazu veranlassen; aber da sie mir nach meinem
Dafürhalten nichts nützt, sie mir aber von meinem Herrn geboten ist, weil ich alle
Gerechtigkeit erfüllen soll, ist es meine erste öffentliche Erklärung, daß etwas, das
unvernünftig scheinen und nutzlos sein mag, mir ein Gesetz ist, weil Gott es befohlen
hat. Wenn mein Herr mir geboten hätte, sechs Steine aufzulesen und in einer Reihe
hinzulegen, so würde ich es tun, ohne zu fragen: ,,Was soll das nützen?" 'Cui bono'
ist für Jesu Soldaten keine passende Frage; die bloße Einfachheit und scheinbare
Nutzlosigkeit der Vorschrift sollte den Gläubigen veranlassen, zu sagen: ,,Ich tue es
darum, weil es mir ein um so besserer Prüfstein meines Gehorsams gegen meinen Meister
wird." Wenn du deinem Diener etwas zu tun befiehlst und wenn er das nicht verstehen
kann und sich umdreht und fragt: ,,Bitte, mein Herr, wozu das?", so bist du dir ganz
klar darüber, daß er das Verhältnis zwischen Herrn und Diener schwerlich versteht. Und
wenn Gott mir etwas zu tun aufgibt und ich sage: ,,Wozu?", kann ich den Platz nicht
einnehmen, den der Glaube einnehmen sollte: den des einfältigen Gehorsams gegen alles,
das der Herr gesagt hat. Die Taufe ist befohlen, und der Glaube gehorcht, weil sie
befohlen ist, und nimmt so seine rechte Stellung ein.
Es ist nicht meine Gewohnheit, sogenannte ,,Taufpredigten" zu halten. Ich erwähne
selbst die Taufe in meinen Predigten selten, denn ich finde, daß viele meiner Zuhörer
die biblische Lehre von der Taufe auch ohne meine besondere Hilfe herausfinden. Unter
denen die sich mit unserer Gemeinschaft verbunden haben, befinden sich viele, die die
Wahrheit durch eigenes Forschen entdeckt haben. Das ist eine Methode, zur Wahrheit zu
gelangen, die ich der Unterweisung, die ich geben könnte, weit vorziehe, denn da, wo
Menschen so von Gott selbst unterwiesen werden, weiß ich, daß ihr Glaube ,,nicht beruht
auf Menschen Weisheit, sondern auf Gottes Kraft". Wo ich auch sein mag, überall bin
ich bestrebt, als vor den Augen Gottes so auf die Menschen einzuwirken, daß ich sie zu
Christus führe und es dem Geist Gottes überlasse, das Weitere von dem zu nehmen, das
Christi ist, und es ihnen zu offenbaren.
Doch ich darf hinsichtlich der Taufe der Gläubigen nicht gänzlich schweigen. Wenn ich
mein Amt redlich ausrichten und das ganze Evangelium predigen will, wie es im Neuen
Testament enthalten ist, dann muß ich die Wahrheit mit Bezug auf die große Vorschrift
unseres Herrn Jesu Christi verkündigen, welcher Er selbst eine so wichtige Stellung
anwies, als Er sie mit dem Glauben und dem Seligwerden verband: ,,Wer da glaubt und
getauft wird, der wird selig werden." Doch laßt mich euch versichern, lieben
Freunde, daß ich dieses Thema nicht im streitsüchtigen Geist erwählte, sondern nur,
weil ich fühle, daß es ,,die Last des Herrn" ist, die auf mir liegt, und insofern
die Taufe ein Teil des Wortes Gottes ist, muß ich darüber predigen. In der
vortrefflichen und geschätzten Presbyterianerkirche ist es üblich, daß vor der Feier
des Abendmahls eine Predigt zur Vorbereitung der Abendmahlsgenossen gehalten werde. Das
hauptsächliche Thema des Predigers ist dann etwa: ,,Welches sind die rechtmäßigen
Empfänger des Abendmahls? Wer darf hinzutreten und teilnehmen an dem symbolischen Brot
und Wein, und wer darf nicht daran teilnehmen?"
Wie nun der Abendmahlstisch eingehegt wird, so sollte das auch bei dem Taufwasser und bei
allen großen und herrlichen Lehren geschehen, die das Wesentliche unseres Glaubens
ausmachen, und ich glaube, daß der einzige Zaun, welcher notwendig und biblisch ist, der
in unserem Text aufgestellte ist: ,,Glaubst du von ganzem Herzen, so mag es wohl
sein." Wenn mich jemand fragt: ,,Darf ich mich zu den Erwählten zählen?", so
antworte ich: ,,Gott hat ein auserwähltes Volk; aber du hast kein Recht, dich für einen
Erwählten zu halten, wenn du nicht von ganzem Herzen glaubst." Dann ist da die Lehre
von der kräftigen Berufung, und wenn mich jemand fragt, ob er kräftig berufen ist, so
antworte ich: ,,Glaubst du von ganzem Herzen, dann hast du gewiß Anteil an dieser
herrlichen Lehre von der Gnade Gottes." Und was nun die Lehre von der Erlösung durch
Christi Blut betrifft, die die Grundlage und das Fundament aller unserer Hoffnungen
bildet, so habe ich kein Recht, es irgend einem Menschen zu sagen, daß er erlöst ist,
bis ich ihn veranlassen kann, eine völlige und befriedigende Antwort auf die Frage zu
geben: ,,Glaubst du von ganzem Herzen an den Herrn Jesum Christum?" Es ist mir klar,
daß die Lehren des Evangeliums keine wahrhaft tröstliche Botschaft für einen Menschen
enthalten, bis er von ganzem Herzen an Christum glaubt.
Ebenso ist es mit den Verheißungen Gottes. Sie bilden einen reich mit geistlichen Speisen
bedeckten Tisch; aber wer nicht von ganzem Herzen an Christum glaubt, hat kein Recht, sich
auf ,,die teuren und allergrößten Verheißungen" zu verlassen, welche Gott zur
Tröstung Seines Volkes verzeichnet hat. Ich weiß, daß es köstliche und gnadenvolle
Einladungen gibt, die an den Sünder ergehen, und ich danke Gott dafür, daß dem so ist;
aber ich weiß auch, daß sich der Sünder ihre Köstlichkeit nie klarmachen kann, bis er
an Jesum glaubt. Ich bin durchaus davon überzeugt, daß dasselbe bei den Vorschriften
unseres Herrn Jesu Christi der Fall ist. So hinsichtlich der Taufe der Gläubigen. Welche
Ansichten auch verschiedene Männer mit Bezug auf sie haben mögen, das Wort Gottes muß
den Ausschlag geben, und es ist unsere Pflicht, alles zu predigen, was uns darin
geoffenbart ist. Ein Punkt, der sehr klar ist, ist, daß niemand ein Recht zu dieser
Vorschrift hat, bis er an Christum gläubig ist. Es setzt mich in Erstaunen, daß Christen
sich jemals haben einbilden können, daß in irgendeinem Fall von dieser Regel abgegangen
werden könne, und oft staune ich darüber, daß nicht alle Calvinisten es einsehen
können, daß die Taufe dem Volk Gottes und ihm allein gehören müsse. Lehren wir nicht
richtig, daß die Lehren der Schrift zum Trost und zur Unterweisung der Gläubigen da sind
und daß die Verheißungen in der Regel den Gläubigen gehören? Dann kann ich nicht
verstehen, woraufhin von der göttlichen Regel eine einzige Ausnahme gemacht werden kann
und wie man sich denken kann, daß diese feierliche Vorschrift aller Welt offengelassen
werden soll, nicht nur allen verständigen Weltbewohnern, sondern daß selbst ein
unbewußter Säugling ein Gegenstand derselben werden soll.
Das ist für mich nicht nur ein überzeugender Beweisgrund, sondern soweit ich es
verstehe, ist das ganze Evangelium Christi an verständige Persönlichkeiten gerichtet.
Ich kann nicht einsehen, daß ich irgend etwas ausrichten könnte, wenn ich berufen
würde, einer unbewußten Person zu predigen. Das Evangelium wendet sich an das
Verständnis und an die Herzen der Menschen; wenn sich aber ihre ganzen geistigen
Fähigkeiten in einem schlummernden Zustand befinden, sehe ich nicht ein, was ich als
Prediger in einem solchen Fall tun könnte oder welche Beziehungen das Evangelium zu
solchen Wesen haben kann. Es setzt mich in Erstaunen, daß ein unbewußter Säugling an
einer Verordnung teilnimmt; welche nach der deutlichen Lehre der Heiligen Schrift die
bewußte Einwilligung und das vollständige Herzensvertrauen bei dem Empfänger erfordert.
Nur sehr wenige würden beweisen wollen, daß Säuglinge das Mahl des Herrn empfangen
sollten; aber es ist nicht mehr biblische Bürgschaft dafür vorhanden, sie zu der einen
Verordnung zu bringen, als sie da ist, sie zu der anderen zu bringen.
Der Katechismus der englischen Kirche hat durchaus recht, wenn er sagt, daß von den
Personen, die getauft werden sollen, Buße und Glaube gefordert werden müsse; aber ihre
Praxis stimmt mit der biblischen Lehre nicht überein. Wenn die Paten des Kindes es zum
Taufstein bringen, versprechen sie in seinem Namen, daß es Buße tun und glauben und dem
Teufel und allen seinen Werken entsagen solle. Das ist mehr, als das Kind jemals
versprechen könnte, mehr, als ich zu tun versprechen könnte, oder wenn ich wirklich so
sagte, so wäre ich ein Lügner wider Gott und wider meine eigene Seele, da es mir ganz
unmöglich wäre, solches Versprechen zu halten. Die Theorie der Kirche ist, daß dies
Versprechen der Buße und des Glaubens gleich dem im Umlauf befindlichen Papiergeld sei;
es ist wahr, daß es nicht die gangbare Münze der Buße und des Glaubens ist; trotzdem
ist es gültig - das Versprechen, daß das Kind Buße tun und glauben werde, ist genügend
-, das erscheint mir als eine seltsame Erdichtung, die ein vernünftiges Geschöpf nicht
annehmen kann. Ich will den Fall so darstellen: Nehmt an, es gäbe einen König, der
absolute Herrschaft über seine Untertanen hat, und nehmt an, es gäbe eine gewisse Tat
auszuführen, es handelte sich etwa um die Ergänzung einer zerbrochenen Fensterscheibe.
Nehmt ferner an, daß zwei Handwerker da waren, denen beiden der König befiehlt:
"Geht an die Arbeit und setzt eine neue Fensterscheibe ein." Der eine von ihnen
sagt: ,,Ich will nicht"; der andere sagt: ,,Ich will," doch er hängt sofort
Spinngewebe über die zerbrochene Stelle. Es ist mir klar, daß in dem Ungehorsam in
beiden Fällen kein großer Unterschied ist, und es ist fast dasselbe bei denen, die sich
ganz bestimmt weigern, zu tun, was sie als die klaren Befehle des Wortes Gottes
hinsichtlich der Taufe erkennen, und bei denen, welche diesen Befehlen praktisch
ungehorsam sind, indem sie an die Stelle der Untertauchung der Gläubigen die Besprengung
der Säuglinge stellen und dann die Erfindung der Patenschaft einführen, um ihrer
Abänderung der göttlichen Anordnung den Schein der Gültigkeit zu geben. Meines
Erachtens ist es ein vergeblicher Versuch, der Unterwerfung unter ein einfaches und klares
Gebot auszuweichen, und ist darum schlimmer, als ein offener Ungehorsam sein könnte. Ich
kann mich in die Lage eines Menschen versetzen, der in seinem Gewissen nicht fühlt, daß
es sich hier um eine Vorschrift handelt, die auf die Gläubigen beschränkt ist; aber ich
kann die Konsequenz eines Menschen nicht verstehen, der da sagt, daß Buße und Glaube vor
der Taufe erforderlich ist, und der dann den unbewußten Säugling in seine Arme nimmt,
einige Tropfen Wasser auf seine Stirn sprengt und dann erklärt, daß er ein Kind Gottes
und ein Erbe des Himmelreiches geworden ist. Das erscheint mir nicht nur als der Gipfel
der Ungereimtheit, sondern auch als eine schreckliche Sünde in den Augen des
allerhöchsten Gottes. Ich wiederhole, was ich bereits gesagt habe, daß die Einzäunung
beider Anordnungen Christi durch die im Text ausgesprochene Bedingung zustande kommt:
,,Glaubst du von ganzem Herzen, so mag es wohl sein." Ich kann kein Kind von der
Taufe zurückhalten, das von ganzem Herzen an Jesus glaubt; andererseits aber könnte ich
als ein Diener des Herrn selbst um eines ehrwürdigen Greises willen und ihm zu gefallen
meines Königs Gesetze nicht abändern, sondern würde vielmehr zu ihm sagen: ,,Tritt
zurück, bis du dich in dem passenden Zustand befindest, den Befehlen meines Herrn
gehorchen zu können. Du bist nicht berechtigt, an den Vorrechten teilzunehmen, die der
Familie Gottes gehören. Solange du nicht an Jesus glaubst und dich als eines Seiner
Kinder erweisest, kann ich nicht gestatten, daß du an der einen oder an der anderen
Vorschrift teilnimmst."
Nun gehe ich dazu über, die Lehre des Textes praktisch auszuüben, indem ich mich kurz
und liebevoll an unsere lieben Freunde wende, welche nun getauft zu werden wünschen. Die
Befolgung dieser Anordnung wird in vielen unter uns Erinnerungen an frühere gleiche
Fälle wachrufen. Sie erinnert mich an einen Fluß in Cambridgeshire, an dessen Ufern eine
große Schar von Zuschauern stand, und an einen Jüngling, der an der Hand eines Mannes
mitten in das fließende Wasser stieg und sich selbst, Geist, Seele und Leib dem Dienste
seines Meisters übergab. Sie erinnert mich an die Stunde, da ich dem Könige aller
Könige meine Treue und Anhänglichkeit öffentlich bekannte, und vielleicht werden
andere, welche so ,,Christum angezogen" haben, durch die Ansprache erfreut und
erfrischt und angeregt, die ich jetzt an unsere Taufkandidaten richten will.
I. In Erläuterung des Textes wollen wir ihn fast Wort für Wort durchgehen, und beachtet,
liebe Freunde, zunächst die Wichtigkeit des persönlichen Glaubens: ,,Glaubst du
von ganzem Herzen, so" kannst du getauft werden.
Glaubt ihr für euch selbst an Christus? Es ist nutzlos, zu sagen, daß ihr die Söhne
frommer Eltern, die Töchter gottseliger Väter und Mütter seid; wenn ihr selbst nicht an
Jesus glaubt, so werdet ihr ebenso gewiß wie die gottlosen Nachkömmlinge gottloser
Männer und Frauen zur Hölle gekehrt werden. Der Glaube eurer Eltern mag von Gott als das
Mittel gesegnet worden sein, durch welches ihr zu Christus geführt wurdet; wenn ihr aber
nicht zu Ihm gebracht worden seid, so kann euch aller Glaube anderer nicht zu eurer
Seligkeit verhelfen. Und wenn ihr Abraham zum Vater und Sara zur Mutter hättet, so
könntet ihr ohne euren persönlichen Glauben an den Herrn Jesum Christum doch nicht
gerettet werden. Wir, die wir von Kind auf mit zur Predigt genommen worden sind, sind so
sehr geneigt, uns einzubilden, daß es eine Art Familienheiligkeit gebe, welche uns allen
zustatten kommt, und anzunehmen, daß auch wir selig werden müssen, weil unsere Eltern
Christen gewesen sind. Doch dem ist nicht so; es nützt uns nichts, einer sogenannten
,,christlichen Familie" anzugehören, wenn ihr, die ihr derselben angehört, nicht
selber Christen seid. ,,So wird nun ein jeglicher für sich selbst Gott Rechenschaft
geben." Keines anderen Herzens Buße kann die Stelle eurer Traurigkeit über eure
Sünden einnehmen. Ihr selbst müßt dahin gebracht werden, das Bedürfnis eines Heilandes
zu empfinden; ihr selbst müßt durch den Heiligen Geist in den Stand gesetzt werden, euer
Vertrauen auf Jesum zu setzen, sonst werdet ihr ebenso gewiß verloren gehen, als wenn ihr
von Eltern geboren wärt, welche den Herrn weder gekannt noch geliebt haben.
Persönliche Religion ist ein wesentliches Vorerfordernis für die Aufnahme in die
Gemeinde Christi oder zu den Verordnungen, die Er eingesetzt hat. Es macht mich schaudern,
wenn ich sehe, wie Menschen, die keine Christen sind, die Verheißungen für sich in
Anspruch nehmen, die für Gläubige bestimmt sind. ,,Glaubst du von ganzem Herzen",
so magst du Honig aus den Verheißungen saugen; wenn du aber nicht glaubst, so werden dir
deine frommen Eltern am letzten großen Tage keinen Vorteil gewähren und jetzt
ebensowenig, denn der Zorn Gottes bleibt auf dir, weil du nicht glaubst an Seinen Sohn
Jesum Christum, den Er als den einen und alleinigen Heiland der Sünder in die Welt
gesandt hat.
Legt denn die Hand aufs Herz, meine lieben Brüder und Schwestern, und forscht und seht,
ob ihr wirklich persönlich für euch glaubt. Nehmt an, der Kämmerer hätte geantwortet:
,,Ich selbst glaube nicht an Jesum, aber mein Vater und meine Mutter haben es getan,"
so würde Philippus erwidert haben: ,,Deren Glaube kann dir nichts nützen; nur wenn du
>>von ganzem Herzen<< glaubst, magst du getauft werden." Religion ist
eine persönliche Sache, die Verordnungen Christi müssen von Gläubigen je nach ihrer
persönlichen Stellung in Ihm beobachtet werden. Glaubst du an den Sohn Gottes? Wenn das
nicht der Fall ist, können wir dich nicht in Seinen Namen taufen und dich nicht zur
Gemeinschaft mit Seinem Volke zulassen.
II. Beachtet sodann das große Vorerfordernis zur Taufe: ,,Glaubst du von
ganzem Herzen, so" magst du getauft werden.
Dies ist also die Frage, die ein jeder unter euch zu beantworten hat: Glaubst du an den
Herrn Jesum Christum? ,,Nun," sagt der eine, ,,ich versuche, dem Meister zu dienen,
so gut ich nur kann." Es freut mich, das zu hören, und wenn dein Dienst das Resultat
des Glaubens an Christum ist, so preise ich Gott dafür; wenn er aber nicht auf Glauben
basiert und nicht die Frucht des Glaubens ist, so ist er wertlos. Alles Dienen
ungläubiger Menschen ist nur übertünchte Sünde. Es mag wie eine Tugend aussehen, aber
es ist nicht echte Münze, sondern nur eine schlechte Nachahmung. Ich richte wieder die
Frage an euch: ,,Glaubt ihr an den Herrn Jesum Christum?"
,,Nun," sagt ein anderer, ,,ich nehme alle Lehren von der Gnade an, die mit der
Vorherbestimmung beginnen und mit der Beharrlichkeit bis ans Ende aufhören; ich bin so
orthodox, wie nur ein Gläubiger es sein kann." Das ist nicht genau, was ich von dir
zu wissen wünschte. Der Glaube an Christum ist nicht die Annahme einer trockenen, toten
Orthodoxie, nicht die Annahme eines Glaubensbekenntnisses oder irgendwelcher Form. Glauben
heißt vertrauen, und in dem neutestamentlichen Sinne des Wortes glaubt kein Mensch
wirklich, bis er dahin gebracht ist, Christo allein zu vertrauen und sich zu verlassen
nicht auf das, was er sieht, noch auf das, was er ist, sondern auf das, was in Gottes Wort
geoffenbart ist, nicht auf das, was er ist oder sein kann oder sein wird, noch auf das,
was er tut oder tun kann, noch auf das, was er fühlt oder nicht fühlt, sondern sich zu
verlassen einzig und allein auf das, was Christus getan hat, tut und noch tun wird. Nun,
liebe Brüder und Schwestern, glaubt ihr so von ganzem Herzen an den Herrn Jesum Christum?
Wenngleich ihr als Taufkandidaten gekleidet seid, bitte ich euch doch dringend, euch von
dem Taufbassin zurückzuziehen, wenn ihr nicht an Christum glaubt.
Es sollte euer Bestreben sein, in eurer Taufe Gott zu gefallen; ,,aber ohne Glauben ist es
unmöglich, Gott zu gefallen". Wie kann das, was Ihm nicht gefällt, als die
Beobachtung einer Seiner Verordnungen angesehen werden? Wenn du aber von ganzem Herzen
glaubst, so magst du sie beobachten, und deine Befolgung wird Ihm angenehm sein. Wenn
Christus der feste Pfeiler deiner Hoffnung, die einzige Stütze deines Vertrauens ist,
wenn dein Glaube wirklich und wahrhaftig sagt: ,,Ich verlasse mich hinsichtlich meines
Heiles auf nichts anderes als auf Jesum allein", so komm und sei willkommen. ,,Komm
herein, du Gesegneter des Herrn; warum stehst du draußen?" Vor einigen Jahren kam
ein Mann zu mir und wünschte getauft zu werden. Ich richtete die Frage an ihn: ,,Warum
wünschen Sie das?" Er antwortete: ,,Weil ich ein Christ werden möchte."
,,Aber," fragte ich, ,,denken Sie denn, daß die Taufe Sie zu einem Christen machen
werde?" ,,Jawohl," sagte er. ,,Dann", erwiderte ich, ,,sind Sie aber sehr
im Irrtum. Wir taufen niemand als solche, welche bekennen, durch den Glauben an Jesus
bereits gerettet zu sein." Der Mann schien über diese Idee äußerst verdutzt, denn
er hatte irgendwie den Gedanken in seinen Kopf aufgenommen, daß in der Verordnung selbst
etwas Wirksames liegen müsse, und als ich versuchte, ihm zu erklären, daß die Heilige
Schrift für einen solchen Gedanken gar keinen Anhalt biete und daß wir darum niemand
taufen würden, welcher sich nicht bereits gerettet glaube, ging der Mann ganz verblüfft
hinweg. Doch ich hoffe, daß er auch mit dem Entschluß wegging, sich ernste Fragen
vorzulegen wie: ,,Wie kommt es, daß ich kein Christ bin? Wie geht es zu, daß ich kein
Nachfolger Christi bin und daß der Prediger sich darum weigerte, mich zu taufen, und daß
er in mich drang, zuerst nach dem Reiche Gottes und nach Seiner Gerechtigkeit zu trachten
und mich danach, aber nicht vorher, taufen zu lassen?" Gott verhüte, daß irgend
jemand unter euch, teure Freunde, auch nur einen Augenblick annehme, daß in dem Wasser in
jenem Bassin irgendwelche seligmachende Kraft liege! Was könnte es euch nützen, selbst
wenn ihr im Jordanfluß getauft würdet? Und wenn das Taufwasser aus dem Garten Eden
geflossen käme, so würde es doch die Flecken der Sünde nicht wegwaschen können; nichts
anderes vermag das als Jesu Blut allein. Wer darin versenkt worden ist, kann auch in das
Taufwasser versenkt werden; wer da glaubt, der möge sich taufen lassen. Wenn du nicht
glaubst, so tritt zurück; wenn du aber glaubst, so komm und bekenne deinen Glauben, wie
dein Herr es verordnet hat. Wenn du nicht glaubst, so hüte dich wohl, daß du deine
eigene Seele nicht dadurch verdirbst, daß du dich mit einer Anordnung befassest, die in
deinem gegenwärtigen Zustand nicht für dich da ist.
III. Und nun beachtet drittens die hier erwähnte Art des Glaubens: ,,Glaubst du von
ganzem Herzen?"
Zwischen Glauben und Glauben ist ein sehr großer Unterschied. Eine Art des Glaubens ist
der Kopfglaube, eine andere der Glaube des Herzens. Manche Leute haben alle ihre Religion
in ihrem Kopf; gleich armen, dürftigen und elenden Studenten beschränken sie ihre
Religion auf ihren Kopf und lassen sie sich nähren von trockenen Gedanken und müßigen
Spekulationen; aber der Glaube des wahren Christen nimmt die gute Stube des Herzens für
sich ein. Er hat seine Zitadelle in dem innersten Teile seines Wesens und ist in seiner
innersten Seele zu Hause.
Einen Kopfglauben hat selbst der Teufel; er glaubt und zittert. Er ist so orthodox wie
viele sehr gelehrte Theologen; soweit es die bloße Aufstellung der Theologie betrifft,
traue ich dem Teufel zu, daß er ein Glaubensbekenntnis entwerfen könnte. Ich glaube,
daß er über Gottes Worte besser unterrichtet ist als die meisten unter uns. Wenngleich
er außerordentlich gewandt ist, sie zu seinen eigenen Zwecken falsch anzuwenden, kann er
sie doch auch ganz korrekt zitieren, wenn es ihm so paßt. Doch der Teufel haßt viel von
dem, was er mit seinem Kopfe glaubt. Da ist zum Beispiel die Lehre von der Erwählung.
,,Ich kann die Wahrheit dieser Lehre nicht leugnen," sagt er, ,,aber ich hasse sie,
denn ich weiß, daß ich zu den Erwählten nicht gehöre." Dasselbe ist der Fall bei
der Erlösung; der Teufel sagt: ,,Ich hasse diese Lehre. Ich weiß, daß Christus Sein
Volk mit Seinem Blute erlöst hat, aber ich gehöre nicht zu ihnen. Das Kreuz Christi ist
herrlich, und ich kann nicht umhin, seine Kraft anzuerkennen, denn ich habe sie oft
empfunden und werde sie mehr und mehr empfinden, aber ich hasse das Kreuz, denn es
erdrückt mich und entreißt mir ganze Scharen meiner Untertanen. Ich weiß, daß Jesus
der Sohn Gottes ist; ich wünschte, Er wäre es nicht, und wenn ich könnte, möchte ich
Ihn von Seinem Thron herunterreißen und aus Seinem Reiche verbannen." So seht ihr,
daß der Teufel mit seinem Kopf vieles glaubt, das er von Herzen haßt.
Der Glaube an Christum ist niemals echt, wenn er nicht der Glaube des Herzens ist, wenn
ihm nicht das Herz ebenso wie der Kopf seine Zustimmung gibt, wenn die Wahrheit nicht nur
geglaubt, sondern auch geliebt wird. Glaubt ihr die Wahrheit von Herzen, liebe Freunde?
Seid ihr nicht nur von ihr überzeugt, sondern ist sie auch eure Wonne und Freude? Wißt
ihr, daß ihr Sünder seid, und trauert ihr über diese betrübende Tatsache? Kennt ihr
diese Wahrheit aus Erfahrung? Kennt ihr Christum auch als euren Heiland? Habt ihr Ihn als
einen Besitz von unendlicher Wichtigkeit für euch in euer Herz aufgenommen? Wißt ihr
Seine Gegenwart zu schätzen und freut ihr euch, Ihn stets bei euch zu haben? Wißt ihr,
daß Jesu Blut die Sünden tilgt? Habt ihr erfahren, daß eure Sünden getilgt worden
sind? Glaubt ihr in euren Herzen, daß der Heilige Geist Der ist, der da heiligt? Glaubt
ihr diese Wahrheit von Herzen und betet ihr deshalb: ,,Herr, erneuere und heilige mich
durch Deinen guten Geist am inwendigen Menschen!"? Wenn nicht, dann berechtigt euch
der Glaube, den ihr haben mögt, nicht zur Taufe, noch viel weniger zum Himmel, und tretet
darum zurück. Wenn allein dein Kopf voll ist von dem, was gesund und recht und wahr ist,
und wenn dein Herz leer ist vom Glauben an Christum und von der Liebe zu Gott und zu
Seiner Wahrheit, so tritt von dem Taufbassin zurück, denn du darfst da nicht eindringen,
wo allein Christi Nachfolger hingehören. Philippus sagte zu dem Kämmerer: Glaubst du von
ganzem Herzen, so magst du getauft werden. Ich fürchte, daß manche in jenem Bassin
getauft worden sind, welche nicht von ganzem Herzen glaubten. Sie sagten das zwar, aber
ich bezweifle, daß es von allen auch wirklich wahr war. Und, Geliebte, wenn wir uns
ehrlich selbst prüfen, werden manche unter uns ernste Ursache haben, uns zu fragen, ob
wir irgendwelches Recht an die Verordnung der Taufe der Gläubigen haben. Freund, glaubst
du von ganzem Herzen an Christus? Christus will dein ganzes Herz oder überhaupt nichts
haben; Er wird nie damit zufrieden sein, einen Teil davon zu haben und dem Teufel das
übrige zu lassen. Ihr Taufkandidaten, könnt ihr von Herzen sagen, daß ihr alles für
Christum aufgebt? Könnt ihr alles - Leben, Leib, Seele, Gesundheit, Habe oder Gabe -,
könnt ihr Christo alles übergeben? Wenn ihr es nicht könnt, so glaubt ihr nicht von
ganzem Herzen an Ihn, dann ist etwas da, das ihr zurückhaltet. Wenn ihr von ganzem Herzen
glaubt, dann werdet ihr das ganze Herz übergeben.
Beachtet noch eine andere Seite des Textes. Habt ihr außer dem Vertrauen auf Christum
noch irgendwelches andere Vertrauen? Ist da hinsichtlich des Heiles in euren Herzen noch
ein wenig Selbstvertrauen oder etwas Vertrauen auf eure guten Werke oder auf irgendwelche
Zeremonien, die ihr beobachten könnt? Dann muß ich euch sagen: Tretet vom Taufbassin
zurück, bis ihr von ganzem Herzen an Christum glaubt und zu Ihm sagen könnt:
,,Mein ganzes Vertrauen auf Dich ist gerichtet,
Von Dir ich allein meine Hilfe bezieh'."
Wenn ihr das vertrauensvoll sagen könnt, so kommt und seid willkommen, wenn nicht, so tretet zurück. Hier kann ich Trost für mich finden, denn was ich sonst auch nicht sagen kann - ich kann in Wahrheit sagen, daß ich von ganzem Herzen an Jesum glaube; ich habe nichts anderes, darauf ich irgendwelches Vertrauen setze. Andere mögen sich auf ihre guten Werke verlassen, ich habe keine, darauf ich mich verlassen könnte. Manche mögen sich auf ihre Gebete verlassen, ich habe darüber zu weinen, daß die meinen so wenige sind und daß diese so schwach sind. Manche mögen sich auf Zeremonien verlassen, ich habe oft erlebt, wie nutzlos selbst die besten derselben sind, meine Stütze muß einzig und allein Christus sein. Meine eigene Kraft ist vollkommene Schwachheit; ich kann mich weder auf sie noch auf irgend etwas anderes verlassen, als auf Christum allein. Könnt ihr dasselbe sagen, liebe Brüder und Schwestern? Dann mögt ihr ohne Furcht hinabsteigen in das Wasser; aber wenn ihr nicht von ganzem Herzen glaubt, so tretet vom Taufbassin zurück.
Indem ich meine Rede schließe, möchte ich allen meinen Zuhörern sehr herzlich diese
Frage vorlegen und es dem Heiligen Geist anheimstellen, sie eurem Herzen nahezubringen:
Geht aus dieser Stelle nicht deutlich hervor, daß der Glaube vor der Taufe notwendig ist
und daß, wenn der Kämmerer nicht an Jesum geglaubt hätte, Philippus ihn nicht getauft
haben würde? ,,Als mit den Klugen rede ich; richtet ihr, was ich sage." Die ihr
Ungläubige seid, wagt es nicht, anzunehmen, daß ihr in eurem gegenwärtigen Zustand nach
biblischer Weise getauft werden könnt; wenn ihr aber zu den Gläubigen gehört und noch
nicht getauft worden seid, so laßt mich an euer Gewissen die Frage richten, ob ihr meint,
in der Vernachlässigung dieser Verordnung Christi richtig gehandelt zu haben. Dies ist
eine Sache, die ernstlich durchdacht werden sollte; sie liegt zwischen eurem Heiland und
eurer Seele. Ich bitte den Herrn, daß Er euch zu einer rechten Entscheidung bringe.
Möchte Er uns berichtigen, wenn wir im Unrecht sind, und möchte Er euch zurechtbringen,
wenn ihr unrecht seid! Das Gebet eines gewissen Gelehrten war ein sehr weises Gebet, und
ich möchte es euch empfehlen. Bei einem großen Wortkampf, in welchen er verflochten war,
bemerkte man, daß er häufig Notizen machte, und einer sagte zu ihm: ,,Darf ich mir Ihre
niedergeschriebenen Notizen ansehen?" ,,Gewiß," erwiderte er. Als man auf sein
Papier blickte, fand sich's, daß sämtliche Notizen in den Worten bestanden: ,,Mehr
Licht, Herr, mehr Licht! " Ich denke, das ist eine Bitte, welche sich für viele
unserer Brüder und gewiß auch für uns eignet. Wir sollten flehen: ,,Mehr Licht, Herr,
mehr Licht! " Amen.
Wenn das Evangelium vom Geiste Gottes begleitet ist, ist es allezeit siegreich; aber es
ist eine sehr angenehme Beschäftigung, von seinen Siegen Notiz zu nehmen. Das Evangelium
kam zu Lydia, einem gottesfürchtigen Weibe, das Gott anbetete, obgleich es den Herrn
Jesum Christum nicht kannte. Sie war eine Frau von zartem Herzen, und sie wurde bald
gewonnen. Der Herr klopfte zart an die Tür ihres Herzens an, und es wurde geöffnet. Sie
hörte Pauli einfache Predigt, nahm die Wahrheit auf, wurde getauft und wurde der Eckstein
der Gemeinde zu Philippi. ,,Jawohl," sagt jemand, ,,das ist ein Beispiel von dem, was
das Evangelium bei weichen und zarten Naturen ausrichtet." Nun, hier ist ein alter
Soldat, der Kriege mitgemacht, der sich Auszeichnungen erworben hat und zu dem Amt des
Kerkermeisters zu Philippi bestimmt ist. Er ist ein Mann, der Blut sehen kann; er ist
rauh, aber augenscheinlich ehrlich veranlagt. Er bewacht Gefangene, und das ist kein Amt,
das mit besonderem Zartgefühl verbunden ist, und er steht unter einem sehr strengen
Gesetz. Er selbst hält in seinem Gefängnis auf strenge Zucht, und er ist hart wie ein
Mühlstein. Was wird das Evangelium mit ihm anfangen? Brüder, es triumphierte in dem
Herzen des Kerkermeisters ebenso wie in dem Herzen der Dame von Thyatira. Der Sieg über
den rauhen Kerkermeister war ebenso glänzend wie der über die gottesfürchtige Lydia.
Ich möchte eure Aufmerksamkeit besonders auf den folgenden Punkt lenken. Der
philippinische Kerkermeister steht vor uns als einer, der innerhalb einer oder zwei
Stunden bekehrt und getauft wurde, und der in derselben Zeit nützliche Frucht trug.
,,Alsbald," sagt ein Text, ,,in derselben Stunde der Nacht." Dieser Mann. wurde
plötzlich aus der Finsternis an das wundervolle Licht geführt, und zwar so bestimmt,
daß er seine Bekehrung zur selben Zeit bekannte und deren Wirklichkeit sogleich in seinem
eigenen Hause dadurch bewies, daß er die Männer bei sich aufnahm, die er erst wenige
Stunden zuvor in das innerste Gefängnis geworfen, und deren Füße er in den Stock gelegt
hatte.
In sehr vielen Fällen spricht man von der Bekehrung als von einem langsamen Werk. Ich
denke nicht, daß es wirklich so ist; aber es scheint doch so zu sein. Wir haben um uns
her eine große Menge Leute, bei denen es sehr langsam geht. Wie es zugeht, weiß ich
nicht, da man bei irdischen Dingen doch schnell zu Werke zu gehen pflegt. Wir können
nicht schnell genug reisen; alles muß in Eile geschehen, aber in göttlichen Dingen sind
viele Personen so langsam wie die Schnecken. Es dauert oft recht lange, ehe man sie auf
dem Wege zu einer tröstlichen Versicherung des Heils eine kleine Strecke vorwärtsbringen
kann.
Ich zweifle nicht daran, daß das Gnadenwerk in manchen Menschen ein sehr stufenförmiges
ist; es gleicht dem Sonnenaufgang in unserem Land. An nebeligen Tagen könnt ihr nicht
sagen, wann die Sonne aufgeht. Zuweilen habe ich gezweifelt, ob sie überhaupt in England
aufgeht; jedenfalls habe ich in den letzten Tagen wenig von ihr gesehen. Wer kann sagen,
wann sie auf Erden zu scheinen beginnt? Es zeigt sich ein kleiner Lichtstrahl, mit der
Zeit ein wenig mehr und noch ein wenig mehr, und endlich könnt ihr sagen, daß die Sonne
wirklich aufgegangen ist. So ist es mit manchen Christen. Es zeigt sich bei ihnen ein
kleiner Lichtfunke und dann etwas mehr Licht und dann noch ein weiterer Lichtstrahl; aber
erst nach einer längeren Zeit könnt ihr sagen, daß das volle Licht wirklich in ihre
Seelen eingedrungen ist. Beachtet jedoch, daß es einen Augenblick gibt, da die
Sonnenscheibe zuerst über dem Horizont sichtbar wird, einen Augenblick, und in der
Bekehrung muß es eine Zeit geben, in welcher der Tod weg und das Leben da ist, und das
muß eine so scharfe Linie sein, wie sie ein Rasiermesser nur machen kann. In Wirklichkeit
kann nichts zwischen Leben und Tod sein. Der Mensch ist entweder tot oder lebendig, und es
muß einen Zeitpunkt geben, bei welchem er aufhört, tot zu sein, und er anfängt,
lebendig zu sein. Ein Mensch kann zwischen der Verdammung und der Rechtfertigung nicht
irgendwo sein, weil es zwischen beiden kein Land gibt. Er ist entweder wegen der Sünde
verdammt, oder er ist durch die Gerechtigkeit Christi gerechtfertigt; zwischen beiden
Zuständen kann er nicht sein. Wenn ihr der Sache auf den Grund geht, findet ihr, daß es
einen scharf bestimmten Wendepunkt gibt, und wenn es euch nicht klar ist, ist es doch Dem
klar, der in dem Herzen gewirkt hat, das vom Tode zum Leben und von der Verdammnis durch
die Sünde zur Rechtfertigung durch Jesum Christum gebracht worden ist.
I. In dem Falle dieses Kerkermeisters zu Philippi ist alles scharf, klar und bestimmt.
Indem wir ihn betrachten, will ich eure Aufmerksamkeit zuerst auf die Tatsache lenken,
daß hier eine Person ist, die sogleich bekehrt ist.
Dieses Mannes Bekehrung kam mit einem Male zustande. Es gab hier keinen vorangehenden
Gedanken. Ich kann mir in seinem früheren Leben nichts denken, das dazu geführt hätte.
Er war mit keinen Predigten, Unterweisungen, Einladungen und Bitten beschäftigt worden.
Wahrscheinlich hatte er bis zu jener Nacht noch nie den Namen Christi gehört, und was er
hörte, war, daß diese beiden Männer, die nach Philippi gekommen waren, Christum zu
predigen, mit Strenge behandelt und sicher in Verwahrsam behalten werden müßten. Deshalb
warf er sie in das innerste Loch und legte ihre Füße fest in den Stock. Seine ganze
frühere Erziehung war, wenn nicht eine antichristliche, so doch eine nichtchristliche
gewesen. Sein ganzes früheres Leben war ohne jede christliche Tugend gewesen, gleichviel,
welche römische Tugenden er auch haben mochte. Nichts konnte einen größeren Kontrast
bilden als die Sittenlehre Roms und die Lehren Christi. Dieser Kerkermeister war ein guter
Römer, aber er hatte nichts von einem Christen an sich, als er die Apostel ins Gefängnis
warf, und doch gab es, ehe die Sonne wieder aufging, keinen besseren Christen, als dieser
Mann es war. Er war vom Tode zum Leben hindurchgedrungen; er ruhte auf dem christlichen
Grunde; er war der Besitzer christlicher Gnaden. Hört das, die ihr nie über Christus
nachgedacht habt, und jeder, der heute hierhergekommen ist als einer, der der wahren
Religion gänzlich fremd ist, darf darum bitten, daß das Gleiche bei ihm der Fall sein
und daß er, ehe es Mitternacht schlägt, auch den Heiland finden möchte.
Was meint ihr, das auf diesen Mann Eindruck gemacht haben mag? Ich denke, daß es zum Teil
das Verhalten von Paulus und Silas gewesen sein dürfte. Sie hatten keine Flüche auf
ihren Lippen, als er ihre Füße fest in den Stock legte. Ich zweifle nicht daran, daß
sie Worte fallen ließen, dergleichen er noch nie gehört hatte, und ihre Geduld, ihre
Freudigkeit, ihr unerschrockener Mut und ihre heilige Freundlichkeit mußten ihm
auffallen. Sie gehörten einer ganz anderen Klasse von Gefangenen an, als er sie bisher
gesehen hatte. Solche Gefangenen hatte er noch nicht gehabt, und dies konnte er sich nicht
erklären. Er ging zu Bett mit vielen Gedanken ganz eigener Art. Wer waren diese Männer?
Wer war dieser Jesus, von dem sie sprachen?
Dann geschieht mitten in der Nacht ein sonderbares Wunder. Das Gefängnis wird durch ein
Erdbeben erschüttert. Der Kerkermeister erhebt sich. Die Gefangenen müssen alle
entflohen sein, denn die Türen stehen offen. Er hatte sie sämtlich sorgfältig
verriegelt, ehe er zu Bett ging; aber sie stehen alle offen, und die Gefangenen sind ohne
Ketten; sie werden davoneilen, und er wird dafür zu leiden haben. Er setzt sein Schwert
an seine Brust; er will sich töten, als er im selben Augenblick eine laute Stimme hört,
die ihm zuruft: ,,Tue dir nichts Übels, denn wir sind alle hier." Welch ein
Erstaunen! Welche ganz andere Empfindungen wecken diese Worte! ,,Wir sind alle hier."
Er denkt bei sich: "Wahrlich, es gibt einen Gott; es muß der Gott des Paulus und des
Silas sein, der dieses Wunder getan hat." Er fängt an zu zittern; er hat gelebt,
ohne diesen Gott zu kennen; er hat die Gesandten dieses Gottes schlecht behandelt. Er
führt sie heraus und redet sie respektvoll an: ,,Liebe Herren"; er fleht sie
ernstlich an: ,,Was soll ich tun, daß ich selig werde?" Der Gedanke, daß er
verloren ist, hat sich seiner bemächtigt. Er fürchtet sich nicht zu sterben, denn er war
willens, sich selber zu töten; aber er fürchtet sich vor dem, was nach dem Tod kommt. Er
ist ein verlorener Mann, und darum fragt er: " Was soll ich tun, daß ich selig
werde?" Nun geschah es, daß ihm der Weg des Heils klargemacht wurde. Er wurde ihm
sehr kurz vorgeführt: ,,Glaube an den Herrn Jesum Christum, so wirst du und dein Haus
selig." Wahrscheinlich verstand er es nicht, als er es hörte, und so sagten sie
,,ihm das Wort des Herrn und allen, die in seinem Hause waren". Sein Weib, seine
Kinder, seine Knechte und Dienstboten, wer auch seinem Haushalt angehören mochte, alle
sammelten sich um die beiden Prediger; und sie erklärten ihnen den Heilsweg, die Rettung
durch den Glauben an Jesum, die Rettung durch das Sühnopfer Christi, die Rettung durch
den Glauben an das teure Blut Christi. Paulus und Silas sagten der Versammlung ohne
Zweifel, daß, wer an Jesum glaube, nicht verloren werde, sondern das ewige Leben haben
solle. Der Kerkermeister glaubte es; er glaubte jedes Wort, und darum wurde er gerettet
und sogleich gerettet.
Wenn ihr das Evangelium vorher noch nie gehört habt und es heute hört und an Christum
glaubt, so werdet ihr sogleich gerettet. Wenn ihr bisher allem Guten gänzlich fremd
gewesen seid und nun die frohe Botschaft von Gottes Barmherzigkeit durch den Sohn Gottes,
die Vergebung durch Sein vergossenes Blut annehmt, so geht ihr gerechtfertigt und in einem
Augenblick gerettet, gerettet durch die einfache Tat des Glaubens, aus diesem Hause
hinweg. Es ist ein glücklicher Umstand, daß das Evangelium so einfach ist. Es gibt
zweifellos viele, die aus dem Evangelium etwas machen, das schwer zu verstehen ist; aber
es ist für das gewöhnliche Volk bestimmt und nicht nur für die Elite und für die
Gelehrten, denn ,,den Armen wird das Evangelium gepredigt", o, das Evangelium paßt
durchaus dazu, den Armen gepredigt zu werden. Dies ist das Evangelium: ,,Glaube an den
Herrn Jesum Christum, so wirst du und dein Haus selig." Vertraue Christus, und wenn
du das tust, wirst du selig werden.
II. Zweitens, hier ist eine Person, die sogleich ihren Glauben bekennt. ,,Er ließ sich
taufen und alle die Seinen alsbald."
In seinem Fall gab es auch keinen anderen Grund zum Aufschub. Im Fall mancher junger Leute
gibt es Gründe zum Aufschub. Ich erinnere zum Beispiel in meinem Falle, daß ich, der ich
im Alter zwischen fünfzehn und sechzehn Jahren stand und Eltern hatte, die an die Taufe
der Gläubigen nicht glaubten, es für meine Pflicht hielt, Vater und Mutter um ihre
Ansicht und um ihren Rat zu befragen. Ich denke, ich tat recht daran; ich erwartete nicht,
daß sie gleichen Sinnes mit mir seien, aber ich erwartete, daß sie ihre liebevolle
Zustimmung geben würden, und ich wartete, bis ich dieselbe erhalten hatte. Zuweilen ist
es auch recht auf seiten der jungen Leute, dasselbe zu tun. Es kann Gründe und recht
praktische Gründe zum Aufschub geben, physische, moralische, geistliche Gründe, auf die
ich jetzt hier nicht näher eingehen kann. Aber in dem Falle des Kerkermeisters war kein
Grund zum Aufschub vorhanden. Dieser Mann war sein eigener Herr, und seine Kinder und
sonstigen Hausgenossen hatten keine Schwierigkeit, zu ihrer Taufe seine Zustimmung zu
erhalten, zumal er selbst den Weg geführt wurde, Christum nach biblischer Weise zu
bekennen.
Beachtet auch in dem Falle dieses Mannes, daß er nicht durch selbstsüchtige Erwägungen
aufgehalten wurde. Wenn der Kerkermeister wie andere Leute gewesen wäre, die ich kenne,
so würde er reichlich Gründe gefunden haben, seine Taufe hinauszuschieben. Zunächst
würde er gesagt haben: ,,Es ist jetzt Mitternacht; wollt ihr, daß ich mich zu dieser
Stunde taufen lassen soll?" Er würde gesagt haben, daß er nicht wüßte, ob auch
die passenden Einrichtungen für die Taufe vorhanden seien; denn wenn ihr es nicht gerne
tut, ist es so leicht, es unpassend zu finden. Er hätte auch sagen können: ,,Ich weiß
nicht, wie meine vorgesetzte Behörde das aufnehmen würde." Er kümmerte sich nicht
um die Behörde. Vielleicht mochte er seine Stellung verlieren. Er zog seine Lage nicht in
Betracht. Und dann, was würden die Soldaten in der ganzen Kolonie von Philippi sagen,
wenn sie hören sollten, daß der Kerkermeister in den Namen Christi getauft worden sei?
O, welche Belustigung für die Wachstube, und welch Gespött durch ganz Philippi! Dieser
brave Mann zog das alles nicht in Betracht, und wenn er wirklich daran dachte, so
überwand er es doch sofort. Es war ganz in der Ordnung, daß er nun, da er an Christum
glaubte, auch seinen Glauben an Christum bekenne, und das wollte er auch, und er wollte es
,,alsbald". Liebe Freunde, es sind etliche unter euch, die nie als Christen
hervorgetreten sind! Ihr sagt nie, was ihr seid; ihr tretet nie für Christum ein. Ich
will euch nicht verurteilen, wünsche jedoch, daß ihr euch selbst verurteilt; denn ich
nehme an, daß ihr euch als recht niedrige Menschenkinder verurteilen müßt. Die
Verheißung des ewigen Lebens ist keinem Glauben gegeben, der niemals bekannt wird.
Gestattet mir, es noch einmal zu sagen: Die Verheißung der Seligkeit ist nicht einem
Glauben gegeben, der sich nie erklärt. ,,Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig
werden." ,,So man von Herzen glaubt, wird man gerecht, und so man mit dem Munde
bekennt, wird man selig." Des Herrn eigene Worte sind: ,,Wer Mich bekennt vor den
Menschen, den will Ich auch bekennen vor Meinem himmlischen Vater," und in Verbindung
mit diesem Bekenntnis sagt Er auch: ,,Wer Mich aber verleugnet" (was soviel bedeuten
muß als, wer Mich nicht bekennt) ,,vor den Menschen, den will Ich auch verleugnen vor
Meinem himmlischen Vater." Wenn ihr nicht genug Glauben an Christum habt, um sagen zu
können, daß ihr an Ihn glaubt, kann ich auch nicht annehmen, daß ihr Glauben genug an
Christum habt, daß Er euch in den Himmel aufnehmen wird; denn hinsichtlich der Stätte
des Verderbens steht geschrieben: ,,Die Feigen aber und Ungläubigen . . . deren Teil wird
sein in dem Pfuhl, der mit Feuer und Schwefel brennt."
Tatsache war, daß es diesem Manne durchaus Ernst war, und darum wollte er seine Taufe
nicht hinausgeschoben haben. Er hatte sich in Christi Armee eintragen lassen, und er
wollte alsbald Christi Uniform anlegen. Ich wünschte, daß etliche, die da bekennen, daß
sie bekehrt seien, es so ernst nehmen möchten, wie dieser Kerkermeister es tat.
,,Aber," sagt jemand, ,,verfahren Sie doch nicht gar zu streng mit uns; ich hoffe,
daß ich auch ein Christ bin, obgleich ich Christum bisher noch nie bekannt habe."
Warum bekennst du Christum nicht, wenn du Ihm angehörst? So ähnlich sprach ich zu einem
Manne, der seiner eigenen Angabe nach schon seit zwanzig Jahren ein Christ war. Er hatte
sich der Gemeinde nie angeschlossen und nie ein offenes Bekenntnis abgelegt, und als ich
zu ihm sprach, was meint ihr, was er mir antwortete? Er sagte: ,,Wer glaubt, der eilt
nicht." ,,Nun," erwiderte ich, ,,wenn Sie morgen getauft und in die Gemeinde
aufgenommen würden, so könnte man gerade nicht sagen, daß Sie große Eile haben, zumal
Sie schon seit zwanzig Jahren gläubig sind; aber ein viel passenderer Text für Sie wäre
doch das Wort des Psalmisten: >>Ich eile, und säume mich nicht, auf daß ich Deine
Gebote halte.<<"
,,Aber," sagt ein anderer, ,,ich habe es nur kurze Zeit hinausgeschoben, und - "
,,Kurze Zeit! " Erlaubst du es deinem Jungen, so zu dir zu sprechen? Du sagst zu ihm:
,,Johannes, gehe hinauf zur Stadt, um dort eine Sache für mich zu erledigen." Etwa
eine Stunde später siehst du ihn noch daheim, und du fragst ihn, warum er deinen Befehl
nicht ausgeführt habe, und er sagt: ,,Vater, ich habe es kurze Zeit
hinausgeschoben." Ich halte es für wahrscheinlich, daß du ihm einen Denkzettel
geben wirst, so daß er die Entschuldigung nicht wiederholt. Aber wenn du ihn eine Stunde
nach der anderen noch immer zu Hause sehen solltest und ihn sagen hörtest, daß er
durchaus nicht ungehorsam sei, sondern daß er nur einige kleine eigene Dinge zuerst
wahrnehmen wolle, so bilde ich mir ein, daß du ihn lehren würdest, was die Pflicht eines
Sohnes sei. Ein Knecht dieser Art würde sich wahrscheinlich sehr bald einen anderen
Dienst suchen müssen, und nennst du dich einen Knecht Christi, wenn du das dir befohlene
Bekenntnis durch die Taufe hinausgeschoben und wieder hinausgeschoben und noch einmal
hinausgeschoben hast, bis du, soweit ich sehen kann, von dem Gehorsam gegen deines Herrn
Gebote soweit entfernt bist, wie du es nur je gewesen bist? Dieser Kerkermeister legte
,,in derselben Stunde der Nacht" ein Bekenntnis seines Glaubens ab ,,und ließ sich
taufen und alle die Seinen alsbald", und alsbald waren alle mit Paulus und Silas zu
einem Liebesmahl vereinigt und hatten selige Gemeinschaft miteinander. Lieber Freund, wenn
du bekehrt bist, so schiebe das Bekenntnis von Christo nicht hinaus. Du beraubst deinen
Prediger seines Soldes, denn es ist sein Lohn, zu hören, daß Gott deine Seele gesegnet
hat. Du beraubst auch die Gemeinde. Wenn du ein Recht hast, draußen zu bleiben und
Christum nicht zu bekennen, so hat jeder andere dasselbe Recht, und wo gäbe es dann
überhaupt noch irgendwelches Bekenntnis von Christus, oder irgendwelche sichtbare
Gemeinde Christi , oder irgendwelche Verordnungen Christi, oder auch nur Diener Christi?
Wenn du ein Recht hast, dich nicht taufen zu lassen und ein Recht hast, das Abendmahl in
der Gemeinde zu vernachlässigen, so hat auch jeder andere Christ das Recht, diese Dinge
zu vernachlässigen. Wozu wären aber dann diese Anordnungen überhaupt getroffen worden?
Was ist Christus in Seinem Hause? Ist Er der Hausherr, oder bist du es, und nimmst du dir
die Freiheit, zu tun oder nicht zu tun, gerade was und wie es dir gefällt? Kommt und
laßt meinen Text von euch allen wahr werden, die ihr glaubt: ,,Er ließ sich taufen und
alle die Seinen alsbald."
III. Und nun drittens, hier ist jemand, der sich alsbald nützlich macht.
Nützlich! Was konnte er tun? Nun, er tat alles, was er konnte. Zunächst übte er eine
Tat der Barmherzigkeit: ,,Er nahm sie zu sich in derselben Stunde der Nacht und wusch
ihnen die Striemen ab." Die lieben, guten Männer, sie waren ganz von den Merkzeichen
der römischen Geißel bedeckt. Sie waren braun und blau geschlagen worden, und das Blut
war reichlich geflossen. Mir ist, als sähe ich, wie zärtlich der Kerkermeister ihre
Wunden wusch. Ehe er getauft wurde, brachte er rechtschaffene Früchte der Buße. Die
übel behandelten Prediger bedurften der Waschung; wie konnten ihre Wunden heilen, wenn
sie nicht sorgfältig gereinigt wurden? ,,Er wusch ihnen die Striemen ab." Ich mag
diese Worte gerne lesen. Ich bin gewiß, daß Paulus und Silas sich darüber freuen
mußten, daß einer ihre Wunden kühlte und reinigte, der sie noch kurz vorher so rauh
behandelt hatte. Ich wüßte nicht, daß er etwas Besseres hätte tun können, um seine
aufrichtige Buße zu zeigen.
Nachdem er das getan hatte und getauft worden war, lesen wir, daß er sie in sein Haus
führte und ihnen Speise vorsetzte. So übte er Gastfreundschaft. Was konnte er mehr tun?
Da es um Mitternacht war, kann ich mir nicht denken, daß er noch mehr tun konnte. So
fangt auch ihr, die ihr eben an den Herrn gläubig geworden seid, an, alsbald für Ihn
etwas zu tun, wenn ihr Ihn liebhabt. Es ist ein Jammer, daß wir so viele sogenannte
Christen haben, die nichts, buchstäblich nichts für Christum tun. Er stirbt für sie, Er
erlöst sie mit Seinem teuren Blut, und sie haben in Erwiderung darauf nichts für Ihn
getan. ,,Ich wüßte nicht, was ich tun könnte, " sagt jemand. Ich weiß, daß du
etwas tun könntest. Dieser Kerkermeister kann innerhalb der Gefängnismauern für Paulus
und Silas das allernotwendigste tun, und du kannst innerhalb der Grenzen deines Hauses
etwas für Jesum tun. Ich möchte dich bitten, heute noch etwas für Ihn zu tun, wenn du
heute an Ihn gläubig geworden bist. Tue heute etwas für Christum, indem du zu deiner
Frau, zu deinen Kindern, zu deinen Dienstboten oder zu deinen Nachbarn sprichst. Wenn auch
kein Prediger in deinem Hause ist, dem du die Striemen abwaschen kannst, so ist vielleicht
eine arme Seele in der Nähe, die der Hilfe etwas bedarf. Tue eine Tat der Nächstenliebe
um Christi willen. Oder es mag ein Kind Gottes da sein, dessen Herz du heute noch trösten
könntest. Erweise einem bedürftigen Gläubigen eine Wohltat und zeige so deine
Dankbarkeit für das, was der Herr für dich getan hat. Wenn du ein wahrer Christ bist,
mußt du etwas für Christum tun.
Wir möchten eine Gemeinde haben, in welcher alle Glieder etwas tun, in welcher alle tun,
was sie nur können, in welcher alle allezeit alles tun, was sie können; denn das ist es,
was unser Herr von einem lebendigen, liebenden Volk verdient, das Er mit Seinem teuren
Blut erkauft hat. Wenn Er mich errettet hat, will ich Ihm immer und ewiglich dienen, und
was in meiner Macht steht, zu Seiner Verherrlichung zu tun, das will ich mit Freuden tun
und will es sogleich tun. O, wenn etliche von euch heute gerettet werden, wie ganz anders
werden sich die Dinge in euren Häusern gestalten! Jedermann im Hause wird es erfahren,
daß es anders mit euch geworden ist. Wenn ein Mensch, der ein Trinker gewesen, oder der
gewohnt gewesen ist, schlechte Reden zu führen, oder ein Sabbatschänder oder ein
gottloser, christusloser Elender gewesen ist, bekehrt wird, das ist, als ob die Hölle in
einen Himmel und der Teufel in einen Engel umgewandelt worden ist. Gott mache es durch die
Wirkung Seiner souveränen Gnade so mit etlichen unter euch!
In diesem Augenblick erinnere ich mich des Tages, an welchem ich den Heiland fand. Es war
ein kalter, schneeiger Morgen, und ich erinnere mich noch, wie ich, nachdem ich nach Hause
gekommen war, vor dem Feuer stand und meine Mutter zu mir sprach und ich sie dann draußen
vor der Tür sagen hörte: ,,Mit Charles ist eine Veränderung vorgegangen." Sie
hatte kaum ein halbes Dutzend Worte mit mir gewechselt; aber sie sah, daß ich nicht mehr
war, was ich gewesen war. Ich war niedergeschlagen, traurig, schwermütig gewesen, und als
ich zu Christus aufgesehen hatte, war mein Gesicht verändert worden; es lag ein Lächeln,
ein freudiger, glücklicher, zufriedener Ausdruck darauf, und sie konnte das sehen, und
nur wenige Worte sagten ihr, daß ihr schwermütiger Knabe sich aus seiner Verzagtheit
erhoben hatte und freudig geworden war. Möchte solche Veränderung auch über etliche
unter euch kommen!
IV. Hier ist noch eins, damit wir schließen wollen. Viertens, hier ist jemand, der
alsbald vollkommen glücklich ist.
Als der Kerkermeister Paulus und Silas in sein Haus geführt hatte, setzte er "ihnen
einen Tisch und freute sich mit seinem ganzen Hause, daß er an Gott gläubig geworden
war".
Das war eine glückliche, selige Zeit! Er freute sich, daß er gerettet worden war. Sein
Herz frohlockte. ,,Halleluja! Halleluja! Halleluja!" Als er so mit seinen beiden
fremden Gästen zu Tisch saß, hatte er wirklich Ursache zur Freude. Seine Sünden waren
ihm vergeben; seine Natur war verändert; er hatte einen Heiland gefunden; er hatte seine
Götzen aufgegeben, und er freute sich, daß er an Gott gläubig geworden war. Ihm war
gesagt worden, an den Herrn Jesum Christum zu glauben. Er glaubte, daß Jesus Christus
Gott war, und er freute sich, von Herzen glauben zu können.
Und dann freute er sich, daß sein ganzes Haus gerettet worden war. Welche Wonne war es,
sein ganzes Haus bekehrt zu sehen! Da war seine Frau. Wenn sie nicht bekehrt worden wäre,
so wäre es sehr mißlich für ihn gewesen, Paulus und Silas zum mitternächtlichen Mahle
einzuladen. Sie würde gesagt haben: ,,Ich will nicht, daß Gefangene in meine beste Stube
kommen und mir meine Vorräte verzehren." Ihr würde das nicht gefallen haben; als
kluge Hausfrau würde sie sich dagegen aufgelehnt haben. Aber nun wartete Frau
Kerkermeisterin ihnen allen mit einer heiligen Glückseligkeit, mit einer neuen Art von
Freundlichkeit auf. Ich weiß nicht, ob sie auch Knaben und Mädchen hatte. Es kann sein
oder auch nicht; aber wie viele auch in seinem Hause sein mochten, Kinder oder Dienstboten
oder Wärter, sie alle waren gläubig geworden. Sie wurden auch alle getauft, die Söhne
und Töchter und auch die Bediensteten, denn sie waren in den Haushalt eingeschlossen. Ich
mag es nicht, daß ihr das kleine Dienstmädchen weglaßt, wenn ihr euren Haushalt zählt;
sie bildet einen Teil eures Hausstandes, und ich bitte Gott, daß sie alle bekehrt werden
möchten.
Des Kerkermeisters Freude war auch ein Siegel des Geistes auf seine Aufrichtigkeit. Mußte
es nicht eine wahre Wonne für ihn sein, mit den beiden Predigern des Wortes um die
Mitternacht dazusitzen? Jene beiden Männer mußten guten Appetit haben, denn sie hatten
wahrscheinlich lange nichts genossen, und sie hatten, nachdem sie grausam geschlagen
worden waren, mit ihren Füßen in dem Stock in ihrer schrecklichen Höhle gelegen, und so
waren sie aufs Essen vorbereitet worden, ob es nun mitten in der Nacht oder mitten am Tage
sein mochte. Und die übrigen Familienglieder kamen und saßen mit zu Tisch, und alle
freuten sich. Solche Nacht hatte es vorher in einem Gefängnis noch nicht gegeben. Der
Kerkermeister ,,freute sich mit seinem ganzen Hause, daß er an Gott gläubig geworden
war".
Indem ich diese letzten Worte meines Textes anführe, ist's mir, als hörte ich einen
Freund da drüben tief seufzen. Ich weiß, was der Seufzer bedeutet. Er besagt, daß der
liebe Mann sein ganzes Haus nicht bekehrt weiß. Lieber Bruder, ich kann aus Erfahrung
nicht mit dir fühlen, denn ich danke Gott dafür, daß mein ganzes Haus zu Christus
gebracht ist; aber es muß ein großer Kummer sein, einen erwachsenen Sohn zu haben, der
da tut, wie er tut, oder ein liebes Mädchen zu haben, auf welches du so große Hoffnungen
gesetzt hast, und das nun seine krummen Wege geht! Laß mich dich fragen: Hast du Glauben
für dein Haus gehabt? Beachte, daß Paulus zu dem Kerkermeister sagte: ,,Glaube an den
Herrn Jesus Christus, so wirst du und dein Haus selig." Möchte Gott dir Glauben für
dein Haus geben! Du glaubst für dich selbst und bist gerettet; glaube auch, daß deine
Kinder gerettet werden; rufe zu Gott, daß Er dir Glauben schenke. Bete gläubig darum,
daß sie dahin geführt werden, auch für sich selbst gläubig und so gerettet zu werden.
Daß diese große Versammlung im Himmel zusammentreffen möchte! Möchtet ihr, die ihr das
Wort jahrelang gehört habt, heute an Christum glauben und leben! Möchtet auch ihr, die
ihr es nie vorher gehört habt, zu Christo kommen und an Ihn glauben, wie der
Kerkermeister es tat, und möchtet ihr wie er gerettet werden! Der Herr soll das ganze Lob
und die ganze Ehre haben; aber o, daß Er dies Wunder der Gnade heute wirken möchte!
Laßt uns Ihn darum bitten. Amen.
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